Beliebtes Aufbauspiel ändert nach vielen Jahren bekannte deutsche Begriffe und ausgerechnet KI soll daran Schuld sein

Beliebtes Aufbauspiel ändert nach vielen Jahren bekannte deutsche Begriffe und ausgerechnet KI soll daran Schuld sein

KI-Inhalte sind umstritten, jetzt soll ausgerechnet Anno 117 solche Inhalte nutzen. Die Community schimpft und sammelt angebliche Beweise. Doch was steckt genau dahinter?

KI-Inhalte in Spielen sind hochumstritten und gelten unter Spielern als billige Ausrede, um Geld zu sparen. Selbst das neue Anno-Spiel von Ubisoft bleibt nicht von solchen KI-Inhalten verschont, wie jetzt unter anderem das englischsprachige Magazin PCGamer berichtet:

Die Community wirft den Entwicklern von Anno 117 vor, KI-generierte Inhalte zu verwenden. Und das Magazin Kotaku erklärt, dass Anno 117 das erste Anno-Spiel überhaupt ist, welches einen KI-Disclaimer auf seiner Shopseite auf Steam hat. Auf Steam steht konkret:

Update, 20.11.2025: Wir haben ein Statement von Ubisoft ergänzt.

[EN]: AI tools were used to help create some in game assets. In all such cases, the final product reflects our team’s craft and creative vision.

[DE] KI-Tools wurden verwendet, um einige Spielelemente zu erstellen. In allen diesen Fällen spiegelt das Endprodukt die Handwerkskunst und die kreative Vision unseres Teams wider.

Spieler werfen Anno 117 vor, KI-generierte Inhalte und KI-Übersetzungen zu verwenden

Was sind das für KI-Inhalte? In einem konkreten Beispiel, welches auf Reddit geteilt wurde, geht es konkret um Hintergrundbilder, die man etwa beim Laden eines Spielstands sehen kann. Nutzer verweisen auf fehlerhafte Gesichter, falsch generierte Hände und doppelte Köpfe. Alles Probleme, die man mit KI in Verbindung setzt.

Doch da soll es mit KI nicht aufhören. In einem weiteren Post auf Reddit, der vom bekannten Mod-Entwickler Taubenangriff geteilt wurde, geht es vor allem um die deutsche Lokalisierung. Konkret geht es darum, dass Begriffe, die seit 25 Jahren immer gleich geheißen haben, plötzlich anders heißen. Das solle unter anderem daran liegen, weil man mit KI die Texte und Begriffe einfach 1:1 übersetzt haben soll, ohne sich über die Inhalte Gedanken zu machen und es keiner mehr überprüft hat. Das fällt laut Nutzern vor allem dann auf, wenn Begriffe falsch übersetzt worden sein sollen und im Deutschen keinen Sinn ergeben würden.

So werde laut dem Post aus dem „Clothier“ im Deutschen der Tuchhändler. Es handelt sich im Spiel aber um einen Hersteller und nicht um einen Verkäufer. „Kleidungsschneiderei“ wäre der bessere Begriff, laut Community. Schließlich werde der Sandalenhersteller auch nicht mit Verkäufer übersetzt.

In einem anderen Beispiel werde „Need of Residences“, mit „Bedarf an Wohnhäusern“, übersetzt. Es gehe aber nicht um den Bedarf, sondern um das „Bedürfnis von Wohnhäusern“, welchen das öffentliche Gebäude erfülle.

Nicht alle Vorwürfe lassen sich bestätigen

Was ist an den Vorwürfen dran? Wir haben den Test einmal selbst gemacht und die deutsche Textsprache in Anno 1800 und in Anno 117 geprüft und miteinander verglichen. In einigen Punkten können wir die Vorwürfe der Nutzer bestätigen, in anderen hingegen nicht:

  • Der Hafenbereich heißt Hafengebiet, in Anno 1800 hieß es noch Hafenbereich. Hier wurde anders übersetzt.
  • Die Försterhütte in Anno 1800 heißt in Anno 117 jetzt Waldlager. Eine Übersetzung, die so von der Community kritisiert wurde und wir genau so im Spiel finden können.

Aber es gibt auch Begriffe, die bereits in Anno 1800 ihren Einzug fanden und sich in Anno 117 nicht grundlegend geändert haben:

  • Bereits in Anno 1800 baut man Anbauflächen bei seinen Farmen und keine Felder, wie von der Community kritisiert. In Anno 117 ist dies ebenfalls so, dass man Anbauflächen setzt.
  • Bei den Tierfarmen, etwa den Schafen, baut man ebenfalls Tierbereiche wie im späteren Anno 117. Bei Anno 1800 heißen nur die Gebäude, die man am Ende setzt, etwa „beheizte Tierweide“ in der neuen Welt. Der Begriff „Weide“ kommt zwar vor, aber nicht für die allgemeinen Gebäude.

Mittlerweile hat sich Ubisoft zu den Vorwürfen gemeldet und erklärte in einer Antwort gegenüber TheGamer.com, warum Spieler KI-Bilder finden konnten:

Dieses Bild war ein Platzhalter, der unbeabsichtigt durch unseren Überprüfungsprozess gerutscht ist. Das endgültige Bild ist hier angehängt und wird die aktuelle Version dieses Artworks mit dem kommenden Patch 1.3 ersetzen. Da Anno 117: Pax Romana unser bisher ambitioniertestes Anno-Spiel ist, haben wir das größte Team von Künstlern zusammengestellt, das es je für die Reihe gab.

Um dem einzigartigen Umfang des Projekts gerecht zu werden, verwenden sie KI-Tools für Iterationen, Prototyping und Exploration. Jedes Element, das die Spieler im fertigen Spiel erleben werden, spiegelt das handwerkliche Können, die Kunstfertigkeit und die kreative Vision des Teams wider.

Seid ihr Strategiespiel-Fan und könnt es eurem Geldbeutel nicht antun, andauernd für neue Spiele aufkommen zu müssen? Dann bieten sich Spiele an, in die man irrsinnig viel Zeit investieren kann – hier sind 6 solcher Titel, die ihr auf Steam findet: 6 Echtzeit-Strategiespiele auf Steam, in die ihr locker 1.000 Stunden stecken könnt

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Yoma

Übersetzungen kann man natürlich kritisieren, aber die KI Diskussion halte ich für unsinnig, der Trend ist nicht aufzuhalten, zumindest bei Großproduktionen.

Phinphin

Ich finde es kommt immer auf den Einsatz der KI an. Man kann jetzt darüber streiten, ob es in Ordnung ist, dass KI sich einfach an den Inhalten anderer Leute ohne deren Einverständnis bedient, um selbst daraus Inhalte zu erzeugen und dann dafür Geld verlangt wird. Schwierig wirds auch, wenn die Nutzer hirnlos rangehen und nicht feststellen, dass die KI häufig fehlerhaft arbeitet und dann mangelhafte Produkte / Informationen ausspucken.

Es gibt aber auch bei mir rote Linien, wenn z.B. ungefragt Gesichter und Stimmen anderer Leute verwendet werden oder wenn das Produkt hinterher zu großen Teilen durch KI erstellt worden ist. Bei letzterem bin ich nicht bereit, plötzlich das gleiche für das Produkt zu zahlen, das ich auch gezahlt hätte, wenn es handgemacht wäre. Wollte mir neulich ein Gemälde von Displate fürs Büro kaufen, bis ich festgestellt habe, dass die die gleichen Preise für ihre KI-generierten Inhalte verlangen, wie für die, die tatsächlich von Künstlerinnen und Künstlern erstellt worden sind. Da verzichte ich dann lieber drauf uns bezahlt jemanden, der das selbst macht.

Aber du hast Recht: Den Trend kann man nicht mehr aufhalten. Häufig mit dem Ergebnis, dass das Produkt trotz der gesunkenen Kosten gleich teuer bleibt und darüber hinaus oft auch schlechterer Qualität ist.

Yoma

“ob es in Ordnung ist, dass KI sich einfach an den Inhalten anderer Leute ohne deren Einverständnis bedient”

Ist es nicht, das haben auch die aktuellen Gerichtsurteile bestätigt. Allerdings gibts eine Grauzone, ohne Daten würde eine KI nicht funktionieren. Wo da genau die Grenze verläuft wird die Zukunft zeigen. Profiteure werden wohl wieder die großen Asset Halter sein, wie Gema und Konsorten und die Kleinen werden leer ausgehen.

Preise beruhen immer auf Angebot und Nachfrage. 😉

Phinphin

Das Anlernen der KI ist nach deutschem Urheberrecht aber noch legal. Da muss man aktiv widersprechen. Das ist ja eines der Hauptprobleme.

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