Ein Entwickler wurde auf der gamescom 2026 bestohlen und die offizielle Antwort der Veranstalter löst einen heftigen Sturm der Entrüstung aus.
Was war das für ein Diebstahl?
- Der Solo-Entwickler Ryan Laley berichtete am 28. August 2026, dass ihm auf der gamescom in Köln sämtliche Laptops von seinem Stand gestohlen wurden. Auch andere seien betroffen.
- Laley betont sichtlich niedergeschlagen, dass das ein herber Rückschlag und mehr als frustrierend sei, denn „dieser Kram“ sei für einen Indie-Solo-Entwickler wirklich teuer. Auf der gamescom war er, um sein kommendes Horror-Survival-Game „Mimic“ (Steam) vorzustellen.
- Verschiedene Mitglieder der Gaming-Branche zeigten sich willig, zu helfen. Der Journalist Tom Henderson bat mit seiner Reichweite etwa Hardware-Unternehmen um Hilfe (siehe X), während CDPR/Cyberpunk 2077 sogar schrieb, dass sie nachschauen, ob sie ihm ein paar Dinge aus dem „Arasa Hardware Archive“ schicken können (siehe X).
Die tragische Situation des Solo-Entwicklers bekam schnell viel Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken, sodass auch die gamescom selbst sich dazu äußerte. Für das veröffentlichte Statement bekommen die Veranstalter nun jedoch viel Kritik.
Das sagt die gamescom zu dem Vorfall
Uns ist bekannt, dass Hardware gestohlen wurde. Wir nehmen diese Berichte sehr ernst und verstehen die Frustration der betroffenen Aussteller.
Da uns viele Anfragen erreicht haben, möchten wir über die allgemeinen Sicherheitsbestimmungen der Veranstaltung informieren:
Uniformiertes Sicherheitspersonal sorgt für die allgemeine Sicherheit auf dem gesamten Gelände. Eine individuelle Standbewachung kann separat gebucht werden, zudem wird den Ausstellern geraten, ihre Ausrüstung gegen Diebstahl zu versichern.
Dies ist in den Teilnahmebedingungen und den technischen Richtlinien so vermerkt.Alle Fälle wurden uns sowie der Polizei gemeldet, und die Ermittlungen laufen bereits.
Wir möchten auch klarstellen, dass es sich bei den gemeldeten Fällen um Einzelfälle handelt, deren Bekanntwerden uns sehr leidtut.Denn Sicherheit hat für uns als Veranstaltung eine der höchsten Prioritäten, und zu sehen, dass Indie-Entwickler betroffen sind, macht uns sehr traurig. Bei einer Veranstaltung dieser Größe wird es jedoch immer Einzelpersonen geben, die versuchen, die Situation auszunutzen.
gamescom via X
Unsere Sicherheitsmaßnahmen sind darauf ausgelegt, solche Risiken so effektiv wie möglich zu minimieren.
Gaming-Branche beschmäht gamescom nach Diebstahl-Statement
Diese Reaktionen löste das Statement aus: Nach dem offiziellen Statement hagelte es an allen Ecken und Enden Kritik – nicht nur von zufälligen Twitter-Nutzern oder Gästen, sondern direkt aus der Gaming-Branche.
Tom Warren von The Verge schrieb etwa in einem Kommentar unter dem Statement auf X: „Was eine absolut beschissene Antwort.“ Vlad Tsõpljak von Goldpact Goblins fragte wiederum: „Habt ihr gerade… wirklich den Leuten die Schuld gegeben, die ausgeraubt wurden, weil sie keinen privaten Sicherheitsdienst für euer Event engagiert haben?“ (via X). Und auch der Account des Indie-Studios „Dead Idle Games“ urteilt auf X scharf: „Ein absolutes Meisterwerk deutscher Herablassung, passiver Aggressivität und Täter-Opfer-Umkehr. Ein absoluter Genuss.“
„DevilDogGamer“ von MADFINGER Games (Gray Zone Warfare) bezeichnete das Statement auf X als „unsensibel“ und sagt, es habe dieses Jahr mehrere Vorfälle mit der Security gegeben. Der Account des Entwicklerstudios „Running With Scissors“ berichtet ergänzend: „Letztes Jahr hat der Sicherheitsdienst kaum unsere Taschen geprüft. Es wäre unglaublich einfach gewesen, gefährliche Waffen reinzubringen.“
Der deutsche Entwickler Tobi Schnackenberg von Square Glade Games (Outbound) berichtet auf X Ähnliches: „Gamescom-Security ist ein Witz. Ich kam am Freitag mit einem ganzen Koffer, meine Tasche wurde überhaupt nicht kontrolliert. Ich hätte eine AK-47 mit auf die Messe bringen können, sie hätten es nicht bemerkt.“
Auch Tom Henderson von Insider Gaming findet auf X harte Worte: „Der Sicherheitsdienst war eine Farce und die meiste Zeit, die ich jemanden in Sicherheitsuniform gesehen habe, standen sie rauchend an den Ausgängen.“
Das sagen Entwickler zu anderen Messen: In der Kritik an der gamescom stecken auch hin und wieder Vergleiche zu anderen Messen. Der Indie-Entwickler Ben Brooks schreibt etwa auf X: „Wir hatten dieses Problem nie auf der PAX. Und sie haben uns nie angeboten, den Security-Update-DLC zu kaufen.“
Der brasilianische Entwickler „Arthas“ von Eldritch Games kann auf X sogar einen Vergleich zu einer Messe in seinem Heimatland liefern: „Hier in Brasilien, einem ‚Schwellenland‘, hatte bei der BrasilGameShow jeder Stand individuelle Sicherheitskräfte, die jeden Tag auf unsere Sachen aufgepasst haben, bis wir angekommen sind – OHNE DASS WIR ETWAS DAFÜR BEZAHLEN MUSSTEN. Es ist verrückt, dass man in einem Erste-Welt-Land für Sicherheit bezahlen muss.“
Gerade für Solo-Entwickler oder kleinere Studios ist so ein Vorfall natürlich besonders schmerzhaft. Immerhin zeigte ein Team bereits, dass auch mehrere Einbrüche ihren Erfolg nicht stoppen konnten: Indie-Studio wurde während der Entwicklung ihres Soulslike 3-mal ausgeraubt – Feiert nun überragende Bewertung auf Steam
Deine Meinung ist uns wichtig!
Gefällt dir der Artikel? Hast du irgendwelche Kommentare? Sag uns, was du denkst!
Kommentare
Köln halt. Da wird die Securityfirma ‘Brudda isch geh Shisha’ angeheuert, da wird für Familie abends halt mal aufgeschlossen.