WoW-Kolumne: Zweiundvierzigtausendfünfhundertdreizehn

Zweiundvierzigtausendfünfhundertzwölf.

Der Schock sitzt mir noch in den Knochen, als ich wieder erwache. Es dauert einige Momente, bis meine Augen wieder klar erfassen können, wo ich bin. Ich weiß nicht genau, wie ich hier gelandet bin, umgeben von meinen Schwestern und Brüdern. Schildwachen, allesamt. Wie auch ich schauen sie sich kurz verwirrt einander an, bevor die Routine, die Gewohnheit einsetzt und alles verdrängt, was zuvor war.

Unsere Mission ist immerwährend. Unsere Wacht dauert seit über 10.000 Jahren an.

Und dann gibt es noch die anderen. Einige nennen sie “Fremde” oder “Ausländer”. Andere nennen sie “Helden”. Sie tauchten vor kurzer Zeit hier auf, an der Seite des Prinzen. Des Prinzen, der uns alle dieser Pein ausgeliefert hat.

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Diese “Helden” sind nichts anderes als Plünderer. Sie durchsuchen die Akademie, durchsuchen die Ruinen der großen Stadt, rauben die Heiligtümer, die arkanen Schriften, die Gebeine meiner Vorfahren, sogar die meiner Schwestern und Brüder. Nein, diese Helden sind nicht hier, um uns zu helfen. Wären sie von Mutter Mond geschickt, würden sie unserem Zustand ein Ende machen, Wege ergründen, diese Spiel ohne Vergnügen zu beenden, damit wir alle aus diesem Alptraum erwachen.

Doch das tun sie nicht. Sie kommen und gehen, Tag ein und Tag aus.

Dann beginnt es erneut. Die Möwen fliegen mit einem letzten Aufkreischen davon. Sie sind kluge Tiere, sie wissen, was nun kommt. Sie sind meinen Schwestern und mir überlegen, denn sie können entkommen, diesem Ort entfliehen. Wenige Herzschläge lang – welch ein absurder Begriff in meinem Zustand – hört man nur das Rauschen der Wellen.
Es folgt das Geschrei. Es breitet sich aus, schneller als jedes Feuer. Es sind die jungen Akolythen, die es zuerst bemerken und in Panik verfallen.

Die Schlangenmenschen drängen aus dem Meer, drängen voran in unsere Stadt. Obwohl es närrisch ist, obwohl ich weiß, was geschehen wird, versuche ich so viele Studenten von Nar’thalas zu retten und ins Innere zu geleiten. Es ist Narretei, denn…

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Der Dreizack durchbohrt mich. Obwohl kein Blut fließt, weiß ich doch, dass zwei der drei Spitzen meine Lungen durchstoßen haben. Obwohl kein Blut fließt, schmerzt es. Obwohl kein Blut fließt, weiß ich, dass ich nicht überleben werde.

Ich bekomme keine Luft mehr. Es ist absurd, denn ich konnte sie ohnehin nicht einatmen und dennoch brauche ich sie. Doch jedes Mal entweicht sie gleich wieder aus den Wunden, während das Blut, das es nicht gibt, meine Lungen füllt.

Ich denke noch “Mutter Mond, hätte Prinz Farondis sich nur niemals gegen das Licht der Lichter aufgelehnt”, bevor meine Sicht verschwimmt und das Geschrei der Sterbenden leiser wird.

Obwohl es weh tut, obwohl es Schmerzen sind, die ich den ärgsten Feinden der Göttin nicht wünsche, hat es etwas Vertrautes. Wir sind auf alle Zeit verdammt. Wie viele Male zwang mich dieser Fluch dazu? Ich weiß es, denn ich zähle mit. Solange ich mitzählen kann, ist es keine Ewigkeit. Es ist der letzte Gedanke, den ich habe:

Zweiundvierzigtausendfünfhundertdreizehn.

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Ich bete, dass dieser Tod mein Letzter sein wird.


WoW-Kolumne: Wer bin ich eigentlich?

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Seether2k

Bitte mehr davon, viel mehr. Bin total begeistert. Total unerwartet. Sehr, sehr toll……..so, gleich nochmal lesen ;o)

Zum Inhalt: Welch grausamer Gedanke, dass all die NPC’s ein Bewusstsein haben könnten. Ich selbst habe auch schon das ein oder andere Mal festgestellt, dass ich nicht immer der große Held bin aber wie so vieles in WoW ist vieles eine Frage der Perspektive. Jeden Tag aufs neue zu sterben und die eigenen Tode bewusst mit zu zählen……furchtbar.

Cortyn

Das ist vielleicht so ein “Rollenspieler”-Tick, aber ich mache mir diese Gedanken ständig. Man sollte öfter bedenken, dass – im Kontext der Spielwelt – alle Mobs eigentlich lebende Wesen mit Geschichte, Familie und Motivation sind. Ich versuche das mit solchen Beiträgen ein bisschen aufzuzeigen – neben einigen anderen Dingen 🙂

Kupo Mogry

Du brauchst psychologische Hilfe, das ist alles. Was spielst Du in WoW? Einer dieser generischen Mages vielleicht. Man will ja mit dem Mainstream schwimmen.

Cortyn

Und warum genau brauche ich “psychologische Hilfe”? Wird heute wieder ein kurioser Abend, ich merk das schon.

Erzkanzler

Danke Cortyn,

inhaltlich ist dein Text für miich gar nicht so wichtig, aber der Fakt das du dafür einen Platz auf Mein-MMO bekommst (oder dir leise erschlichen hast), ist für mich ein Beweis, das Webedia euch noch nicht ganz übernommen hat.

Mein-MMO war eine Seite von Enthusiasten für Enthusiasten, die “Neuausrichtung”… “hey lass ma FIFA 17 mit aufnehmen, das bringt voll Quote!” hat mich sehr traurig gemacht, und macht es tagtäglich mehr und mehr. News der Gamestar-Redaktion hier umformuliert lesen zu müssen, das Amazon-Affiliate-Programm das sich plötzlich hier ebenso durchzieht, und viele andere Kleinigkeiten machen mich nicht glücklich auch wenn ich sie aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehen kann.

Doch genau aus diesem Grunde freue ich mich über deine Texte. Unangepasst, frei von der Leber, ungezwungen und fern ab von jeder Quote. Da ist es ziemlich egal ob mir der Text inhaltlich nah geht. Seine Existenz allein erfreut mich.

*hust* *ganz klein druterschreib*
Dazu hab ich auch mal einen Blogpost veröffentlicht: http://academia-elysium.de/

P.S.: Wenn das unangemessen ist, könnt ihr meinen Link gerne löschen.

Dawid

Das hat nichts mit Webedia zu tun. Nada.

FIFA 16/17 war schon lange vorher geplant, weil wir FIFA-Fans in unseren Reihen haben und es zu unserer Auslegung passt, dass wir Multiplayer-Games mit großem Community-Fokus aufnehmen. Wir haben da ein paar Spiele auf dem Radar und machen es von den verfügbaren Ressourcen abhängig. Es ist auch erstmal wichtiger, dass wir uns bei unseren Kernspielen als Experten etablieren, was bisher ganz gut funktioniert. Das ist keine Neuausrichtung (wir wollen aber auch nicht stehen bleiben, sondern immer unsere Augen offenhalten, wenn wir erkennen, dass unsere Leser was Neues wollen…).

Dass wir Amazon hier einbringen, ist alleine meine Verantwortung (machen wir übrigens schon seit Ewigkeiten, 2013 hat es angefangen). Und ich muss sagen: Vielen Dank für die Unterstützung, die Beiträge werden fleißig gelesen und über die sozialen Netzwerke geteilt. Ich will schließlich die Autoren hier angemessen bezahlen, das ist in dem Bereich extrem schwer. Cortyn, Jürgen, Thomas und Co. wachsen mit der Seite mit. Die Budgetplanung etc. liegt komplett in meiner Hand und natürlich will ich keine roten Zahlen schreiben. Ich habe erst zuletzt das Gehalt eines Mitarbeiters erhöht, damit dieser sich Zeit nimmt, noch mehr auf Qualität zu achten und wenn nötig, weiter in die Tiefe zu gehen.

Webedia lässt uns hier komplett unabhängig agieren, da wird kein bisschen reingepfuscht. Im Gegenteil; Wenn wir Unterstützung brauchen, bekommen wir sie.

Erzkanzler

Danke für die ausführliche Antwort, freut mich sehr zu hören, dass Webedia euch keine Daumenschrauben anlegt. Denn ich mag euch so wie ihr seit. 🙂

Zord

Netter Text, gerne mehr davon

Cortyn

In dem Fall einfach anderen von diesen Texten erzählen, denen er auch gefallen könnte. Je mehr es lesen, desto eher kann ich den Tyrannen Schuhmann davon überzeugen, sowas ab und an einzuschleusen!

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