Warum ich spiele: Catherine

Es wird Zeit für eine neue Ausgabe meiner heimlichen Lieblingskolumne, namentlich „Warum ich spiele“. Hier küre ich Spiele, die mich ganz besonders beschäftigt und meiner Meinung nach nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie eigentlich verdient hätten. Heute reiht sich das PS3/Xbox360-Spiel „Catherine“ in diese Kategorie ein.

Denn wen könnte ein Game kalt lassen, das zugleich Adventure, Erotik-Thriller, Puzzlerätsel und irre Psychospielchen in sich vereint? Richtig, viele Leute, aber nicht den Sukkubus von Dienst.

Die Story kurz umrissen

Der Programmierer Vincent Brooks ist mit seinem Leben eigentlich recht zufrieden. Er lebt in einer kleinen Wohnung, trifft sich fast jeden Abend mit seinen Kumpels in der Kneipe und liebt sein „Lotterleben“. Seine Freundin „Katherine“ hat für seine Zukunft jedoch andere Pläne: Sie will Vincent dazu bringen, endlich in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen, ein verantwortungsvolleres Leben zu führen und den Schritt in Richtung Heirat zu wagen. Auf der einen Seite versteht er die Bedenken seiner Liebsten, andererseits möchte er seine Gewohnheiten nicht ändern.Catherine Art

So kommt es, wie es kommen muss: Eines Abends trinkt Vincent deutlich über den Durst hinaus und die wohl hübscheste Frau, die er je gesehen hat, setzt sich zu ihm an den Kneipentisch. Als sie am nächsten Morgen gemeinsam in seiner Wohnung aufwachen, ahnt er bereits, dass sein Leben nun aus den Fugen geraten wird. Etwas mysteriös wird das Ganze, als sich die blonde Schönheit dann als „Catherine“ ausweist. Wie soll Vincent nun mit diesem Seitensprung umgehen? Sollte er es seiner Freundin beichten? Oder vielleicht ist ein sorgenfreies Leben mit freier Liebe und der heißen Blondine doch die bessere Wahl? Gleichzeitig beginnen ihn Albträume zu plagen, in denen er scheinbar jede Nacht um sein Leben kämpfen muss – oder sind das nur Auswirkungen seines schlechten Gewissens?

Der Tag – Das Leben von Vincent

Das Gameplay von „Catherine“ verbindet zwei Spielarten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Tagsüber erlebt man den größten Teil der Handlung: Vincent trifft sich mit seinen Kollegen, seiner Freundin und verbringt die Abende in der Kneipe. Man spricht über die Probleme in der Beziehung, über die seltsamen Mordfälle in den Nachrichten und darüber, wie man dem Jüngsten aus der Clique ein Date mit der Barkeeperin organisieren könnte.

Catherine Screenshot

Nebenbei schreibt man ein paar SMS mit „Katherine“ oder „Catherine“ – oder beiden zugleich. Während man mit den verschiedenen Barbesuchern plaudert oder sich seinem Handy widmet, verstreicht die Zeit unaufhaltsam. Gäste gehen, neue Besucher kommen und der Alkoholpegel steigt langsam. Dabei hat man jederzeit die Freiheit, den Weg nach Hause anzutreten oder aber bis zur Schließung der Bar zu bleiben. Wer sich besonders geschickt anstellt, bekommt eventuell sogar einige anzügliche MMS-Bilder von seinen Herzdamen. Und wer weiß: Vielleicht lässt sich der Seitensprung ja wiederholen…?

Die Nacht – Albträume und Schafe

Catherine ScreenshotIn der Nacht erlebt man Vincents Traumwelt. Er scheint in einem abstrakten Spiel gefangen zu sein, in der er nur eine Aufgabe hat: Klettern, Klettern und immer weiter Klettern. Vor ihm liegt eine schier endlose Wand aus Blöcken, die es zu besteigen gilt. Durch geschicktes Verschieben der Blöcke baut man sich langsam seinen Weg voran, aber Vorsicht: Ein einzelner Zug kann die schöne Treppe zum Einsturz bringen, die man mit jeder Menge Hirnschmalz erdacht hat. Dazu tickt im Hintergrund unaufhörlich die Zeit.

Zu Beginn des Spiels sind die Rätsel noch sehr simpel und die Zeit großzügig, doch erhöht das Spiel sein Tempo rasch und zieht auch im Schwierigkeitsgrad steil an. Am Ende jeder Etappe gibt es einen „sicheren Bereich“, in dem Vincent verschnaufen kann. Hier stehen sprechende Schafe herum, die Vincent wertvolle Tipps geben und ihm irgendwie bekannt vorkommen… Was auf den ersten Blick absurd scheint, entwickelt aber rasch eine tiefere Bedeutung, die ich hier nicht vorwegnehmen will.

Ein absoluter Höhepunkt sind übrigens die Fragen, die an den Spieler gestellt werden, wenn er von einem „sicheren Bereich“ in das nächste Level wechseln will. Richtig gelesen, die Fragen werden relativ deutlich an den Spieler gestellt und diese sind mitunter echt gewagt.

  • „Beginnt oder endet das Leben mit der Ehe?“
  • „Du musst jemanden küssen, entscheide dich: Ein tentakeliges Alien oder eine schöne Leiche“
  • „Hat es dich schon mal erregt, öffentlich bloßgestellt zu werden?“
  • „Könntest du den perfekten Roboter heiraten?“

Die Beantwortung der Fragen hat Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf und wer will, kann seine Antworten sogar mit denen anderer Spieler vergleichen und dabei auch nach Geschlecht ordnen – ich musste oft grinsen und war erstaunt, wie ehrlich viele Spieler/innen wohl mit ihren Antworten waren.

Die Bossgegner – Abstrakt, Pervers, Gruselig

Bevor jede Nacht endet, muss Vincent ein ganz besonderes Level hinter sich bringen: Abgesehen von der langsam einstürzenden Wand erscheint zusätzlich ein Bossgegner, der ihm den Traum zur Hölle macht. Leichenhafte Fratzen im Brautkleid wollen ihn mit einem Schwangerschaftstest aufspießen und ungeborene Babys ihn mit der Nabelschnur erwürgen. Das ist zum einen ungeheuer gruselig, zugleich aber unendlich passend: Immerhin sind dies Vincents Albträume, in denen er seine Sorgen und Erlebnisse aus dem Tag verarbeitet. Ihr könnt mir glauben: Es gibt nichts Befreienderes, als diese Bossgegner hinter sich zu lassen und endlich wieder in den nächsten Tag und die nächste Story-Sequenz entlassen zu werden.

Treue oder Abenteuer?

Die Entwickler von Atlus zeigen hier eindrucksvoll, dass Liebe, Erotik und Romantik in Spielen mehr als eine Dialogoption mit anschließender Fummelszene sein kann.“Catherine“ widmet sich, trotz seiner Anime-Aufmachung, ziemlich ernsten Fragen: Wie wichtig sind Treue und ein geordnetes Leben im Vergleich zu dem Nervenkitzel und der Spannung eines spontanen Abenteuers? Ab wann lohnt es sich, aus seinem bisherigen Alltag auszubrechen und was sollte man sich auf erhalten?

Natürlich gibt das Spiel keine eindeutigen Antworten auf diese Fragen, doch alleine die Thematik der Treue und des Fremdgehens wurde bisher in Spielen kaum behandelt – ist sie doch eigentlich viel zu ernst, um ein unterhaltsames Abendprogramm zu bieten. Die Entwickler von Atlus zeigen hier eindrucksvoll, dass Liebe, Erotik und Romantik in Spielen mehr als eine Dialogoption mit anschließender Fummelszene sein kann.

Dabei gelingt es erstaunlich gut, beiden Lebensweise möglichst wertfrei zu betrachten und den Spieler niemals in eine feste Richtung drängen zu wollen. Und genau das fehlende „Moral“-Schild verleiht dem Spiel einen Mehrwert und lässt auch die Person vor der Konsole überlegen: Was ist für mich wichtig? Und ist es überhaupt wichtig, dass es von der Gesellschaft akzeptiert wird?

Catherine Bild

Fazit: Ein Muss für jeden. Ja, auch für dich.

Für wen Spiele nur seichte Unterhaltung sind und nicht über die erzählerische Komplexität eines „Super Mario“ hinausreichen dürfen, der sollte vielleicht die Finger von „Catherine“ lassen. Wer jedoch ein spannendes, anspruchsvolles Spiel mit hohem Wiederspielwert dank 9 verschiedener Enden und unterschiedlichen Handlungsverläufen sucht, der sollte sich dringend nach diesem Meisterwerk umschauen, das es inzwischen wohl für schlappe 15€ zu erstehen gibt. „Catherine“ wird eine Bereicherung für euer Leben sein. Aber tut Euch selbst den Gefallen und jagt euren Partner aus der Wohnung – denn dieses Spiel ist eine Erfahrung für jeden allein. Ganz allein.

Und somit bleibt am Ende nur noch eine Frage zu klären: Catherine oder Katherine?

Catherine*
Koch Media GmbH - Videospiel
19,90 EUR

*Affiliate-Links. Wir erhalten bei einem Kauf eine kleine Provision von Amazon. Vielen Dank für Eure Unterstützung!

Autor(in)
Deine Meinung?
Level Up (1) Kommentieren (17)
Passwort vergessen

Bitte gib Deinen Benutzernamen oder Deine Email-Adresse ein. Du erhälst einen Link, um ein neues Passwort per Email zu erstellen.