Warcraft: The Beginning Film-Kritik eines Nicht-WoW-Spielers
Avatar mit Orcs

Der Warcraft-Film ist vor allem auf Fans der zugehörigen Spiele ausgelegt. Doch kann man auch als relativ unkundiger Fantasy-Fan seinen Spaß im Kino haben?

Der große Warcraft-Film war mir bis vor kurzem ziemlich wurscht. Ich war vor der Legion-Beta nie ein großer Fan von World of Warcraft und die Strategiespiele hatte ich zwar gern gespielt, aber das war auch schon eine Zeit lang her und so hatte ich nur eine rudimentäre Ahnung von der ganzen Hintergrundgeschichte. Doch dann sollte ich eine Sammlung aller Presse-Reviews zum Warcraft-Movie machen und wurde neugierig. Daher ging ich tatsächlich noch am selben Tag um Mitternacht in die Premiere des Films – allerdings ohne rosarote Warcraft-Fanbrille!

Kein Uwe-Boll-Film!

Eins gleich vorweg: Der Warcraft-Film ist keine Lizenz-Gurke, wie sie Uwe Boll gerne macht. Vielmehr wurde mit Regisseur Duncan Jones ein echter Warcraft-Enthusiast gefunden, der mit Leib und Seele bei der Sache war. Daher strotzt der Film nur so von Details, die sogar einen relativen Warcraft-Noob wie mir auffallen, beispielsweise die typischen, lederbespannten Orc-Gebäude oder die klotzigen Rüstungen der menschlichen Fußsoldaten.

Igitt, Fell in der Suppe!

Doch in der großen Werkstreue liegt auch der Haupt-Kritikpunkt am Film. Er hetzt nämlich in einem Affenzahn durch die Handlung, die man aber nur kapiert, wenn man sich gut in der Warcraft-Lore auskennt. Denn nur dann versteht man, wer eigentlich dieser Medivh sein soll und warum er als Wächter so wichtig für Azeroth ist. Das wird nämlich im Film null erklärt.

Warcraft Movie Dalaran HD
Was ist das für eine Stadt, warum schwebt sie und wer sind die Magier da drinnen? Der Film erklärt es jedenfalls nicht!

Oder was es mit dem „Fel“ auf sich hat. Das ist nämlich ohne Vorkenntnisse nur ein komisches grünes Zeug, das irgendwie voll „böse“ ist. Und wer die glorreiche Idee hatte, das Ganze in der deutschen Version einfach weiterhin als „Fel(l)“ zu bezeichnen, gehört meiner Meinung nach echt bestraft. Sorry, aber es klingt einfach unglaublich blöd und ruiniert jede Stimmung, wenn jemand voller Ernst raunt „Er wurde vom „Fel(l)“ berührt, er ist verloren“. Akuter Fall von Tierhaar-Allergie, oder was?

Zuviel des Guten

Insgesamt schreit der ganze Film „Gebt mir mehr Zeit“. Denn die komplexe Warcraft-Welt mit ihren Fraktionen, Völkern und Königreichen ist einfach zu komplex, um sie mal kurz anzuschneiden oder irgendwo ins Bild zu werfen. Mit einer knappen Stunde zusätzlicher Spielzeit und einem etwas langsameren Erzähltempo wäre das mit ein wenig Mühe sicher machbar gewesen.

Warcraft Movie Lions Pride

Hier muss leider wieder der Herr der Ringe als Vergleich herhalten, denn nur weil dieser Film sich damals ordentlich Zeit beim Aufbau der Welt und der Handlung ließ, konnte man auch als Unkundiger die Story nachvollziehen und sich darin verlieren. Dies gelingt Warcraft: the Beginning leider nur bei eingefleischten Fans.

Für die Horde!

Doch was dem Film beim Handlungsaufbau fehlt, gibt er dreifach in Bildgewalt zurück! Denn auch wenn die Trailer zum Teil arg billig aussahen, so geil wirkt das Alles in der fertigen Version auf der großen Leinwand! Und hier sind vor allem die Orcs die wahren Helden des Films, denn die CGI-Masken der Orc-Darsteller sind extrem gelungen und die grobschlächtigen Hünen haben eine erstaunlich ausdrucksstarke Mimik. Zuletzt sah ich so etwas nur bei Avatar, der die Na’vi-Aliens ähnlich eindrucksvoll präsentierte.

Warcraft Movie Durotan
Die Orks wirken dank der sehr guten CGI-Technik sowohl brachial als auch sehr lebendig und gefühlvoll.

Daher sind die Orc-Charaktere wie Durotan, Orgrim und Gul’dan viel eindrucksvoller als ihre menschlichen Gegenstücke. Von denen stechen eigentlich nur Lothar als cooler Bad-Ass-Ritter und die taffe Halb-Orcin Garona wirklich hervor, der Rest bleibt eher blass und uninteressant.

Brachiale Action!

Die Kampfszenen sind dafür wieder herrlich gelungen und brachial inszeniert. Auch hier zeigen die Orcs, wo der Kriegshammer hängt und man hat echt Mitleid mit den armen Menschen, die gegen so einen muskelbepackten Hünen selten eine Chance haben.

Warcraft Movie Attack at the Portal HD
Die Schlachten im Film sind einfach nur episch!

Noch epischer wird es, wenn sich die Orcs aber gegenseitig die grünen oder braunen Schnauzen polieren, da bebt dann förmlich der Kinosaal vor Urgewalt. Und so will man Warcraft auch sehen. Als Schlachtenepos voller Bildgewalt.

Genau das ist dem Film auch sehr gut gelungen. Hätte sich der Regisseur aber nur ein wenig mehr Zeit gelassen, um die Welt und die Charaktere gut aufzubauen, so wäre Warcraft: The Beginning ein wirklich guter Film geworden. So wurde leider „nur“ ein epischer Fanfilm draus.


Das war die Kritik von Jürgen, einem Nicht-WoW-Fan zum Film. Unsere Fan-Kritik von WoW-Expertin Cortyn könnt Ihr hier nachlesen:

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