Turtle Beach Stealth Pro II im Test: 350 Euro sind viel Geld, aber dieses Headset lässt wenig Wünsche offen

Mit dem Stealth Pro II liefert Turtle Beach ein Oberklasse-Headset zu einer UVP von 349,99 Euro. Punkten will man mit zertifizierten High-Res-Audio, mit Dolby Atmos und mit Noise Cancelling. Ein weiteres Highlight: Der Akku des Headsets lässt sich gegen einen Wechselakku tauschen. Wie gut das im Alltag funktioniert und warum das Headset empfehlenswert ist, erklärt MeinMMO-Redakteur Benedikt Schlotmann.

Das Stealth Pro II ist ein auf den ersten Blick wuchtiges, kabelloses Headset. Und 349,99 Euro sind immerhin auch eine Ansage, die man bereit sein muss zu zahlen. Und bei der Preisklasse hat man durchaus starke Konkurrenz, etwas das Audeze Maxwell, das Beyerdynamic MMX 300 Pro, welches aber kabelgebunden ist oder das Logitech Astro A50.

Ich hab mir das Headset im Test angesehen und erkläre, ob sich das Headset für das Geld lohnt.

Wer hat da getestet?

Benedikt ist Tech-Editor auf MeinMMO und testet seit vielen Jahren Hardware für die Leser. Er testet Mäuse, Tastaturen, Kopfhörer und so ziemlich alles, was man mit Computer, Konsole oder anderen Geräten verwenden kann.

Das Modell wurde uns vom Hersteller für einen Test zur Verfügung gestellt.

fragt meinmmo benedikt

Benedikt Schlotmann
Hardware-Redakteur MeinMMO

Technische Details
Hier findet ihr alle wichtigen technischen Details des Headsets als Tabelle:
ModellTurtle Beach Stealth Pro II
VerbindungKabellos, wahlweise 2,4-GHz, Bluetooth 5.3 oder beide gleichzeitig.
PlattformPC, Xbox, PS4/PS5, alle Geräte, die sich über Bluetooth verbinden lassen
LieferumfangTurtle Beach Kabelloses Stealth Pro II Gaming-Headset
Kabelloser CrossPlay 2.0-USB-Sender
CrossPlay 2.0-Senderstation
2 m langes Ladekabel (USB-A-zu-USB-C)
Zwei austauschbare Akkus (40h Laufzeit)
Schnellstart-Handbuch
Hartschalen-Aufbewahrungs-Etui
BesonderheitenHi-Res-zertifizierte 24-bit-Audio, Noise-Cancelling, Crossplay-Feature
Gewicht393 Gramm (382 Gramm ohne Mikrofon)
Preis (UVP)349,99 Euro

Design und Aufbau

Was ist im Lieferumfang enthalten? Der Lieferumfang kann sich auf jeden Fall sehen lassen, denn dieser ist sehr umfangreich und passend für den Preis:

  • Eine Ladestation für die Akkus, die gleichzeitig als Wireless-Transmitter funktioniert.
  • Einen einzelnen Wireless-Transmitter, den man etwa in eine Spielekonsole stecken kann.
  • 2m langes USB-A-auf-C-Kabel.
  • Zwei wechselbare Akkus, die sich mit der Ladestation laden lassen (jeweils 40 Stunden)
  • Hartschalen-Box für das Gaming-Headset

Insbesondere das Transport-Case gefällt mir gut, da man das Modell damit elegant verstauen kann, wenn man es nicht gerade auf dem Kopf trägt. Einziger Nachteil: Das Aufbewahrungs-Etui ist sehr wuchtig und passt nicht mal so eben in den Koffer, wenn man verreisen möchte. Hier gibt es definitiv mobilere Optionen als das Stealth Pro II.

Aufbau des Headsets: Im Grunde ähnelt der allgemeine Aufbau des Headsets auch anderen Geräten. Es handelt sich um ein geschlossenes Headset mit abnehmbarem Mikrofonarm.

Viel spannender sind hier technische Details: Zum einen ist das das sogenannte “Crossplay 2.0”-Feature. Damit könnt ihr mühelos mit nur einem Knopfdruck zwischen mehreren Geräten hin und her wechseln. Voraussetzung ist aber ein Wireless-Transmitter pro Gerät. Einzelne könnt ihr nachkaufen, der Preis liegt aber immerhin bei etwa 30 Euro.

Ebenfalls spannend: Das Headset setzt auf ein Akku-Wechselsystem: Während ein Akku lädt, kann man mit dem zweiten Akku das Headset verwenden. Mit Blick auf Langlebigkeit ist das ebenfalls ein Pluspunkt

Verarbeitung

Turtle Beach setzt beim Stealth Pro II auf einen Kunststoffkorpus, der zusätzlich mit Aluminium verstärkt sein soll. Das Mikrofon ist abnehmbar und die Ohrpolster sind ebenfalls austauschbar. Ersatz bekommt man direkt bei Turtle Beach für etwa 20 Euro, waren aber zu meinem Testzeitpunkt nicht verfügbar. Die tauschbaren Akkus sind in jedem Fall ein Pluspunkt für die Verarbeitung.

Bei den glattgebürsteten Oberflächen muss man hingegen etwas aufpassen, denn diese sind nicht kratz-resistent. Insgesamt fühlt sich das wuchtige Headset hochwertig an.

Software

Das Headset lässt sich über die offizielle Swarm-II-Software steuern und bedienen. Mittlerweile ist die Software aus seinem Beta-Status raus und macht auf mich einen wirklich guten Eindruck: Zum einen ist die Software wirklich flott und spart zum anderen an aufdringlicher Werbung oder zusätzlichen Inhalten.

Über die Software könnt ihr übrigens etliche Einstellungen vornehmen: Ihr könnt den Klang einstellen, das Noise Cancelling aktivieren oder ausschalten und bei Bedarf diverse Audio-Filter verwenden. Mit den Audio-Filtern klingt der Klang aber tendenziell etwas künstlich.

Komfort, Gewicht und Akkulaufzeit

Wie sieht mein Kopf aus? Mein Kopfumfang beträgt etwa 58 cm, ich habe also einen eher kleineren Kopf.

Komfort und Gewicht: Turtle Beach setzt auf eine Art Kopfband, die im Bügel des Headset integriert ist. Das federt das Gewicht des Geräts etwas ab, dennoch finde ich ein richtiges Kopfband, etwa bei SteelSeries-Modellen weiterhin angenehmer. Denn dadurch wird das Gewicht noch besser abgefedert. Das funktioniert übrigens deutlich besser als beim hauseigenen Turtle Beach 700 Gen 3 (zum Test), welches mir irgendwann einfach zu unbequem wurde.

Jede Ohrmuschel lässt sich höhenverstellen, drehen und neigen, entsprechend viel Spielraum hat man für den eigenen Kopf und die finale Passform.

Mit seinen 393 Gramm ist das Stealth Pro II auch nicht unbedingt leicht und insgesamt schwerer als Konkurrenz-Modelle.

Ein starker Pluspunkt sind übrigens die Stoff-Ohrpolster. Turtle Beach verzichtet bewusst auf Kunstleder und das ist ein echter Gewinn für das Gerät. Denn unter dem dicken Kunstleder wird es schnell sehr warm, die Stoffpolster sind hingegen deutlich atmungsaktiver und im heißen Sommer angenehmer zu tragen. Und ich habe mir unter genug Kunstleder-Headsets bereits den Schädel abgeschwitzt, ich weiß, wovon ich da rede.

Klang

Von technischer Seite bekommt man einiges geboten: Mit Hi-Res-zertifiziertem 24-bit-Audio oder Unterstützung für LC3plus und LDAC bei Bluetooth und Dolby Amtos inklusive 3D-Raumklang steht so einiges auf der Soll-Seite, doch wie hört und fühlt sich das im Alltag an?

Grundsätzlich macht das Headset seine Arbeit sehr gut: Ihr bekommt einen vollen und reichhaltigen Klang und eine insgesamt feine Detailwiedergabe. Hier merkt man aber auch, dass dem Headsets 60-mm große Treiber zur Verfügung stehen. Vor allem die vergleichsweise große Soundstage ist im Alltag dann praktisch, wenn ihr Shooter spielt:

Die Soundstage sorgt dafür, dass ihr Geräusche oder Musikinstrumente klar in einem Kreis um euch herum zuordnen könnt. Je besser die Klangbühne, desto einfacher geht das. Wenn es um die Positionierung von Gegnern in einem Shooter geht, habe ich keine Probleme damit, Gegner zu finden. Außer die Soundtechnik ist einfach mies umgesetzt (ja, ich meine dich, Marvel Rivals). Habt ihr hingegen eine gute Soundmischung, dann sind Schritte und Richtungen sehr gut im Sound erkennbar.

Grundsätzlich gilt auch für das Stealth Pro II, was für andere Gaming-Headsets gilt: Der Sound klingt bewusst basslastig, dadurch klingen dann Explosionen sehr wuchtig. (Studio-)Kopfhörer oder andere Headsets setzen da eher auf einen neutraleren Klang. Etwas das Audeze Maxwell oder das Sennheiser HD 550.

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Mikrofon

Grundsätzlich dürft ihr bei einem Headset-Mikrofon keine Studio-Qualität erwarten, insbesondere über Funk oder Bluetooth. Denn die Stimme wird komprimiert, damit sie auch am anderen Ende ankommen kann. Die Funkverbindung muss aber gleichzeitig auch den Ton und hin und zurück transportieren.

Dennoch ist das Mikrofon überraschend ordentlich. Wie gesagt, ein “richtiges” Tisch-Mikrofon schneidet immer noch deutlich besser ab, im Alltag seid ihr aber auch mit dem Stealth Pro II gut zu verstehen.

Wollt ihr das Mikrofon nicht verwenden und das Headset als reine Kopfhörer verwenden, könnt ihr das Mikrofon übrigens problemlos abnehmen. In meinen Augen ist das immer ein starker Pluspunkt.

Fazit

Bewertung

Das Turtle Beach Stealth Pro II ist ein wuchtiges Headset mit sehr gutem Klang, ordentlichem Mikrofon und reichlich Zubehör. Der wechselbare Akku ist ebenfalls ein großer Pluspunkt, ebenso die austauschbaren Polster. Ebenfalls praktisch und intutiv gestaltet sich der Wechsel von einem Gerät auf ein anderes. Aber jeder zusätzlicher Dongle kostet. Dolby Amtos inklusive 3D-Raumklang ist hingegen eher ein nettes Gimmick, aber im Alltag nicht immer unbedingt hilfreich.

Auf der anderen Seite gibt es auch ein paar Abstriche: Das Headset ist mit 393 Gramm nicht gerade leicht und auch sonst ist es so wuchtig, dass es sich nur bedingt für unterwegs eignet. In meinem Koffer ist dann doch mein leichtes Modell von SteelSeries gelandet.

Die Ergonomie lässt sich grundsätzlich sehr gut an den eigenen Kopf anpassen, dennoch ist der Anpressdruck, wie bei anderen Turtle-Beach-Modellen auch, ziemlich hoch. Das muss man mögen und ist für mich immer ein
„man hasst oder liebt es.“ Auf meinem kleinen Schädel sitzt das Modell hingegen gut auf.

Grundsätzlich müsst ihr euch klarmachen, dass ihr für den halben Preis bereits ebenfalls ein gutes Headset mit solidem Klang und ordentlichem Mikrofon bekommen könnt. In meinen Augen bekommt ihr mit dem Turtle Beach Stealth Pro II ein sehr gutes Gerät, mit dem ihr kaum Abstriche machen müsst, wenn es um Klang geht. Aber es brauchen nicht zwangsläufig 350 Euro sein, wenn ihr “nur” ein gutes Headset braucht. Etwa das SteelSeries Arctis Nova 5 für etwa 120 Euro. Dafür gibt’s aber auch keinen wechselbaren Akku und den schnellen Wechsel mehrerer Geräte.

Pro
  • wertige Verarbeitung
  • wechelsbarer Akku und Ohrpolster
  • gute Akkulaufzeit (pro Ladung 20 Stunden)
  • ergonomisch viel Spielraum
  • aktive Geräuschunterdrückung
  • sehr guter Klang und gute Ortung von Gegnern
Contra
  • Gewicht und hoher Anpressdruck
  • zusätzliche Dongles kosten kräftig Geld (30 Euro)
  • hoher Preis

Welche Alternativen gibt es?

  • Das Audeze Maxwell setzt stärker auf neutralen und ausgewogenen Klang als das Stealth Pro II, dafür heizt das Kunstleder im Sommer deutlich stärker auf als die Stoffpolster beim Stealth Pro II-
  • Das Beyerdynamic MMX 300 Pro bietet einen guten Klang, ist aber kabelgebunden und das Mikrofon ist fest verbaut.
  • Das Arctis Nova Pro Omni bietet einen hohen Tragekomfort und guten Klang, dafür bietet das Gerät weder aptX- nnoch LDAC-Support an. Mein privater Tipp bleibt weiterhin das sehr gute SteelSeries Arctis Nova 5.

Weitere Gaming-Headsets in allen Preiskategorien von 50 bis 300 Euro findet ihr in der Kaufberatung auf MeinMMO: Die besten Gaming-Headsets, die ihr derzeit kaufen könnt

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