Star Citizen: Entwickler reagieren auf Vorwürfe

Die Fans des kommenden Weltraum-Spiels Star Citizen machen sich Sorgen um das Spiel. Doch diese sind laut den Entwicklern unbegründet.

Ben Lesnik ist Community Manager bei Roberts Space Industries, dem Entwicklerstudio hinter Star Citizen. In den vergangenen Tage kam es zu Vorwürfen, bei denen Derek Smart, Entwickler der Battlecruiser-Serie, meinte, Star Citizen würde niemals in der Form erscheinen, wie es angekündigt wurde. Auf diese reagierte Lesnik nun ausführlich im offiziellen Forum des Spiels.

Vorwürfe sind haltlos

Star Citizen Shooter Modul
Star Marine, das FPS-Modul, soll in wenigen Wochen erscheinen.

Zunächst erklärte Lesnik, dass das Shooter-Modul Star Marine nicht auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Diese Wortwahl geistere durch das Internet, sei aber nicht korrekt.

Während des Tests des Moduls seien dem Team einige Probleme aufgefallen. Diese wolle man unbedingt noch beheben, bevor man Star Marine veröffentliche. Zu den Problemen zählen einige „langweilige“ Elemente, die man nun aufpeppt, sowie Animationen, die man überarbeiten will. Bei der Verzögerung handele es sich nur um Wochen und nicht um Monate oder Jahre. Einen Termin gibt es momentan aber noch keinen.

Star Marine ist kein „Call of Duty im Weltraum“

Außerdem sei Star Marine kein „Call of Duty im Weltraum“. Beide Titel seien zwar Ego-Shooter, womit die Gemeinsamkeiten aber auch schon endeten. Star Marine sei als wichtiger Bestandteil von Star Citizen konzipiert worden und gehöre zum Gesamtspiel. Man könne das Modul nicht einfach weglassen, da es als Bindeglied zwischen den Raumschlachten, den Bodengefechten und Entermissionen diene.

Star Citizen Star Marine
Zu viel Politur, zu viele Features?

Ein weiterer Vorwurf war, dass man zu viel Zeit mit dem Polishing des Spiels vergeude. Das sei aber nicht der Fall. Mit dem Polishing beginne man erst am Ende des Entwicklungszyklus. Im Moment  sei man mit der eigentlichen Entwicklung des Spielms sowie mit dem Fixen von Bugs und dem Beheben von Problemen beschäftigt. Natürlich nehme man hier und da auch einige Verbesserungen an bestehenden Modulen vor, doch das sei schlicht Teil des Entwicklungsprozesses.

Auch der Vorwurf, man packe zu viele Features in das Spiel, sei haltlos. Man habe schon lange keine neuen Features mehr angekündigt. Man baue die ein, die schon seit einiger Zeit auf der To-Do-Liste stünden. Dies führe zur Vision des Spiels : Ein Privateer-ähnlicher Onlinepart und ein Wing-Commander-ähnlicher Single-Player-Part – gepaart mit First-Person-Elementen wie beispielsweise Entermissionen.

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Konzeptzeichnungen sind wichtig, kein rausgeworfenes Geld

Zudem werfe man auch das ganze Geld nicht für Konzeptzeichnungen raus. Konzeptzeichnungen seien nötig, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie bestimmte Elemente des Spiels wirken und rüberkommen. Konzeptzeichnungen seien ferner nötig, damit die Modelleersteller wissen, wie die Modelle aussehen sollen.

Ein weiterer Vorwurf war, dass man Schiffe verkaufe, die man gar nicht nutzen könne. Lesnik dazu: Man werde die Schiffe, die sich derzeit noch nicht fliegen lassen, schnellstmöglich funktionsfähig machen.

Star Citizen - Reliant Mini Hauler Conept

Allerdings geht man dabei nach einer Prioritätenliste vor. So hätten die Schiffe, die man im Single-Player-Part Squadron 42 fliegen kann, Vorrang. Ganz einfach deswegen, weil Squadron 42 vor Star Citizen erscheinen werde. Als nächstes würde man neue Schiffe für das Arena-Commander-Modul umsetzen. Bei einigen – vor allem sehr großen Schiffen – ergebe es momentan noch keinen Sinn, diesen jetzt schon eine Funktion zu verpassen.

Das Team macht sich keine Sorgen

Dass die Verkaufszahlen momentan nachgelassen haben, sei ebenfalls nicht dramatisch. Denn einen ähnlichen Trend stellte man bereits letztes Jahr fest. Anschließend zogen die Zahlen wieder an. Das Team mache darum keine Sorgen. Allerdings versteht Lesnik den Vorwurf, dass man derzeit mit den versprochenen Web-Features hinterher hinke. Man würde aber beispielsweise weiter an der Sternenkarte arbeiten, sei aber auf einige Probleme gestoßen, die man erst beheben müsse, bevor man sich weiter um diese Features kümmern könne.

Star-Citizen-Charakter

Den Vorwurf, dass Chris Roberts seine gesamte Zeit mit der Regieführung der Motion-Capture-Szenen verbringen würde, kann Lesnik nicht verstehen. Zum einen habe man von Beginn an kommuniziert, dass Chris Roberts aufgrund seiner Erfahrungen als Regisseur diese Arbeit übernehmen würde und zum anderen bliebe Roberts trotzdem an allen Prozessen des Spiels beteiligt. Sogar, wenn ein neues Schiff entwickelt wird, sei Roberts dabei.

Über Mitarbeiter, die gegangen sind

Was den Weggang von einigen Mitgliedern aus dem Team angeht, so sei dies zwar schade, aber einfach ein Prozess, der in jedem Unternehmen vorkomme. Man würde die Teammitglieder vermissen, doch es sei nicht in Ordnung wilde Spekulationen darüber anzustellen, warum diese das Team verlassen hätten. Das sei alleine deren Angelegenheit. Und so sehr man sie auch vermisse, ihre Arbeiten würden von anderen übernommen werden.

Star Citizen Büro
Keine Angst: Die Plätze werden wieder mit neuen Kräften befüllt.

Da es sich vor allem um die Stellen von Produzenten gehandelt hatte, wirke sich dies auch nicht auf die Vision des Spiels. Ein Producer hätte mit dem Design nichts zu tun, sondern würde sich um die Organisation kümmern.

Auf den Vorwurf, dass es sich bei Star Citizen nicht um eine offene Entwicklung handle, antwortete Lesnik, dass eine offene Entwicklung nicht bedeute, dass die Backer jeden einzelnen Build des Spiels erhielten. Es gebe nicht einmal eine Definition, was eine offene Entwicklung sei. Man arbeite an sehr vielen Dingen, die man den Backern erst zu einem Zeitpunkt zeig, zu dem es Sinn mache. Dennoch sei das Feedback der Tester immer sehr wichtig.

An der Kommunikation wird gearbeitet

Star Citizen Chris Roberts

Auch die Kommunikation zwischen den Entwicklern und der Community wurde kritisiert. Lesnik erklärt, dass man hier wohl nie auf einen grünen Zweig kommen würde. Denn es gebe immer Personen, denen man es nicht recht machen könne. Dennoch werde man weiter daran arbeiten, die Kommunikation zu verbessern. Man würde natürlich viel mehr über das Spiel erzählen, als man zeigen könne. Denn jedes Video, das man erstell, koste Zeit. Zeit, die ein Entwickler irgendwo abzwacken müsse.

Größtenteils stieß der ausführliche Brief von Community Manager Ben Lesnik auf positive Resonanz aus der Community. Dennoch bleiben einige weiterhin skeptisch. Star Citizen ist ein umfangreiches Spiel, wie es in der Art noch nie versucht wurde. Vielleicht ist ein wenig Skepsis auch angebracht, doch genauso auch Vertrauen. Den kompletten Forumpost könnt ihr auf robertsspaceindustries.com nachlesen.

Quelle(n): forums.robertsspaceindustries.com
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Michael

FPS Status Update
https://robertsspaceindustr

Michael

Die Antwort von CIG auf Derek Smarts Getrolle:
https://www.reddit.com/r/st

Sie haben wohl gemäß den Kickstarter Richtlinien seinen Backerstatus zurückgenommen.

Kinder...

Ganz ehrlich: RSI reagiert total lächerlich, von Souveränität keine Spur. Eher wie irgendwelche Teens, die sich über Unterhosen anderer lustig machen. Ich bin kein Fan von Derek Smart, aber RSI toppt nun sein Verhalten.

Michael

Schonmal versucht dich in einem Restaurant wie ein Vollidiot zu verhalten? Oder in einem gut moderierten Forum?

Gurlak der Fiese

Was ist los beim MeinMMO? Sommerloch? 🙂 Schon wieder ein Artikel über das Spiel, das niemanden interessiert, wobei es ja noch nicht einmal ein Spiel ist, es will erst eines werden, vielleicht. Liebe MeinMMO Autoren, ihr macht so schöne Artikel und leistet tolle Arbeit, verschwendet doch eure Zeit nicht mit diesem Star Citizen. Ihr schreibt Artikel zu diesem Thema und zum Dank stellt man eure journalistischen Fähigkeiten in Frage und macht euch andere, hanebüchene Vorwürfe. Diese Star Citizen Klientel ist wirklich sehr undankbar.

malhiermalda

Klar 85 Millionen im Voraus finanziert und keinen Interessiert es. Was ist los mit Gurlak ist es draußen schon wieder so heiß?

BtW: Finde gut das ihr mal wieder was von Star Citizen bringt.

Gerd Schuhmann

Das ist ein Spiel, das polarisiert – das beobachtet man oft bei den Crowdfunding-Spielen.

Für uns ist klar: Wenn wir eine Story anfangen, dann möchten wir sie auch zu Ende bringen.

Das heißt, wenn wir am Mittwoch „Vorwürfe“ haben, dann haben wir am Freitag die „Entgegnung“ dazu.

Das versuchen wir zumindest. Ich denke, das ist journalistische Neutralität.

Gurlak der Fiese

Das ist ja auch gut das ihr das so macht. So kann man euch nicht vorwerfen, das ihr für oder gegen erwas seid. Trotzdem ist Star Citizen ein undankbares Thema.
Schadenfreude ist ja keine Tugend, aber im Falle von Star Citizen werde ich an dem Tag, an dem es untergeht, eine gute Flasche aufmachen. Und dieser Tag wird kommen. Diese arroganten Star Citizen Fanboys, in ihrer klugscheißenden Selbstherrlichkeit, gehen mir einfach nur noch auf den Sack.Höchste Zeit das die mal nen kleinen Dämpfer bekommen. Ich freue mich schon jetzt darauf, hier einen Artikel üder den Untergang zu lesen.

Xenomurphy

Erbärmlich.

Cresent

Mir geht etwas ganz anderes auf den „Sack“, vorlaute und aufdringliche Halbstarke, die im Internet Ihre Klappe weit aufreisen. Aber wenn Sie dann tatsächlich vor dir stehen, keinen Ton mehr raus bringen.

Ein hoch auf die scheinbare Netz-Anonymität.

Hopeless

Diese Anschuldigungen immer..

Denkt man echt, dass man sich argumentativ über jemanden stellt, wenn man die Worte ‚arrogant‘, ‚klugscheissend‘ und ’selbstherrlich‘ verwendet?
V.a. wenn ich selbst so viele nette Leute im RL aus der SC-Community kennenlernen durfte – echt klasse Typen!

Mein-MMO wird nicht so viel drüber schreiben, weil es kein reines MMORPG sein wird. Aber interessieren wird das trotzdem wohl einige (manche möchten wohl nur die schlechten Nachrichten;)

Apropos noch einmal nur für den Fiesen: SC ist kein Fail. Und es wird sicher untergehen in einigen Jahren, wenn es veraltet ist…

Hopeless

Danke, dass ihr die Gegendarstellung auch gebracht habt!

Die Community ist unfassbar facettenreich: Einige sind nur am Sandbox-MMO interessiert, andere nur am Singleplayerspiel, einige wollen zB eine PvP-Arena, andere reines Entdecken ohne Feindkontakt – und diese Untergruppen sind wieder zersplittert in unendlich viele Spielstile. Das alles kann SC nie in Perfektion erreichen, da ist Ärger vorprogrammiert.

Deshalb sind viele Kritikpunkte der Community richtig, man muss ihnen aber mit gesundem Menschenverstand begegnen. (Und das sagt jemand mit unfassbaren 16 gepledgten Raumschiffen ;)))

Es ist nur ein hoffentlich spaßiges Spiel, nicht mehr, nicht weniger.

Zunjin

Schön dass sie das klar gestellt haben und man nun beide Seiten gehört hat. Nun kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Zunjin

„Diese Wortwahl würde durch das Internet geistern, wäre aber nicht korrekt.“

Das ist eben das Problem des Online-Journalismus und vor allem der vielen privaten Blogs. In der original Pressemitteilung stand da nämlich nichts von. Irgenjemand schreibt es dann und alle anderen schreiben ungeprüft ab.

Denn die wenigsten Online-Redakteure, selbst der größeren Seiten, sind noch echte Journalisten, die ihr Handwerkszeug auch richtig gelernt haben. Eine Nachricht die aus Geld oder Personalgründen nicht ordentlich recherchiert werden kann ist eine Meldung die man nicht publizieren sollte. Das viele Online-Medien dies nicht leisten können, selbst wenn sie wollen, liegt auf der Hand. Doch dann gilt: lieber weniger, dafür richtig und in hoher Qualität.

@Team – Kurze Korrektur:
„Während -DES- Tests des Moduls seien dem Team einige Probleme aufgefallen, die man unbedingt noch beheben wollte -WOLLE oder WILL-, bevor man Star Marine veröffentlicht – darunter eine -EINIGE- „langweilige“ Elemente, die man nun aufpeppt und einige Animationen, die man überarbeiten muss.“

„Star Marine sei als wichtiger Bestandteil von Star Citizen konzipiert worden und würden – WÜRDE- zum Gesamtspiel gehören.“

Gerd Schuhmann

Ich will dich nicht ärgern,aber das hat mit „Handwerkszeug richtig gelernt haben“ wenig zu tun – also schon indirekt, das ist aber ein zweites riesiges Themenfeld und Problem, die Ausbildung von Journalisten der Generation Praktika. Aber hauptsächlich geht es darum, wie viel Zeit man sich für einen Text nimmt und nehmen kann.

Und das ist eine Frage der „Bezahlung.“ Dasselbe Problem haben z.B. auch Mediziner oder Pflegekräfte. Die sind noch so gut ausgebildet, wenn es im Alltag einen Zeit- und Kostendruck gibt, dann steht das in Konflikt mit der Sorgfältigkeit.

Da geht’s um „Was ist die Arbeit wert?“ – Das ist ein „Job“, bei dem sich Freiberufler fragen müssen „In welcher Zeit krieg ich was gebacken und wie viel Geld bekomme ich dafür?“ Und für „Festangestellte“ gilt das auch ähnlich: Ich sitze hier, wir haben starken Kostendruck, wie kann ich soviel leisten, dass ich keinen Stress kriege?

Ich hör den Podcast von Gebauer/Peschke. Und Gebauer kommt aus einer ganz anderen Zeit, aus der Zeit des Print-Journalismus. Der beschwert sich immer, dass heute die Journalisten keine Zeit mehr hätten im Job zu spielen – und wie furchtbar das ist.

Der Peschke sagt zu dem Thema nix, weil der aus dem Online-Journalismus kommt und wenn der spielen wollte, hat er das schon immer in seiner Freizeit gemacht. 🙂

Da sieht man, dass der Gebauer lange Jahre einen der wenigen Jobs hatte, wo das ging. Der saß nämlich erst bei der PCGames und dann bei der Gamestar in den Print-Redaktionen, wo’s denen noch gut ging. Und wo man sagen konnte: Die 40 Stunden, die wir dem Gebauer diese Woche bezahlen, die verbringt er mit der Vorbereitung auf den großen Test, den wir in 3 Wochen in der Juli-Ausgabe bringen. Jetzt muss mal ausrechnen, was man dem in dieser Woche bezahlt und wie viel der Text, den er schreibt, dann „bringen muss“, damit sich das lohnt.

Jetzt geht’s auch den Print-Magazinen lange nicht mehr so gut wie früher. Und es wird von denen erwartet, dass sie nebenbei noch Online machen, was die natürlich hassen, weil’s unter ihrer Würde ist.

Das liegt schlicht daran, dass ein Journalist in 1 Stunde Arbeit nicht mehr dasselbe Geld für den Verlag einspielt wie früher.

Du kommst, was ich so mitbekommen habe, aus der Hobby-Ecke, wo das keine Rolle spielt und man das hauptsächlich aus Leidenschaft macht. Da ist eine komplett andere Sicht: „Lieber weniger, dafür richtig und in hoher Qualität.“

Ist an sich völlig richtig als Leser. Du übersiehst aber komplett die Wirtschaftlichkeit. Du verdienst bei dieser Methode kein Geld.

Wenn du als „freier Autor“ mit Texten dein Geld verdienen willst, dann lernst du als erstes, effektiv zu arbeiten.

Ich geb dir völlig Recht: Es ist ein Problem. Aber das ist nicht der Fehler des einzelnen Journalisten, wie es immer rüberkommt: Der Newsredakteuer ist ja ein Vollidiot, was macht der für einen Scheiß.

Sondern das sind Fehler im System: Der bekommt zu wenig Geld, dessen Job müssten eigentlich zwei machen, der müsste noch einen haben, der ihn kontrolliert.

Also nicht falsch verstehen: Ich seh dein Problem absolut. Und ich wunder mich auch heftig darüber, was manchmal auf „den großen Seiten“ steht, aber der Gelddruck ist das Problem.

Die Spiele, bei denen ich mich „wirklich“ auskenne, weil wir das hier jeden Tag machen und verfolgen: Da greif ich mir sooft an den Kopf, was da woanders Leute schreiben. Aber: Das interessiert da keinen. Das interessiert die Leser meistens nicht und die Redaktion auch nicht sonderlich.

Neulich hab ich gelesen: Für Planetside 2 brauchst ein Abo. Stand auf der größten deutschen Online-Konsolen-Seite. Haben x Leute drunter geschrieben: Nee, ist Quatsch. Steht mit Sicherheit immer noch da.

Sind Fehler im System.

F2P-Nerd

Haben Sie denn Journalismus studiert oder eine Ausbildung in diesem Bereich absolviert, Herr Schuhmann? Oder ist das hier eher ein Hobby im „Nebenerwerb“? Das würde mich als Leser mal interessieren 🙂

N0ma

Soweit ich weiss steht Gerd irgendwo am Band und schreibt ab 18:00 abends die Artikel zusammen.

Zunjin

Da ist Hopfen und Malz noch nicht verloren, zum Glück gibt es Journalismus auch als Fernstudium. 😉

Aber Spaß bei Seite. Von einem 2-3 Monatigen Praktikum bei einer Tageszeitung, kann man – auch als Online-Redakteur – nur profitieren.

Gerd Schuhmann

Da kann ich dich beruhigen, ich hab das durchaus „von der Pieke auf gelernt.“ Ich war schon bei Kaninchenzüchtern. 🙂

Schaden kann’s sicher nicht. Aber auch die großen Tageszeitungen machen mittlerweile so viel falsch. Da kann man sich z.T. auch viel kaputt machen.

Wir wollen ja hier keinen „klassischen News-Journalismus“ machen, sondern haben da andere Vorbilder.

Die Basics, dass man die Fakten grade hat – klar, das muss weiterzählen.

Der Journalismus, wie du ihn kennengelernt hast … nee. Wenn dann schaut Euch Grantland an etwa. Das ist eher ein Vorbild als die FAZ.

Gerd Schuhmann

Mittlerweile ist es kein Hobby mehr. Wir wollen nicht groß über Kohle aber: Je besser es der Seite geht, desto besser geht es auch mir und den anderen, die hier beteiligt sind.

Zu der Ausbildung und so. Also ich hab zumindest kein „Praktikum bei einer großen deutschen Gaming-Seite, was ja hier als ultimativer Schlüssel zur großen Gaming-Journalismus-Karriere dazugehört.“

Nee, also vielleicht machen wir mal so ne große „Das war das Leben von Herrn Schuhmann bis hierhin“-Nummer irgendwann, aber mir ist das eigentlich nicht so recht. Da gefällt es mir besser, Ihr macht Euch da einen Kopf drum und es entstehen Legenden um mich!

Zunjin

Du kommst, was ich so mitbekommen habe, aus der Hobby-Ecke, wo das keine Rolle spielt und man das hauptsächlich aus Leidenschaft macht. Da ist eine komplett andere Sicht: „Lieber weniger, dafür richtig und in hoher Qualität.“

Ja und nein. Ich bin schon seit nun 12 Jahren, in meiner Freizeit, im Gaming-Bereich tätig, das stimmt. Aber eigentlich komme ich aus einem Bereich wo fehlerhafte Recherche und falsche Meldungen viel mehr schaden als im Gaming-Bereich.

Ich bin auch kein Journalist, sondern habe was anständiges studiert 😉 – habe dafür jedoch auf der anderen Seite gesessen. Denn über Praktika im Studium bin ich Pressereferent geworden und habe dort eigene Pressemeldungen verfasst, die die Journalisten dann übernehmen konnten sowie Hintergrundgespräche und Pressekonferenzen mit Journalisten von der Printpresse und den Rundfunk- und Fernsehanstalten begleitet. Und auch dort – in der Bundesliga des Journalismus 😉 – geht Qualität vor Quantität.

Nach Jahren im Job habe ich mir dann aber was besseres und ruhigeres gesucht. 🙂

Jetzt geht’s auch den Print-Magazinen lange nicht mehr so gut wie früher. Und es wird von denen erwartet, dass sie nebenbei noch Online machen, was die natürlich hassen, weil’s unter ihrer Würde ist. Das liegt schlicht daran, dass ein Journalist in 1 Stunde Arbeit nicht mehr dasselbe Geld für den Verlag einspielt wie früher.

Da stimmen wir überein. Solange die User im Netz, für Informationen nicht das gleiche bereit sind zu zahlen, oder zumindest Werbung aktiv zu ertragen, dann haben die wenigsten Seiten genug Geld für anständigen Journalismus.

Ich persönlich würde dann für mich aber die Konsequenz ziehen und auch nur soviel machen, wie ich in der NOTWENDIGEN Qualität machen kann. Wenn man eben nur Geld für eine Kreisauswahl hat, dann sollte man auch keinen Bundesliga Fußball spielen. 😉

Oder man sollte sich mit anderen zusammen tun. Kooperation ist leider im Netz immer noch zu selten. Wenn die Kreativen von 2-3 kleineren Seiten über ihren Schatten springen würden und sich zusammen tun, dann könnte jeder der Redakteure statt x-mal eine, auch im Wortlaut, fast ähnliche News zum selben Thema zu verfassen, jeder für sich eine qualitativ bessere News zu einem anderen Thema schreiben.

Gerd Schuhmann

Jau, gehen wir d’accord.

Aus meiner Sicht: Wir stehen mit der Seite hier „immer noch“ relativ am Anfang.

Und ich glaube, wir haben intern die selben Ziele, in welche Richtung die Seite gehen soll, wie die Leser auch.

Also immer wenn ich Kritik an der Seite selbst lese, dann nick ich und denke: Jau, stimmt schon. Gute Idee. Würden wir gerne machen, wenn wir noch bisschen mehr Ressourcen hätten.

Die ersten Sachen haben wir ja schon umsetzen können. Es gibt jetzt deutlich mehr Cortyn auf der Seite, deutlich mehr Titel und „kürzere News“ zu kleineren Games – und wir haben auch einige Indie-Titel vorgestellt und jetzt im Programm.

Das waren ja alles Sachen, die sich Leute gewünscht haben, und wo wir gesagt haben: Jau. Auf jeden Fall, aber halt nicht „jetzt sofort“, sondern erst wenn wir uns das auch „leisten“ können.

Und ich denke so wird es, wenn alles funktioniert, weitergehen können.

F2P-Nerd

„Denn die wenigsten Online-Redakteure, selbst der größeren Seiten, sind
noch echte Journalisten, die ihr Handwerkszeug auch richtig gelernt
haben“

So gut wie keiner, aber dafür wird die Online-Journaille auch zu schlecht bezahlt meines Erachtens nach ^^

Stille Post wird ja bei allen Sachen gespielt. Was da News aus – verzeih den Ausdruck – „Kleinscheiss“ aufgebauscht werden, nur um Klicks und damit Geld zu generieren, das ist teilweise schon richtig harter Tobak, Aber auch hier gilt: Gäbe es keinen, der es lesen würde, würde es auch nicht geschrieben werden ^^

Cresent

Seien wir doch mal ehrlich, die Nachrichtenagenturen geben Nachrichten mit niedrigem Niveau raus, weil die Leute niedriges Niveau möchten.

Damit kann man seinen Lebensunterhalt bestreiten, eher schwieriger mit aufwendigen und arbeitsintensiven Artikeln. Wenn zu viel Text und zuwenig Bild / Video vorhanden ist, nimmt die Leserschaft schon stark ab. Keine großen Bunten Schlagzeilen – keine Leser.

Wenn die Verbraucher Dreck wollen, dann gibt es auch jemanden der ihnen Dreck verkauft. Es gäbe keine Bild / RTL / RTL 2 und Fünf-Minuten-Terrine, wenn es keine Konsumenten dafür gäbe. Keiner zwingt einen sich das Medium an zu sehen – jeder könnte auch freiwillig auf Arte umschalten. Wird nicht passieren.

Man möchte mit brisanten, actiongeladenen, erotischen oder hasserfüllten News vollgepumpt werden. Möglichst kurz und schnell, vorgefertigte damit keine Konflikte im Hirn entstehen, falls man versehentlich doch mal darüber nachdenkt.

So ist er halt, der minderbegabte Durchschnittsbürger.

PS: Ich bin seit TESO Stammleser bei mein MMO und bin es geblieben auch wenn ich TESO nicht mehr spiele.

Zunjin

Keiner zwingt einen sich das Medium an zu sehen – jeder könnte auch freiwillig auf Arte umschalten. Wird nicht passieren.

Zum Glück ist die Tagesschau bis heute Deutschlands meistgesehene Nachrichtensendung. Und zum Glück – trotz aller berechtigten Kritik – gibt es bei uns auch noch öffentliche und nicht nur private Medien.

Bei den jungen Leuten sieht es besonders schlimm aus, denn die geben Facebook als teils einzige Quelle für Nachrichten an. Und da Facebook die Auswahl an Beiträgen nach Interessen filtert, kann man sich überlegen was daraus resultiert.

Was den Rest betrifft, so stimmt das in weiten Teilen, es sollte jedoch nicht unser Anspruch sein und wir sollten uns auch nicht damit begnügen.

Gerd Schuhmann

Das wird auf jeden Fall ein großes Problem werden. Wir haben das ja zurzeit schon, dass Leute die Funktion von Journalisten erfüllen, sich aber mit Journalismus null identifizieren, sondern sagen: Ich bin Entertainer.

Wir haben das im Gaming-Journalismus schon deutlich.

Die Firmen freuen sich drüber. Smedley von DGC allen voran: Ich hab mit Presse nix mehr zu tun, sondern arbeite mit „Entertainern“ zusammen, die „Communities“ haben. Die lad ich mir nach Vegas ein.

Was soll daran schon ne schlechte Idee sein, oder?

In Deutschland Ex-Giga David Hain, Ex-Gamestar Sigismund hab ich neulich mal in ner Talkrunde gesehen, was da für Regeln gelten.

https://www.youtube.com/wat

Die kommen beide aus dem Journalismus. Die sagen: Ist ganz klar, es muss beides weiter geben. Den schweren Fakten-Journalismus, die leichten Entertainment-Gaming-Sachen, die wir machen.

Unausgesprochen im Raum: Wir machen den „leichten“, der ernste loht sich für uns nicht. Fand ich sehr bezeichnend und völlig logisch und richtig.

Sigismund hat auch erklärt, wie er auf den Dreh kam: Gronkh. Die haben bei der Gamestar damals Videos gemacht, sagt er. Sich viele Mühe gegeben, Fakten, Zusammenschnitt: 30.000 Klicks.
Gronkh spielt am Stück, redet dazu: 300.000 Klicks.

Sigismund hat erzählt, dass er später auch „Tutorial-Videos“ machen wollte, sehr aufwendig, aus vielen Stunden Gameplay zusammengeschnitten. Und hat dann gemerkt: Wenn ich statt das Tutorial-Video zu machen, nur mein Gameplay hochlade, hat das zwar keinen Informationsgehalt, es ist aber so viel effizienter für mich.

Das heißt: Wenn sich Entertainer und „Journalisten“ denselben Medien bedienen, dann verdienen die Entertainer in derselben Zeit sehr, sehr viel mehr Geld, weil man unterhaltsamer und schneller ist, wenn man das langweilige Zeug rauslässt.

Das beobachte ich auch bei Konkurrenz-Seiten, dass da die Leute lieber Youtuber als Journalisten sind. Wer kann’s ihnen verdenken. Wer will denn der nächste Jochen Gebauer sein? Und wer will der nächste Gronkh sein. 🙂

Es steuert darauf zu, dass „Journalismus“ die Nische wird. Die Tagesschau konkurriert nicht mit den MTV-News. Aber die Gamestar mit Rocket Beans. Und wir z.B. auch mit Entertainment-Youtuber.

Die Leute sehen den Unterschied da nicht mehr so richtig. Das soll jetzt auch kein Gejammer sein. Also wir wissen das und passen uns natürlich entsprechend an.

Die Leute kriegen schon den Journalismus, den sie wollen, weil sie den bezahlen oder eben nicht.

Übrigens „Öffentlich-rechtlich“ hat Gaming-Journalismus eingestellt. Da geht’s auch in dem Video drüber.

Michael

Solange keiner für Inhalte zahlen will, wird sich daran auch nichts ändern. Weil dann sind die Betreiber von Onlineportalen auf indirekte (Sponsoring etc.) und direkte Werbung angewiesen und die geht halt nach Klicks oder noch schlimmer nach Leads, also Provisionen. Das kann man schön bei der Gamestar beobachten: Die News (und Kommentare) sind wirklich mit das Schlimmste was es in dem Bereich gibt, während ich viele Artikel und Hintergrundinfos richtig gut recherchiert und rübergebracht find. Aber so billige News ziehen halt einfach mehr Leute an und bringen damit auch mehr Potential für Einnahmen. Und von irgendwas müssen die Leute ja auch leben.

Und ich denke auch nicht, dass die Online Journalisten ihr Handwerk nicht verstehen. Es bringt nur nichts, das gute alte Journalistenhandwerk auch tatsächlich anzuwenden. Ich find es übrigens im Gamingbereich nicht so schlimm, viel schlimmer find ich es bei den Nachrichten des allgemeinen Tagesgeschehen.

Letztenendes ist es hier auch wie im richtigen Leben: Wenn man Dumpinglöhne nicht mehr unterstützen will, dann kauft man nur noch in Läden ein, die ihre Angestellten fair entlohnen. Das kostet halt mehr Geld. Will man anständige News, dann sollte man die Newsportale direkt unterstützen, z.B. mit einem Abo. Aber für billig gibts halt auch nur billig 🙂

Zum Artikel: Schön, dass ihr die Gegendarstellung veröffentlicht habt. „Vielleicht ist ein wenig Skepsis auch angebracht, doch genauso auch Vertrauen.“ Diesem Satz kann ich 100% zustimmen.

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