Overwatch: Tolles Spiel, miese Community – Unser Ersteindruck

Cortyn hat sich in den letzten Tagen ausführlich in der Beta von Overwatch getummelt. Doch taugt das Spiel etwas? Lest hier unseren Ersteindruck.

Nachdem die Beta von Overwatch in der vergangenen Woche aus dem Winterschlaf erwacht ist, haben auch wir endlich Zugang zum Heldenshooter von Blizzard erhalten und konnten uns so einen besseren Eindruck verschaffen. Die vergangenen Tage über wurde ausführlich geschossen, geblockt, zugeschlagen und gesprengt – eben all die schönen Dinge, die man in Overwatch erleben kann. Immer in mehr oder minder fairen 6vs6-Partien.

Kommt da etwas Großes auf uns zu? Auf jeden Fall. Ist es perfekt? Noch lange nicht.

Overwatch Held McCreeDer Einstieg – Ungeheuer simpel

Wenn Blizzard eines wirklich gut kann, dann den Spieleinstieg so designen, dass man ohne große Erklärungen gleich in die Schlacht geführt wird. Mit nur zwei Klicks befindet man sich in der Warteschlange, zwei weitere Klicks hat man schon den eigenen Helden ausgewählt und kämpft sich über die stimmigen Schlachtfelder – das gefällt schon nach wenigen Augenblicken gut. Auf einen Blick ist zu erkennen, wie schwierig der Held zu spielen ist und was seine Fähigkeiten bewirken.

Schade ist nur, dass einige Aussagen sehr schwammig sind und konkrete Schadenszahlen vielleicht hilfreicher wären als Angaben wie „sehr stark“ oder „mächtig“. Hinzu kommt die nervige Kleinigkeit, dass im Auswahlmenü der Chat sehr ärgerlich über der Beschreibung der Ultimativen Fähigkeit platziert, aber die kann man sich auch immer noch im Spiel anschauen.

Das Geballere – Schneller als gedacht

Es hieß von Blizzard immer, dass Overwatch sich „langsamer“ spielen würde als andere Shooter, doch das kann ich nicht bestätigen. Die Action ist schnell und brutal, viel Zeit zum Überlegen gibt es selten. Egal ob ich McCree, Widowmaker oder Reaper gespielt habe, die Kamera wird nur so hin und her gerissen, um alles im Blick zu behalten. Einzig und allein mit Reinhardt hat man ein bisschen mehr Ruhe – der deutsche Ritter hat nämlich einen starken Schutzschild, der relativ lange anhält und somit Zeit verschafft, um die nächsten Schritte zu planen.

Overwatch-HeldenVor allem die Möglichkeit, jederzeit einen anderen Helden wählen zu können, bringt mehr Spaß, als ich gedacht hätte. Dadurch sind beide Teams stets im Wandel und es gibt genügend Möglichkeiten, ein scheinbar unüberwindbares Team doch noch durch die richtige Kombo zu bezwingen. Die verschiedenen Karten und Spielmodi machen allesamt Spaß, selbst wenn es im Grunde immer auf „Halte diesen Punkt“ hinausläuft – nur manchmal muss man einen beweglichen Punkt eben durch die Karte eskortieren.

Zwar ist das Balancing gelegentlich nicht vorhanden und immer wieder gibt es Partien, in denen man schlicht gegen eine Mauer aus Feinden anrennt, aber auch das ist wohl dem Umstand einer Beta geschuldet. Da diese Matches meist weniger als 5 Minuten dauern, ist es auch erträglicher, als es sich nun vielleicht liest.

Das große Laufen

Jedoch gibt es auch einige Kritikpunkte am Spiel. Mir persönlich sind die Pausen zwischen der Action zu lang. Am Beginn jeder Partie für eine Minute im Spawnraum herumzustehen ist nur die ersten drei Partien lang spannend und die Dialoge zwischen den Charakteren sind auch recht schnell abgedroschen.

Overwatch Waiting

Ja… im Warteraum wird es gelegentlich langweilig.

Auf den meisten Karten ist auch der Laufweg recht lang vom Spawnpunkt bis zur wirklichen Action. Klar, der Weg ist irgendwie notwendig, um das Ableben auch wirklich als „Strafe“ zu empfinden und dem Gegnerteam Gelegenheit zu geben, weiter vorzurücken. Gerade mit trägen Helden fühlt sich der Weg jedoch quälend lang an. Da ist man heilfroh, wenn sich mal wieder eine Symmetra ins Team geschlichen hat (die kann nämlich Portale errichten).

Die Community – Letzte Rettung: Ohren und Augen zu!

Eigentlich sollte die Community eine eher untergeordnete Rolle beim Ersteindruck eines Games spielen, aber bei einem Team-Shooter, der auf Kooperation und Absprache ausgelegt ist, komme ich dennoch nicht darum. Mit einem Wort lassen sich meine Erfahrungen so beschreiben: Herrje! Was in den letzten Tagen an wüsten Beschimpfungen durch Sprach- und Textchat gerattert ist, lässt selbst gestandene Spieler von League of Legends und Dauerbesucher des Brachland-Channels vor Scham erbleichen. Ja, bei Shootern scheinen die Emotionen schnell überzukochen. Ich sah mich rasch gezwungen den Sound in gewissen Partien zu deaktivieren. Das war für die Spielleistung zwar alles andere als zuträglich (was für noch mehr Beleidigungen sorgte), aber anders war es nicht zu ertragen.

Overwatch Mercy HugeSelbstverständlich kann ich bei der Zuteilung meiner Mitspieler einfach nur Pech gehabt haben, allerdings hat das meinen Spaß an dem Spiel doch erheblich geschmälert. Ich hoffe einfach sehr, dass die Community des fertigen Spiels eine andere ist, als ich sie jetzt erleben durfte. Ansonsten werde ich Overwatch nämlich ausnahmslos mit Freunden genießen können.

(Vorläufiges) Fazit:

Overwatch macht unheimlich viel Spaß. Die Charaktere fühlen sich alle einzigartig und interessant an, kein Held ähnelt dem anderen. Das Fortschrittssystem ist zwar motivierend, wirkt aber noch nicht ganz ausgereift – gerade mit steigendem Level werden die Belohnungen so selten, dass sie eher frustrieren, wenn sie so lange ausbleiben. Hoffentlich wird das nicht nur ein Anreiz, um ordentlich Einnahmen durch den Cash-Shop zu generieren. Die Community ist aktuell toxischer als eine großstädtische Kanalisation, aber auch das kann noch der „Aufregung“ durch die Beta geschuldet sein.

Kurz zusammengefasst bin ich davon überzeugt, dass Overwatch einer der großen Shooter-Titel der nächsten Jahre wird. Es passt einfach alles unheimlich gut zusammen – von kleinen Schönheitsfehlern während der Beta einmal abgesehen.

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