Activision hat Call of Duty eine unheilbare Wunde zugefügt, die verhindert, dass Modern Warfare 4 und kommende Teile einen perfekten Release haben können.
Call of Duty: Modern Warfare 4 macht Spaß. Das werden wahrscheinlich viele von euch genauso sehen.
- Die Kampagne von MW4 ist die beste, die wir seit vielen Jahren gesehen haben, und reiht sich bei der originalen MW-Reihe ein.
- Der DMZ-Modus wiederum ist ein gelungener, hürdenloser Einstieg in das Genre der Extraction-Shooter, für Spieler, denen diese Art von Spiel in der Vergangenheit nicht zugänglich genug war.
- Der Multiplayer des Shooters macht zwar nicht alles richtig, aber erfüllt genau den Zweck, den ein Call of Duty erfüllen soll: Ich starte eine Runde, schalte den Kopf ab, renne durch die Maps und ballere ein paar Gegner um.
Auf der technischen Seite ist das Spielerlebnis solide. Bugs habe ich noch keine gesehen und die Performance ist … okay. In anderen Shootern, die 50-90 Spieler mehr auf deutlich größeren Maps mit Fahrzeugen haben, schaffen zwar ähnliche durchschnittliche FPS‑Werte, aber es ist gerade so „gut genug“, weshalb ich mir das Gemecker mal spare.

Klar, wir werden uns in Call of Duty immer über zu starke Waffen, miese Maps, die Lautstärke von Schritten, oder die Server bzw. die Trefferregistrierung beschweren. Das gehört irgendwie dazu. Aber wenn das grundsätzliche Spielgefühl passt, dann haben wir ein gutes Call of Duty – und MW4 ist sehr nah dran, ein perfektes Call of Duty zu sein.
Das Gunplay macht Spaß. Das Movement ist euch vielleicht etwas zu langsam, wenn ihr gerade aus hunderten Stunden BO6 und BO7 kommt, aber wenn ihr – wie ich – auch andere Shooter spielt, fühlt es sich sogar relativ schnell an. Tatsächlich hat Infinity Ward hier einen guten Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Spielerpräferenzen gefunden. Es ist gerade so nicht zu schnell oder zu langsam. Ähnliches gilt für die Time-to-kill, wobei die sogar noch einen Tacken höher sein könnte.
Alle positiven, wirklich gut gelungenen Seiten von MW4 sind aber plötzlich nur noch die Hälfte wert, wenn der Online-Diskurs der Community von Frustration und Negativität geprägt ist.
Jener negative Diskurs ist immer noch eine Folge von dem wohl größten Fehler, den Activision im vergangenen Jahrzehnt begangen hat und seit inzwischen 7 Jahren mitschleppt.
Die Schattenseite eines jeden CODs der letzten 7 Jahre
In Modern Warfare 4 drangsaliert das Skill-based-Matchmaking mal wieder die Spieler. Diese flüchten fluchend auf Reddit und Co., um ihrer Wut Luft zu machen. Das SBMM, wie es meist verkürzt ausgesprochen wird, ist der Grund, weshalb viele Spieler schnell den Spaß an einem neuen Call of Duty verlieren.
Skill-based-Matchmaking ist ein Matchmaking-System, das anhand eures Skills und eurer spielerischen Leistung eure Mitspieler und Gegner auswählt. Je besser ihr spielt, desto stärker werden demnach eure Kontrahenten.
Das SBMM ist schon seit Jahren ein viel diskutiertes Thema in der CoD-Community. Die einen finden es gut, weil sie dadurch nicht gegen deutlich bessere Spieler spielen müssen. Die anderen kritisieren das System, weil sie deshalb keine entspannten Runden mehr spielen und in jedem Match ihr Bestes geben müssen.
Skill-based-Matchmaking ist aber keine Neuheit und existiert schon seit vielen Jahren. Das berüchtigte, viel kritisierte „strenge SBMM“ ist dabei auf Modern Warfare (2019) zurückzuführen. Da wurde das System drastisch verschärft. Heute ist das SBMM ein Fehler, den Call of Duty seit inzwischen 7 Jahren mitschleppt.
Ein Fehler ist das System aber nicht, weil es schlecht ist – das ist ein anderes Thema, zu dem ich als SBMM‑Kritiker auch eine klare Meinung habe. Es ist ein Fehler, weil es verhindert, dass Call of Duty jemals wieder einen perfekten Launch ohne negative Stimmen in den sozialen Netzwerken haben wird. Das zeigt Modern Warfare 4 deutlich.
Activision hat die Community dauerhaft gespalten. Jede Entscheidung, die bezüglich des Matchmakings getroffen wird, würde zu heftigen Diskussionen führen.
- Lässt man es drin, werden SBMM-Kritiker wie Top-Spieler und Streamer lauthals schimpfen.
- Nimmt man es raus, werden SBMM-Befürworter wie Anfänger und Casual-Spieler unzufrieden sein, weil sie in vielen Matches gnadenlos unterlegen sind.
Call of Duty kann auch nicht einfach eine Playlist mit und eine Playlist ohne SBMM einführen. Das funktioniert nur mäßig, denn Befürworter würden weiterhin die Modi mit SBMM spielen, wodurch die Kritiker in den Matches ohne SBMM unter sich wären. Dort spielen dann erneut ausschließlich Top-Spieler gegen Top-Spieler. Erreicht wäre damit nichts.
Denn auch wenn das Argument der SBMM‑Kritiker immer lautet, dass man keine Noobs plattmachen, sondern einfach entspannte, gemischte Lobbys haben will: In einer gemischten Lobby kann es immer den einen Spieler geben, der absolut keine Chance hat. Ein solcher Spieler wird SBMM immer befürworten – vor allem, weil er das System inzwischen kennt und weiß, wie sich das Spiel mit dem Schutzmantel des Matchmakings anfühlt.
Wenn ein schlechterer Spieler die Wahl hat, wird er wahrscheinlich nie eine offene Playlist ohne SBMM spielen.
Ein toter Ubisoft-Shooter zeigt, wie kompliziert das Thema ist
Im Mai 2024 brachte Ubisoft den Arena-Shooter XDefiant auf den Markt, dessen Server bereits ein Jahr später im Juni 2025 abgeschaltet wurden. In XDefiant gab es kein SBMM. Ich will nicht sagen, dass das Spiel deswegen gescheitert ist, aber es gab bereits kurz nach Release Diskussionen um das Matchmaking.
Ein Teil der Community befürchtete, XDefiant sei zu schwitzig für normale Spieler. Der CoD-YouTuber TheXclusiveAce griff das Thema auf und schrieb auf X, er werde oft gefragt, wie er so leichte Gegner bekomme. Seine Antwort dazu:
„Wenn ihr in einem Spiel ohne SBMM buchstäblich nie einen leichten Gegner findet, ist das ein Zeichen, dass ihr jede Menge Raum für Verbesserungen habt.“
Es gibt also unter den Spielern auch Personen, die SBMM kritisieren, aber selbst von dem System „geschützt“ werden. Personen, die schlichtweg die Meinung ihrer liebsten Streamer, YouTuber und E-Sportler übernehmen und fälschlicherweise glauben, sie würden ebenfalls zu den Top-Spielern gehören. Doch sobald sie ein Spiel oder einen Modus ohne SBMM spielen, ist das Spielerlebnis zu schwitzig.
SBMM erzeugt die Illusion, man sei selbst viel besser, als man wirklich ist. Und wenn diese Illusion wie eine Seifenblase zerplatzt, sind die Spieler frustriert, meckern in den Kommentaren auf YouTube und Reddit und sind in ihrem Gamer-Stolz gekränkt. Spieler, die das System jetzt scharf kritisieren, würden plötzlich zu Befürwortern werden.
Activision muss also ganz genau überlegen, ob sie das SBMM jemals abschaffen oder nicht. Es besteht das Risiko, dass bei vielen Spielern die Illusion zerstört wird und sie weniger Spaß an CoD haben, als jemals zuvor.
Call of Duty steht mit dem Skill-based-Matchmaking vor einer schwierigen Situation, die sie jetzt – 7 Jahre, nachdem das System verschärft wurde – kaum noch lösen können. Es wäre immer ein Teil der Community frustriert, egal für welche Variante sie sich entscheiden.
Modern Warfare 4 macht vielen Spielern großen Spaß – wahrscheinlich Spielern, die eher durchschnittlich sind oder am unteren Ende der Skill-Nahrungskette stehen. Die relativ niedrige Time-to-kill, das im Vergleich zu Black Ops 7 langsame, einfache Movement, das SBMM: Top-Spieler meckern gerade viel, während Casual-Gamer vom besten Call of Duty seit 2019 sprechen.
Es hätte ein wirklich starker Release sein können, wenn das SBMM nicht wieder für negative Stimmung sorgen würde.
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Falls ihr euch noch nicht den DMZ-Modus angeschaut habt, könnt ihr hier auf MeinMMO meinen Eindruck von dem Extraction-Modus nachlesen. Ich sehe Potenzial, aber mein persönlicher Fall ist es nicht. Mehr dazu hier: CoD MW4: Ich hab’ 4 Jahre lang auf das neue DMZ gewartet, aber jetzt kann ich es nicht genießen und ARC Raiders ist schuld
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Kommentare
Ich habe das ganze „Elend“ all die Jahre bei Destiny 2 beobachten dürfen, Bungie probierte sich immer wieder in CBMM und SBMM aus, es war ein auf und ab und es gab nie die eine perfekte Lösung (aus meiner Sicht). Pros wollen nicht permanent schwitzen und Anfänger oder weniger gute Spieler wollen nicht ständig (gefühlt) den Pros zum Fraß vorgeworfen werden. In Destiny 2 hatte ich bei meinen wenigen PvP Ausflügen, in Eisenbanner, Osiris etc, mehr Spass mit SBMM, als mit CBMM. Ich denke beide Seiten haben je aus unterschiedlicher Gamersicht ihre Vor- und Nachteile.
Ich hab den Hass auf SBMM nie verstanden, aber vermutlich bin ich eh zu schlecht, als das mich das zu hart trifft 😅