Mecker Mittwoch: Macht der Zahlen – Bewertungen bei Games

Am heutigen Mittwoch wende ich mich mal mit einem Problem an Euch, das nicht in erster Linie mit einem Computerspiel zu tun hat (aber ganz sicher in zweiter und dritter). Dadurch gewinnt ihr auch einen kleinen Einblick, mit was für ungeheuer schrecklichen Problematiken sich Autoren dieser Tage rumprügeln müssen. Aber worum geht es und wie kam es dazu?

Aktuell schreibe ich mehr oder minder fleißig am Test für die erste Erweiterung von Hearthstone „Goblins vs Gnomes“ und immer wenn ich gerade eine kleine Schreibblockade habe, dann höre ich mir irgendein Hörbuch an oder – wie diesmal – einen Podcast auf Empfehlung meines Mitbewohners. Ein paar prominente Youtuber (u.A. der „Cynical Brit“) haben sich ausführlich über Bewertungssysteme für Spiele unterhalten und ich könnte ihre Meinung kaum stärker vertreten.

Kein Schwein interessiert, was ich zu sagen habe

WildStar

Vielleicht sehe ich das Ganze zu schwarz, aber mich wurmt die Tatsache ungeheuer, dass es Leute gibt, die nur von der magischen Zahl in der Bewertung ausgehen und sich nicht dafür interessieren, wie ich zu dieser Zahl gekommen bin. Ich kann natürlich niemanden zwingen, meine Artikel zur Gänze zu lesen (gut, ich könnte… aber ich bin gnädig) und letztlich ist natürlich jeder Leser selbst dafür verantwortlich, wie viel er wirklich konsumieren will.

Gaming BewertungenWenn es jedoch als Autor möglich ist, die Leser in irgendeiner Weise stärker dazu zu animieren, einen Text in seiner Gesamtheit zu lesen, dann will ich von diesen Methoden gerne Gebrauch machen. Oft steckt stundenlange Arbeit in einem ausführlichen Test, da bin ich um jede Person froh, die mehr als nur „6 von 10 Punkten, schlechtes Game“ mitgenommen hat.

Um es einmal hart und kurz zusammenzufassen: Eine numerische Bewertung sorgt dafür, dass der gesamte Text an Attraktivität verliert. Dabei scheint es nicht einmal wichtig zu sein, ob die Leser irgendwie erkennen können, wie ich eigentlich zu meiner Bewertung gekommen bin. Eventuell würfel ich das ja nur aus…

Wenn Zahlen sich auszahlen

Das größte Problem ist vermutlich die Aufmerksamkeit, die eine Seite bekommt, solange sie ein klares Bewertungssystem enthält. Ich mache kein Geheimnis daraus: Auch wir sind absolut abhängig von unseren Lesern und den daraus resultierenden Seitenaufrufen. Wenn niemand die Seite besuchen würde, dann könnten wir unseren Betrieb wohl in einer Woche einstellen. Auf den Seiten der Suchmaschinen, wie etwa Google, werden Beiträge mit einem Bewertungssystem sehr prominent dargestellt, was mich mehr oder minder dazu zwingt, das auch weiterhin so zu handhaben.

Warlords of Draenor Test Bewertung

Rich Snippets bei Google: Ohne Sterne und Bewertung ist die Klickrate wesentlich geringer, was letzten Endes dazu führt, dass der Test an Positionen verliert.

Aber warum ist das so? Ich kann es nicht genau sagen, aber es ist einfach ein Fakt, dass jede Seite, die ein auf Zahlen basiertes Wertungssystem benutzt, mehr Aufmerksamkeit generiert und von den Lesern öfter gesucht wird. Man kann quasi sagen, sobald eine „Note“ am Ende vergeben wird, kommen die Leser von alleine!

Das Problem in diesem durch Werbung finanzierten Geschäft ist für mich, dass es letztendlich vollkommen egal ist, was die Nutzer auf der Seite machen. Ob sie meine Artikel lesen, einfach runterscrollen und auf die Wertung schauen oder nur einen unschönen Kommentar hinterlassen, letztendlich ist alles in „gleichem Maße“ gut, zumindest kurzfristig betrachtet.

Wie ist eure Meinung dazu?

Was mich aber nun brennend interessiert, fernab von Google-Suchergebnissen und Metacritic-Bewertungen: Wie steht ihr zu dieser Problematik? Gefällt euch ein Bewertungssystem, bei dem es letztlich auf eine Punktzahl zwischen 1 und 10 hinausläuft, die dann auch noch auf dem subjektiven Eindruck einer einzigen Person beruht?

[pullquote]Etwas wie “Spielspaß” oder “Langzeitmotivation” ist doch ungeheuer subjektiv[/pullquote]Wie würde euch ein System gefallen, in dem es am Ende keine Note oder Punktzahl gibt, sondern ihr gezwungen wärt, wirklich den Text zu lesen? Ich persönlich finde es immer schwieriger, Spiele in bestimmten Kategorien zu bewerten – denn gerade etwas wie „Spielspaß“ oder „Langzeitmotivation“ ist doch ungeheuer subjektiv. Lasst es mich bitte in den Kommentaren lesen, was ihr darüber denkt. Ich bin gespannt!

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