Interview: Vom Chemiestudium zur Final-Fantasy-XIV-Musik zum Rekord

In einem exklusiven Interview spricht der Sound Director und Komponist von Final Fantasy XIV, Masayoshi Soken, darüber, wie er fast ein Wissenschaftler wurde und warum FFXIV-Musik für ihn an erster Stelle steht.

Musik war in Final Fantasy-Spielen schon immer etwas ganz Besonderes und auch bei Final Fantasy XIV hat Square Enix bei seinem Soundtrack keine Kosten und Mühe gescheut.

Nach dem erfolgreichen Debüt in Japan wurde nun auch für Deutschland das FFXIV-Konzert „Eorzean Symphony“ angekündigt, das während der Gamescom stattfinden wird.

Wir haben die Gelegenheit erhalten, dem Mann hinter der Musik einige Fragen zu stellen: Masayoshi Soken.

Soken-san ist bereits seit 2001 bei Square Enix angestellt und hat FFXIV als Teil des Entwicklerteams durch seine Höhen und Tiefen begleitet.

Von Wissenschaft und Weltrekorden

Mein MMO: Können Sie unseren Lesern etwas über ihren musikalischen Hintergrund erzählen und woher kam die Entscheidung bei einer Gaming Firma anzufangen?

Soken: Mein Vater spielte Trompete in einem symphonischen Orchester und meine Mutter unterrichtete elektrische Orgel bei uns zuhause, ich wuchs also umgeben von Musik auf. Im Alter von 3 Jahren hatte ich bereits angefangen, Klavier zu spielen, allerdings habe ich trotz alledem keine formale Ausbildung im Komponieren von Musik erhalten.

In der Schule habe ich mich sehr für Wissenschaft interessiert und mich an der Universität auf Chemie spezialisiert. Ich hätte in Zukunft wahrscheinlich Beschichtungen für Plastikflaschen oder Medikamente gegen Krebs entwickelt. Aber während des Studiums begann ich zu fühlen, dass ich nicht dafür bestimmt war, ein Wissenschaftler zu werden.

In der Zeit habe ich jeden Tag meine Lieblingsvideospiele gespielt. Damals wusste ich noch nicht mal, dass Game Sound Creator tatsächlich ein richtiger Job war.

Es wurde mir erst dann klar, als ich nach Arbeit suchte und mir dachte: „Hey, irgendjemand muss doch den Sound für die ganzen Videospiele beruflich machen!“ Also habe ich beschlossen es selbst zu tun.

final fantasy xiv soken weltrekord

Mein MMO: 2017 haben Sie den Weltrekord für die meisten Original-Stücke in einem Videospiel aufgestellt. Damals waren es 384 Tracks, aber die Zahl ist seit dem Release von Stormblood und mehrerer Content-Patches massiv gewachsen. Woher nehmen Sie die Inspiration, um so große Mengen an Musik in so kurzer Zeit zu komponieren? Mussten Sie schon mal mit Burnout kämpfen?

Soken: So ziemlich alles aus meinem alltäglichen Leben inspiriert mich. Natürlich habe ich auch meine eigene Lieblingsmusik und –künstler, aber ich denke vielmehr, dass ich dafür die vielen unterschiedlichen Dinge und Erfahrungen verwende, die ich jeden Tag sammle, und vor allem aber die Meinungen der Spieler nehme.

Danach verbinde ich das alles in der Musik, die ich komponiere. Ich denke, dass ich nie aufhören werde die Inspiration aus der Welt um mich herum zum kreativen Output zu verarbeiten, egal wie komplex und fortgeschritten die Spiele in Zukunft sein werden. Ideen sind mir bis jetzt nie ausgegangen!

Mein MMO: Einige Musiker sprechen von einer Erfolgs-Formel in ihren Kompositionen, die sie ausfindig gemacht haben und immer wieder nutzen können. Haben sie auch eine „Strategie“ gefunden, die sie wiederholt anwenden können? Eine Art „Ohrwurm-Garantie“ für Final-Fantasy-Fans?

Soken: Ich betrachte die Musik nicht auf eine so gebildete Art und Weise. Es ist viel mehr die Frage, wie ich das Spielerlebnis der Fans durch meine Arbeit verbessern kann. Ich weiß nicht, ob das als „Strategie“ zählt oder nicht.

Ich bin für den Sound von FFXIV zuständig, aber wenn man es weitläufiger betrachtet, bin ich aber genauso ein Spielentwickler wie alle anderen.

Musik für FFXIV steht an erster Stelle

final fantasy xiv kefka raid

Mein MMO: Mit dem Omega Sigma-Raid kamen Stücke wie „Dancing Mad“ aus FFVI in die Welt von FFXIV. Gibt es in der FF-Reihe weitere Musikstücke, die Sie gerne für FFXIV neu arrangieren würden? Haben Sie vielleicht persönliche Favoriten?

Soken: Meine Motivation kommt davon, dass ich mir in erster Linie überlege, welche Musik FFXIV als Spiel benötigt. Daher denke ich nicht wirklich darüber nach, ob ich von dem einen oder anderen Song ein Arrangement machen will.

Wenn ich einen persönlichen Favoriten wählen müsste, dann würde ich wahrscheinlich „Torn from Heavens“ nehmen, da es das Lied war, das den Übergang von FFXIV 1.0 zu „A Realm Reborn“ begleitet hat. Mein Favorit von Arrangements aus allen FF-Spielen wäre „Battle Theme 1.x“ aus FFII.

Mein MMO: Was sind die Kriterien bei der Auswahl der Tracks für die Arrangements? Entscheiden Sie alleine darüber oder ist das ein Prozess, in den mehrere Leute involviert sind?

Soken: Darüber, welche Tracks neu aufgelegt werden sollen, entscheide ich zusammen mit dem Entwicklerteam, aber die eigentliche Arbeit und Umgestaltung des Tracks mache ich alleine. Aber wie auch immer die finale Version des Arrangements aussehen mag, ich versuche die Originalmelodie mit möglichst viel Respekt zu behandeln.

Die Musik aus alten FF-Spielen ist aufgrund der Spielerfahrung nach wie vor sehr lebendig in der Erinnerung der Fans erhalten, daher gebe ich mir die größte Mühe, wenn ich so ein Track neu auflege.

final fantasy xiv primals band

Mein MMO: Es fällt einem leicht zwischen Ihrer Band „Primals“ und den Bands ihres Mentors Nobuo Uematsu „Black Mages“ und „Earthbound Papas“ Parallelen zu ziehen. Ist das ein Signal, dass Sie in seine Fußstapfen treten wollen oder wollten Sie einfach eine Band gründen?

Soken: Der Ursprung von „The Primals“ war eigentlich sehr simpel. Als wir mit der Planung für das erste Fan Festival begonnen hatten, hat das Team vorgeschlagen, alles mit einem musikalischen Auftritt abzuschließen und so kam uns die Idee eine Band zu gründen.

Wir haben uns überlegt, dass eine Band den Spielern am meisten gefallen würde. Die Fans waren sehr begeistert von dem Auftritt auf dem Fan Fest und „The Primals“ sind als Band mittlerweile groß genug geworden, um eigene Musik aufzunehmen.

Mein MMO: Sie haben in einem Interview erwähnt, dass Sie in ihrer Rolle als Komponist und Sound Direktor von FFXIV einem extrem strengen Zeitplan unterliegen. Haben Sie persönliche Projekte, für die Ihnen die Zeit fehlt, die Sie aber gerne irgendwann umsetzen möchten?

Soken: Ich habe sehr viele Projekte auf meinem Tisch liegen! Da sind zum Beispiel das FFXIV OST und die Arrangement Albums, ein FFXIV Orchester Konzert und die Primals Japan Tournee, die bereits verwirklicht wurden, aber ich will noch viele andere verwirklichen.

Allerdings steht das Komponieren der Musik für FFXIV selbst für mich an erster Stelle, daher werde ich meine Zeit nicht opfern, um an meinen persönlichen Projekten zu arbeiten.

final fantasy xiv soken cds

Im Anschluss äußerte Soken-san sich zum kommenden Konzert „Eorzean Symphony“ in Deutschland:

Ich werde im August während der Gamescom ein FFXIV Konzert in Deutschland veranstalten und werde auch auf der Messe vorbeischauen! Ich freue mich darauf alle Fans aus Deutschland wiederzusehen!

Wir freuen uns schon darauf, ihn auf der Gamescom und während des „Eorzean Symphony“-Konzertes zu erleben.


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Interview zur Story: Final Fantasy XIV gibt keine Garantie auf Happy End

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