Hearthstone: Großmeister patzt übel, weil er nebenbei was anderes spielt

Dem Hearthstone-Großmeister Seiko, einem Deutschen, ist ein übler Schnitzer in einem Match unterlaufen. Das lag daran, dass er nebenbei in einem Qualifikationsturnier für Auto Chess antrat. Einige Hearthstone-Spieler sind fassungslos, sie finden das Verhalten respektlos.

Wer ist Seiko? Der Hearthstone-Großmeister heißt eigentlich Linh Nguyen und studiert gerade in Berlin Mathematik, wie Blizzard weiß.

Er hat etwa 27.000$ mit Hearthstone verdient (via liquipedia) und ist einer von nur 48 Großmeistern in Blizzards Kartenspiel. Großmeister sind eine elitäre, handverlesene Gruppe von Spielern, die den eSports von Hearthstone dominieren und eigene Turniere und Serien spielen: In Europa gibt’s nur 16.

Wenn die gegeneinander in ihren Formaten spielen, schauen eine Menge Leute zu und erwarten Hearthstone auf allerhöchstem Niveau zu sehen.

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Diese Karte ist zentral für das Paladin-Deck.

Großmeister so abgelenkt, dass er Patzer gar nicht merkt

Was war der Patzer? Seiko spielte ein Paladin-Decks in Hearthstone, das um den Diener „Shirvallah“ herum aufgebaut ist.

Die „Win Condition“ für dieses Deck sieht vor, dass man mit der Karte „Baleful Banker“ eine Kopie von Shirvallah ins Deck bringt, nachdem man sie gespielt hat.

Später versucht der Paladin dann mit der Karte „Holy Wrath“ das Match zu beenden: Dieser Zauberspruch verursacht so viele Schaden wie die Kosten der gezogene Karte betragen. Wenn die Karte 25 Mana kostet, ist das richtig viel Schaden und reicht in der Regel, um das Match zu beenden. Vor allem, wenn man zwei Holy Wrath rausbekommt, und dann 50 Schaden in einem Zug machen kann.

Hearthstone-Banker
Der „Gewissenlose Geizhals“ (Baleful Banker) mischt eine Kopie eines befreundeten Dieners ins Deck.

Es gibt noch ein paar andere Feinheiten bei dem Deck zu beachten, aber es folgt im Wesentlichen diesem Plan:

  • das Match hinauszuzögern, indem man sich selbst heilt und Rüstung aufbaut, während man die Diener des Gegners ausschaltet
  • viele Karten ziehen, der eigene Kartenstapel muss für die Combo leer sein
  • nun sorgt man mit dem Baleful Banker dafür, dass eine Kopie oder mehrere Kopien von Shirvallah im Stapel liegen
  • und dann nutzt man Holy Wrath, um Shirvallah zu ziehen, verursacht 25 Schaden auf den gegnerischen Helden und kann in einem Zug gewinnen

Doch genau das Kopieren der Shirvallah hat Seiko übersehen, der hatte zwar Shirvallah gespielt, aber den Banker nicht genutzt, obwohl er ihn auf der Hand hatte.

Nun konnte der Gegner Shirvallah im nächsten Zug killen und damit waren alle Hoffnungen vorbei, dass Seiko das Spiel noch gewinnen konnte. Denn er hatte einfach keine Win-Condition mehr.

Das war die Reaktion: Das Seltsame im Twitch-Clip war, dass Seiko diesen Patzer überhaupt nicht zu bemerken schien, sondern gebannt auf irgendwas anderes sah, das links unter ihm war.

Die beiden Caster, Sottle und ThatsAdmirable, allerdings bekamen sich gar nicht mehr ein über diesen schrecklichen Fehler des Großmeisters: Das sei nicht zu akzeptieren.

Als Seiko dann wieder aufs Hearthstone-Brett sah, erkannte er seinen Patzer und war ebenfalls erschrocken, was ihm da passiert ist.

Was steckt dahinter? Nach dem Match kam raus, dass Seiko gleichzeitig auf einem anderen Screen das Spiel „Auto Chess“ zockte. Er war dort offenbar in einem Qualifikations-Match für ein Turnier um 1 Millionen US-Dollar.

Seiko hat gleichzeitig Hearthstone auf Großmeister-Niveau und Auto Chess gespielt.

„Wenn er das nicht zu schätzen weiß, macht andere zum Grandmaster“

So reagiert die Community: Es gab einige böse Tweets. So ein Verhalten sei eine „Beleidigung“ für Hearthstone und das Grandmaster-Programm. Das würde zeigen, dass er Hearthstone nicht ernst nimmt. Dann sollten doch andere auf diese „begehrten“ Grandmaster-Spots nachrücken.

Gerade weil es nur so wenige Großmeister gibt und dieses Format ohnehin noch relativ neu und umstritten ist, scheint sich da der Ärger zu entzünden, dass einer der Privilegierten so unachtsam mit seinem Privileg umgeht.

Großmeister sagt: Ich dachte, ich könnte simultan spielen – aber es ging nicht

Das sagt Seiko selbst: Der sagte, er konnte sich nicht vorstellen, dass die Situation so eskaliert. Er spiele bereits eine Weile Auto Chess. Eigentlich wäre er es auch gewohnt, mehrere Sachen gleichzeitig zu machen und wollte daher dieses Risiko eingehen.

Seiko dachte, er könnte beide Spiele gleichzeitig spielen und brauchte nicht so viel Aufmerksamkeit für Auto-Chess. Da habe er sich geirrt. Er habe die Aufmerksamkeit, die Auto Chess erfordert, nicht richtig eingeschätzt.

Zwar hatte er sich sehr auf das Auto-Chess-Turnier gefreut, aber letztlich war’s die falsche Entscheidung. Er hat jetzt gelernt, dass er nicht beide Spiele simultan zocken kann.

Er entschuldigt sich bei allen, die er so enttäuscht hat.

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Autor(in)
Quelle(n): Inven
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