MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes hat sich als großer Fan der Reihe die neue Kingdom-Hearts-Collection angeschaut. Einen Teil der Reihe hat er noch mehr lieben gelernt – dank einer besonderen Challenge.
Am 8. Oktober erscheint die Kingdom Hearts Collection
für PlayStation 5, Xbox Series X|S und Nintendo Switch 2. Das Spiel ist ein großes Gesamtpaket mit 7 spielbaren Titeln – quasi einen Gesamtüberblick der Action-RPG-Reihe, wenn man das Rhythmus-Spiel Melody of Memory und die Handy-Spiele ausklammert. Square Enix hat uns die Collection vorab bereitgestellt und ich spielte sie auf der Nintendo Switch 2.
In meiner Spielzeit habe ich mich hauptsächlich auf Kingdom Hearts 2: Final Mix konzentriert, meinen Lieblingsteil der Reihe. Nach fast 20 Jahren traute ich mich aber an eine Challenge, vor der ich mich jahrelang gefürchtet habe – und es war fantastisch.
Eine Challenge, die das wahre Potenzial des Spiels entfaltet
Ich spielte das Spiel im Veteran-Modus. Dort verursachen Gegner doppelten Schaden, man selbst haut aber auch 25% mehr Schaden raus. Dafür startet man aber mit 50 AP, das sind die Punkte, um Fähigkeiten zu verteilen. Passend dazu fängt man mit starken Fähigkeiten, die man ausrüsten kann, an.
Weil das aber nicht hart genug ist, rüstete ich noch EXP Null
aus. Dadurch erhält man keine Erfahrungspunkte.
Das klingt nach der puren Qual, aber auch wenn ich mir an einigen Bossen die Zähne ausgebissen habe und es bisher nicht schaffte, das Spiel durchzuspielen, merkte ich erst jetzt, wie gut das Kampfsystem wirklich ist.
Während man auf dem normalen Schwierigkeitsgrad einfach die Angriffstaste spammen kann, muss man im Veteran-Modus wirklich alles nutzen: Zauber, Beschwörungen und auch die Drive-Verwandlungen.
Dabei zeigt Kingdom Hearts 2 erst so, wie durchdacht und gut gebaut das Kampfsystem ist:
- Zauber haben Kombos, aber man muss die Mana-Leiste im Auge behalten.
- Greift man in der Luft an, hat man eine höhere Angriffsgeschwindigkeit.
- Beschwörungen geben euch eine kurze Unverwundbarkeit, kosten aber auch die gesamte Mana-Leiste, die sich erst nach einem Cooldown regeneriert.
- Der Konter wird euer bester Freund sein.
- Ihr werdet das Huhn aus
Himmel und Huhn
lieben lernen.
Das sind nur kleine Teile, die aber zeigen, was man für Möglichkeiten hat. Action-Spiele sind vor allem dann gut, wenn sie dem Spieler verschiedene Optionen geben, um Situationen zu lösen. Man selbst muss Entscheidungen treffen und die eigene Toolbox nutzen. Nutzt man lieber Zauber aus der Ferne und wartet auf die Cast-Animation und den späteren Cooldown, oder geht man mit Nahkampfattacken rein und riskiert, leichter angegriffen zu werden?
Es ist auch wichtig zu beachten, wie viele Schläge ein Gegner aushält, bevor er garantiert einen Angriff durchbekommt: Jeder Knopfdruck muss also perfekt koordiniert sein, damit ihr nicht plötzlich durch einen Gegenangriff sterbt.
Man muss jeden Encounter lernen und vor allem bei den Bossen wird man mindestens einmal sterben, damit man versteht, was die beste Taktik ist, um ihn zu besiegen.

Bosse fühlen sich immer sehr schwer, aber nie unfair an. Kingdom Hearts 2 vermeidet es, harte Bosse einfach nur mit mehr Leben auszustatten. Bosse haben zwar feste Werte und skalieren nicht, aber das Spiel lässt mich nie zu wenig
Schaden hauen, auch auf Level 1 nicht.
Zudem wird man als Spieler auch ohne Level-Ups stärker, weil freigeschaltete Fähigkeiten an den Story-Fortschritt gebunden sind. Dadurch bekommt man ein Repertoire und kann sogar eigene Builds bauen: Will man etwa längere Combos haben oder sogar kürzere, die aber schneller einen Finisher, also einen starken Abschluss, verursachen.
Aber ich bin ehrlich mit euch: Man braucht trotzdem verdammt viel Geduld, denn man wird oft sterben und das nicht nur bei Bossen. Aber anders als bei vielen Souls-Bossen hat sich das nie zu frustrierend angefühlt, weil ich immer wusste, was ich hätte besser machen können.
Das machte sogar Spaß, weil ich mehr Mechaniken ausprobiere und sie miteinander kombiniere. Ich hätte beispielsweise nie gedacht, dass ich den Zauber Magnet
so lieben werde, aber es ist der beste Crowd-Control-Spell und hilft gegen Gegnergruppen.
Mit diesem Mix und den vielen Mechaniken, die erst auf Veteran
ineinandergreifen, ist Kingdom Hearts 2 einer der besten Action-Titel aller Zeiten und bietet eines der besten Kampfsysteme aller Zeiten, über das ich auch außerhalb des eigentlichen Zockens nachdenke.
Es gibt nichts, das so ist wie Kingdom Hearts
Kingdom Hearts ist absurd, chaotisch, aber eben auch besonders. Wenn man die Welten besucht und dabei der Musik lauscht, entsteht ein Mix aus Melancholie und Nostalgie – kein Wunder, wenn man die Disney-Filme der eigenen Kindheit abklappert.
Aber genau dieser verrückte Mix fasziniert mich noch bis heute und in Kingdom Hearts 2 funktioniert er meiner Ansicht nach am besten, weil man eine schöne Balance aus Disney-Welten, Final Fantasy und eigener Identität hat. Spätere Teile (vor allem 3) konzentrierten sich auf Disney und Pixar, wodurch die Atmosphäre etwas litt.
Was ich aber an allen Teilen der Reihe liebe, ist die Spielfreude mit Mechaniken und Special-Moves, die man vielleicht nur einmal sieht, aber die die Disney-Welten noch mehr charakterisieren. Wenn man zusammen mit dem Biest oder Mulan einen beeindruckenden Finisher macht, dann kann man nur gebannt auf den Fernseher schauen und sich freuen – dieser Aspekt hat mich damals genauso wie heute fasziniert.
Jetzt, wo ich das Kampfsystem mehr schätzen gelernt habe, liebe ich Kingdom Hearts 2 nochmal mehr. Für mich ist es der beste Teil der Reihe und wer die Reihe mal nachholen wollte, bekommt mit der Collection 7 Spiele und den DLC für den 3. Teil. Zusätzlich gibt es dann noch Filmzusammenfassungen von kleineren Games der Reihe, die euch die Story verständlicher (oder weniger verständlich) machen. Wer die Reihe also noch nie gespielt hat, hat hiermit eine gute Collection. Spieler, die aber bereits die anderen Versionen, etwa für die PS4, haben, müssen hier aber nicht zugreifen.
Wie sieht es um die anderen Spiele der Collection aus?
Ich mag alle spielbaren Teile der Collection, da sie ihre eigenen Eigenheiten, Stärken, aber auch Schwächen haben. Vor allem Birth by Sleep hat es mir neben dem 2. Teil angetan. Das Schöne an den verschiedenen Spielen sind auch die verschiedenen Disney-Welten – davon gibt es eine Menge.
Es freut mich auch, die Spiele endlich vernünftig auf der Nintendo Switch 2 spielen zu können. Vorher gab es nur Cloud-Versionen, die mittlerweile auch nicht mehr erhältlich sind. Einen Hinweis sollte man aber zu Kingdom Hearts 3 geben: Das Spiel läuft nicht ganz so flüssig wie die anderen Titel und vor allem im Handheld-Modus kann es zu Framedrops kommen, die mich nicht gestört haben. Wer aber empfindlich dafür ist, sollte eher zu den anderen Versionen der Collection greifen.
Ich kann euch nur empfehlen, den 2. Teil auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad zu spielen, denn erst dann merkt ihr, wie gut und durchdacht das Kampfsystem wirklich ist. Auch mit Kingdom Hearts 1 habe ich eine besondere Beziehung: Eins meiner liebsten Action-RPGs habe ich jahrelang nicht angerührt, weil ich eine legendäre Waffe nach 60 Stunden versehentlich gelöscht habe
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