6 Jahre Knast für „Online-Trollerei“ – Jetzt ist er wieder frei

Sechs Jahre musste ein Runescape-Spieler im Gefängnis absitzen, nachdem er einen anderen Spieler „nur trollen wollte“ – das FBI nahm ihn fest.

Sechs Jahre musste Josh Pillaut im Gefängnis verbringen, nachdem er sich online mit einem anderen Spieler stritt. Eigentlich wollte er ihn „nur trollen“ – doch das ging gehörig nach hinten los, als sich dann immer mehr Indizen und Aussagen gegen ihn richteten. Für viele war das ein Präzedenzfall.

Was war damals geschehen? Der damals 19-jährige Josh Pillaut geriet am 4. Oktober 2012 im Spiel Runescape in eine Diskussion. Ein anderer Spieler sagte ihm, er „solle doch Selbstmord begehen“. Die beiden Spieler beleidigten sich und warfen mit allerhand Drohungen um sich. Pillaut ging dabei zu weit und äußerte etwa, dass er „die Oxford High School hochgehen lassen würde“ und es „kaum erwarten könnte, ihnen die Hirne aus den Schädeln zu pusten“. Vier Tage später stand das FBI vor der Tür und nahm Pillaut fest.RuneScape Raid

Zusätzliche Indizien als Belastung: Wenig förderlich für die Beteuerung seiner Unschuld dürfte gewesen sein, dass das FBI den PC von Pillaut untersucht hatte und dabei noch Dokumente fand, die „sich mit dem Zusammensetzen von Bomben und anderen Sprengstoffen beschäftigten“. Auch der Suchverlauf auf YouTube wurde gegen ihn verwendet, denn da suchte er nach dem Spiel „Super Columbine Massacre RPG“ und „Anweisungen, wie man eine abgesägte Schrottflinte baut und Infos zu Molotov-Cocktails“.

RPG Maker Super Columbine Massacre

Interesse für Makaberes „lag in der Familie“: In einem Interview mit PCGamer erklärte Pillaut nun, dass es die Dateien tatsächlich gibt – das habe er auch nie bestritten. Allerdings habe er niemals vorgehabt, einem Menschen zu schaden. Er hatte schon immer eine Faszination für das Makabere gehabt und für ihn hätte das zum Alltag gehört. Viele Mitglieder seiner Familie arbeiteten in der Justiz und so käme es oft zu Gesprächen über Mörder und Serienmörder. Man habe oft darüber diskutiert, wie solche Menschen ticken würden und was alles schief laufen müsse, damit jemand eine solche Tat begeht. „So wie andere Familien über ihre Arbeit und Hobbies reden, war das so etwas wie unser Hobby“ bestätigte auch seine Mutter.RuneScape logo

Der Fall ist noch weitaus größer gewesen. So gab es etwa Aussagen von zwei Ex-Freundinnen, die seine „Besessenheit“ mit dem Columbine-Massaker bestätigten. Hinzu kam dann noch eine steile Drogenkarriere. Alkohol und Marihuana mit 14, Kokain mit 15 und mit 17 eine schwere Abhängigkeit von verschiedenen Inhalationsmitteln.

Am Ende läuft es aber darauf hinaus, dass der Auslöser für seinen knapp sechsjährigen Gefängnisaufenthalt ein paar unbedachte Worte in einem Onlinespiel waren.

Die Geschichte dient hoffentlich einigen als mahnendes Beispiel. Das Internet ist eben kein anonymer, rechtsfreier Raum – je mehr Leute das verstehen, desto besser ist es wohl für alle.

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Autor(in)
Quelle(n): pcgamer.com
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