In zahlreichen Spielen gibt es am Ende eines Levelabschnitts einen Bossgegner. Er stellt meist eine größere Herausforderung dar, der sich die Spieler stellen müssen. Aber wo liegen die Ursprünge dieses Konzepts? Wer war der erste Bossgegner?
Wir sind es gewohnt, in Spielen ganze Heerscharen an Standard-Gegner zu erledigen. Besonders sind da schon die Obermotze, die gerne mal am Ende eines Levels oder auch in der freien Wildbahn auf uns warten.
Bossgegner sind meist deutlich stärker als die normalen Feinde. Sie testen die Fähigkeiten der Spieler und lassen sich oftmals durch frisch erlernte Mechaniken besiegen.
Die Idee, diese Art von Gegner in ein Spiel einzubauen, ist schon etwas älter. Vor stolzen 51 Jahren erblickte nämlich der erste Boss der Videospielgeschichte das Licht der Welt.
Nicht ganz unschuldig an seiner Entstehung war, wie so oft bei Spielen, Dungeons & Dragons.
Eines der beliebtesten Spiele, das auf D&D basiert, ist Baldur’s Gate 3:
Ein Drache als Vorreiter
Was hat D&D damit zu tun? 1974 erschien die erste Version des Rollenspiels Dungeons & Dragons. Noch im selben Jahr schufen die beiden Studenten Gary Whisenhunt und Ray Wood das Videospiel „DND“. Es war im Grunde ein Hobbyprojekt, das die beiden auf einem PLATO-Computer in ihrer Universität entwickelten.
In DND konnten Spieler einen eigenen Charakter erstellen und damit einen Dungeon mit mehreren Abschnitten erkunden. Es galt, zwei Schätze zu finden und damit aus dem Verlies zu entkommen. Das Spiel lieh sich einige Konzepte von Dungeons & Dragons.
Unter anderem, dass einer der zu findenden Schätze von einem goldenen Drachen bewacht wurde. Diesen galt es zu besiegen, um an eine wertvolle Kugel zu gelangen.

Gary Whisenhunt beschreibt den Gedanken hinter dem Boss im Buch „50 Years of Boss Fights“ wie folgt:
Wir beschlossen, dass wir ein besonderes Monster brauchten, um die Kugel zu bewachen, etwas, das extrem schwer zu besiegen war und bei dem nur ein Charakter mit viel Erfahrung und gesammeltem Material eine Chance hatte. Und selbst dann wollten wir, dass es eine faire Chance gibt, dass selbst der Stärkste scheitert, denn wenn man die Kugel erwischt und entkommt, wird man in die Elysischen Felder zurückversetzt – eine Art Ruhmeshalle.
Gary Whisenhunt via radiotimes.com
Die Entwickler wollten, dass man auch scheitern konnte und nicht zu einfach das Ziel erreicht. Das Besondere daran: Der Computer, auf dem das Spiel anfangs exklusiv lief, stand in der Uni und so konnte jederzeit überprüft werden, welche der Studierenden mit ihrem eigenen Charakter die Ruhmeshalle erreicht hatten.
Mit der Zeit verbesserten die Entwickler ihr Spiel und bauten es aus. Auch der Drache wurde noch einmal stärker, da einige Spieler ihn viel zu leicht besiegten – exzessivem Zocken sei Dank. DND verbreitete sich rasch und wurde über den Uni-Campus hinweg bekannt.
Von DND geblieben ist vor allem die Idee, Spielern einen Bossgegner gegenüberzustellen. Ohne es zu wissen, veränderten Whisenhunt und Wood somit das Medium. Von da an waren Bosse kaum mehr wegzudenken.
Bosse, so weit das Auge reicht
Wie ging es mit den Bossen weiter? Seither hat sich viel getan. Videospiele haben zahlreiche Entwicklungen durchgemacht. Bossgegner waren aber immer irgendwie dabei. Auch sie haben sich mit der Zeit verändert.
Während die ersten Bosse wie der goldene Drache noch vergleichsweise simpel gestaltet waren, probierten Entwickler mit den Jahren immer wieder neue Ideen aus, um die Spieler zu überraschen.
Bossgegner sollten eine Herausforderung darstellen und das Können der Spieler prüfen. Das sorgte für teils sehr verschiedene Ansätze. Während einige Kämpfe schlicht knüppelhart waren, verlangten andere kreative Lösungen und ein Umdenken in Sachen Taktiken. Auch die Inszenierung der Obermotze wurde mit mehr Grafikpower aufwändiger und effektreicher.
Im Folgenden findet ihr eine Auswahl an ikonischen Bossen, die lange in Erinnerung bleiben:
- Bowser aus Super Mario Bros.: Sicher kein schwieriger Boss, aber umso ikonischer – auch, weil man ihn meist auf dieselbe Art und Weise besiegt.
- Ganondorf aus The Legend of Zelda: Auch er ist eine Ikone, die Hyrule seit über 30 Jahren terrorisiert.
- Psycho Mantis: Der Boss aus Metal Gear Solid spricht den Spieler direkt an und sieht die Angriffe des Spielers voraus. Die Lösung: Den Controller an einen anderen Port anschließen.
- Ornstein & Smough: Das Duo aus Dark Souls war für viele die entscheidende Hürde. Wer sich hier nicht unterkriegen lässt, schafft auch den Rest des Spiels.
- Malenia aus Elden Ring: Sie sorgte für Frust bei unzähligen Spielern, provozierte mit ihrem Spruch beim Tod und sorgte für den Aufstieg einer YouTube-Legende.
- Sephiroth aus Final Fantasy VII: Ein epischer Kampf gegen einen legendären Gegner, an dem vor allem viele Emotionen hängen und der alle Fähigkeiten des Spielers testet.
- Der Lichkönig aus World of Warcraft: Ein Boss, an dem viel Lore hängt und auf den zahlreiche Spieler lange gewartet haben. Der Kampf ist in mehrere Phasen unterteilt und ist nur schaffbar, wenn die Gruppe gut zusammenarbeitet.
- Mr. Freeze aus Batman Arkham City: Ein Boss, der nach jedem Angriff gegen die genutzte Taktik quasi immun wird. Es gilt also, das gesamte Repertoire von Batmans Fähigkeiten zu nutzen.
Das war nur eine kleine Auswahl an bekannten Bossen. Sie alle gehen auf den goldenen Drachen aus DND zurück. Welche sind eure liebsten Endgegner? Schreibt uns das doch gerne in die Kommentare. Wir sind gespannt. Für mehr spannende Trivia-Fakten schaut gerne auf MeinMMO vorbei: Age of Empires, Warcraft oder C&C sind cool – Aber was war eigentlich das erste RTS der Videospielgeschichte?
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Hatte den ersten Boss Gegner bevor ich Gamen durfte, meine Mutter das ich einen Gameboy zum Geburtstag bekomme 😅
Mein denkwürdigster Boss dürfte wohl mein älterer Bruder sein. Das Ziel des “Spiels” war es, sobald er außer Haus war, in sein Zimmer zu gehen und mit seiner jeweiligen Konsole oder seinem PC Spass zu haben.
Das Problem war rechtzeitig den Bossraum zu verlassen ehe er zurückkommt. Als kleiner Junge der Spass an Videospielen hatte war das mit Zeit jedoch so eine Sache. Oftmals stand der Boss schon im Türrahmen und dann gab es Aua Aua.
Man muss dazu anmerken, dass er es abgrundtief gehasst hat wenn man sein Zimmer betrat ohne dass er davon wusste. Dieses Privileg hatte nur unsere Mutter. Der Zugang zum Bossraum wurde auch zunehmend schwerer gepatcht. Verschlossene Tür, versteckter Schlüssel usw. Später wurde der Schlüssel dem Obermotz zum Aufpassen gegeben: meiner Mutter.
Irgendwann hatte er eine Freundin und ich hatte eine Verbündete. Sie konnte sämtliche Mechaniken aushebeln. Sie war oft zwei bis drei Stunden vor meinem Bruder bei uns und hing einfach ein bisschen rum. Sie ließ mich dann immer in das Zimmer meines Bruders. Später erfuhr ich natürlich, dass er ihr gesagt hatte sie solle für mich aufmachen. Das wusste ich natürlich nicht weswegen es für mich immer noch aufregend war und ich immer noch schaute das ich das Zimmer rechtzeitig verliess.
Mit zunehmendem Alter kristallisierte sich schliesslich heraus, dass ich der beste Spieler unserer Familie war. Ich habe dann oft Bosse besiegte an denen meine Brüder hängen blieben. Ab diesem Zeitpunkt standen mir sämtliche Türen offen.
Das ist echt eine schöne Geschichte. 🙂
Ich glaube so die Kindheitserinnerung an Gaming, gerade an Gaming mit anderen, sind immer ganz besondere. Ich hab auch sehr starke Erinnerungen noch, wie wir mit 4 Leuten in einem winzigen Zimmer vor so einem Fußballmanager saßen und so Situatione.. Das ist halt ganz anders emotional aufgeladen, als wenn du mir mit 30 ein Spiel vom eigenen Geld kaufst und es durchballerst.