Pay2Win – MMOs scheitern, weil sie Monetarisierung nicht verstehen

Ein Experte für die Monetarisierung von Videospielen erklärt das Problem hinter Echtgeld-Handel und Pay2Win. Er macht schlechte Monetarisierungs-Modelle für das Scheitern von zahlreichen MMOs verantwortlich und schlägt eine Brücke von Goldsellern zu Pay2Win.

Die Seite Gamasutra richtet sich in erster Linie an die Entwickler und Entscheider hinter Videospielen. Dort erschien ein Artikel von Ramin Shokrizade. Der ist Monetarisierungs-Experte. In 1999 war er selbst erfolgreicher „Echtgeld-Händler“ in Everquest. Seit fast 20 Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema.

Sein Lebenslauf auf Linkedin liest sich spannender als so mancher Roman. So war er 10 Jahre lang “Cyberathlete”, was so viel heißt wie “Powergamer” in Spielen wie EVE Online, WoW oder Diablo 2. Er hat auch immer wieder in der Gaming-Industrie gearbeitet.

F2p Experte
Quelle: Linkedin

Aus diesen Erfahrungen hat er eine Karriere gezimmert. Shokrizade untersucht wissenschaftlich, wie Spiele Geld verdienen und berät Spiele-Firmen. So war er über ein Jahr bei Wargaming und hat da an Modellen für die Monetarisierung von World of Warships mitgearbeitet. Weitere Stationen waren, laut seinem Lebenslauf: Microsoft, Firaxis oder 2k Games.

Frankenstein-Bezahl-Modelle

Shokrizade sagt: Die Spieler wollen weiterhin MMOs, der Bedarf ist hoch, die Entwickler scheitern aber an Monetarisierungsmodellen. Sie stückelten irgendetwas zusammen, irgendein Frankenstein-Modell, ohne das richtig zu verstehen und wunderten sich dann, dass ihre Spiele scheitern. Den Entscheidern fehlt es an Verständnis.

In einem längeren Artikel blickt er auf das Problem des Echtgeldhandels in MMOs zurück. Den scheint Shokrizade als Wurzel des Problems ausgemacht zu haben.

Der Artikel ist ein Auszug aus einer schon älteren wissenschaftlichen Arbeit über Monetarisierung, die Shokrizade unter Verschluss hält, weil er denkt, diese Arbeit könnte zu Lasten der Kunden gehen, wenn man die Erkenntnisse der Studie umsetzt.

WoW Goblin Gold

Das Problem mit der Monetarisierung kommt aus dem Echtgeldhandel

In Ländern wie China sei eine Industrie entstanden, die effektiv virtuelle Währung farmt und die dann für echtes Geld verkauft. Mittlerweile sei das automatisiert. Ein einzelner Mensch betreut unzählige Computer, auf denen Bots Gold farmen und so Geld verdienen.

Das System ist professionalisiert und effizient: Spieler könnten für eine Stunde Arbeit in der richtigen Welt den Gegenwert von hundert Stunden „virtueller Arbeit“ kaufen, daher sei das Modell so erfolgreich.

Dieses Modell führt zu zahlreichen Problemen, weil „virtuelle Leistung“ nichts mehr wert ist, wenn man die Belohnung auch durch Geldeinsatz erreichen kann. Es kommt zu einer Hyper-Deflation. Das, was Goldfarmer verdienen, entwertet die Arbeit der „echten Spieler“: Ein Prestige-Gegenstand sei nichts mehr wert, wenn man ihn für ein paar Kröten selbst kaufen kann und wenn ihn alle haben.

Entwickler hätten vor diesen Goldsellern mit den Jahren kapituliert und das Modell selbst angewendet nach dem Motto „Wenn du sie nicht besiegen kannst, schließ dich ihnen an.“

Black-Desert-Cash-Shop

Experte schlägt Brücke von Echtgeldhandel zu schlechten F2P-Modellen

Die Entwickler wollten nicht darauf warten, dass andere die Wirtschaft ihrer Spieler killen, daher hätten sie es mit Mikrotransaktionen selbst übernommen. Diese Monetarisierung mit „Free to Play-Modellen“ und ihrem „Pay-to-Win“ sei zu Lasten der Spieler gegangen. Die Produktqualität wurde niedriger. Diese Modelle nennt Shokrizade „First Gen F2P.“

Die Modelle von später erfolgreichen Free2Play-Spielen wie LoL und World of Tanks nennt er hingegen „Second Gen F2P“, auch wenn sie nicht ganz „sauber“ sind, wie etwa bei der Premium-Munition von World of Tanks.

Goldene Zukunft für World of Warships – Mobile-Version wird beweisen, dass Experte Recht hat

Er selbst hat in den letzten Jahren an „2nd Gen F2P“ gearbeitet, die dann wohl keine Pay2Win-Elemente mehr haben.

Als er an der Monetarisierung des WoT-Mobile-Ableger “World of Tanks Blitz” gewerkelt hat, sei ihm nicht erlaubt worden, die Premium-Munition aus dem Spiel zu nehmen. Daher sei auch hier das Modell nicht “100% 2nd Generation F2P.”

WoTBlitz

Bei World of Warships hat er sein Business-Modell aber umgesetzt. Das sei, wie Zahlen beweisen, nun das erfolgreichste Spiel, was das Geld betrifft, das Spieler pro Kopf im Game lassen.

Er glaubt, wenn World of Warships auf die Mobile-Geräte kommt, wird es weiter erfolgreich sein und die Richtigkeit seiner Theorien beweisen. Shokrizade glaubt, dass ein „sauberes“ Free2Play langfristig auch mehr Geld einspielt. Die Mobile-Version von World of Warships werde dann den aktuellen Marktführer World of Tanks: Blitz überflügeln und damit beweisen, dass er Recht hat.

Wir haben den Artikel hier verkürzt und vereinfacht wiedergegeben. Wer sich für die Ausführungen interessiert, sollte sich den Artikel hier auf Gamasutra selbst durchlesen. Er ist auf Englisch.

Cash Shop Coins

Mein MMO meint: Shokrizade liefert den Unterbau für das, was die meisten MMO-Spieler glauben: „Free-to-play und vor allem Pay-to-win haben das MMO-Genre zerstört oder ihm zumindest schwer geschadet.“

Aus Shokrizades Sicht sind die Modelle nicht nur für die Spieler schlecht, sondern auch für die Entwickler. Er scheint es sich zu einer Lebensaufgabe gemacht zu haben, die Monetarisierung in bessere Bahnen zu lenken. Man kann ihm dabei nur Glück wünschen.

Mit Cash-Shops, Pay2Win und ihren Schwierigkeiten haben wir uns in diesem Artikel beschäftigt:

Pay2Win – der schwarze Fleck: Warum es so selten um Cash-Shops geht

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phreeak

Frag mich, wieso man bei nem Abschnitt, wo es um Goldbots geht, nen Bild von BDO hinklatscht? Glaub, dass ist eins der wenigen MMO, dass sogut wie kein Goldbot problem hat, da man Gold nicht untereinander traden kann und Preise im AH reguliert sind..

(man hat nur Probleme mit diesen “verkaufe x für perlen” heinis, aber wer sich darauf einlässt ist selber schuld, da es recht unsicher ist, so wie das AH aufgebaut ist)

Ansonsten steckt viel wahrheit im Artikel

Dahoo

Ich stimme dem mann mit jedem Wort zu, jemand der die Spielewelt versteht…
endlich mal…

BigFlash88

Spannendes thema, bringt mich gleich zu warframe, wollt mal fragen ob da jetzt öfters artikel dazu gibt oder ist der aufwand zu groß? Weil es zu wenig leser dafür gibt?

Gerd Schuhmann

Wenn sich da mehr tut, werden wir sicher drüber schreiben.

Mal gucken, kann schon sein, dass wir da jetzt mehr zu machen, jo.

Fluffy

Find die idee auch super *–*
*zum Forenkater schiel* Wär doch was für dich ^-^

Guest

Ist schon alles richtig was da gesagt wird, aber ich glaube nicht, dass es nur am Geschäftsmodell liegt. Wenn ich mir die Spiele der letzten Jahre ansehe, dann sind da über 99% nur Spiele bei, die nichts besonderes anbieten. Der meiste Kram kommt aus Asian und all diese Spiele unterscheiden sich nahezu nicht voneinander und machen auch den Eindruck, als seien sie auf Kurzlebigkeit programmiert. Auch traut man sich als Entwickler einfach zu wenig, was aber klar ist, da man so Risiken eingeht. Was mich ein wenig nervt ist das zu starke Kopieren von verschiedenen Dingen. Ich kann jetzt schon meine Hand dafür ins Feuer legen und sagen, dass die kommenden zwei Jahre mindestens zehn Spiele rauskommen werden, die an H1Z1s und PuBgs Erfolg anknüpfen wollen. Das ist aktuell schwer angesagt. Genauso war es auch in den letzten drei Jahren mit den Survival games, bei denen man sich irgendwelche Hütten bauen musste. Auch hat Monster Hunter nach den Erfolg auf der PSP etliche billige Kopien davon ins Leben gerufen usw. Es kommt einen schon so vor als sei man mittlerweile an einen Punkt angelangt, bei dem es extrem schwierig wird etwas kreatives zu entwickeln, welches die Leute auch überzeugt und über längere Zeit motiviert. Also ich glaube auch das man mit diesen “Frankenstein-Geschäfts-Modelle” gut fahren würde, wenn die Spiele an sich etwas mehr Qualität mit sich bringen und diese nicht einfach zur breiten Masse dazugehören würden.

Fluffy

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das merkt man in Onlinespielen ungemein.
Sobald ein neues Spiel auf kommt kommen 20 oder gar 800 leute dazu die sagen “Warum ist nicht das asu Spiel XXX und XVC drinne?”
“Aber in Spiel VXCV ist das doch auch. Das muss hier unbedingt mit rein.”

Naja und Entwickler, weichgespühlt wie sie nunmal sind (meist Vortraumatisiert von anderen Projekten) geben dem natürlich nach.
Ist doch logisch das da nix neues mehr auf den Markt kommt. Weil die heutige Gamerschaft einfach zu….. naja… Weichei-mäßig ist ^^

Nora mon

ich frag mich ob der bei 2k auch zu evolve beraten hat

Alzucard

Dacht ich mir auch. Aber selbst wenn heißt sowas nicht, dass man das auch umsetzt was man geraten bekommt.

SuperGamerNerd

Wie Geld Geil Kann man nur sein ist ja wohl klar das sowas irgendwan passiert

Die Entwickler können was machen vernünftiges spiel erstellen

Nora mon

ja genau für seine arbeit bezahlt werden wollen ist schon sehr geld geil und gehört verboten … problem ist nicht das sie geld wollen sondern die umsetzung es einzuspielen

Payonsantim

Ja, das kommt der Sache schon ziemlich nahe, wobei ich nicht verstehen kann, wieso immer und immer wieder das RMT (auch von Ingamewährungen) beschuldigt wird. Das Problem ist einfach nur, dass die westlichen Entwickler und auch Spieler nicht verstanden haben, dass RMT den Spielern mit überlassen werden muss und nicht nur Sache des Entwicklers bleiben darf. Die Legalisierung von RMT, wie sie schon fast bei allen Spielen z.B. in Korea (itembay) betrieben wird, ist der einzige Schlüssel, damit auch sogenannte “P2W”-Systeme funktionieren können. Als jemand, der schon lange mit MMO-RMT in Korea (und auch anderswo) nebenbei ein bisschen was dazu verdient, bin ich schon lange dafür, dass in westlichen Gefilden das spielerbetriebene RMT endlich legalisiert und entstigmatisiert werden sollte.

Denn es sind nicht die Goldseller schuld, die automatisiert farmen können. Es sind die Entwickler schuld, die keine vernünftigen Methoden entwickeln können, das automasierte Spielen zu bekämpfen. Außerdem bleibt immer noch die Verschwörungstheorie, nach der Entwickler und Goldseller zusammen ihr Geschäft machen.

Haui

RMT ist die größte Pay2Win Seuche überhaupt! Ich quitte sofort das “Spiel” wenn ich sowas beklopptes sehe. Das ist genau das was im Artikel angesprochen wird -> die eigene Leistung wird dadurch nichts mehr wert! Das durch Goldseller zu rechtfertigen ist nur eine billige gierige Ausrede!

Derdon

Hm sehe ich nicht so, ich selbst verkaufe in einigen Spielen Ingamewährung und wenn sich jemand diesen Service leisten will, warum denn nicht? Könnte ein Entwickler das unterbinden? Klar das Spiel müsste nur ohne Ingamewährung funktionieren was dann vermutlich im dauer Grind ala BDO enden würde, aber möglich ist es bestimmt.

Haui

Für mich haben Computerspiele und Geld verdienen nix gemeinsam. Wenn ich Geld brauche gehe ich arbeiten, wenn ich zocken will dann zocke ich. Für Personen, die 5000+ Euro pro Monat verdienen werden Spiele, die einen kompetiven Part haben, sprich 99% aller MMOs, gepaart mit RMA/Pay2Win/F2P sinnlos.
Ich stelle mir dann immer die Frage “Warum stundenlang stupides Grinden, wenn ich mir das für ein paar läppsche Euro ersparen kann?!”
Oder andersrum, der Grind bzw. die eigene Leistung ist nix mehr wert, da kaufbar.

Mag sein das das für “arme Studenten” lukrativ erscheint, aber für gut verdienende Arbeiter ist RMA & Co. einfach nur bescheuert, sinnlos und hat nix mir dem Zocken an sich zu tun!

schaican

Außerdem bleibt immer noch die Verschwörungstheorie, nach der Entwickler und Goldseller zusammen ihr Geschäft machen

also in Aion gab es am anfang noch den Fraktionschat, wann immer ein gebiet von bots überflutett war wurde der gegerfracktion besched gegeben und die bots wurden geschlachtet.
nach einem jahr wurde diese möglichkeit abgeschaft offiziel weil zuviele “Nettigkeiten” zwischen den spielern ausgetauscht wurden

Nirraven

Sehr interessant, ich hoffe das es man aus der Vergangenheit lernen konnte und jetzt keie P2W Titel mehr kommen. Langfristig ist das einfach immer der Tot für jedes Spiel.

ItzOlii

Spannender Artikel.

Vorallem Hut ab vor ihm wenn die oben genannten Begründungen stimmen weshalb er seine Arbeit unter Verschluss hält.

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