Nach 4 Jahren rufe ich WoW zu: Hör auf, du kannst das einfach nicht

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Es wird Zeit für eine Abrechnung mit dem modernen World of Warcraft. Denn WoW-Dämon Cortyn hat die Schnauze voll.

Ihr kennt mich. Ich schreibe jetzt seit 13 Jahren für MeinMMO und über World of Warcraft. Ich habe das Spiel durch seine Höhen während Legion begleitet und auch die Tiefen von Shadowlands miterlebt.

Im Grunde mag ich World of Warcraft. Ich liebe die Warcraft-Welt, finde die allermeisten neuen Gebiete und Geschichten toll und feiere das Housing wie kaum etwas anderes im Gaming.

Doch was in den letzten Monaten seit dem ersten Patch von WoW Midnight los ist, das ist einfach nicht mehr tragbar. Es ist eine Schande für ein Spiel, das inzwischen mehrere Generationen geprägt hat und sie noch immer prägen könnte – und vermutlich sogar mit „WoW Forever“ auch wieder prägen wird. Doch heute soll es um Midnight gehen, aber eigentlich reicht der Ursprung der Problematik bis zu Dragonflight zurück.

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World of Warcraft Midnight ist wirklich gut gestartet. Der anfängliche Content war reichhaltig, durchdacht und gut. Klar, es gab ein paar kleinere Fehler, aber eben nichts, das wirklich „Gamebreaking“ war. Normale Kinderkrankheiten, die ich bei jeden großen MMORPG-Release verkraften kann.

Das war akzeptabel und das meiste davon wurde in den ersten Wochen behoben. Kleine, unbedeutende Fehlerchen, die ein wenig genervt haben – aber eben nichts Verheerendes. Das war mit der soliden Qualität auch bei The War Within er Fall, ebenso bei Dragonflight.

Das änderte sich jedoch mit den darauffolgenden Patches.

Jeder Patch ist eine Katastrophe, für die man sich schämen sollte

Absolut jeder einzelne Patch nach dem Release von Midnight war ein reinstes Bugfest. Features waren schlicht nicht fertig oder unspielbar.

Ich denke alleine an das Dekorationsduell zurück (der „Prop Hunt“-Modus), der so viele Probleme, Exploits und Bugs mit sich brachte, dass die Strategie der Community rasch war: Wir spielen den Modus einfach nicht, sondern lassen uns am Anfang direkt alle fangen, damit der Mist vorbei ist.

Das ist nur das erste von vielen neuen Features, die unfertig ins Spiel kamen. Ich könnte sie alle einzeln auflisten, aber eigentlich könnt ihr euch bei jedem Patch das „Highlight-Feature“ rausnehmen und die Frage stellen „Hat das an Tag 1 problemlos funktioniert?“ und die Antwort ist jedes verdammte einzelne Mal: Nein.

Das nächste Problem ist die Balance des Spiels. Damit meine ich nicht Unterschiede zwischen den Klassen – die sind vorhanden, aber meistens deutlich weniger dramatisch als behauptet wird. Ich rede von der Balance des Spiels für Solo-Inhalte.

Die Alptraum-Jagden sind lächerlich leicht. Selbst ein Charakter, der frisch Stufe 90 geworden ist und vielleicht eine Handvoll blauer Items von Rare-Mobs hat, kann die problemlos bewältigen. Daran ist nichts „Alptraum“. Das einzige, was richtig bescheuert war, das waren die Fallen zu Beginn, die während der Jagd erscheinen konnten – aber nicht der eigentliche Kampf. Der war extrem einfach.

Kindo’jan war ein verdammter Witz

Das gleiche Problem hat auch das Labyrinth von Kindo’jan. Das ist besonders, weil man sich hier erstmalig sogar Mythos-Items erspielen kann, an die Solo-Fans sonst gar nicht rankommen. Doch wozu braucht ein Solo-Fan noch diese Items? Es gibt keine Solo-Inhalte, auf die man hinarbeiten könnte, für die Mythos-Items passend wären. Das Labyrinth auf Stufe 11 kann man nämlich schon mit Champion-Items und Augen zu bewältigen.

Auch der Boss Kindo’jan ist, und das muss ich in aller Deutlichkeit sagen, ein verdammter Witz. Das ist kein Nemesisboss gewesen. Das war Fallobst. Selbst mit meiner durchschnittlich ausgerüsteten Dämonenjägerin konnte ich den Boss in der ersten Phase besiegen, bevor überhaupt anspruchsvolle Mechaniken kommen. Eigentlich hat der Boss 3 Phasen.

Das einzige, was Kindo’jan schwierig gemacht hat, war der Umstand, dass – ihr ahnt es bereits – das Labyrinth in der ersten Woche so gnadenlos verbuggt war, dass viele Kindo’jan gar nicht erreichen konnten. Die Fehler waren so massiv, dass Blizzard sogar das Zeitlimit für einen exklusiven Erfolg um eine Woche verlängert hat.

Der YouTuber Bellular hat vor einigen Tagen ein schönes Video dazu gemacht, das mir aus der Seele spricht:

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Warum Kindo’jan so einfach ist, das liegt auch auf der Hand: Wenn man bei Kindo’jan ankommt, hat man die Stärkungseffekte von insgesamt 9 Tiefen-Kammern im Gepäck. Da macht der eigene Charakter gerne mal doppelten bis dreifachen Schaden, kassiert kaum noch Schaden und hat 90 % mehr Lebenspunkte.

Ich kann es nicht beweisen, aber ich bin mir ziemlich sicher, wie dieser Fehler zustande gekommen ist: Man hat Kindo’jan einfach so gebalanced als käme man ohne die Stärkungseffekte zu ihm. Dann wäre der Kampf nämlich auf dem Niveau vorheriger Nemesis-Bosse.

Dieser Mangel an Qualität neuer Spielinhalte in World of Warcraft Midnight ist allumfassend. Es betrifft absolut jede Art von Content, vielleicht mit der Ausnahme des Raids und des Housings. Da liefert man echt gute Qualität ab.

Nicht einmal der Shop ist sicher

Dieser Abfall (im doppelten Sinne) der Qualität betrifft sogar den „Premium-Content“, für den man im Shop Geld bezahlen müsste. Ein Shop-Reittier hatte beim Release einen Platzhalter-Text wo einfach nur „Name“ anstatt dem Namen des Reittieres stand. Ein neues Transmog-Set wurde nach 2 Tagen sogar wieder aus dem Shop entfernt, weil es bei einigen Völkern nicht Haut an den richten Stellen zeigte, sondern komplette Schwärze, als hätte man sich für eine BDSM-Nacht im Keller des Silbermonder Gasthauses vorbereitet:

https://www.reddit.com/r/wow/comments/1x6tdjx/we_accidentally_got_rexxars_latex_collection_the

Ich weiß nicht, wer dafür verantwortlich ist. Ob es Ion Hazzikostas persönlich, irgendeine ranghöhere Person oder das ganze Kollektiv der Entwickler von World of Warcraft ist, das diese Entscheidung nicht fällen kann, aber mein ausdrücklicher Wunsch: Löscht den 8-Wochen-Rhythmus bei Patches. Ich bin es leid. Ihr habt der Spielerschaft jetzt über 4 Jahre eindrucksvoll bewiesen: Ihr könnt das nicht. Ihr schafft es nicht, in einem so schnellen Takt Inhalte abzuliefern, die fehlerfrei funktionieren.

Absolut jedes Mal macht sich die Community über die Entwickler lustig, fragt zynisch, ob es gar kein QA-Team gibt (was es gibt, aber auf die hört man offenbar nicht) oder ob man die 13 Euro im Monat bezahlt, um Beta-Tester zu sein.

Die treusten Fans fühlen sich betrogen

Wieder und immer wieder sind die Leidtragenden eure größten Fans, die direkt an Tag 1 den Content erleben wollen und sich darauf freuen. Es sind die WoW-Spielerinnen und -Spieler, die euch am längsten die Treue halten und trotz den Erfahrungen der letzten Jahre, immer wieder schauen, was es Neues gibt.

Doch die Art, wie Fragen im Gildenchat gestellt werden, hat sich schleichend geändert. Es ist nicht mehr ein Wie funktioniert das oder wo beginnt die Quest dafür?, sondern wurde zu einem Kann man das schon spielen oder sollte man noch warten? geworden.

Wenn ein neues Update für das geliebte MMORPG erscheint, dann sollte das ein Tag der Freude sein. Inzwischen ist es, wie in den grauen Anfangstagen von World of Warcraft, wieder zu einem „Never play on patch day“ verkommen. Nur dass dieses Mal nicht die Server in die Knie gehen, sondern eben die fehlerhaften Mechaniken.

Die Entwickler wissen auch, dass ihre Inhalte fehlerhaft veröffentlicht werden. Denn die Bugs, die zum Launch im Patch sind, wurden zuvor wochenlang in den Foren und im Subreddit von WoW besprochen und diskutiert, schon während der PTR-Phase. Es ist buchstäblich unmöglich, über die Existenz dieser Fehler bei Release nicht informiert zu sein.

Wenn irgendetwas das moderne World of Warcraft jemals in die Knie zwingt, dann sind es nicht fragwürdige Story-Entscheidungen, die langjährige Charaktere opfern, keine „WoW-Killer“-Spiele und auch keine anderen Spielversionen wie Forever oder Classic. Es ist der Mangel an Qualität bei der Veröffentlichung und die Menge an undurchdachtem „Slop-Content“, der nahezu allen aus den Ohren raushängt und dem Anschein nach nur existiert, um die Patch Notes schön lang aussehen zu lassen.

World of Warcraft ist grandios, wenn es sich Zeit für Features lässt, diese durchdenkt und daraus etwas richtig Interessantes schafft, wie es zuletzt bei den Tiefen und dem Housing der Fall war. Aber nach über einem Dutzend Copy-Paste-Invasions-Events hat die Community langsam die Schnauze gestrichen voll. Vor allem dann, wenn der Rest des Spiels zum Launch fehlerhaft ist.

Und das sage ich mit aller Liebe, die ich noch immer für World of Warcraft in mir trage: Hör auf, Blizzard. Lass dir wieder Zeit für Inhalte, bis sie fertig sind. Denn sonst sind deine Fans irgendwann fertig mit dir.

Kommentare

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vulperabeste

Für mich ist die Fülle an Inhalten das Problem. World of Warcraft ist von einer kleinen gemütlichen Küche mit guter Qualität zu einer Großküche mutiert in der nicht nur zwei gute Gerichte auf dem Programm stehen, sondern zwanzig mittelmäßige und alle werden gleichzeitig gekocht.

Logisch dass dann in einem Gericht zu viel Salz ist oder in einem anderen eine Zutat die eigentlich in ein anderes Gericht gemusst hätte. Und da beschweren sich die Kunden natürlich zu recht.

Nur leider hat diese Großküche zu viele Gäste, denen das Essen trotzdem schmeckt, auch wenn es mal versalzen ist oder eine Zutat drin ist die man eigentlich nicht mag, diese Leute erinnern sich an die Zeit zurück mit den zwei guten Gerichten aus der Kleinküche und denken, dass alles schon wieder gut wird.
Aber das wird es nicht, die Großküche wieder klein zu machen, das sind finanzielle Einbußen die man bei Blizzard nicht verkraften könnte. Also werden die zwanzig Gerichte weitergekocht.

Blizzard muss sich von den ganzen Inhalten mal trennen und sich wieder auf das Konzentrieren was sie gut können, anstatt zu versuchen es jedem gleichzeitig recht zu machen. Albtraumfischen oder die Dundun-Geschichten da braucht wirklich kein Mensch und es juckt auch niemanden. Die müssen die Gerichte die nicht gut laufen rauswerfen und nicht ersetzen. Das wird aber aktuell wohl nie passieren.

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