Hat der neue Store von Epic wirklich eine Chance gegen Steam?

Epic, die Macher von Fortnite, wollen ihre eigene Shop-Plattform etablieren. Zumindest die Startvoraussetzungen könnten besser kaum sein. Hat der neue Store von Epic eine Chance gegen den Platzhirschen Steam? Cortyn analysiert die aktuelle Situation.

Mit dem Epic Games Store versucht Epic einen Konkurrenten zu Steam zu etablieren. Noch ist das Angebot an vorhandenen Spielen extrem klein. Doch im Verlauf von Monaten und Jahren könnte sich eine echte Alternative zu Steam etablieren, wenn die Spieler mitziehen.

Doch genau die Spieler dürften wohl das größte Problem sein.

Epic positioniert sich als Freund der Entwickler

Der wohl größte Anreiz für Entwickler dürfte das Versprechen von Epic sein, deutlich weniger von den Einnahmen verkaufter Spiele abzugreifen als die Konkurrenz bei Steam.

So viel von den Einnahmen wollen die Plattformen:

  • Epic verlangt einen Anteil von 12% auf jeden verkauften Titel in ihrem Store.
  • Bei Steam ist dieser Anteil deutlich höher, da liegt er nämlich bei satten 30%. Lediglich besonders erfolgreiche Spiele können diesen Anteil bei Steam auf 25% oder 20% senken. Das dürfte aber wohl nur das oberste Prozent betreffen, also die absoluten Top-Seller.

Epic Games Store

Das Angebot von Epic ist natürlich ein lukrativ für kleinere Entwickler, die über jede verkaufte Einheit glücklich sind und dann auch noch mehr vom Verkaufspreis behalten können.

Reicht die moralische Überlegenheit? Aber die Frage ist: Ziehen die Spieler da mit?

Ist der „moralische Anreiz“, den Entwicklern mehr Geld zukommen zu lassen, wirklich genug, um Spieler ihre geliebte Software wechseln zu lassen?

Das bezweifele ich. Für den Kunden ist am Ende der Preis des Produkts wichtig. Es wird entweder dort eingekauft „wo man immer einkauft“ (Steam) oder eben dort, wo der Preis am niedrigsten ist.

Der Epic Store könnte damit punkten, dass Entwickler ihre Spiele zu ohnehin etwas günstigeren Preisen dort anbieten, was natürlich einen Teil der zusätzlichen Einnahmen wieder verschlingen würde. Aber wenn mein heiß ersehntes Spiel im Epic Store nur 55€ kostet, bei Steam jedoch 60€, dann ist das ein Argument, das Kunden stärker spüren als nur die moralische Überlegenheit.

Den Anfang macht Epic mit den angekündigten, kostenlosen Spielen in der Rotation. Subnautica, ein Survival-Spiel mit äußerst positiven Reviews auf Steam, wird ab dem 12.12 eine zeitlang kostenlos im Epic Game Store angeboten. Bei Steam kostet es aktuell 20,99€. Ein wahrscheinlich gutes Argument für den Spieler. 
Fortnite-RdW-Umbau

Der Mensch hat es gerne einfach

Spieler wollen es geordnet haben: Ein großes Hindernis bei der Umsetzung des Plans werden wohl die „alteingesessenen“ Spieler sein. Gerade wir Deutsche haben es ja klischeehaft gerne ordentlich.

Da ist so eine Steam-Bibliothek mit 120 Titeln, brav aufgeräumt und sauber nach selbst angelegten Genres sortiert, ein schöner Anblick. Jedes Spiel, das nicht in der Bibliothek ist, ist irgendwie lästig. Ich weiß noch gut, wie ich mich jedes Mal aufgeregt habe, wenn ich Mass Effect: Andromeda über den Origin-Launcher starten musste.

Eigentlich ist das nur eine Sache von wenigen Sekunden, doch diese paar Sekunden Extra-Zeit, die nicht zu meiner „Gaming-Routine“ gehören, sind für mich schon ein Ärgernis, das mich entnervt mit den Augen rollen lässt.Steam Bibliothek Screenshot

Den Otto Normalspieler interessiert es vermutlich nicht, ob die Entwickler 12%, 30% oder 95% der Einnahmen an den Shopbetreiber abgeben müssen. Sie wollen ihre Spiele einfach nur übersichtlich und leicht verfügbar in einer Sammlung sehen und darauf zugreifen können.

Steam in Ungnade gefallen

In den letzten Jahren häufte sich die Kritik an Steam. Die Software ist veraltet und hat bei verschiedenen Features mit langen Ladezeiten zu kämpfen. Die Community-Features sind unübersichtlich und die verschiedenen Community-Boards so toxisch, dass man schon beim Blick auf die Namen der Threads ein Würgereiz einsetzt.

Kein Wunder, immerhin wird dort wenig moderiert. Wer wirkliche Antworten oder Hilfe will, der schaut in die verschiedenen Subreddits des jeweiligen Spiels.Conan-Exiles-steam top 10 titel

Steam hat viele gute Seiten: Allerdings hat Steam auch viele positive Aspekte, die man nicht vergessen sollte. Steam ist noch immer (und wird es auch wohl noch lange sein) der größte Anbieter und hat alleine dadurch eine schier unendlich große Auswahl an Spielen.

Auch in puncto Kundenfreundlichkeit ist Steam recht beliebt. Der Support hat einen recht guten Ruf und die Tatsache, dass man viele gekaufte Spiele auch nach dem Kauf innerhalb einer Frist wieder zurückgeben kann und den vollen Preis erstattet bekommt, spricht für Steam.

Spieler und Epic entscheiden über den Verlauf: Letztendlich liegt es aber nicht in der Hand der Entwickler, ob der Epic Store eine lohnenswerte Alternative ist, sondern in der Hand der Spieler. Denn nur, wenn sich genug Spieler von Steam lösen oder zumindest eine weitere Spielesammlung auf dem Rechner installieren, werden auch die Entwickler umschwenken – denn die brauchen ein Publikum.

Es ist wohl deutlich besser, 1000 Spiele zu verkaufen und dabei 30% abgeben zu müssen, als nur 100 Spiele zu verkaufen und davon nur 12% abgeben zu müssen.Steam Vogel

Nüchtern betrachtet muss man aber wohl sagen, dass die Chancen vom Epic Store solide sind.

Immerhin haben sie dank Fortnite eine sehr großes Basis an potenziellen Nutzern. Wenn sie ihre Karten richtig ausspielen, könnte es langfristig ein ernster Konkurrent werden … oder aber wie GoG und all die anderen Plattformen ein kleines Nischendasein fristen.

Aber kommen wir doch zu Euch: Schwört ihr Steam die Treue und habt gar keine Lust auf eine weitere Plattform? Oder wird es Zeit, dass endlich jemand Steam das Wasser reicht?

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Gründer von Steam Spy arbeitet seit Jahren für Epic an deren Store
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