Destiny: Wo sind die 500 Millionen? – Backlash beginnt

Der MMO-Shooter Destiny startete mit gewaltigem Schub, nun brandet die erste Kritik auf. Das Spiel möchte allen gefallen und gefalle keinem. Die Produktionskosten seien viel zu hoch für das, was rauskomme. Es gebe zu wenig zu tun.

Was heißt eigentlich Backlash auf Englisch?

Als Backlash bezeichnet man das Zurückschnellen eines zu stark gespannten Seils. Wenn einem, der vorher obenauf ist, jetzt alles um die Ohren fliegt. Das taucht in unserer Medienwelt immer häufiger auf. Etwas wird zuerst in den Himmel gelobt und dann unsanft auf den Boden befördert.

Vor ein paar Monaten sollte es sogar Jennifer Lawrence treffen, die Schauspielerin aus den Hunger Games und Silver Linings. Die mochte jeder, Karriere lief wie am Schnürchen, nicht nur schön, sondern auch noch clever, talentiert und lustig – das war manchem zu viel. Sie machte alles richtig, jeder fand sie toll, also traf sie der Backlash: Irgendwie sollte sie nun jedem auf den Geist gehen. Die Welt musste doch jetzt genug von diesem grinsenden Strahlepüppchen mit der rauchigen Stimme haben, oder? Nö, hatte sie nicht. Die Welt beschloss, Jennifer Lawrence einfach weiter toll zu finden.

Meist geht das aber anders aus: siehe Justin Bieber, Britney Spears oder den ehemaliger Doktor zu Guttenberg.

Destiny Kampf mit Schwert

Bei Computerspielen ist so ein Backlash was ganz Normales: Denn bis zur Veröffentlichung spricht fast nur der Hersteller über sein Game. Und der hält seine schützende Hand über der Wiege und knurrt jeden an, der da mit ungesalbten Händen zu Nahe kommt. Doch irgendwann muss auch der treuste Entwickler, der fürsorglichste Publisher, mal sein Schätzchen in die Welt hinauslassen und dann kommen böse Menschen und schreiben böse Dinge darüber.

Bei Destiny, dem Riesen-MMO, das seit einer halben Woche erschienen ist, war der Hype besonders groß, das Seil bis zum Bersten gespannt. Als es dann noch hieß, dass Destiny zum erfolgreichsten Launch einer IP in der Geschichte der Videospiele werden würden, war auch klar, dass sich der Hype gelohnt hatte.

Wie fällt jetzt also der Backlash, wie fällt die Kritik aus? Die ersten Medien haben sich mit dem Shooter auseinandergesetzt.

Nicht mehr das Bungie von früher: Innovation fehlt

Destiny - Chillen auf dem Mond

In einem langen Kommentar auf 4players.de setzt sich der Chefredakteur des Magazins, Jörg Luibl, ausgiebig mit der mangelnden innovativen Leistung des Edel-Shooters auseinander. Früher, schreibt er, hätte Bungie ihm seine Zockertage versüßt, innovative Genreperlen wie Myth hätten ihre Genres vorangebracht, man habe was riskiert.

Heute sei Bugie so eng durch einen Vertrag an Activision gebunden, dass es dem Studio die kreative Ader abschneide. Alles in Destiny sei auf die Befriedigung des Massengeschmack ausgelegt. Destiny sei zum größtmöglichen finanziellen Erfolg verdammt. Und mit dem Versuch und der Bürde, es allen Recht machen zu müssen, gelinge eben kein großer Wurf.

Wo ist eigentlich die ganze Kohle hin?

Bei mmosite fragt man sich: Wo sind eigentlich die 500 Millionen Dollar hin? Immer wieder kommt man in einem Video auf die schnöde Realität von Destiny zu sprechen und hält dem guten, aber nicht überragenden Shooter seine hohen Produktionskosten vor. „Das hätte man doch auch mit 60 Millionen hinkriegen können“, heißt es.

Selbst Star Wars: The Old Republic mit dem sündhaft teuren und opulenten Voice-Acting habe ja nur 200 Millionen gekostet – und bei Destiny habe man nur den Dinklage als großen Namen verpflichtet. Und von dem ist man zu allem Überdruss auch noch enttäuscht.

Gibt’s zu wenig Destiny fürs Geld?

Schon bei mmosite kommt die Kritik auf, dass der Content doch eher etwas schmal ausfalle. Ein paar Maps, ein paar PvP-Arenen, das sei doch eher alles Standard, viel zu tun gebe es nach den Anfangsstunden nicht.

Auch bei polygon bläst man ins selbe Horn. Für ein MMO, in das Spieler Stunden um Stunden, Tage um Tage investierten, sei einfach zu wenig zu tun. Zwar will man bei Polygon noch den 16. September abwarten, bis der erste Raid aufgeht, doch so richtig ist man von Destiny nicht überzeugt. Nur 6 von 10 Punkten vergibt man – und Polygon ist nun nicht gerade für Verrisse bekannt.

Offenbar erwarte Bungie, heißt es im Test, dass die Spieler den wenigen Content wieder und wieder spielten, auf der Suche nach immer besseren Waffen. Ohne die Story-Tiefe, die man aus MMORPGs kenne, gebe es in Destiny erschreckend wenig zu tun, auf das Grinden von Licht-Leveln durch besseres Gear nach Stufe 20 hat man bei Polygon wohl keine Lust.

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