Die Welt von Warhammer 40.000 wird immer als düster, dreckig und absolut tödlich dargestellt – „grimdark“ eben. Was aber für viele mehr wie ein Meme wirkt, weil sie nur die strahlenden Helden der Space Marines kennen, ist für die Menschen im Imperium bittere Realität. Anatoly Shestov, der Executive Producer von Dark Heresy, gibt einen Einblick in das Leben und Überleben im Imperium.
Kein Volk in der Galaxie hat es wirklich leicht – außer Orks vielleicht, weil die ständig nur kämpfen wollen, und Krieg gibt es in Warhammer nun wahrlich genug. Für alle anderen sind die Zeiten aber alles andere als rosig.
Am schlimmsten haben es, wenn man das große Bild betrachtet, aber vermutlich die Aeldari und die Menschen:
- Aeldari, oder Eldar, die Space-Elfen von Warhammer 40.000, sind quasi ausgestorben und warten nur noch auf ihren Untergang.
- Menschen dagegen leben in einer Welt, die sie nicht als Individuen, sondern als Ressource sieht. Buchstäblich: nach ihrem Tod werden sie einfach zu Nahrung verarbeitet.
Es ist eigentlich kaum vorstellbar, wie düster es im Imperium der Menschheit wirklich zugeht. Ich habe mich deswegen mit jemandem unterhalten, der sich damit eingehend beschäftigt hat: Anatoly Shestov.
Anatoly ist der Executive Producer von Dark Heresy, dem neuen Rollenspiel in der Welt von Warhammer 40.000. In einem anderthalbstündigen Gespräch haben wir uns über alle möglichen Themen zu Warhammer unterhalten – darunter die Städte des Imperiums und was sie so tödlich macht.
Underhives sind der vielleicht tödlichste Ort im ganzen Imperium
In Dark Heresy spielt ihr einen Inquisitor, der sich durch die Tiefen eines Underhives kämpfen und verschiedene Fälle aufdecken muss. Entsprechend viel Recherche und Absprache mit Games Workshop ist seitens Owlcat eingeflossen, um möglichst alles korrekt darzustellen.
Zur Erklärung: ein Underhive ist das unterste Gebiet der ohnehin schon gefährlichen Städte des Imperiums. Dort warten toxische Abfälle, brüchige Ruinen alter Fabriken und Gangs, die schon für Stiefel töten würden, deren Sohle mehr als zwei Millimeter dick ist.
Dort gibt es kein trinkbares Wasser, kaum essbare Nahrung und nicht einmal Luft, die man problemlos atmen könnte. Kein Tageslicht, keine Belüftung – nur das pure, nackte Überleben um jeden Preis. Und der ist oft hoch.

Überleben geht „vielleicht ein paar Stunden und das ist die optimistische Schätzung“
Mitten im Gespräch habe ich Anatoly einfach mal gefragt, ob er sich zutrauen würde, in so einem tödlichen Stadt-Dschungel eines Underhives überleben könnte – gesetzt den Fall, er habe Ausrüstung, Waffen und Co. Seine Antwort ist überraschend resolut:
Ich persönlich? Vielleicht ein paar Stunden, maximal. Und das ist schon die wirklich optimistische Schätzung. Da geht es auch nicht um Waffen oder sowas. Es geht um die Möglichkeiten, in einem technologischen Dschungel zu überleben.
Du kennst doch diese tapferen Reisenden und Expeditionen in Wüsten und Dschungel. Die hatten Waffen. Die hatten sogar lokale Führer, viele Vorräte. Aber sie sind an Diarrhö gestorben, an Moskitos und verschiedenen anderen Dingen, weil sie nicht wussten, wie sie sich in solchen Situationen verhalten müssen.
In meiner Vorstellung ist der Underhive genauso gefährlich. Mehr sogar. Es geht also nicht darum, ob du eine Waffe hast oder nicht. Du musst jemanden haben, der dir beibringt, wie du jetzt im Moment noch nicht tot bist. So sieht quasi jede Darstellung der Gesellschaft in einem Underhive aus.
Anatoly Shestov, Executive Producer von Dark Heresy bei Owlcat
Es gebe kleine Gruppen an Leuten, die zusammenhalten und Gangs oder Kulte formieren, und das fast überall in der Gesellschaft. Als Einzelner könne man da gar nicht überleben. Und das will das Imperium auch gar nicht.
„Die ganze Struktur ist darauf aufgebaut, dass du nicht denken sollst“
Auf die Frage, was genau das Leben in einem Underhive eigentlich so tödlich und gefährlich macht, gibt mir Anatoly gleich eine ganze Erklärung fürs Imperium als Gesamtes. Dass man dort nicht leben, sondern funktionieren muss, sei keine Folge des Krieges, sondern der Antrieb dafür:
Es ist eine Kriegswirtschaft in den meisten Territorien, an den meisten Schauplätzen, den meisten Planeten und Städten [des Imperiums]. Du sollst nicht arbeiten gehen und danach Freizeit haben oder in Rente gehen oder Urlaub haben. Nein.
Die ganze Struktur ist um die Idee herum aufgebaut, dass du nicht denken sollst. Arbeit ist nur eine der Möglichkeiten, das zu erreichen. Selbst für die Leute, die was drauf haben, ist es so.
Und jetzt stell dir vor, was mit den Leuten passiert, die keine Begabung für irgendetwas haben. Die ersetzt werden können. Die, die nicht zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Was passiert mit denen? Die kommen in die tiefsten Tiefen der Gesellschaft. Die Metapher in Warhammer dafür ist der Underhive. […]
Die Leute versuchen, in diesem technologischen Dschungel zu überleben, ohne Aussicht auf Erfolg. In jedem Hive, jeder Makropole, auf jedem Stadt-Planeten liegt das an etwas anderem. Es kann die Temperatur sein, die Ökologie, toxische Abfälle oder einfach nur die Abwesenheit von Wasser und Nahrung.
Anatoly Shestov, Executive Producer von Dark Heresy bei Owlcat
Und das sei nur der gesellschaftliche Aspekt. Betrachtet man den tatsächlichen Umgang der Leute miteinander, sehe die Sache noch etwas wilder aus.
Technologischer Dschungel und Wilder Westen gleichzeitig
Auf menschlicher Ebene, erklärt Anatoly weiter, sei der Underhive mehr sowas wie der Wilde Westen. Ein Ort, an dem jeder morgen tot sein könnte, habe kein Potential für Regeln und Gesetze.
Es gehe nur um Vertrauen: „Ich lüge dich nicht an und du mich im Gegenzug auch nicht. So überleben wir die nächsten 30 Jahre zusammen.“ Wüssten aber alle, dass morgen der letzte Tag auf Erden ist, wäre alles außer Kontrolle und genau so sei es im Underhive.
Das hier ist der dritte Teil des großen Lore-Interviews mit Anatoly Shestov. Ursprünglich hatte ich geplant, nur drei Teile daraus zu machen, aber… es werden noch ein paar mehr, weil wir wirklich tief in die Lore eingetaucht sind. Falls ihr sie verpasst habt, hier sind die vorhergehenden Teile:
- Im ersten Teil klärt mich Anatoly darüber auf, warum Warhammer so düster ist und warum es nie besser werden kann.
- Im zweiten Teil sprechen wir über die Inquisition und was sie so gefährlich macht.
Die nächsten Teile werden innerhalb der kommenden Wochen hier auf MeinMMO erscheinen. Eine kleine Sneak Peek: Es geht noch um böse Space Marines, fanatische Frauen und vielleicht sogar um Aliens mit einem sehr speziellen Diät-Programm.
Warhammer ist mehr also nur Lore und die Welt – eigentlich ist es sogar etwas ganz anderes: ein Spiel mit Plastikfiguren. Sehr teuren Plastikfiguren … Allerdings muss der Einstieg ins Hobby nicht gleich mit einer Hypothek verbunden sein: Mit diesen 3 Optionen könnt ihr Warhammer ausprobieren, ohne eure Niere verkaufen zu müssen
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