Ehemaliger Chef-Entwickler von Anthem erklärt, wieso das Genre des Loot-Shooters das Spielerlebnis zerstörte

Ehemaliger Chef-Entwickler von Anthem erklärt, wieso das Genre des Loot-Shooters das Spielerlebnis zerstörte

Eine ehemalige Führungskraft von BioWare spricht über Anthem und erklärt, warum einige der größten Kritikpunkte berechtigt sind.

Wer spricht da? Mark Darrah war 23 Jahre als Entwickler bei BioWare und dort unter anderem als Executive Producer tätig. Er war in leitender Position an Dragon Age 2, Dragon Age: Inquisition und an Anthem beteiligt, wo er den Entwicklungsprozess beaufsichtigte.

Darrah verließ BioWare im Jahr 2021 und berichtet in Videos auf YouTube von seinen Erfahrungen bei dem Studio. In einer aktuellen Videoreihe erklärt er, was genau bei der Entwicklung von Anthem passiert ist.

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Chef-Entwickler findet Kritik an Anthem berechtigt

Was sagt Darrah zu Kritik an Anthem? In seinem neuen YouTube-Video spricht Darrah über den Launch von Anthem. Das Spiel sei damals mit einem Metacritic-Score von 59 gestartet. Das sei merklich schlechter als der intern erwartete 70er-Score.

Darrah führt aus, dass viele den erhaltenen Loot und die Aktivitäten des Shooters als zu repetitiv kritisierten und die erzählte Geschichte als unzusammenhängend wahrnahmen. Darrah selbst empfindet die Kritik als gerechtfertigt, schränkt aber ein, dass das am Genre und der Struktur des Spiels liege:

Ich stimme diesen Rückmeldungen weitgehend zu. Das sind berechtigte Schwächen des Spiels. In einem Spiel wie einem Looter-Shooter, in dem man immer wieder dieselben Missionen spielt, um Ausrüstung zu sammeln, sind die Qualität dieser Ausrüstung und die Vielfalt der Missionen entscheidende Faktoren.

Dinge wie die Story spielen in einem Looter-Shooter keine so große Rolle, da man sich in der Regel durch die Story kämpft und dann in einem sich wiederholenden Grind nach Ausrüstung landet. Aber wenn man das Gefühl hat, im Kampf immer dasselbe zu tun, wenn man das Gefühl hat, dass sich das Grinden für die Ausrüstung nicht lohnt, wenn man das Gefühl hat, dass das Endgame mangelhaft oder unvollständig ist, dann bricht das gesamte Spielerlebnis zusammen.

Anschließend führt Darrah aus, dass die Balance, das Loot-Design und die Aktivitäten nicht wirklich schlechter seien als bei anderen Spielen von BioWare. Doch dadurch, dass es ein Loot-Shooter ist, werde das in einem anderen Rahmen beurteilt.

  • „In Mass Effect oder Dragon Age dient der Kampf dazu, Spaß zu machen, aber er soll innerhalb des Rahmens dieser übergreifenden Geschichte Spaß machen. Es wird nicht erwartet, dass man dieselbe Mission immer und immer wieder spielt. Daher spielt es keine so große Rolle, wenn sich eine Mission etwas unzusammenhängend oder repetitiv anfühlt, solange man sie nur ein- oder zweimal spielt, bevor man weitermacht und die Entwicklung der Geschichte fortsetzt. Bei Anthem ist das jedoch nicht der Fall. Die meisten Missionen spielt man mehrmals.“

Insgesamt ist Darrah aber überzeugt, dass die Erzählung in Anthem schlechter ist, als in früheren Spielen von BioWare. Der Entwickler schlussfolgert: „Das Spiel versteht nicht wirklich, wie man in seinem Medium effektiv eine Geschichte erzählt.“

Wenn ihr wissen wollt, was Mark Darrah in der Vergangenheit bereits so zu Anthem und der Entwicklung des Loot-Shooters erzählt hat, schaut hier vorbei:

Im Verlauf des Videos rät Darrah dazu, Anthem nochmal zu testen, wenn man den Loot-Shooter nur zum Release gespielt hat. Das Spiel sei nach dem Launch besser geworden.

Wenn ihr Anthem testen wollt, müsst ihr euch allerdings beeilen. Electronic Arts gab am 4. Juli 2025 bekannt, dass sie Anthem am 12. Januar 2026 einstellen werden. Bis dahin könnt ihr Anthem zwar weiterhin zocken, doch ab dem Stichtag ist der Shooter nicht mehr spielbar, da er als reines Online-Spiel entwickelt wurde: EA wollte mit Anthem das perfekte MMO schaffen, doch statt der Rettung folgt jetzt der Gnadenstoß

Quelle(n): GamesRadar+
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Gummipuppe

Bei der 70% Score-Erwartungshaltung musste ich auch schlucken. Wie wenig ambitioniert kann man ein Game entwickeln? Das die Spieler, vor Begeisterung, nicht reihenweise auf die Knie gefallen sind, ist wenig überraschend am Ende. Dann hätten sie es auch gleich eindampfen können. Zugegeben, das Endgame war lahm, doch für mich scheiterte es vorwiegend an der Story. Bis dato kannte ich kein Bioware Spiel, durch das ich mich durchquälen musste. Selbst mit dem viel gescholtenen Andromeda hatte ich storyseitig Spass. Doch Anthem war ungemein zäh, gepaart mit einer Prise Hoffnung, dass das doch nicht alles gewesen sein kann. Diese relativierende Selbstkritik bringt mir Jahre später nicht soviel, macht einen letztendlich nur trauriger, wenn man es nochmal unter die Nase gerieben bekommt, mit wie wenig Leidenschaft Anthem entwickelt wurde.

Zuletzt bearbeitet vor 5 Monaten von Walez
Egoblader

Das ist halt wieder so typisch. “Ich erkenne die Kritik an.” und direkt im Anschluss relativiert man die Kritik.
Anthem war kein gutes Spiel, das können sie drehen und wenden wie sie wollen. Es hatte einige gute Elemente, ja. Aber das Gesamtpaket wurde nicht einmal im Ansatz den Versprechungen gerecht. 🤷‍♂️

Aber wer halt versucht ein AAA Titel mit 70er Score zu veröffentlichen, der hat wohl auch geringere Ansprüche. 🤷‍♂️

Harrierdubois

Das Spiel sei damals mit einem Metacritic-Score von 59 gestartet. Das sei merklich schlechter als der intern erwartete 70er-Score.

Mit wie wenig Leidenschaft kann man wohl ein Spiel entwickeln wenn man nen 70er Score erwartet?

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