MeinMMO-Dämon Cortyn denkt an das legendäre BioWare zurück. Viele Spiele galten als bahnbrechend, doch jetzt ist der Entwickler am Ende.
BioWare ist tot. Sehr plötzlich und doch nicht vollkommen unerwartet hatte EA angekündigt, dass 400 Mitarbeiter entlassen werden und das Studio BioWare geschlossen wird.
Als ich das gestern gelesen habe, wurde mir flau im Magen. Für mich ist BioWare nicht einfach nur irgendein Entwickler gewesen. Für mich gehörte BioWare lange Zeit zu meinen persönlichen „großen drei“, bestehend aus Blizzard, Square Enix und eben BioWare.
Mir kamen gestern wirklich viele Erinnerungen an BioWare-Spiele hoch:
- Wie ich mich in Dragon Age den Grauen Wächtern angeschlossen und ein bisschen zu sehr für Morrigan interessiert habe.
- Wie ich beim Start von Mass Effect 2 fassungslos auf den Bildschirm gestarrt habe, als die Normandy zerbricht und Commander Shepard einfach beim Eintritt in die Atmosphäre verglüht.
- Wie ich mit meiner Sith-Inquisitorin in SWTOR auf einem Rollenspiel-Server in der Kantina von Nar Shadaa rumhing und mit meiner Gilde bei sehr alkoholischen „Bantha Blastern“ darüber nachdachte, ob wir unser Maskottchen schon wieder in der Eiswüste von Hoth vergessen haben (Sorry, Alara!).
Das sind alles Erinnerungen, bei denen ich leicht grinsen muss. Sie haben mich und meinen Geschmack für Videospiele stark geprägt.
Mass Effect 3 hatte mich eingesogen wie kaum etwas anderes zuvor
Ich könnte stundenlang irgendwelche Anekdoten dazu erzählen. Ich weiß noch genau, wie mein damaliger Mitbewohner mir kurz vor dem Release von Mass Effect 3 sagte, ich solle doch einfach mal Mass Effect 1 spielen – etwas, das ich bis dahin abgelehnt hatte. Es sah mir auf den ersten Blick nach generischer Weltraum-Action mit viel Ballern aus. Überhaupt nicht das, was ich in RPGs suchte. Aber ich vertraute ihm – und ich will nicht lügen: Innerhalb von weniger als zwei Wochen habe ich die ersten beiden Teile samt DLCs durchgespielt und war bereit für den Launch von Teil 3.
Ich weiß noch gut, wie mein Mitbewohner das Ende von Mass Effect 3 gehasst hatte – das war damals wirklich kontrovers. Eine Auswahl verschiedener Farbkodierungen. Er war so wütend, dass er an dem Tag mit niemandem mehr sprechen wollte und mich sogar in der WG-Küche nahezu ignorierte.
Ähnlich amüsant war es dann, als der große Patch kam, der das Ende überarbeitet hat und auch einige neue Enden eingebaut hatte. Denn neben den drei Optionen gab es eine versteckte, vierte Auswahl: Den Typen einfach erschießen, der dich vor die Auswahl stellt. Mein Mitbewohner fand das aus Versehen heraus und ich erinnere mich noch heute an seinen (sehr, sehr) spitzen Schrei und das panische „NEIN!“, als er die Option wählte.
Das sind schöne Erinnerungen. Verbindende Erinnerungen. Wir haben uns wochenlang Videos hin und her geschickt, in denen es darum ging, ob Commander Shepard nicht der Indoktrination durch die Reaper erlegen ist. Ich glaube, das war die erste und einzige Verschwörungstheorie
, in der ich richtig tief drin war und die ich auch bis zum Ende verteidige. Sie war einfach zu cool.
10 Jahre ohne Erfolge sind nicht tragbar
Allerdings muss ich auch klar sagen: Die letzten Jahre waren für BioWare einfach nicht gut. Spätestens mit Mass Effect: Andromeda und dem katastrophalen Launchzustand (man denke nur an das „Tired Face“-Meme) sind dem RPG-Riesen einige Zacken aus der Krone gebrochen, selbst wenn es nach mehreren Patches ein wirklich solides Spiel war.
Über Anthem brauchen wir eigentlich nicht reden. Das Spiel war eine Katastrophe. Ein Luftschloss und Paradebeispiel für Missmanagement, das so niemals hätte erscheinen dürfen. Wenn man ehrlich ist, war es ein Wunder, dass BioWare diesen Flopp überhaupt überlebt hatte.
Auch Dragon Age: The Veilguard war aus meiner Sicht ein wirklich solides, unterhaltsames Spiel, das allerdings von einer (ungerechtfertigten) Hasswelle über „Wokeness“ in Verruf geraten ist. Wobei ich mich hier wirklich fragen musste, ob die Leute die vorherigen „Dragon Age“-Spiele mit geschlossenen Augen gespielt haben, weil solche Themen schon immer zur DNA von Dragon Age gehörten.
Andromeda und Veilguard waren beides solide Spiele – aber eben nur das: solide. Nicht mehr fantastisch mitreißend wie die ersten drei Teile von Dragon Age oder die ursprüngliche Trilogie zu Mass Effect.
Ja, BioWare ist tot. Das macht mich traurig und nostalgisch. Und so, wie ich EA einschätze, werden die Markenrechte an Dragon Age und Mass Effect nun einfach versauern und in Vergessenheit geraten.
Daher: Danke für die wunderbaren Erinnerungen an Commander Shepard, Morrigan und Darth Malgus. Es sind Erinnerungen, die ich ewig mit mir tragen werde, weil sie meine „Gaming-Karriere“ massiv beeinflusst und mir gezeigt haben, wie wirklich tolle RPGs aussehen können.
Doch BioWare war am Ende nur noch ein Name. Sicher, ein Name, hinter dem noch immer unzählige Mitarbeiter standen, denen man nur wünschen kann, dass sie rasch eine neue Heimat finden und dort die bestmöglichen Spiele entwickeln dürfen, die sie nur können. Doch BioWare war schon lange nicht mehr das „alte“ BioWare, so wie Blizzard nicht mehr das alte Blizzard ist. Viele kreative Köpfe sind in den letzten Jahren gegangen und haben sich eigenen Projekten zugewandt.
Vielleicht ist es daher sogar ganz gut, dass BioWare als Name nun nicht mehr existiert. Denn es hat mir so viele schöne Erinnerungen geschenkt, dass es vielleicht für mich der beste Ausgang ist, dass es keine Spiele mehr gibt, die das nachträglich ruinieren können. Ruhe in Frieden, BioWare. Das hast du dir verdient. Wenn auch vor langer, langer Zeit.
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