Die Generation, die mit TikTok, Push-Nachrichten und Dauer-Input aufgewachsen ist, entdeckt ausgerechnet das Vogelbeobachten für sich.
Vögel beobachten klingt zunächst nach Rentnergruppe, Funktionsweste und einem Fernglas, das mehr kostet als ein Gaming-PC. Doch genau dieses Image bricht gerade deutlich auf: Immer mehr junge Menschen der Gen Z ziehen morgens freiwillig nach draußen, hören bewusst hin und suchen nach Arten, die ihnen bislang kaum aufgefallen sind.
Das Ganze nennt sich Birding.
Warum wird ausgerechnet Vogelbeobachtung bei jungen Leuten plötzlich cool? Birding galt lange als Hobby älterer, gut ausgestatteter Männer. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, tauchen inzwischen junge Vogel-Fans auch zahlreich auf TikTok und Instagram auf, Hochschulgruppen (Instagram) organisieren gemeinsame Ausflüge und selbst Wettbewerbe werden von Teams in ihren 20ern geprägt.
The Atlantic(Paywall) beschreibt etwa eine Gruppe junger Männer, die bei der „World Series of Birding“, einem jährlichen Vogelbeobachtungswettbewerb, 24 Stunden lang durch New Jersey fährt, um möglichst viele Arten an ihrem Aussehen oder Ruf zu erkennen.
Wie groß ist der Trend? Es handelt sich wohl um ein globales Phänomen. The Atlantic erklärt, dass die US-Naturschutzorganisation National Audubon Society 2019 lediglich 10 Hochschulgruppen hatte, inzwischen aber 117. Und laut einer britischen Erhebung beobachten in Großbritannien fast 750.000 Jugendliche und junge Erwachsene regelmäßig Vögel – mehr als zehnmal so viele wie noch 2018.
Warum legt die Gen Z dafür sogar das Smartphone weg?
Was macht Birding so attraktiv? Beim Vogelbeobachten konzentriert man sich auf Geräusche, Bewegungen und kleine Details, statt ständig auf neue Benachrichtigungen zu reagieren. Das Smartphone bleibt stumm oder dient mit Apps wie Merlin als eine Art Shazam für Vogelstimmen.
Das macht Birding zu einer Mischung aus digitalem Pokédex und bewusster Auszeit: Die Technik hilft beim Einstieg, die eigentliche Suche findet aber zwangsläufig draußen statt.
Kann Vogelbeobachtung wirklich beim Abschalten helfen? Eine Studie aus den USA mit 112 Teilnehmern verglich fünf mindestens 30-minütige Birding-Einheiten mit gewöhnlichen Spaziergängen und einer Kontrollgruppe.
Die Vogelbeobachter berichteten anschließend von höherem Wohlbefinden und weniger psychischem Stress; die Ergebnisse fielen teilweise besser aus als bei normalen Naturspaziergängen. (via FR) Bereits vor knapp vier Monaten haben wir anhand der Forschung der Psychologieprofessorin Jaime Kurtz erklärt, wie stark die Bedeutung von derartigen Hobbys sein kann.
Birding zeigt: Ein gutes Hobby braucht weder Bildschirm noch Dauer-Action und kann auch cool sein, selbst wenn es meist von Rentnern praktiziert wird. Auch MeinMMO-Redakteurin Caro lernte beim Miniaturenbemalen, wie viel Geduld, Frust und kleine Fortschritte zu einem neuen Hobby gehören.
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