Ein neues Rechenzentrum soll doppelt so viel Energie schlucken wie ein ganzer US-Staat und natürlich steckt KI dahinter

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Ein Investor plant in den USA ein KI-Rechenzentrum in einer völlig neuen Größenordnung. Das Projekt soll mehr Energie verbrauchen als ein ganzer Bundesstaat. Die Versorgungslage im Bundesstaat wird generell als kritisch eingestuft.

Um was für ein Vorhaben geht es? In Utah wurde ein gigantisches Projekt für ein neues KI-Rechenzentrum durch die Militärbehörde MIDA genehmigt. Hinter dem Vorhaben steht Investor Kevin O’Leary, bekannt aus der amerikanischen Höhle-der-Löwen-Sendung „Shark Tank“. Sein Unternehmen plant einen sogenannten KI-Campus mit einer maximalen Leistung von bis zu 9 Gigawatt.

Das ist eine Zahl, die man einordnen muss: Der gesamte Bundesstaat Utah verbraucht im Durchschnitt nur rund 4 Gigawatt Strom (SaltLakeTribune, Paywall). Das geplante Rechenzentrum würde diesen Wert also mehr als verdoppeln. Das Gelände selbst soll riesig werden und sich über tausende Hektar erstrecken (TomsHardware).

Ein neuerer Ansatz

Wie soll dieses Mega-Projekt überhaupt betrieben werden? Das wohl entscheidende Detail: Der Campus soll nicht an das klassische Stromnetz angeschlossen werden.

Stattdessen plant das Unternehmen, die benötigte Energie selbst zu erzeugen – hauptsächlich über Erdgas. Dafür soll eine direkte Verbindung zur sogenannten Ruby-Pipeline genutzt werden, einer großen Gasleitung in den USA.

Die Idee dahinter ist recht simpel: Anstatt das bestehende Stromnetz zu belasten, baut man sich einfach seine eigene Energieversorgung auf. Laut TomsHardware versicherte MIDA-Chef Paul Morris den Bezirkskommissaren, die Anlage werde keinen Strom aus dem bestehenden Netz entnehmen und könnte sogar überschüssige Energie einspeisen.

Nicht unumstritten

Warum sind solche Projekte so umstritten? Der enorme Energiebedarf hängt direkt mit der allgegenwärtigen Einbindung von KI zusammen. KI-Modelle wie ChatGPT benötigen riesige Rechenkapazitäten, die in spezialisierten Rechenzentren bereitgestellt werden. Unternehmen wie Microsoft, Google, Meta oder X investieren bereits massiv in solche Infrastruktur, um ihre KI-Dienste auszubauen.

Utah ist ein äußerst beliebter Standort für diese Rechenzentren – viel freie Fläche, Zugang zu Energieinfrastruktur und politische Unterstützung für große Industrieprojekte (DCD).

Ein aktueller Bericht der Tagesschau beschreibt die Zentren in Utah als „Fluch und Segen“ zugleich. Einerseits sind sie die Grundlage für Digitalisierung und KI. Andererseits verbrauchen sie enorme Mengen an Strom und vor allem auch Wasser und können dabei regionale Ressourcen stark belasten. Zur Energieüberbrückung wurden auch schon alte Flugzeugturbinen eingesetzt.

Gerade in Zeiten, in denen Energieeffizienz und Klimaschutz immer wichtiger werden, wirkt ein Projekt dieser Größe wie ein Widerspruch. Selbst wenn das Rechenzentrum autark betrieben wird, stützt sich die Energieerzeugung aktuell vor allem auf fossile Brennstoffe.

Ähnliche Bedenken der Anwohner wurden zuletzt bei den zuständigen Bezirkskommissaren nochmal vorgebracht (KSL).

Auch in Europa werden immer mehr Rechenzentren gebaut. In Österreich wird z. B. nun das erste Google-Rechenzentrum errichtet (derStandard).

Der KI-Boom treibt den digitalen Infrastrukturausbau voran und das mit enormen Folgen für Umwelt und Stromnetz. Gleichzeitig entwickeln sich KI-Modelle rasant, manchmal schneller, als die (digitale) Infrastruktur mithalten kann:  Experten haben mithilfe von ChatGPT CAPTCHAs umgangen