Destiny 2: Meine liebste Achterbahnfahrt
Wertung: 8.5 / 10

Eines vorneweg: Ich halte mich selbst für einen absoluten Fan des Spiels, denke aber, dass ich das Spiel realistisch und ohne Fanboy-Brille bewerten kann. Und bevor ich mir dem Review an sich anfange, beschreibe ich erst einmal meinen Werdegang bei diesem Spiel.

Wie alles begann: Destiny 1

Als ich das erste mal von diesem ominösen „Destiny“ hörte, runzelte ich die Stirn. Ein Spiel von Bungie? Den Machern des grandiosen Halo? Aber als „Loot-Shooter“? Und dann nur online? Kein Couch-Coop? Nee Danke. Das wird nichts. Ist jetzt schon zum Scheitern verurteilt.

Und so dümpelte das Spiel an mir vorbei, ohne für mich relevant zu sein. Es gab ja noch Borderlands, Diablo und Konsorten. Da hatte ich mehr Spaß daran. Da gab es den Loot und das Level (Anspielung gewollt) für mich so wie ICH es wollte: Offline und vielleicht mal mit ein oder zwei Freunden an einer Konsole.

Internet war sowieso nicht so mein Ding. Dieses Neuland. Hat eh keine Zukunft. Doch fast ein Jahr nach Release hatten mich zwei meiner Freunde dann doch dazu überredet.

Und da ich beim Games-Laden meines Vertrauens just in dem Moment die Disk von Destiny vor mir sah, entschied ich mich zuzugreifen. Mit einem Zehner kann man nichts falsch machen.

Das Spiel dann zu Hause in die Konsole geworfen und nichts erwartet. Gar nichts. Man hatte ja nur sporadisch mit verfolgt, um was es ging. Und meist hörte man nur das Gemotze. „Bugs, Loot-Caves und elend länger Grind“. Was sollte das schon werden?

Als die Installation und die Updates endlich durch waren drückte ich den A-Knopf meines Controllers und startete das Spiel. Das Spiel von dem ich noch nicht wusste, dass es mich weit über 3000 Stunden meines Lebens kosten würde.

Ich spielte also die erste Mission und fand sie ganz spaßig. Auch das Gunplay war von anfangs an super. Aber hey, Bungie hat bewiesen, dass sie das können. Auf dem Turm angekommen wusste man natürlich nicht wo was war und wo man anfangen sollte, aber ich folgte dem urmännlichen Grundprinzip: Wo es blinkt wird schon was sein.

Nach einer gefühlten Ewigkeit verließ ich den Turm. Ungefähr die Hälfte der Zeit habe ich damit verbracht herauszufinden, WIE man den Turm verlässt. Immerhin wird keinem gesagt, dass erst Back und dann Y gedrückt gehalten werden muss. Danke Bungo.

Wieder blinkte etwas. Die Erde, genauer das Kosmodrom. Also landete ich dem unbekannten Gebiet und sah mich um. Zuerst einfach nur ein paar Aliens ins Gesicht schießen. Dafür ist man ja schließlich Held.

Und irgendwann tauchte ein kleiner Cursor auf. Er zeigte mir eine Patrouille. Angewählt, aufgepingt und schon kam die Aufgabe „Eleminiere X Gegner“. Gesagt, getan. Patrouillieren abgeschlossen. Und noch ein paar hinterher.

Aber irgendwie kam nichts Neues. Ich war jetzt schon zwei Stunden in diesem Gebiet, aber irgendwie startete nirgends eine Mission. Und meine Freunde waren arbeiten. Konnte also auch die nicht fragen. Aber ein schlauer Fuchs gibt nicht auf. Er probiert.

Nach ungelogen zweieinhalb Stunden war ich wieder im Orbit. Und hey, hier gab es Missionen. Ich hatte was zu tun. Unglaublich. Im Laufe der nächsten Tage spielte ich die Kampagne durch. Mal alleine, mal mit meinen Freunden. Und dann war es schon vorbei. Und es gefiel mir. Sehr sogar.

Also ab in den Store und die Erweiterungen heruntergeladen. Wieder gestartet und wieder gespielt. Ratzfatz war ich durch. Und ich war stolz. Ich hatte quasi alles geschafft, was ich schaffen wollte. Außer einen Raid gespielt. Da waren wir zu dritt ohne Chance.

Doch meine Freunde wollten nicht mit Fremden spielen, ich hingegen wollte wissen, was es damit auf sich hat. Also einmal Facebook bemüht und direkt eine Truppe gefunden, die in der auch Anfänger willkommen waren.

Drei Noobies, drei Veteranen. Wir standen vor dem Höllenschlund. Mehrmals von außen gesehen, wenn man auf dem Mond war, aber nie darüber nachgedacht, dass es da auch etwas geben könnte. Also immer nur den Anweisungen gefolgt. Ich hatte keine Ahnung, was ich da machte, aber es schien zu funktionieren.

Am Ende standen wir vor Crota und zusammen legten wir dieses Ungetüm. Ich war stolz. Auch wenn ich den Hass mir gegenüber aufgrund dieser „Crux von Crota“ nicht verstanden habe. Anschließend wollte ich mehr über diese Raids wissen. Ich belas mich und spielte immer häufiger, und ließ mir alles erklären.

Und dann kam überraschend das Triumph-Buch. Es verlangte eine Menge. Ich hatte doch erst vor einem Monat angefangen zu spielen und jetzt soll ich in den letzten zwei Wochen vor TTK all das erledigen? Die Raids auf Hart, Skolas und was weiß ich? Na gut. Wenn ich eines habe, dann Ambition!

Und einen Tag vor Ende der Frist erfüllte ich mein letztes Ziel. Skolas war besiegt. Und ich war drei Level unter ihm. Für damalige Standards noch ein extremer Unterschied.

Den Rest meiner D1-Karriere fasse ich schneller zusammen:

  • Man lernte neue Leute kennen
  • Gründete den besten Clan aller Zeiten
  • Und bezwang alles was es zu bezwingen galt.

Außer Makellos in den Prüfungen von Osiris. Egal. Es gibt wichtigeres als PvP.

Dann kam DER Tag: Destiny 2 wurde veröffentlicht.

Und ich ging mit einer gegenteiligen Erwartungshaltung heran, als noch zum ersten Teil. Ich erwartete viel! Und wurde nicht enttäuscht. Anfangs.

Die erste Zeit gab es genug zu tun, zu sammeln und zu jagen. Doch ziemlich bald setzte Ernüchterung ein. Irgendwie war es… monoton. Nicht das gute Monoton, sondern das „Ich setze mich morgens in die Bahn, um zur Arbeit zu kommen“-Monoton. Doch ich war noch guter Dinge.

Bald würde ja mehr zum Grinden kommen. Fluch des Osiris stand ja ins Haus. Erweiterung gestartet, durchgespielt und wieder Ernüchterung. Das war’s? Das ist alles? Ich war herbe enttäuscht.

Und aus dem „Jeden Tag spielen“ wurde ein „Vielleicht schaue ich die Woche mal rein“. Die Waffen wurden geschmiedet, der Raid wurde einmal gespielt und das war’s dann. Es war alles obsolet. Ich war enttäuscht. Nein. Wütend. Traurig. Gelangweilt.

Einen Monat lang startete ich Destiny 2 nicht ein einziges Mal. Monster Hunter: World hatte mich für sich gefangen.

Als Kriegsgeist startete, ging ich mit unglaublich wenig Lust an das Spiel. Aber ich hatte ja dafür bezahlt. Da werde ich es wenigstens mal spielen. Danach ist wieder MH:W dran. Dachte ich.

Doch nach der Story gab es etwas zu tun. Das Eskalationsprotokoll gab mir den Grind, den ich wollte. Die Herausforderung, die ich wollte. Es war bei weitem noch nicht das Destiny 2, welches ich mir erhoffte, doch man merkte, dass Bungie in die richtige Kerbe einschlug.

Es wurde wieder langwieriger. Und die Roadmap stimmte mich vorsichtig zuversichtlich. Also spielte ich wieder Destiny 2 und wartete auf Forsaken, in der Hoffnung, dass es knallte.

Und Junge, es knallte. Sehr sogar. Ich freute mich. Es gab Vieles zu tun. Es gab Vieles zu jagen. Und es gab Vieles zu entdecken:

  • Sei es Loot
  • Sei es Lore
  • Oder seien es Herausforderungen.

Ich hatte so viel zu tun, dass ich bis zur ersten Erweiterung genug Ziele hatte. Es war immer noch nicht perfekt, aber welches Spiel war das schon? Es gibt immer Ecken und Kanten, und seien wir ehrlich: Ohne diese wäre das Leben unglaublich langweilig.

Destiny half mir neue Leute kennenzulernen und einige von ihnen sogar richtig wertzuschätzen. Einige von ihnen nenne ich sogar aus vollem Herzen Freunde, auch wenn sie kein Destiny mehr spielen.

Es gibt viele Dinge, die mir an Destiny einfach gefallen. Zum Beispiel:

  • Die Grafik
  • Das Gunplay
  • Die unglaublich spannende Lore (sofern man sich damit befasst)
  • Das (mittlerweile verfügbare) Endgame
  • Das „Friend“-Game
  • Der Loot
  • Die Herausforderungen
  • Die Collectables

Allerdings gibt es auch immer noch Sachen, die mir sauer aufstoßen:

  • Die P2P-Verbindung
  • Das miserable Matchmaking im Schmelztiegel
  • Die teils extrem toxische Community (ja, auch das zählt für mich)
  • Die Nerfs die Aufgrund des Schmelztiegels stattfinden
  • Das ungewisse Warten, ob sich die nächste Erweiterung lohnen wird

Fazit

Als Resümee bleibt zu sagen, dass mir Destiny 2 mehr gibt als jedes andere Spiel bisher. Man kann es ebenso verbissen, wie auch zum Abschalten spielen und ich habe nie das Gefühl gelangweilt zu sein (seit Kriegsgeist/Forsaken)

Würde ich das Spiel direkt meinen Freunden empfehlen? Nein. Man muss sich bewusst sein, dass Destiny 2 durchaus kurzweilig Spaß machen kann, wenn man nur oberflächlich bedient werden möchte.

Doch wenn man den vollen Umfang des Spieles genießen will, muss man meiner Meinung nach Zeit mitbringen. Viel Zeit. Und die nötige Geduld und das Engagement sich selbst Ziele zu stecken (In Form von Titeln, dem „einen“ Godroll, etc.).

Aber wenn man ein Spiel sucht, in dem man sich verlieren kann, ein Spiel, welches tatsächlich um Hobby werden kann, dann ja. Dann würde ich es einem empfehlen.

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