The Division 2: Kein Schmerz im März – User-Test
Wertung: 8.5 / 10

Seit Mitte März sind alle, die süchtig nach dem Vorgänger „The Division“ waren, auf neuen Pfaden unterwegs. Ubisoft hat den neuen Probanden der The Division-Reihe, fantasievoll „The Division 2“ genannt, veröffentlicht und verwöhnt die Spieler mit neuem Stoff, aus dem Virusgeschichten gemacht werden.

Ist The Division 2 denn wirklich ein richtiger Nachfolger oder nur ein aufgewärmtes Update? Der Test wird es ans Tageslicht bringen.

Die Story

In TD2 geht es wieder um den bekannten Virus, der im Vorgänger seinen Ursprung in New York hatte. Es sind mittlerweile sechs Monate vergangen und der Virus hat weltweit das soziale Leben zum Erliegen gebracht.

Die Geschichte vom verborgenen Labor, den Überresten von Gordon Amherst und dem bösen Buben Aaron Keener, der sich Amhersts Technologie angeeignet hat, um weitere Versionen des Grünen Gifts herzustellen, ließ alle Spieler vom ersten Teil mit diesem Cliffhanger zurück und nun geht der ganze Wahnsinn im Großraum Washington weiter.

Welt bietet eine hervorragende Atmosphäre

Es fällt sofort auf, dass sich der grafische Stil etwas geändert hat. Sah New York aus wie das Kinderzimmer eines fünfjährigen Messies, kommt Washington daher, als wäre der Jungspund mittlerweile erwachsen und hat seine Fähigkeit, massiv für Unrat zu sorgen, noch perfektioniert.

Überall Müll, Zeugs, Ramsch, Gerümpel, Schrottautos (bei denen aber sehr oft immer noch das Licht oder die Blinker funktionieren!), soweit das Auge reicht, aber dem war Ubisoft nicht genug: In The Division 2 schlägt derweil die Natur zurück.

Überall Grünzeug, Bäume, Sträucher, Wildwuchs. Wobei es nicht nur bei der Flora blieb, auch die Fauna bekam einen ordentlichen Schub.

Neben den, natürlich auf die Straße fäkierenden, Hunden, Vögeln und Ratten, treiben sich nun auch Rehe (die ebenfalls beim Fäkieren gesehen wurden…), Waschbären, Füchse und anderes Getier auf den heruntergekommenen Straßen Washingtons herum.

Gerade am Start des Spiels, wenn man sich in einer Straßenschlucht herumtreibt und ein Reh kreuzt den Weg, um dann verschreckt hinwegzuspringen, fühlt man sich unweigerlich an einen bekannten Film erinnert, in dem Will Smith innerhalb einer „Zombieapokalypse“ sein Unwesen treibt.

Hervorragend eingefangene Stimmung, die sofort mehr Appetit verursacht.

Sieht ja wirklich aus wie in Washington

Ubisoft rühmt sich bekanntermaßen damit, dass dieses Washington dem originalen Vorbild nachempfunden wurde. Wer sich dort auskennt, kennt sich im Spiel aus und wer nun das Game auswendig lernt und eine Tour durch den Regierungssitz der USA plant, wird sich dort ohne Karte orientieren können.

The Division 2 Washington DC

Die Aussage klingt glaubhaft, denn die Sehenswürdigkeiten sind dort, wo sie hingehören, selbst auf Kleinigkeiten wurde geachtet (Museum, Oval Office usw.). Das macht einfach Spaß und gibt dem Spiel eine gewisse Würze.

Umfang deutlich größer als beim Vorgänger

Der Umfang hat sich in Bezug auf den Vorgänger ebenfalls stark vergrößert. Das bezieht sich nicht nur auf die schiere Größe der Karte, sondern auch auf die Spielmechanik, Inhalt und das Verknüpfen der Einzelschicksale zu einem großen Ganzen.

Im Gegensatz zu Teil Eins muss man beispielsweise Aufträge erfüllen, Gegenstände sammeln und Spenden abgeben, damit Projekte erfüllt, die einzelnen Safepoints erweitert, dadurch Personal rekrutiert, welches dann im Weißen Haus für entsprechende Möglichkeiten sorgt, um Mods für Waffen, Fähigkeiten und Talente herzustellen.

Klingt einfach, ist es auch, aber wesentlich umfangreicher als im ersten Teil. Dort hat man Bossrunden absolviert, um an High-Loot zu kommen. Hier muss man die Kontrollpunkte erst einmal erobern, um an gutes Loot zu kommen, die müssen zusätzlich noch mit Wasser, Nahrung und Komponenten versorgt werden.The Division 2 Kampf Screenshot

Nach und nach schalten sich immer mehr Aufträge frei, die sich immer weiter im Schwierigkeitsgrad steigern, bis man schließlich im Endgame ankommt und dort sein Equipment endgültig verfeinern und verstärken kann.

Die Ähnlichkeiten zum Vorgänger sind verblüffend, aber auch verblüffend anders. Dazu kommt, dass in der Spielewelt unzählige Kisten, Taschen, Kartons und anderer Kram herumliegen, die Loot hervorbringen. Man muss allerdings auch die Augen aufmachen, sonst läuft man oft an den teils gut zu gewucherten oder versteckten Kisten vorbei.

KI verbessert, Steuerung wie gewohnt

Die KI hat sich im Vergleich zu Teil Eins ebenfalls verbessert. Ok, der IQ der KI befähigt nun nicht zu Höchstleistungen in der Raketentechnik, dennoch kommt man nicht umhin, zu bemerken, dass die NPCs wild nach Deckung suchen, uns umkreisen, von mehreren Seiten angreifen und so versuchen, einem das Leben schwer zu machen.

Auch optisch haben sich die Gegner verändert und sind teils angsteinflößend, was das Erscheinungsbild angeht. Aber genau das wollen wir Spieler doch, oder nicht? Es geht noch besser, aber der Spielspaß leidet nicht darunter, ganz im Gegenteil.

Die Steuerung kommt wie gewohnt daher, in der Menüführung gibt es kleine Unterschiede zum Vorgänger, aber im Großen und Ganzen kommt der gewogene Spieler sofort damit klar.

the-division-2-agenten-waffen

Gut ist, dass man nun sein HUD dem persönlichen Gusto anpassen kann. Das haben sich viele Spieler im ersten Teil auch gewünscht. Nun ist es so weit und wir freuen uns. Punkt!

Der Sound ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Die Schießereien, Explosionen, Schritte aus verschiedenen Richtungen, Gespräche der NPCs, die teils auch unfreiwillig komisch sind, sorgen für das Umschmeicheln der Spielerohren. Kurz und bündig: Alles gut im Staate Washington!

The Division 2 zu ähnlich zum ersten Teil?

Wer nun meint, die Ähnlichkeiten zu Teil Eins sind zu krass, als dass man sich Teil Zwei zulegt, dem sei gesagt, dass mit dem Nachfolger keine eierlegende Wollmilchsau erfunden wurde. Aber:

Die Story, der Inhalt, die verschiedenen Schauplätze, die unterschiedlicher nicht sein könnten, das ganze Flair, der Clanmodus und noch mehr Punkte machen einen Kauf dennoch lohnenswert.

Topkek: Man hat sogar einen Fotomodus implementiert, der gediegen an GTA V erinnert. Wer macht das nicht? Einfach durch eine Gegend schlendern, um sein Überleben kämpfen und dann auf die glorreiche Idee kommen, jetzt einfach mal ein paar Selfies zu schießen. Logisch, oder?

PvP sorgt für Spannung und Frust gleichermaßen

Wer nicht nur PvE spielen möchte, sondern sich auch dem brutalen Kampf mit anderen Agenten stellen will, dem sind natürlich auch wieder die Dark Zones seitens Ubisoft kredenzt worden.

Hier sind neben dem regelfreien Tagwerk der teils sadistischen Gegner einige Neuigkeiten hinzugekommen. Es gibt verschiedene Modi, was die Abtrünnigkeit angeht, implementiert worden.

Man kann sich selbst entscheiden, abtrünnig, also wirklich böse zu werden, indem man es einfach macht oder durch fiese Verhaltensauffälligkeiten den Status erhält.
the-division-2-pvp

Man veranstaltet eine Menschenjagd oder wird am Ende gar zum Gejagten, auf den sogar ein Kopfgeld ausgesetzt wird, von dem dann alle Agenten (!) in der Dark Zone erfahren.

Das sorgt für Spannung, aber auch für Frust, wenn man beispielsweise als Neuling in der Dark Zone von High Level-Gegnern quasi von der Map gefegt wird.

Ansonsten bleibt alles beim Alten. Waffen und Ausrüstung sind verseucht, müssen an den Abholpunkten von Helikoptern ausgeflogen werden und sind danach nutzbar. Der Diebstahl des Loots ist möglich und sorgt teils für haarsträubende Situationen, wenn um diesen Kram mit allen Mitteln gerungen wird.

Spiel ist nun attraktiver für Gruppen

Der mittlerweile eingebaute Clan-Modus macht das Spiel noch attraktiver für alle, die mit Kumpels zocken möchten und nicht nur mit Random-Bekanntschaften, von denen jeder eh sein eigenes Ding dreht.

Lustige Gefechte im 4on4 Konflikt-Modus sind somit möglich und bedürfen wohl keinerlei Kommentaren, wenn es um den gnadenlosen Fight im PvP geht. Da bleibt kein Auge trocken, da kann man sich austoben und der, dem PvE zu langweilig ist, der kann in den Konflikten sein Heil suchen.

the-division-2 gruppe

Ebenfalls werden Raids eingeführt, in denen man mit seinem Team gemeinsam mehrere Aufgaben erledigen muss, die dann weitere Missionen auf den Plan rufen. Guter Loot natürlich inbegriffen.

Ein weiterer Punkt sind die NPCs, die auch im ersten Teil für Spannung gesorgt haben. Extrem stark, extrem wendig und extrem freigiebig, was das Austeilen angeht: Hunter!

Auch die sind wieder da, machen einem das Leben zu Hölle und gerade der Neuling, der noch nicht über das beste Arsenal verfügt, wird diese brutalen Nervensägen hassen. Spaß macht es dennoch.

Bewertung: Was ist gut, was ist nicht so gut?

Pro:

  • Grafik sieht auch auf schwächeren Rechnern gut aus
  • Sound über jeden Zweifel erhaben
  • Steuerung, man kommt sofort damit klar, einstellbar
  • Charaktereditor, um sich einmal so richtig lächerlich machen zu können
  • Umfang, zumindest bis End Game, das sicherlich aber noch erweitert wird
  • Stil der Spielewelt, der einfach unglaublich gelungen ist
  • Hoher Wiederspielwert durch PvE-PvP-Erfahrungen
  • Clan-Modus
  • Geplante Raids

Contra:

  • Hohe Ähnlichkeit mit dem Vorgänger
  • Teile repetitive Aufträge (Geiseln befreien, Gegnerfunk abschalten, öffentliche Hinrichtungen)
  • Endgame noch nicht umfangreich
  • Raids noch nicht implementiert

Nun, eingefleischte Gegner von The Division werden immer meckern, dass nicht das eingehalten wurde, was versprochen war. Grafikdowngrade, zu einfach, einem Rollenspiel nicht würdig, kein richtiger Shooter etc.

Im Vergleich zum ersten Teil verlief der Start recht erfolgreich: Kaum Probleme mit den Servern, alles in allem ein guter Anfang, was dem Vorläufer so nicht gegönnt war und für viel Spott und Hohn sorgte.

Auf der anderen Seite gibt es aber offenbar sehr viele Spieler, die The Division lieben, weil es gerade kein kompliziertes Rollenspiel ist, sondern ein RPG-Shooter. Leicht im Erlernen, hart im Perfektionieren.

Auf welcher Seite sich der Division-Kenner einsortiert, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

Von mir gibt es allerdings eine erstklassige Kaufempfehlung und vorerst eine 85er-Wertung, die sicherlich noch etwas steigen wird, sobald neue Inhalte kommen.

Ich begebe mich nun wieder in die wilden Gefilde und werde meinen Gegnern gepflegt den Ar*** aufrei… Ähm… den Marsch blasen.

In diesem Sinne…

Weidmannsheil!

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