The Division 2: Hat Massive sich endlich für eine Richtung entschieden?
Wertung: 7.5 / 10

Nach dem euphorischen Hoch Mitte März folgt nun die Erdung ca. 100 Spielstunden später.

Tom Clancy´s The Division 2 hat für ein Spiel seiner Größe einen bemerkenswert soliden Start hingelegt. Die Bugs waren im Vergleich zum Vorgänger kaum spürbar, die Open World ist überwältigend und die KI überrascht mit ihrem taktischen Vorgehen.

Von Tag zu Tag scheint sich eine Genre-Richtung rauszukristallisieren. Etwas, das in Division 1 gefühlt nie der Fall war und über 3 Jahre hinweg für Diskussionen in der Community gesorgt hat.

Ein RPG wird zum Deckungs-Shooter

Wenn mich jemand fragt, war Division 1 ein RPG-Shooter mit einem klaren Schwerpunkt auf den RPG-Aspekt. Es gab genügend verschiedene Builds, welche man sich erfarmen konnte und sollte, um Missionen auf eine andere Weise spielen zu können. Das brachte eine einfache Langzeitmotivation, ohne dass ständig neuer Content geliefert werden musste.

Mit dem Nachfolger scheint Massive uns nun jedoch eine klare Antwort auf die Frage gegeben zu haben: „Ist es ein RPG oder ein Shooter?“ The Division 2 ist mit dem jetzigen Stand ganz klar ein Deckungs-Shooter!

  • Es gibt nur DDs in diversen Varianten, Tanks sind nicht vorhanden und selbst Taktiker sind zu schwach und halbe DDs.
  • In der Entwicklung scheint das Hauptaugenmerk ziemlich klar auf der Waffenvielfalt und deren Gunplay gelegen zu haben
  • Es gibt kein Aggro-System
  • Wer starke 3er Set-Boni für Skill-Builds möchte, der muss für den 1er und 2er Bonus fast immer einen Damage-Bonus mitnehmen (zum Beispiel Badgers Tuff oder China)
  • Blaue und lila Skill-Mods haben verhältnismäßig starke Boni, sind auch mit wenig Skill-Power (DD) freizuschalten und können demnächst wahrscheinlich sogar einfach gecraftet werden
  • Das „Schild“, welches für einen Tank-Build notwendig wäre, hält weniger aus als die Schwachstelle eines NPCs
  • Die hoffnungsvoll erwarteten Gear-Sets sind unterirdisch und nicht zu gebrauchen
  • Die Signature-Waffen sind rein auf Schaden ausgelegt und verdrängen die taktisch nutzbaren Signature-Skills aus Teil 1

Und in meinen Augen der bisher offensichtlichste Punkt: Rollen sind für den jetzigen Content einfach nicht nötig. Die schnellste Antwort auf eine Mission ist immer ein Damage-Build

Ich rieche hier viel Angst, dass Deckungs-System mit zu starken Tanks oder Heilern auszuhebeln. Also hat Massive sich das Balancing vereinfacht und nur DD´s kreiert. Kurze TTK überall.
Sprecht euch ab, fokussiert einen Gegner, mäht ihn fix nieder und ab zum nächsten.

PvP vs. PvE

Was gab es in den letzten 3 Jahren für Diskussionen zwischen PvE-Spielern und PvP-Spielern… Eigentlich wurden beide Parteien rückblickend gut bedient und hätten gar nicht auf den Teller des Nachbarn gucken müssen. Ein getrenntes Balancing wäre in meinen Augen ein ausreichendes Mittel zur Versöhnung gewesen.

Massive hat sich jedoch auch hier für eine klare Seite entschieden: PvE > PvP.

Ich habe mich in TD1 monatelang jeden Tag nur fürs PvP eingeloggt. Jeden Tag gab es Mechaniken, die ich besser beherrschen wollte und Team-Play das verfeinert wurde. Das PvP war ein „einfach“ zu betreuender Modus für Massive der aber sehr viel Spielzeit bot.

Mit dem Nachfolger hat Massive das PvP casualisiert. Die Mechaniken sind leicht und schnell zu lernen und am Ende entscheidet der bessere Build, und wer wen zuerst sieht.

Ich will nicht sagen, dass das PvP keinen Spaß macht, aber man hat keine Möglichkeit sein Gameplay groß zu verbessern und somit fehlt die Langzeitmotivation. PvP ist eher eine Abwechslung für Zwischendurch für PvEler.

Ich frage mich wirklich, ob es das wert war. Gibt es jetzt so viele PvEler, die mit dem PvP nun viel zufriedener sind und nicht mehr zu 99% PvE spielen?

Die tollen Seiten des Spiels und ein wenig Hoffnung

Aber es gibt auch viele Gründe, warum das Spiel mich zu Beginn so sehr begeistert hat.

  • Die detailreiche Open World ist sehr gelungen und abwechslungsreich.
  • Man kann überall Geheimnisse und narrative Inhalte entdecken und für diverse exotische Waffen müssen recht gut gelungene Nebenmissionen durchgespielt werden.
  • Die KI ist sehr beweglich und taktisch, wodurch der Deckungs-Shooter sich fast nie statisch anfühlt.
  • Es gibt großartige Szenen während der Storymissionen, in denen Massive es geschafft hat ohne Kugelschwämme eine gewisse Herausforderung zu schaffen. Zum Beispiel hammerschwingende NPCs, die uns in engen Räumen das Leben schwer machen oder die uns aus unserer Deckung jagen, währen dein MG das Gebiet unter Beschuss nimmt.

Leider gibt es diese Szenen im Endgame nicht mehr. Ich wünsche mir in jeder Mission einen Gegner, wie am Ende von Tidal Basin oder hier und da einen Timer, der mich drängelt.

Ich bin äußerst gespannt auf den Raid. Massive hat sich hier selber ziemlichen Druck gemacht. Der bisherige Content ist leicht zu bewältigen und schreit nach Herausforderung, und man nennt es Raid anstatt Incursion.

Ich setze meine Hoffnung in diesen Raid und bin dennoch mehr als skeptisch, wie man einen interessanten Raid ohne Rollen kreieren möchte. Vielleicht haben die Gear-Sets ja einen Sinn für den Raid, den ich jetzt noch nicht sehe.

Fakt ist, ohne interessantes PvP oder Build-Diversity muss Massive sehr viel ackern, um regelmäßig genügend PvE-Inhalte rauszubringen und die Spieler bei Laune zu halten. Denn wer einmal alle Sammelobjekte zusammen hat, findet kaum noch Beschäftigung.

Fazit

The Division 2 hat sich nur in den Punkten Story-Telling und Open World weiterentwickelt. In vielen spielerischen Punkten hat man eher einen Schritt zurück gemacht.

Wer PvE-Deckungs-Shooter mag und gerne sammelt, wird mit dem Spiel sicher seine 200 Stunden lang Spaß haben. Was sicherlich nicht schlecht ist, jedoch müsste viel angepasst werden, damit die Community auch im Nachfolger mehr Stunden versenkt, wenn man mich fragt.

The Division 1 hatte viele Fehler, aber ein Gerüst, dass einem immer eine Langzeitmotivation geboten hat. Beim Nachfolger sehe ich das aktuell leider nicht und ich hoffe hier auf eine Reaktion von Massive.

Loot-Shooter gibt es viele auf dem Markt, wenn auch keine Deckungs-Loot-Shooter, aber RPG-Shooter gibt es keine und sie haben in meinen Augen mehr zu bieten.

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7 Kommentare

  1. Für PVE Leute wie mich, ist es genau (!) die richtige Entscheidung von Massive. Ab und zu mal ein bisschen beim PvP reinschnuppern, ab und zu mal Koop – aber zu 95% kann ich abends ganz entspannt mein Ding machen. Eine schöne lange Story, dann W1 bis W5.
    Gibt es nicht unzählige PvP-Shooter auf dem Markt?
    Für Feierabend-Noobs wie mich ist PvP immer schwierig, weil ich meist weder die Zeit noch die Geduld und auch nicht den nötigen Skill mitbringe, dort regelmäßig Erfolgserlebnisse zu ernten.

    Am allerliebsten mag ich Stealthspiele und hätte gerne mal ein neues Splintercell mit langem Storymode. Aber ein PvE-Deckungs-Loot-Shooter (ohne FirstPerson!!!) ist extrem selten und bedient m.E. daher eine gute Nische.

    Wobei der RPG-Anteil gerne noch größer hätte sein dürfen. Insgesamt finde ich deinen Wertungsbericht aber sehr gut. 😉

    • Danke. Verstehe auch jeden PVE-ler und spiele ja selber sehr viel PVE.
      Ich denke nur dass es in dem Spiel soooo viel PVE-Zweug gibt dass ich es für unnötig halte DAS MArkenzeichen von TD1, die DZ, so zu verkrüppeln.
      Und wenn dann hätte man zumindest Conflict attraktiver machen können.
      Und nein leider gibt es keine anderen PVP-Shooter wie Division.

      Aber ich habs mittlerweile akzeptiert, PVP ist eher der Blinddarm und man setzt auf andere Schwerpunkte.
      Aber gerade dann sollte die Builddiversity besser sien als sie es aktuell ist.

      • Ich dachte an CoD, BF, Halo, FarCry, Destiny uvm. Sind das nicht Shooter mit PvP? Nicht zu vergessen Fortnite und Co….
        Ich hab das Gefühl, die Publisher setzen mehr und mehr auf PvP, weil lange Singleplayer-Storykampagnen zu aufwendig und teuer sind. Es kommen ja immer mehr Games ohne Kampagne raus und nur noch für PvP. PvEler wie ich sehen da oft in die Röhre.
        Aber ja, du hast natürlich Recht: die DZ bzw. Konflikt hätte man auf jeden Fall ausbauen müssen für all die Leute, die PvP lieben. Mal schauen, was der nächste Patch bringt. Ich finde das Balancingproblem aber noch gravierender: 90% geht z.Zt. über Damage. Skills, Taktiken, Gadgets – da liegt noch so viel Potential brach.

        • Das sind ja alles reine Shooter.
          Division bietet als einziger einen RPG-Shooter.

          Zumindest war das halt in Division 1 der Fall und wird es hoffentlich auch in Division 2 wieder.

          In den anderen Spielen geht es rein ums ballern, in Division geht es darum zu wissen wie man seinen Build baut, wie und wann man welche Skills einsetzt und erst dann ums Aim.
          Das macht für mich den großen Unterschied. Es gibt MMORPG´s ohne Aim oder Shooter ohne RPG. Division hat als Einziger beides.

          “ Ich finde das Balancingproblem aber noch gravierender“

          Das meine ich auch in meinem Review mit Build Diversity.
          20 verschiedene Damage Builds bauen zu können, hat in meinen Augen nichts mit Build diversity zu tun.

          Dennoch spiele ich ja sehr gerne PVE, nur gibt es aktuell halt nichts im PVE was Teamplay erfordert. Mit dem Raid muss da halt mehr kommen.

      • Die sollten lieber die Dark Zone mehr dunkler oder ganz im Nachtmodus machen und nur eine wie bei D1, in der jetzigen , wenn ich da drinnen stehe , denk ich immer an Urlaub;))

  2. Ich bin mit Destiny 2 eingestiegen. Umso mehr ich dann über Destiny 1 erfahren hatte, umso mehr habe ich den Eindruck gewonnen, daß der zweite Teil in vielen Punkten eher verschlimmbessert worden war, und mir der erste Teil somit vermutlich besser gefallen hätte. Trotzdem hatte mir D2 sehr viel Spaß gemacht.

    Jetzt, bei The Division 2, geht es mir wieder genauso…

    Auf das State of Play von TD2 bezogen, kann ich das obige Review aber bedenkenlos unterschreiben. Es bringt die Vor- und Nachteile zudem so auf den Punkt, so daß ein tl;dr entfallen sollte 🙂

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