Pro in FIFA 19 erzählt, wie er es geschafft hat

Wie wird man eigentlich FIFA 19 Profi? Marcel „DonChap28“ Deutscher und Manager Teoman Arslan erzählen, wie der Werdegang eines Pro-Gamers aussieht – und wie sich der Alltag dann gestaltet.

Das ist Marcel „DonChap28“ Deutscher: DonChap28 gilt als einer der besten FIFA-Zocker in Deutschland und tritt demnächst im Grand Final der Virtuellen Bundesliga an. Er spielt unter dem Banner von „L4K eSports“ für das „Team Paranoia“.

So wurde Marcel Deutscher zum Pro

Profi-Karriere nicht geplant: Der Beruf des Profi-Gamers ist nicht gerade der Gewöhnlichste. Kein Wunder also, dass der Werdegang nicht gerade vorgeschrieben ist – auch bei Marcel „DonChap28“ Deutscher nicht: „Ich hatte das nicht geplant gehabt“, erzählt der Profi im Interview mit MeinMMO.

FIFA 19 Pro Marcel Donchap28 Deutscher
FIFA-Profi Marcel „DonChap28“ Deutscher

„Ich hab von Klein auf FIFA gespielt, weil ich auch im echten Leben Fußball gespielt habe. FIFA 12 hatte ich auch mal online gespielt, aber dann ging das los, das alles kostenpflichtig wurde. Das hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht eingesehen.“

Einige Jahre später sollte sich das allerdings ändern: Mehrere Knieoperationen zogen den begeisterten Fußballer aus dem Verkehr: „Da dachte ich, ich probier mal online zu spielen.“

Und das lief besser, als erwartet: „Durch die Ergebnisse in der Weekend League fällt man dann irgendwann auf: Ich hab öfters mal die Top100 erreicht und tauchte in der Weltrangliste auf.“

Unterschied zwischen Pro und Casual Gamer

Das machte den Unterschied bei DonChap28: Wie konnte sich Marcel Deutscher so schnell zu einem Topspieler entwickeln? Der Fußballhintergrund spielt laut Deutscher eine große Rolle: „Ich kenne fast jeden Spieler in- und auswendig. Wenn der Gegner beispielsweise mit Robben spielt, kann ich Schüsse mit dem rechten Fuß fast ignorieren – da passiert in den meisten Fällen eh nichts.“

Die Spieler des Gegners zu kennen, könne über Sieg und Niederlage entscheiden: „Bei der VBL hatte ich einen Gegner, der hat mir danach erzählt, er wusste nicht, ob Delaney Links- oder Rechtsfuß ist. Das hat mir im Angriff einen entscheidenden Vorteil gegeben – er wusste nicht, wo er verteidigen muss.“

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Das unterscheidet Deutscher von der Konkurrenz: Auch das Alter des fast 27-Jährigen spiele eine gewisse Rolle. In der Szene rechnet man eher mit einem Leistungsabfall, desto älter man wird. DonChap28 sieht sich allerdings im Vorteil gegenüber der oft deutlich jüngeren Konkurrenz: „Ich hab schon ein bisschen was erlebt, habe eine abgeschlossene Berufsausbildung. Ich gehe da manchmal vielleicht entspannter ran.“

Die Mentalität könne auf Turnieren am Ende den entscheidenden Ausschlag geben: „Ich bleib relativ ruhig und rege mich wenig auf. Das hilft in vielen Situationen schon – desto mehr du dich aufregst, umso mehr leidet deine Leistung.“

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Kann man davon leben?

So finanziert sich der Profi: Mittlerweile könne er vom FIFA-Spielen leben. Und das nur wenige Monate, nachdem er für die Karriere des eSportlers seinen alten Job als Fitnesstrainer an den Nagel hing: „Dafür war dann einfach keine Zeit mehr“, erzählt Deutscher.

Möglich sei das aber aber nur über das Team und die Agentur, die ihn monatlich mit einem Gehalt unterstützt, sagt Marcel Deutscher. Ausschließlich von den Turnieren zu leben sei äußerst schwierig. Die Preisgelder in der Szene hätten sich zwar gebessert, aber seien immer noch relativ niedrig, wenn man nicht gerade jedes Mal die großen Turniere gewinnt.

Eine hintere Top-5-Platzierung bei einem prestigeträchtigen Final in Singapur würde beispielsweise nicht mal 1000 Euro einbringen, erzählt der Pro. Und da überhaupt hinzukommen, sei schon schwer genug.

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Es braucht mehr als nur Leistung

Darauf kommt es als Profi an: Nach den ersten Erfolgen in der Online-Szene dauerte es nicht allzu lang, bis Teoman Arslan von L4K Sports auf Deutscher aufmerksam wurde und den aufstrebenden FIFA-Spieler unter Vertrag nahm.

Gute Leistungen am Controller reichen dafür aber nicht aus: „Neben spielerischem Talent muss der Spieler viel Disziplin und Ausdauer mitbringen, Spiele analysieren können“, erklärt Arslan: „Wenn die Leistung stimmt, muss auch die Außendarstellung stimmen. Der Spieler muss in der Lage sein, eine Marke positiv repräsentieren zu können.“

Auch eine ausgeprägte Darstellung in den sozialen Medien helfe sehr dabei, für Agenturen interessant zu werden.

L4K eSports Manager Teoman Arslan

Das bedeutet: Nur, weil man spielerisch mithalten kann, wird man nicht direkt zum Profi. Selbst Pros verlieren schließlich mal – auch Marcel Deutscher: „Da krieg ich dann Nachrichten, ‚ich hab DonChap besiegt’, wie komme ich ins Team?“, sagt Arslan: „Und dann bist du am erklären.“

Wie läuft der Alltag eines Profis?

So viel FIFA spielt ein Pro am Tag: Der Weg zum Profi ist also gar nicht so einfach. Und hat man es einmal geschafft, wird es nicht leichter: Von nun an steht eine Menge Training an. „Den Amateur und den Profi unterscheidet die investierte Zeit“, macht Arslan klar.

Insbesondere, wenn die neue Version von FIFA rauskommt, ist der Trainingsaufwand hoch: „Da spielt man auch mal 6, 7 Stunden am Tag“, betont DonChap28: „Um besser zu werden, muss man nun mal viel spielen.“

Gegen Ende der Saison entspanne sich das aber. Vorausgesetzt, man ist nicht mehr für die ganz großen Finalspiele qualifiziert: „Dann hat man eine Sommerpause bis zum nächsten Teil. Das kann einem fast schon zu lang werden.“

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So trainiert ein Profi: In einem weiteren Live-Interview mit MeinMMO betonte Marcel Deutscher den Vorteil, wenn man sich früh einem Verein mit guten Profis anschließt: „Da hast du dann deine Trainingspartner und kannst deine Spiele analysieren.“

So habe er durch die Kontakte seiner eSport-Agentur die Möglichkeit bekommen, mit dem ehemaligen deutschen Meister Cihan Yasarlar zu trainieren.

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Marcel Deutscher im Gespräch mit MeinMMO. Das ganze Video könnt ihr euch hier auf MAX anschauen.

Das Training besteht dann nicht einfach nur darin, 1-gegen-1 zu spielen. Vielmehr wird das Spiel nach entscheidenden Szenen ständig unterbrochen und kleinteilig optimiert. Es helfe ungemein, wenn ein bereits erfolgreicher Profi als Mentor auftritt.

Training ist nicht alles

Diese Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle: Training alleine reicht allerdings nicht aus, um die Konkurrenz zuverlässig zu schlagen. Denn die ist stark: „Alle, die in einem offiziellen Turnier teilnehmen, können FIFA spielen“, weiß Arslan.

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Deswegen können in solchen Situationen Kleinigkeiten entscheidend sein: „Du musst auf dem Level körperlich fit sein. Du fährst bei Turnieren morgens los, spielst von mittags bis abends durchgängig Spiele, musst dich konzentrieren und sitzt die ganze Zeit“, erklärt Deutscher, der vier bis fünf Mal pro Woche im Fitnessstudio trainieren geht – auch als Ausgleich: „Dazu bin ich viel mit meinem Hund unterwegs.“

So wichtig ist die richtige Ernährung: Das Thema Ernährung werde in der Szene ebenfalls noch stark unterschätzt: „Viele ziehen sich beim Spielen eine Cola rein oder essen eine Tüte Chips. Man glaubt das vielleicht nicht, aber ab einem gewissen Zeitpunkt beeinträchtigt das die Konzentration. Wenn du den Zucker in dir hast, merkst du das schon.“

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FIFA erfordert Umstellungen

So stehen die Pros zu den vielen FIFA-Updates: Ein weiterer Faktor, der nicht nur Pro von Casual Gamer trennt, sondern auch über Sieg und Niederlage entscheiden kann: Die Fähigkeit, sich umzustellen.

„Ein Pro muss sich immer auf jedes Update neu einstellen. Bei jedem Turnier fühlt sich das Spiel anders an“, betont Arslan. Man müsse in der Lage sein, sein Spiel komplett anzupassen. Gerade nach dem Patch Anfang des Jahres habe sich das Spiel extrem verändert. Und das kann durchaus frustrierend sein, wie Marcel Deutscher auch im Stream bei MAX verriet:

Diese Version wird auf Turnieren gespielt: Nicht nur die zahlreichen Updates bei FIFA 19 erfordern Flexibilität. Bei Turnieren wird auch eine spezielle eSports-Version des Spiels verwendet. Die soll zwar weniger Fehler auf dem Platz mitbringen, kann aber dennoch Verwirrung stiften.

„Das ist schon eine Umstellung. Das Gameplay ist langsamer, es passiert nicht viel Schlechtes“, erklärt DonChap28, der aber auch schon Probleme damit hatte: „Beim ersten Mal durften wir es kurz testen und ich hab festgestellt: Das ist ja ein ganz anderes Spiel. Da konnte ich mir dann die ganze Nacht Gedanken machen.“

FIFA in der Freizeit? Eher nicht

Das wird in der Freizeit gezockt: Da der Profi-Job sowieso schon den Großteil des Tages einnimmt, spielt FIFA in der Freizeit kaum noch eine Rolle: „Mit Kumpels spielt man ab und zu Pro Clubs, weil es ganz lustig ist. Aber gegeneinander – das bringt meinem Kumpel nichts und das bringt mir nichts“, erklärt Deutscher.

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Ob man als Pro auch die Freizeit mit FIFA verbringt, überlegt man sich eher zwei Mal

Wenn überhaupt, dann werden lieber andere Spiele mit Freunden gezockt – schließlich will man auch mal was anderes sehen, als immer nur den virtuellen Fußballplatz: „Ich glaube, auf der Ebene spielt kaum noch jemand mit seinen Freunden FIFA. Da spielt man dann eher eine Runde Fortnite oder so.“

Dennoch dürftet Ihr DonChap28 ab kommender Saison auch außerhalb von Turnieren öfter beim FIFA zocken sehen: Der Pro plant für die kommende Saison einen eigenen YouTube-Channel. Seine Tipps, wie Ihr schnell besser werdet, könnt Ihr aber schon jetzt bekommen:

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