@bauernschlau

aktiv vor 2 Wochen
  • Der Gaming-Publisher Ubisoft (Assassin’s Creed, Far Cry, The Division) ist in einen Sexismus-Skandal verwickelt. Der Chef-Kreative Serge Hascoët musste gehen. Jetzt taucht ein Insider-Bericht auf, der ein er […]

    • Weil sich etwas ändern muss, wobei hier die Frage zu stellen ist in welchem Ausmaß und auf welcher Grundlage, sind Falschbeschuldigungen akzeptabel? Ich habe in den letzten Wochen immer wieder diese Aussage gelesen und gehört und als Verfechter des demokratischen Rechtsstaates erschreckt mich das ganz massiv. Unsere Gerichte sind der Ort wo Schuld oder Unschuld festgestellt wird, nicht bei Twitter, Twitch oder wo auch immer. Eine durch Falschbeschuldigungen zerstörte Familie bleibt das in den meisten Fällen auch, selbst wenn viele Jahre später die Unschuld bewiesen wird.

      Um diese öffentlichen Hexenjagden wieder einzuhegen sollten Gerichte bei der Feststellung einer Falschbeschuldigung und Übler Nachrede/Verleumdung das mögliche Strafmaß konsequent anwenden, damit klar wird, dass es sich dabei nicht um eine Lappalie handelt. Und Unternehmen sollten die Füße stillhalten und die Justiz ihre Arbeit machen lassen. Beispielsweise können temporäre Freistellungen dabei allen Beteiligten helfen, ohne dass es zu einer Vorverurteilung kommt. Liegt ein Schuldeingeständnis vor sieht die Situation natürlich anders aus. Aber dem Mob einen Knochen vor die Füße zu werfen geht gar nicht.

      • Schuhmann kommentierte vor 2 Wochen

        Ich habe in den letzten Wochen immer wieder diese Aussage gelesen und gehört und als Verfechter des demokratischen Rechtsstaates erschreckt mich das ganz massiv. Unsere Gerichte sind der Ort wo Schuld oder Unschuld festgestellt wird, nicht bei Twitter, Twitch oder wo auch immer.

        Hier geht’s um firmeninterne Ermittlungen, um Beschwerden an die Personal-Abteilung und um Recherchen von Journalisten, die mit anonymen Quellen gesprochen haben.
        Hier geht es nicht um Verbrechen, die von der Polizei ermittelt und von einem Richter beurteilt werden.

        Hier geht’s auch nicht um den „demokratischen Rechtsstaat“ – hier geht es um die Richtlinien einer Firma, wie die Mitarbeiter miteinander umgehen sollen.

        Diese Geschichten mit Twitter sind eher Sachen, die Privatpersonen passieren, die eben nicht in einer Organisation, sondern die selbstständig sind.
        Der Creative Director von Ubisoft ist ja nicht dasselbe wie ein Twitch-Streamer. Sondern der ist die Nr.2 in einem weltweit agierenden Konzernen, wo es um wahnsinnig viel Geld geht.

        Es ist auch die Frage, ob ein Gericht dafür zuständig ist, zu klären, wer entlassen wird oder nicht. Das kann sicher vor Gericht kommen, wenn es da Dispute gibt. Aber wenn eine Firma sagt: „Der Mitarbeiter hat nicht unseren Standards entsprochen. Das haben wir bei einer internen Ermittlung festgestellt. WIr entlassen ihn“ -> Dann ist das ja nichts, was zwingend vor Gericht muss oder was ein Gericht klären muss.

        Das muss die Firma schon selbst klären können. Es geht da ja auch nicht um „Strafbestände“, sondern um interne Richtlinien, wenn man sich damit mal beschäftigt. Der hat ja kein Verbrechen begangen, der hat sich „falsch verhalten“ nach den Richtlinien der Firma.

        Ich denke, das ist in Firmen ja völlig normal, dass man sich mit Beschwerden über Mitarbeiter an die Personalabteilung wendet und dann geht das seinen Weg. Das Problem bei Ubisoft war offenbar, dass das nicht funktioniert hat.

        Aber da zu sagen: „Das Unternehmen sollte die Füße still halten und Gerichte ihre Arbeit machen lassen“ -> Ubisoft hat ja gerade das Problem, weil sie eben über Jahre offenbar „die Füße still gehalten haben.“ Genau das wird Ubisoft ja vorgeworfen.

        • Bauernschlau kommentierte vor 2 Wochen

          Ich weiß gar nicht wo ich bei Deiner Antwort anfangen soll, ich versuche es einfach mal.

          1. Richtlinien der Unternehmen unterliegen IMMER den Gesetzen des Landes in welchem diese zur Anwendung kommen. Es gibt keine Sonderrechtszone „Unternehmensrichtlinien“. In Deutschland ist der Rahmen sehr eng gesteckt was diese Richtlinien betrifft. Du kannst z.B. als wünschenswert ansehen, dass die MA ihre privaten Meinungsäußerungen in den Unternehmen zu unterlassen haben, damit es zu keinem Streit zwischen MA kommt und das in einer Richtlinie ausformulieren. Das ändert nichts daran, dass dies nicht dem Stand der Rechtssprechung in Deutschland entspricht und vor den Arbeitsgerichten keinen Bestand hätte.

          2. Ein Gericht ist natürlich erst zuständig wenn es zu einer Klage kommt. Ohne eine Klage ist aber die Schuldfrage juristisch nicht zu klären. Somit sind wir wieder beim Thema Unschuldsvermutung. Ein Unternehmen muss dann hoffen, dass der AN keine Klage einreicht. Was in der Regel nur passiert, wenn ein Schuldeingeständis vorliegt. In meinen mehr als 20 Jahren in der Personalabteilung ist mir so ein Fall (nicht eingereichte Klage) aber noch nie untergekommen.

          3. Einen MA zu entlassen, weil gegen ihn nicht bewiesen Beschuldigungen vorgebracht werden ist mit einer Verdachtskündigung nur dann möglich, wenn es objektive und belegbare Gründe gibt, die den Verdacht bestätigen. Das ist aber gerade bei sexuellen Belästigungen für ein Unternehmen nicht zu recherchieren, außer es liegen belastbare Bild und/oder Tonaufnahmen/glaubwürdige Zeugenaussagen vor. Aber alleine schon die Glaubwürdigkeit zu überprüfen ist schwer. Das BAG hat im letzten Jahr noch mal klar gemacht, dass eine Verdachtskündigung strikten Bedingungen unterliegt. So einfach wie du dir das vorstellst geht das nicht.

          4. Das mit dem „Füße still halten“ reißt du aus dem Kontext. Ich schrieb temporär freistellen und nicht gar nichts machen.

          5. Was aktuell passiert läuft eben nicht nach den grundlegenden Regeln ab, die man in einem Rechtssystem wie dem unserem oder der USA erwarten würde. Da wird wie wild auf alles geballert was geht, Fragen werden hinterher gestellt. Wenn MA von sich aus gehen ist das ein anderes Thema, wobei auch dann die Frage zu stellen ist, ob rechtswidriger Zwang ausgeübt wurde. Manche MA stellen diese Frage vor Gericht, andere wollen keinen Rechtsstreit und nur noch ihre Ruhe. Und andere haben die Taten tatsächlich begangen.

          6. Selbstverständlich geht es um unseren demokratischen Rechtsstaat. Denn dieser besteht ja nicht nur aus Gesetzen, sondern tritt auch für Werte und Normen ein. Und Vorverurteilungen gehören da sicher nicht zu.

          7. Zum Schluß schilder ich dir mal kurz, wie so etwas bei uns (4000 Mitarbeiter) abläuft. Erstens gibt es eine interne Anweisung der Rechtsabteilung zum Ablauf. Zweitens steht dort drin, dass gerade Vorwürfe der sexuellen Belästigung schwer zu ermitteln sind und es fast immer Aussage gegen Aussage steht. Drittens wird von „vorsorglichen“ Kündigungen vehement abgeraten. Viertens versuchen wir in der Personalabteilung diese Beschwerden direkt zu Polizei durchzureichen, natürlich nur mit Zustimmung des MA und Unterstützung durch die Rechtsabteilung. Fünftens verpflichtet uns die Fürsorgepflicht aktiv zu werden, d.h. MA zu sensibilisieren, falls notwendig MA zu versetzen, den Betriebsfrieden zu schützen und so weiter. Aber noch NIE haben wir einen MA in Fällen Aussage gegen Aussage, was auf 99% zutrifft, entlassen. In den meisten Fällen haben wir zu einer juristischen Klärung geraten und beide MA freigestellt. Grundsätzlich mit Lohnfortzahlung. Wurde die endgültige juristische Klärung abgelehnt, haben wir zur Wahrung des Betriebsfriedens andere Lösungen gefunden.

          • diesel kommentierte vor 1 Woche

            der Name kommt wohl nicht von ungefähr. wall of Text of sehr oberschlau, im Grunde weißt du aber nichts, absolut nichts

  • Blizzard hat zwei NPCs aus WoW entfernt, die dem Streamer „Swifty“ eine Ehre sein sollten. Das geschah, nachdem Anschuldigungen gegen ihn aufkamen, er habe sich in einer Beziehung falsch verhalten. Das wird jet […]

    • Nein, in demokratischen Rechtsstaaten ist es so, dass ein Gerichtsurteil darüber befindet wer schuldig ist und wer nicht. Was dir vorschwebt ist eine Verurteilung ohne Beweise, das ist völlig inakzeptabel. Und wenn Blizzard der Meinung ist im vorauseilendem Gehosam handeln zu müssen, dann passt das doch ins Bild (Blitzchung) dieses Unternehmens.

      • Ich habe das mit keinem Wort geschrieben, was du da behauptest. Also hör auf mir Sätze in den Mund zu legen, die ich nie behauptet habe!
        Du verstehst offenbar mit keinem Wort was ich mit meinem Beitrag meine. Daher erspare ich mir die Erklärung.

  • Bei World of Warcraft war die E-Sport-Organisation Method über viele Jahre die erste Adresse. Auch in WoW Classic war die Gilde erfolgreich. Doch die Vergangenheit holt sie jetzt ein. Nachdem Anschuldigungen […]

    • Die Verdachtskündigung ist an besondere Kriterien geknüpft. Eine über Twitter verbreitete unbewiesene Anschuldigung, die dann zu einer Verdachtskündigung führt würde hier in Deutschland kaum vor einem Arbeitsgericht standhalten.

      • Die Anschuldigung muss aber nicht bewiesen sein, bevor eine Verdachtskündigung ausgesprochen werden kann. Und genau darum gings mir hier.

        • Das ist so nicht korrekt. Das BAG hat im letzten Jahr noch mal konkretisiert, welche Anforderungen erfüllt sein müssen. Dazu gehört auch, dass es konkrete Anhaltspunkte für die Tat geben muss.

          „Eine Verdachtskündigung kann nicht schon dann wirksam ausgesprochen werden, wenn der Arbeitgeber subjektiv der Auffassung ist, dass sich der Arbeitnehmer etwas zuschulden kommen lassen hat. Die Verdachtskündigung ist vielmehr an das Vorliegen verschiedener objektiver Voraussetzungen geknüpft. Der rein subjektive Verdacht ist also kein Freifahrtschein für eine Kündigung.“

          Quelle Haufe

    • Naja, schaut man sich mal an wie wenig Verurteilungen es aufgrund der MeToo Vorwürfe gegeben hat, kann ich nicht so ganz daran glauben, dass es Strukturen gibt, die gezielt Frauen sexuell belästigen. Im Einzelfall ist das passiert, keine Frage, aber die juristische Aufarbeitung der MeToo- Vorwürfe bestätigt nun nicht die These von einer Branche, die Frauen hasst und gezielt missbraucht. Und ich meine jetzt die justiziablen Anschuldigungen.

      Was mich an diesen ganzen Vorwürfen gewaltig stört ist nicht deren Existenz. Sondern die Vorverurteilungen ohne Gerichtsprozess. Es ist in unserer heutigen Zeit ein leichtes die berufliche und familäre Existenz eines Mannes mit unbewiesenen oder falschen Beschuldigungen zu zerstören. Ein besonders abschreckendes Beispiel ist der Fall Horst Arnold.

      Im Fall von Method und Josh hat es sogar im letzten Jahr polizeiliche Ermittlungen gegeben, die Anklage wurde fallen gelassen. Sollte die Gildenleitung damals jemanden rauswerfen, der von Polizei und Justiz entlastet wurde? Wenn jetzt neue Anschuldigungen und Beweise auftauchen, dann kann ich das doch nicht der Gildenleitung anlasten, die damals auf Polizei und Justiz vertraut hat.

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