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WoW-Kolumne: Ich will wieder unbedeutend sein!

Der klassische Reiz von WoW war, dass man nur ein unbedeutender Abenteurer war. Ist das als „großer Held“ noch genau so spannend?

Inzwischen – trotz vieler neuer Patches – ist auch World of Warcraft: Legion ein bisschen abgedroschen. So langsam hat man die Gebiete satt und wenn ich an Argus denke, hängt mir die felverseuchte Umgebung aus den Ohren raus. Da kommen unweigerlich Erinnerungen an „ruhige“ Gebiete auf, in denen die Welt noch weitestgehend in Ordnung war.

Und ich vermisse es wirklich.

Ich sehne mich zurück nach den Zeiten, in denen mein Charakter irgendein „Hans Wurst“ war, dem man einfache Botengänge aufgetragen hat. Ich vermisse die Zeit, in der NPCs mich mit ihren Alltagssorgen belästigt haben. Auch wenn ich früher darüber gespottet habe, dass man im Wald von Elwynn Zutaten für einen Kuchen sammelt und Kobolden nur ihre Kerzen stiehlt – ich vermisse das.

Erste Begegnungen mit Helden waren fantastisch

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit meiner Blutelfe von 1 auf 70 gelevelt habe. Das erste Mal in den Geisterlanden, als man das Amulett der Windläufer findet und damit beauftragt wird, dies nach Unterstadt zu bringen. Das war eine seltene Interaktion mit einem großen Helden – ich habe es richtig genossen. Vor allem das “Lament of the Highborne”, das im Anschluss gespielt wurde, summt mir noch heute durch den Kopf.

Ähnlich war es viele Tage später in der Scherbenwelt in den Ebenen von Nagrand. Nach einer ewigen Questreihe kam Thrall persönlich nach Nagrand. Man selbst konnte ihn begleiten und dabei (zumindest in meinen Erinnerungen) 15 Minuten eskortieren, während er das Orcdorf erkundet und sich zum ersten Mal mit Garrosh unterhält, um ihm von den Heldentaten seines Vaters zu berichten. Das fühlte sich wichtig und bedeutsam an, weil es ein seltener Augenblick war.

Oder wenn man in den Kerkern unter Karabor im Schattenmondtal eine gefangene Elfe fand und sich herausstellte, dass es Maiev Schattensang war. Das waren so kleine „Wow“-Erlebnisse, einfach weil man seit Warcraft 3 darauf hoffte, einmal diese Charaktere treffen zu können.

Damals waren Begegnungen mit den Anführern der Völker eine Seltenheit. Namhafte NPCs, die man bereits aus Warcraft 3 kannte, tauchten nur an wenigen Stellen auf. Jetzt kann ich Malfurion („Tyraaaaande… hiiiilf miiiir….“), Khadgar und Maiev langsam nicht mehr sehen. Ich will wieder neue Charaktere treffen. Unbedeutende Leute, und nicht die großen Anführer der Welt.

Questen war auch damals schon merkwürdig

Das Questen in Burning Crusade war eine Katastrophe – keine Frage. An jedem Questhub sammelte man 8-10 Quests ein, vernichtete im Anschluss alle umliegenden Völker mehrere Male und kehrte dann zurück. Das war nicht besonders anspruchsvoll oder spannend, aber eine einfache Beschäftigungstherapie. Und wenigstens kam gelegentlich ein Teufelshäscher von hinten angeschlichen, um mich mit nur einem Schlag zum nächsten Friedhof zu befördern. Schöne Zeiten, wenn man so darüber nachdenkt.

Die Quests sind, objektiv betrachtet, heutzutage interessanter designt. Viele Gegner haben vertonte Sätze, neue Questschritte ploppen noch während der Mission auf und häufig wartet irgendein „Miniboss“, der uns noch verspottet oder ein Geheimnis offenbart. Ich habe auch durchaus Spaß beim Questen und viele Handlungsstränge halten mich bei Laune. Und doch vermisse ich etwas in World of Warcraft, das mir Legion aktuell nicht geben kann.

Sicher, die Erweiterung Legion trägt ihren Namen nicht ohne Grund und die Bedrohung sind eben die endlosen Dämonenhorden. Aber in jeder Region der Erweiterung steht das Leben ganzer Völker auf dem Spiel, überall ist Tod und Vernichtung. Während ich dramatisch-geniale Questlines wie die von Suramar auch nicht missen möchte, wären mir 1-2 „chillige“ Zonen ganz recht.

Ich vermisse Mists of Pandaria

WoW: Mists of PandariaIch hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber ich hoffe sehr, dass die nächste Erweiterung wieder ein bisschen „Urlaubsfeeling“ mit sich bringt, wie es in Mists of Pandaria der Fall war. Zwar gab es hier auch jede Menge Krieg, aber zwischendrin einfach drollige Pandarengeschichten, die witzigen Grummels oder zumindest abgedrehte Ho-zen, die uns mal ordentlich die Nappel durchgeflotscht haben.

Wenn ich so zurückdenke, dann war das Tolle an World of Warcraft damals, dass ich diese gigantische Welt, die in Warcraft 3 nur in Ausschnitten gezeigt wurde, erkunden konnte. Ich durfte kleine Details entdecken, Dinge über die Gesellschaften von Azeroth lernen und ihre Kulturen erforschen. Nicht permanent an der Seite der großen Helden sein oder sogar einen Platz unter ihnen einnehmen.

Ich will wieder unbedeutend sein. Ich will, dass man meinen Charakter für irgendeinen aufstrebenden Abenteurer hält, den man zu irgendeiner beknackten „Such Nagrandkirschen im Dung von Kodos“-Quest schickt. Oder irgendwelchen Kindern helfen, deren Spielzeug ins Wasser gefallen ist.WoW Fight Club

Ich will nicht, dass das „Epische“ komplett aus dem Spiel verschwindet. Manchmal bin ich gerne an der Seite großer Helden, wenn es der Moment hergibt. Aber die Mischung zwischen „Weltbewegender Questline an der Seite von Helden“ und „Alltagsprobleme der Bewohner unerforschter Kontinente“ war in Mists of Pandaria besser.

Oder wie seht ihr das Ganze?


Ihr wollt mehr WoW-Artikel? Wie wäre es dann mit einer nostalgischen Reise durch die 5 beknacktesten Bossmechaniken, die WoW jemals hatte?

Cortyn
Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!
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