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World of Warcraft: Warlords of Draenor im Test

Cortyn
PC

Ich fange in diesem Test mit meiner schlechtesten Erfahrung direkt an: Der Release von World of Warcraft: Warlords of Drenor. Die Probleme nahmen Ausmaße an, wie man sie als WoW-Veteran vielleicht noch bei der Veröffentlichung von “Burning Crusade” kannte.

Tausende Spieler standen gleichzeitig auf sehr engem Raum, um den einzigen NPC anzusprechen, der das Addon einläuten sollte – wie konnte Blizzard diese Schwachstelle denn übersehen? Disconnects, frustrierte Spieler und eine Menge Unmut im Allgemeinchannel waren die Reaktionen. Zum etwas späteren Start in Amerika hatte man bereits eine Lösung und erlaubte den Spielern, auch an anderen Orten die Erweiterung zu betreten – immerhin, schnell reagiert!

World of Warcraft Box

Warlords of Draenor, erschienen am 13.11.2014

Hatte man es dann endlich in die neuen Zonen geschafft, war das Chaos erträglicher. Natürlich war auch hier alles immer noch heillos überfüllt, aber in einem Maße, mit dem ich beim Start einer Erweiterung einfach rechne – Quests waren zu bewältigen, auch wenn meine Elfe manchmal die Ellenbogen auspacken und jemandem einen Gegner vor der Nase wegschnappen musste – man möge es ihr verzeihen. Der Rest der Nacht lief – aus meiner Sicht – relativ ruhig ab. Ich konnte bis zum Morgengrauen relativ entspannt spielen und abgesehen von kurzen Lagspitzen war das meiste erträglich.

Der Start lief nicht, auch Tage danach noch Probleme

World of Warcraft - Warlords of Draenor Addon

So haben wahrscheinlich viele Spieler vor dem Monitor gesessen.

Doch dann. Doch dann…

Gegen Mittag des ersten Tages wurde es schrecklich. Latenzen im vierstelligen ms-Bereich, heillos überlastete Server und immer wieder die Meldung „Transport abgebrochen: Instanz wurde nicht gefunden“. Die Garnison war für lange Zeit nicht zu betreten, stattdessen hingen verzweifelte Spieler auf ihrem Reittier in der Luft und konnten nicht weg, da das Spiel immer wieder vergebens versuchte, ihnen doch eine Instanz zuzuweisen.

Ich gehe fest davon aus, dass diese Fehler in den nächsten Wochen der Vergangenheit angehören, deshalb will ich sie in diesem Test auch nicht berücksichtigen – das würde der sonstigen Spielerfahrung wohl nicht gerecht. Dennoch hielt ich es für notwendig, wenigstens einmal darauf hinzuweisen.

Inszenierung der Spielwelt

Ich habe dieses Mal nicht in der Beta gespielt, deswegen wusste ich nur bedingt, was eigentlich auf mich zukommt. Meine Erfahrung in diesem Bereich sind nur mit einem Wort zu beschreiben: Grandios. Das Einführungsszenario dauert ungefähr eine Stunde, stellt die wichtigsten Charaktere der Erweiterung vor und spielt sich unheimlich dynamisch. Es fühlte sich wirklich an, wie ein Ansturm auf das dunkle Portal – und dann der verzweifelte Versuch, im Feindesland irgendwie in Sicherheit zu kommen. Die Bedrohung durch die „eiserne Horde“ ist real. Und habe ich sie vor einigen Tagen noch belächelt, jetzt möchte ich sie nicht mehr missen.

Hart, härter, Warcraft

World of Warcraft Orc

Die Bedrohung durch die “eiserne Horde” ist real.

Vor allem ist WoW eine ganze Ecke düsterer und brutaler geworden! Zu Beginn von „Mists of Pandaria“ hatten viele die doch sehr lustige Welt bemängelt und konnten mit den unzähligen albernen Quests nichts anfangen. Natürlich hatte sich das im Laufe der Erweiterung geändert und spätestens mit der „Schlacht um Orgrimmar“, bei der viele NPCs aufgespießt wurden und von den Mauern der Stadt hingen, war den meisten wohl klar, dass Warcraft nicht nur eine lustige Welt ist. Dieser finstere Stil zieht sich durch die ganze Erweiterung. Dem „War“ im Namen wird alle Ehre gemacht, so hilft man unter anderem bei einer recht grausamen Vendetta eines Orcs und vernichtet einen feindlichen Anführer – natürlich tötet man aber erst all seine Söhne und spießt dessen Köpfe auf eine Waffe, um ihn noch weiter zu demütigen. An einer anderen Stelle sind die Leichen von Draenei zu Bergen aufgetürmt – nackt und wie Tiere einfach aufeinandergestapelt. Viele Details sind beklemmend und sorgen dafür, dass man als Spieler die eigenen Handlungen hinterfragt. Sind wir wirklich die „Guten“ in diesem Konflikt? Sind unsere Methoden besser?

Und eine Prise Humor

Trotz dieser Grausamkeiten hat WoW seinen Humor nicht verloren und genau so oft, wie mich das Grauen packte, musste ichh herzhaft über die Ideen der Macher lachen. Man kann in der Spielwelt eine Menge „graue“ Gegenstände finden, die nur zum Verkaufen gut sind und diese haben mitunter wirklich lustige Texte. An einer „Bombe der eisernen Horde“ steht etwa dran:

[intense_blockquote color=“#ededed“ author=“Bombe der eisernen Horde“]Viel zu gefährlich, um sie zu entschärfen. Am besten verkauft man sie einfach an einen ahnungslosen Händler.[/intense_blockquote]

Auch die Quests halten einige Lacher bereit und spätestens wenn ein Arrakoa den „Schulkükenreport“ vorliest, dann ist all das Leid dieser Welt für einen kurzen Moment verschwunden.

Quest- und Levelphase

Für viele Spieler ist die Levelphase immer das Schlimmste an einem Addon, wollen sie doch hauptsächlich Raids und Endgame-Inhalte erleben. Ich persönlich habe immer großen Spaß an der Levelphase, erzählt sie doch die Geschichte der Welt und gerade als Rollenspieler kann man so viele Details über die verschiedenen Spezies erfahren, die anderen verborgen bleiben. Ich muss kein Geheimnis daraus machen: Blizzard hat das Questsystem auch mit diesem Addon nicht neu erfunden. Die meisten Aufgaben laufen nach dem bekannten Schema ab „Töte X davon“ oder „Sammel Y hiervon“. Das wäre nicht sonderlich spannend und alle Spieler, die keinen Wert auf die Geschichte legen, werden sich wohl – mal wieder – beim Abschließen dieser Aufgaben langweilen. Wer jedoch Interesse an den Völkern und ihrer Vergangenheit hat (besonders die Lore der Arrakoa ist überragend), der wird viel Spaß an den Aufgaben haben.

Bekannte Charaktere an jeder Ecke

World of Warcraft Warlords of Draenor

Kleines Pläuschen am Lagerfeuer? In WoD werden gute Geschichten erzählt…

Insbesondere das Storytelling ist diesmal dichter als in vorherigen Erweiterungen. Alle paar Quests wird man von bekannten NPCs begleitet, die später an irgendeiner entscheidenden Schlacht teilnehmen oder dem Spieler anderweitig zur Hand gehen. Blizzard ist es gelungen, dabei eine passende Balance aus epischen und gewöhnlichen Quests zusammenzustellen, sodass es sich immer die Waage hält und man nie den Eindruck bekommt, dass es in eine der beiden Richtungen ausschlägt. Besonders lohnenswert ist es aber, ein Gebiet vollständig abzuschließen, denn meistens erwartet den Charakter dann eine große Abschlussmission, mit anschließender Zwischensequenz – und diese sind auf einem verdammt hohen Niveau und hinterlassen eine Gänsehaut zurück. Das garantiere ich Euch.

Den einzigen Kritikpunkt, den ich am Leveln anbringen kann, ist die Tatsache, dass es zu schnell vorbei war. Damit meine ich nicht die reine Stundenanzahl, die war absolut in Ordnung. Stattdessen wurde ich bereits in einem Gebiet Stufe 100, das eigentlich für Level 96 ausgelegt war. Wenn es nach mir geht, sollte man die Zahlen für die erhaltene Erfahrung ein wenig nach unten korrigieren – auf der anderen Seite bietet die Welt aber so viel mehr als nur reines „XP-Grinden“, dass ich auch auf dem Maximallevel gerne noch weiter gequestet habe.

Erforschung der Welt – Lohnenswert und ungeheuer befriedigend

Wer sich nur an die vorgegebenen Pfade hält und stumpf die Aufgaben „runterquestet“, der wird am Ende des Gebietes vielleicht knapp die Hälfte der Karte aufgedeckt haben. Viele Dinge spielen sich abseits der Wege ab und während es in „Mists of Pandaria“ knapp 50 kleine Schätze zu entdecken gab, hat man die Anzahl in dieser Erweiterung mehr als versechsfacht. Wer seine Augen offen hält, der wird in jedem Gebiet mit zusätzlicher Beute belohnt, wenn man zum Beispiel das „Grab eines alten Kriegers“ findet, welches tief in einer versteckten Höhle liegt. Um den Anreiz für die Suche nach solchen Gegenständen noch weiter anzufachen, gibt es bei jedem entdeckten Schatz auch gleich eine dicke Ladung Erfahrungspunkte oben drauf, die ungefähr 1-2 Quests entspricht.

Rare Feinde, rare Beute

World of Warcraft - Genesaurier

Aber auch rare Gegner hat man wieder in das Spiel gepackt, ein wenig mehr als 150 – und das sind nur jene, die ich mit Sicherheit getötet habe und ich habe bei Weitem noch nicht alle gefunden. Ähnlich wie auf der zeitlosen Insel, kann jeder die Gegner plündern, der sie angegriffen hat, sodass es nicht zu Streitereien kommen wird. Jeder dieser seltenen Feinde hat auch nur einen einzigen Gegenstand bei sich und kann pro Spieler nur ein einziges Mal geplündert werden – natürlich gibt es auch hier ein paar Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen erfüllt dieses neue System seinen Zweck.

Doch auch, wenn man nicht nur auf die reinen „Belohnungen“ aus ist, kann man vieles entdecken. So ziemlich alle bekannten und unbekannten NPCs aus WoW tauchen irgendwo auf Draenor auf. Die bekannte Questreihe des Brachlands „Mankriks Frau“ findet hier ihren Anfang, wenn man Mankrik und seiner Freundin begegnen kann. Viele Arrakoa, die man in der Scherbenwelt als Bosse bekämpft hat, sind nun Verbündete und Questgeber. Wer der Spielwelt mit offenen Augen entgegentritt, der wird so viele Anspielungen, Hinweise, Details und Neuigkeiten zur Hintergrundgeschichte finden, dass Rollenspieler gerne mal von einem „Loregasmus“ sprechen. Die Welt ist reich an Dingen, die es zu finden gibt – man muss nur den Tunnelblick ausschalten, der leicht entstehen kann, da die Questziele immer auf der Karte markiert sind und den Erforscherdrang oft unterdrücken.

Die Grafik – Alt, aber ansehnlich

World of Warcraft Zwerge

Eigens für das Addon wurden die Texturen der Charaktere ordentlich aufpoliert.

World of Warcraft ist mit seiner Engine inzwischen zehn Jahre alt geworden und das sieht man dem Spiel auch in jedem Aspekt an. Die Grafik gewinnt heute wohl keinen Schönheitspreis mehr für die beste Auflösung oder die höchste Polygonzahl und einen großen Sprung in der Grafikpracht braucht man auch nicht mehr erwarten. Dennoch gelingt es den Entwicklern mit jedem Addon noch eine kleine Schippe oben draufzulegen und die Grenzen des Möglichen ein bisschen weiter auszureizen.

Es sind die kleinen Dinge, die positiv auffallen, wie etwa die Reflexionen der Sterne im Wasser, während man darüber hinwegfliegt. Und auch, wenn es ein wenig spöttelnd gemeint war, möchte ich hier einen Freund aus Skype zitieren „Mond und Sterne im Wasser, THE FUTURE IS NOW!“. Genau so fühlt es sich an. Man hat sich über Jahre an die Grafik des MMOs gewöhnt und diese kleinen Veränderungen fallen gerade deswegen so ins Gewicht, weil man sie nicht erwartet.

Panorama - Schattenmondtal

Ja, das Schattenmondtal lädt geradezu ein, entdeckt zu werden.

Wer sich einmal auf einen Hügel des Schattenmondtales stellt und den Blick schweifen lässt, während im Hintergrund die unvergleichliche Musik des Spiels läuft, der wird sofort wissen, wovon ich spreche. Die Welt hat eine ganz eigene Schönheit, einen Zauber und eine Ausstrahlungskraft, die nicht auf hochauflösende Texturen angewiesen ist. Manchmal ist weniger einfach mehr und das war noch nie so wahr, wie in den Umgebungen von Draenor.

Die Musik – Atemberaubend ohne Ausnahme

Ich weiß, dass viele Spieler in WoW generell auf Sound und Musik verzichten, weil sie es als störend empfinden und lieber irgendeine Dubstepp-Musik im Hintergrund laufen haben, oder aber beim Spielen im TeamSpeak oder Skype sitzen. Deswegen hier ein Ratschlag an alle, die das bisher so gehandhabt haben: Lasst es. Schaltet die Musik an.

Spitzen von Arak

In den „Spitzen von Arak“ sollte der Ton nicht ausgemacht werden.

Bisher habe ich bei jedem Addon die Musik gelobt und dachte, nach dem epischen Cataclysm-Soundtrack könnte man sich nicht mehr steigern – aber beim Nether, da lag ich verdammt falsch. Wenn die Hintergrundmusik eines Spieles es schafft, dass ich trotz der eher altbackenen Grafik mit angehaltenem Atem einfach stehen bleibe und die Landschaft betrachte, dann macht sie etwas verdammt richtig. Egal ob es in den eisigen Weiten des Frostfeuergrates oder den unwirtlichen Landschaften der Spitzen von Arak war, die Musik trägt unheimlich viel zur Atmosphäre bei und schafft es, jeden Schauplatz punktgenau zu beschreiben. Jeder einzelne Soundtrack passt unglaublich gut und wenn man die Augen schließt, hört man stets heraus, in welchem Gebiet man sich gerade aufhält – sowohl die „freundlichen“ als auch die „feindlichen“ Orte habe ich oft nur aufgesucht, um noch ein wenig länger der Musik lauschen zu können, bevor es mich in das nächste Gebiet gezogen hat.

Die eiserne Horde ist nicht zuletzt deswegen so bedrohlich, weil die Musik sie um ein Vielfaches stärker erscheinen lässt. Hut ab, Blizzard. Das für die musikalische Untermalung zuständige Team hat sich selbst übertroffen.

Hier eines meiner Lieblingsstücke, ich habe jedes Mal eine Gänsehaut:

Die Garnison

Wenn man ausführlich über WoD sprechen will, kommt man gar nicht drum herum, einige Worte über die Garnisonen zu verlieren, diese sind nämlich Dreh- und Angelpunkt eurer Abenteuer. Ich beginne mit dem negativen Aspekt zuerst: Die Garnison ist verpflichtend und man kommt nicht umher, sich um sie zu kümmern. Nicht nur starten viele der Missionen hier, auch stellt sie den Hauptknotenpunkt für eure Handwerksmaterialien dar.

Anhänger Details

Anhänger bringen viele Vorteile.

Und jetzt zu den positiven Aspekten: Sie macht unglaublich viel Spaß. Auch, wenn es in keinster Weise einem „Housing“-System wie etwa in WildStar ähnelt, so bietet die Garnison doch viele Anpassungsmöglichkeiten, mit denen man sich das Leben in Draenor erleichtern kann. Zu Beginn ist die Garnison noch recht klein und bietet nur Platz für ein bis zwei Gebäude, diese nutzt man normalerweise, um zusätzliche Handwerksmaterialien für den eigenen Beruf zu generieren. Während Ihr etwa in der Wildnis Fellfetzen sammelt, kümmern sich die NPCs in eurem Lager darum, dass das Fell zu feinem Stoff umgewandelt wird.

Aber wo wir gerade bei NPCs sind: Eine ganze Menge von ihnen könnt Ihr als Anhänger für Eure Garnison rekrutieren und sie dann auf Missionen schicken – dabei sammeln sie Erfahrungspunkte und werden immer stärker, zugleich bringen sie Euch wertvolle Ressourcen, Gold oder gar Gegenstände nach Hause. Die Dauer der Missionen variiert von 5 Minuten bis hin zu 10 Stunden. Natürlich müsst Ihr die Zeit nicht einfach abwarten, kehrt einfach irgendwann zu Eurer Garnison zurück und eure Anhänger sind ruhmreich aus der Schlacht zurückgekehrt – oder gnadenlos untergegangen (in dem Fall werden sie von mir direkt „deaktiviert“ – für Versager ist kein Platz in meinem Lager!).

Vom kleinen Lager zur großen Festung

Garnison Planungsübersicht

Mit steigendem Level könnt ihr eure Festung immer weiter ausbauen und recht stark individualisieren – möchtet ihr lieber einen Bank-NPC im Lager oder eine Schneiderei? Wie wäre es mit einem Sägewerk, das Ressourcen sammelt, oder lieber einem Stall, mit dem ihr besondere Reittiere zähmen könnt? Für den Ausbau dieser Erweiterungen benötigt es meistens zwei verschiedene Ressourcen, die erste ist Gold und damit relativ einfach zu bekommen – das fließt in Draenor nämlich stetig in eure Kasse. Die zweite Komponente heißt schlicht „Garnisonsressourcen“ und ist deutlich schwieriger zu erhalten. Zwar generiert eure Unterkunft alle paar Stunden selber einige, aber große Sprünge kann man damit nicht machen. Wer alles zeitnah ausbauen will, der muss sich nach den raren Feinden und Schätzen der Welt umsehen, um zumindest die grundlegenden Gebäude ausbauen zu können. Während einige das sicher als nervig empfinden, fand ich es eine geschickte Möglichkeit, die Spieler weiter dazu zu animieren, sich die Spielwelt genauer anzusehen.

Crafting – gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlechter

Auch das Herstellen von Gegenständen findet in der Garnison statt, jedoch ein wenig anders, als man es bisher gewohnt war. Allein der Sammelprozess für die benötigten Materialien kann mehrere Tage dauern, denn die Herstellungsrate ist streng limitiert. Als Beispiel nehmen wir hier die Schneiderei: Euer Charakter kann zwar einmal am Tag 4-6 Stoffballen herstellen, für eine neue Robe werden aber über 100 davon benötigt. Wenn Ihr eine Schneiderei auf eurem Grund erreichtet habt, dann können euch die dort arbeitenden NPCs zur Hand gehen und über den Tag ebenfalls diese Stoffballen herstellen, was die Produktionsrate ca. verdoppelt. Eine Handvoll seltener Anhänger bringt sogar besondere Berufsboni mit sich, was den Ertrag ein weiteres Mal erhöht. Dieses „Strecken“ des Herstellungsprozesses erhöht natürlich den Wert der hergestellten Dinge im Auktionshaus, wird aber wohl nicht allen Spielern gefallen. Anzumerken ist auch, dass die hergestellten Gegenstände sich mit der Zeit aufwerten lassen – etwa von Itemlevel 640 auf 655. Aber auch dies kostet wieder unzählige Materialien.

Instanzen – Gemischte Gefühle

Instanz in Warlords of Draenor

Was die Instanzen anbelangt, sowohl die heroischen als auch die normalen, betrachte ich das Ganze mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite gibt es viele Instanzen mit neuen, lustigen Bossmechaniken. In „Der immergrüne Floor“ beispielsweise, muss man ein großes Pflanzenmonster daran hindern, eine ganze Armee von Setzlingen zum Leben zu erwecken, in dem man auf jeden Setzling einmal drauftritt, bevor er das Licht der Welt erblicken kann. Das ist witzig, macht Spaß und das habe ich zumindest so noch nicht gesehen. In anderen Dungeons, wie etwa der „Schattenmondgrabstätte“, findet man einige Mechaniken wieder, die man schon aus vielen anderen Instanzen und Raids kennt – für neue Spieler mag das absolut kein Problem sein, als Veteran könnten diese Dopplungen den Spielspaß aber schon etwas hemmen.

Epische Kämpfe – selbst in kleinen Gruppen

Einige Bosskämpfe sind absolut denkwürdig geworden und versetzen mich auch beim zehnten Instanzbesuch noch in einen Adrenalinrausch. Während man einen fahrenden Zug der eisernen Horde kapern will, tritt plötzlich ein großer Orc mit dicker Kanone in den Weg und ballert aus allen Rohren. Gleichzeitig ruft er Wellen von Dienern und schickt sie uns entgegen, um uns mit Sprengstoff zu bewerfen. Als wäre das alles nicht genug, klappt die Verkleidung des Zuges nach außen auf und bietet so eine zusätzliche Fläche, auf der man kämpfen kann, gleichzeitig aber von dem Zugwind erfasst wird und dabei die weiten Ebenen von Draenor vorbeiziehen sehen kann. All das ist so durchdacht, so verdammt cool in Szene gesetzt, dass man selbst über ein paar altbackene Spielmechaniken hinwegsehen kann.

Fordernder als zuvor, aber niemals unfair

World of Warcraft - Schwarzfelsgießerei

Blizzard hat den Anspruch bei den Instanzen erhöht.

Erfreulicherweise haben die Instanzen auch einen deutlich höheren Schwierigkeitsgrad, als es noch in Mists of Pandaria der Fall war. Selbst auf der normalen Schwierigkeitsstufe werden Gruppen so manches Mal das Zeitliche segnen, wenn sie sich die Mechaniken des Bosses nicht vorher erklären lassen oder einen Blick in das Dungeonkompendium werfen. Aus den heroischen Varianten kommt man nur selten ohne einen kompletten Wipe heraus, wobei sich das mit dem steigenden Itemlevel der Besucher wieder ändern kann. In jedem Fall ist der Schwierigkeitsgrad knackiger als zuvor und besonders Heilern wird wieder deutlich mehr abverlangt als das gelegentliche Wirken eines Gruppenheilzaubers.

Von den Raidinstanzen konnte ich mir leider noch keinen Eindruck machen, diese werden erst in einigen Tagen freigeschaltet, um allen Spielern ein entspanntes Leveln zu ermöglichen.

PvP – Spaßig, aber noch ausbaufähig

Meine Erfahrungen im PvP von „Warlords of Draenor“ beschränken sich aktuell auf zwei Abende in Ashran und der Spaßfaktor könnte unterschiedlicher nicht gewesen sein.

Der erste Abend war eine reine Katastrophe. Die Allianz war der Horde ungefähr fünffach überlegen, somit war es ein reines Gemetzel. Man konnte das Basislager der eigenen Fraktion nie verlassen und der Spaß hielt sich in eng definierten Grenzen.

Dies änderte sich aber in der darauf folgenden Nacht! Ich hatte Gelegenheit, die Insel Ashran ausführlich zu erforschen und auch das Kräfteverhältnis war nun ausgeglichener. Das Open-World-PvP-Gebiet unterscheidet sich grundlegend von den Schlachtfeldern, denn es absolut darauf ausgelegt, an einigen Stellen einfach nur unfair zu sein – Spaß wurde hier dem Balancing vorgezogen, aber das zahlt sich letztendlich aus. Ein paar Beispiele gefällig?

Leichen - AshranPVP

Ganz schön imba – so viele Leichen um mich herum im PvP-Gebiet Ashran!

Getötete Spieler können geplündert werden, hin und wieder erhält man dann ein „uraltes Artefakt“, welches den Plündernden mit einem Stärkungszauber belegt, der seine HP um 200% und seinen verursachten Schaden um 100% erhöht. Der Buff hält so lange an, bis man von der gegnerischen Fraktion getötet wird und ein Feind den Zauber an sich nimmt. Damit ist man eine wahre Kampfmaschine und hält auch locker drei Allianzler gleichzeitig in Schach. Aber noch mehr unfaire, spaßige Mechaniken warten auf der Insel: Im Spinnenviertel kann man gefangene Soldaten befreien, diese begleiten ihre Retter dann so lange, bis sie im Kampf fallen. Die guten Kammeraden haben knapp doppelt so viel Lebensenergie wie ein Spieler und schlagen auch für ähnliche Werte zu bzw. Heilen für einen gigantischen Betrag.

Von diesen Mechaniken gibt es unendlich viele auf der Insel. Sie alle zu entdecken und möglichst gemein einzusetzen, macht einen ungeheuren Spaß!

Jeder darf ein bisschen „imba“ sein

World of Warcraft: Heilung

Ashran bietet übermächtige Zusatzfähigkeiten – bringt Abwechslung!

Aber habe ich schon die Folianten erwähnt? Auf der Insel können alle Klassen temporär eine übermächtige Zusatzfähigkeit bekommen. Priester können etwa für eine gewisse Zeit fliegen und mitten im Kampf einfach verschwinden. Paladine können ihre Feinde für sechs Sekunden lähmen – wird diese Betäubung nicht gereinigt, wird der getroffene Spieler in das Gefängnis der Gegenfraktion teleportiert, wo ihm im Regelfall schnell die Lebenslichter ausgepustet werden. Schurken können vollkommen in ihrem Element aufgehen und andere Spieler per Taschendiebstahl um ihre Artefaktfragmente erleichtern, die man als Währung auf der Insel benötigt – und ja, sie verschwinden dann wirklich aus Eurem Inventar.

Egal wie man es dreht und wendet, Ashran ist gemein, ungerecht, frustrierend und zugleich ungeheuer spaßig. Wer nicht nach jedem Charaktertod die Tastatur aus dem Fenster werfen will, der wird sich wie im Schlaraffenland fühlen.

Fazit

Warlords of Draenor“ ist für mich die beste Erweiterung.[/intense_blockquote]“Warlords of Draenor“ erfindet das Rad nicht neu, aber es poliert es, ölt es und setzt es wieder gehörig in Schwung. Die Neuerungen sind allesamt großartig und ungeheuer spaßig, die Welt ist wieder düsterer geworden, ohne ihren typischen „Warcraft“-Charme zu verlieren, bringt einen dabei aber doch so manches Mal zumLachen. War ich anfangs skeptisch über die abgedrehte „Zeitlinien-Dimensions-Geschichte“, bin ich nun vollkommen von ihr überzeugt. Sie ist nur ein Aufhänger, um uns eine Welt zu präsentieren, die im Kern das ausmacht, was Warcraft so grandios werden lies und über die Jahre Gefahr lief, ein wenig zu verblassen. „Warlords of Draenor“ ist für mich die beste Erweiterung und sollte es schaffen, selbst die härtesten „In Vanilla war alles besser“-Motzer zu bekehren. Wenn sie jetzt noch den Blutelfen ihr neues Modell verpassen, werde ich wohl ein weiteres Mal einer Welt verfallen, die von vielen schon lange totgesagt wurde – doch sie ist es nicht. Sie ist lebendiger, ernster, grausamer und unterhaltsamer als je zuvor.

Pro

  • wilde, interessante Welt, in der es viel zu entdecken gibt
  • motivierendes Anhänger-System, Garnison bietet Inhalte für Wochen...
  • viel Story, hervorragend inszeniert
  • grandios komponierter Soundtrack, der neue Maßstäbe setzt
  • das klassische Warcraft-Flair kehrt zurück...

Contra

  • altbackene Grafik, gerade die alten Gebiete wirken deplatziert
  • ... ist in dieser Form allerdings verpflichtend und unumgänglich
  • mitunter langweiliges Questdesign
  • zu kurze Levelphase / Quests geben verhältnismäßig zu viele Erfahrungspunkte
  • ... könnte aber für einige stellenweise zu grausam sein
9

Sehr gut

Cortyn
Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!