Eine Geschichte von Drei Drachen: World of Warcraft Lore

Sie spielen nicht nur in der World of Warcraft eine Rolle, sondern in fast jedem Fantasy-Setting: Drachen. Dabei treten sie häufig als Antagonisten, manchmal als reine Bestien, oft als Strippenzieher auf. Heute möchten wir Euch ein wenig mehr von ihnen erzählen.

Drachen sind eine der ältesten, bekannten Spezies auf Azeroth. Einige von ihnen wurden als Aspekte von den Titanen zum Schutz des Planeten erschaffen: Alexstrasza, Nozdormu, Malygos, Neltharion und Ysera. Zwei von ihnen sind dabei dem Wahnsinn verfallen und haben Azeroth beinahe zerstört.

Aber auch andere, schuppige Großechsen haben sich von Zeit zu Zeit einen Namen machen können. Ich möchte hier ein wenig auf einige eingehen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Nicht wenige von ihnen sind für die Geschicke der Welt (of Warcraft) verantwortlich.

Da es sehr viele Drachen gibt, und da viele von ihnen kleinere oder auch größere Rollen spielen, möchte ich hier allerdings nur auf drei im Besonderen eingehen, die primär zur Entwicklung der Geschichte Azeroths beigetragen haben. Dabei vermeide ich jene, über die das Spiel selbst berichtet (wie Neltharion, Nefarian oder Chromie), um jenen einen Tribut zu zollen, die weniger bekannt sind.

Warnung: Das Folgende enthält Spoiler zu einigen Büchern aus der World of Warcraft-, der Warcraft-, sowie der Krieg der Ahnen-Reihe.

1. Der Hüter des roten Drachenschwarms: Korialstrasz

Der vierte Gatte des Aspekts des Lebens, Alexstrasza, ist einer der Gründe, warum Azeroth überhaupt noch existiert. Besser bekannt unter dem Namen Krasus in Form eines Hochelfen hat Korialstrasz schon im Krieg der Ahnen gekämpft.

Korialstrasz, in Gestalt des Elfen Krasus, neben seiner Gemahlin Alexstrasza.

Durch eine Störung in der Zeit wurde Korialstrasz’ Zukunfts-Ich von ihm abgespalten, sodass er in der gleichen Zeit in zwei Versionen existierte. Die zukünftige Version hatte dabei die Form des Hochelfen Krasus, was dazu führte, dass beide Versionen ihre Form nicht wechseln konnten.

Gemeinsam sind beide Versionen durch die Hilfe von Nozdormu in der Zeit zurückgereist, um Malfurion Sturmgrimm im Kampf gegen die Brennende Legion zu helfen. Während der Hochelf Krasus die Zauber der elfischen Magier koordinierte, half Korialstrasz mit einem Feuerregen von oben. Ohne diesen Drachen wäre Azeroth sehr wahrscheinlich schon vor zehntausenden Jahren zerstört worden.

Krasus und Alexstrasza in ihrer Drachengestalt nach dem Kampf bei Angrathar.

Sein Ende fand Krasus beim Schutz aller Drachen. In der Kammer der Aspekte, der Brutstätte aller Drachenschwärme im Wyrmruhtempel, entdeckte er, dass die Eier aller Drachen durch die des chromatischen Drachenschwarms vertauscht wurden.

Chromatische Drachen sind eine von Nefarian erschaffene Spezies aus dem Blut aller Drachen. Sie haben die Fähigkeit jedes Schwarms und sind zu absolutem Gehorsam gezüchtet, was sie zu einer Gefahr für alle macht.

Einer der bekanntesten chromatischen Drachen war Chromaggus im Pechschwingenhort. Seine Fähigkeiten fußten auf denen aller Drachenschwärme.

Krasus nutzte seine Kraft, um sich selbst zu entzünden und die gesamte Kammer in einem gewaltigen Feuersturm zu sprengen. Er wurde deshalb als Verräter bezeichnet, da angenommen wurde, dass er als Agent von Todesschwinge alle Gelege zerstört hat, um die Schwärme zu schwächen. Seine wahren Beweggründe kamen erst durch eine Vision von Thrall ans Licht. Sein letztes Wort war „Geliebte“ – der Gedanke an Alexstrasza.

2. Die Tochter des Täuschers: Lady Katrana Prestor

Ein Charakter, der vor allem neuen Spielern wohl nicht unbedingt bekannt ist, ist die Beraterin des jungen Anduin Wrynn: Lady Katrana Prestor. Bei der niederen Adligen handelt es sich eigentlich um die Tochter Neltharions: Onyxia.

Onyxia in ihrer Gestalt als Lady Katrana Prestor, die eine Weile lang Sturmwind im Griff hatte.

Ihr Einfluss war eher subtil und von langer Hand geplant – üblich für Drachen des schwarzen Schwarms. Als Tochter von Lord Daval Prestor, dem ehemaligen Berater von König Terenas Menethil II. kam sie nach Sturmwind, um König Varian Wrynn zu unterstützen.

Die Auswirkungen ihres Handelns sind dabei vor allem für die Allianz relevant. Sie war es vermutlich, die der Steinmetz-Gilde die Bezahlung verweigerte, nachdem diese Sturmwind wieder aufgebaut hatte. Unter der Leitung von Edwin VanCleef hat sich die Gilde schließlich zurückgezogen und wurde zur Banditenbande der Defias, die seitdem Sturmwind terrorisierte.

Onyxia in ihrer wahren Gestalt. Sie wurde in der Lore von Varian Wrynn erschlagen und geköpft, ehe sie von ihrem Bruder Nefarian als Zombie-Drache wiederbelebt wurde.

Durch ihre Gerissenheit manipulierte sie die Adligen Sturmwinds, um mit den Defias zu konspirieren. Dies führte zur Entführung von König Varian Wrynn. Mit einem Drachenfeueramulett kontrollierte sie Bolvar Fordragon – was sie faktisch zur einzigen Beraterin Anduins machte. Da dieser selbst noch nicht alt genug für die Regentschaft war, war Onyxia de facto alleinherrschend.

In dieser Position verhinderte sie die Unterstützung Westfalls, Seehains und Dunkelhains, was zur Stärkung der Bruderschaft der Defias und des Schwarzfels Clans führte. Diese arbeiteten vermutlich mit dem schwarzen Drachenschwarm zusammen, welcher dadurch ebenfalls profitierte.

3. Der Vater der Aspekte: Galakrond

Galakrond ist ein Name, den wohl die wenigsten WoW-Spieler im Gedächtnis haben. Wirklich viel wird von ihm auch nur im Buch „Der Untergang der Aspekte“ erzählt, indem Kalecgos eine Erinnerung von Malygos durchlebt.

Der Proto-Drache ist der erste Drache, der je erschaffen wurde. Er war größer als alle Aspekte zusammen und trotz seiner bösen Natur eine Schlüsselfigur der Geschichte. Kalecgos erfährt, dass das Ungetüm einen so unersättlichen Hunger hatte, dass es selbst seine Artgenossen verschlang.

Das einzige, offizielle Bild von Galakrond ist das Cover des Romans “Der Untergang der Aspekte”. Bildquelle: wow.gamepedia.com

Durch diesen Kannibalismus hat Galakrond seine Essenz so sehr verderbt, dass er zu einer Art unheiligem Ungetüm wurde. Diese Verderbtheit war später so stark, dass jeder Drache, den er verschlang oder verwundete, zu einem untoten Monstrum mutierte.

Er konnte erst besiegt werden, als sich alle Drachenschwärme zusammenschlossen und dabei Hilfe von den Titanen selbst bekamen. Die Anführer der Schwärme, zu diesem Zeitpunkt noch Proto-Drachen, erhielten allesamt ein Geschenk von den Titanen:

  • Alexstrasza erhielt das Geschenk des Lebens von Eonar, der Lebensbinderin (die bald zu einem Boss in Antorus wird)
  • Ysera, Alexstraszas jüngere Schwester, erhielt ihr Geschenk des Traums der Schöpfung (auch bekannt als Smaragdgrüner Traum) ebenfalls von Eonar.
  • Nozdormu erhielt die Gabe der Zeit von Aman‘thul, dem Hochvater, welcher der Anführer des Pantheons und Bruder von Sargeras ist.
  • Malygos erhielt die Gabe der Magie von Norgannon, dem Traumweber.
  • Neltharion erhielt schließlich den Segen der Erde von Khaz‘goroth, dem Former, dessen Hammer eine der Säulen der Schöpfung ist.

Diese Segen machten die Drachen erst zu Aspekten und gaben ihnen die Form, die wir heute von Drachen kennen. Erst durch sie sowie der Hilfe von den Hütern, gelang es den Schwärmen, Galakrond zu besiegen.

Galakronds Knochen in Nordend. Arthas’ Geißel versuchte, das Ungetüm wiederzubeleben. Größenvergleich: Die “kleinen” Geschöpfe um die Grube herum sind etwa 4 mal so groß wie ein Drachenmount.

Ohne die Existenz und die Gier dieses Ungetüms hätte es also die vermutlich Aspekte nie gegeben. Allerdings wäre auch Todesschwinge wahrscheinlich nie entstanden…

Aber warum nun Drachen? Die Legion ist doch der Feind!

Das letzte Mal, als es in WoW wirklich um Drachen ging, scheint Cataclysm gewesen zu sein. An sich stimmt das auch, seit Todesschwinges Ableben und dem Fall der Aspekte standen Drachen nicht wieder im Vordergrund.

Erst Drachen, dann die Legion, jetzt Garrosh? Wie hängt das alles zusammen?

Dennoch ist es das Werk der Drachen, dass die Legion genau jetzt in Azeroth auftaucht. Dazu muss ein wenig tiefer in die Lore gegangen werden:

  • Die Legion greift Azeroth an, weil Gul‘dan, der eigentlich tot sein sollte, Sargeras gerufen hat.
    • Gul‘dan ist der mächtige Hexenmeister, der auf dieser Zeitlinie erschlagen wurde. In Warlords of Draenor allerdings lebte er noch.
      • Am Ende von WoD schafft es Gul‘dan, durch ein Portal in unsere Zeitlinie zu fliehen, um hier sein Werk fortzuführen.
        • Die alternative Zeitlinie, der er enstammt, kam nur zustande, weil Garrosh Höllschrei in einem alternativen Draenor der „eisernen Horde“ zur Macht verholfen hat.
          • Garrosh kam überhaupt nur deswegen dort hin, weil er während seiner Verurteilung für die Kriegsverbrechen während Mists of Pandaria vom bronzenen Drachen Kairozdormu, einem Verräter des Schwarms, durch die Sande der Zeit dorthin gebracht wurde.

Alles, was aktuell also passiert, passiert nur deswegen genau jetzt, weil ein Drache des Bronzeschwarms es so geplant hat.

Furorion ist eine der rätselhaftesten Gestalten in World of Warcraft. Ob er gut oder böse ist weiß niemand so genau.

Außerdem ist einer der letzten schwarzen Drachen, Furorion, das letzte Mal gesehen worden, kurz bevor man Cordana Teufelsang in Warlords of Draenor während der Questreihe zum legendären Ring zur Rede stellt. Er schwirrt als kleiner Drache um den Turm. Ob er etwas mit Cordanas Fall zu tun hat, oder ob er lediglich beobachtet, zeigt sich vielleicht schon bald.

Azeroths Drachen hatten also schon immer großen Einfluss auf alle Geschehnisse der Geschichte. Einige mussten dazu noch nicht einmal Aspekte sein, einige gerieten sogar trotz ihrer Wichtigkeit in Vergessenheit.

Nicht nur die Drachen, sondern auch “Normalsterbliche” halten manchmal die Fäden des Schicksals in der Hand – Jaina Proudmoore ist eine von ihnen.