GameStar.de

WildStar im Test: Der neue Stern am MMO-Himmel?

Cortyn
PC
Vor wenigen Tagen war es endlich soweit, das lang erwartete MMO “WildStar” wurde veröffentlicht und ich habe mich für eine knappe Woche von der Realität verabschiedet und meinen Dauersprint zum Maximallevel absolviert.

WildStar Cover

Release: 03.06.2014.

Was mir dabei besonders gut gefallen hat und welche Punkte negativ herausstechen, das erfahrt ihr nun in diesem Test.

Genretypisch müsst ihr Euch als erstes für eine Fraktion (Dominion oder Verbannte), ein Volk und eine Klasse entscheiden. Wer mehr über die Spezies lesen möchte, und wie sie zueinander gefunden haben, der sollte einen Blick auf diesen Artikel werfen.

Insgesamt sechs Klassen stehen zur Auswahl, von denen die eine Hälfte über Heilfähigkeiten verfügt und die andere als Tank fungieren kann – alle können natürlich Schaden austeilen.

[intense_table columns=”Klasse,Zusätzliche Rolle,Waffe” data=”Krieger (Nahkampf),Tank,Energieschwert,Arkanschütze (Fernkampf),Heiler,Mag-Pistolen,Esper (Fernkampf),Heiler,PSI-Klinge,Techpionier (Fernkampf),Tank,Raketenwerfer,Meuchler (Nahkampf),Tank,Klauen,Sanitäter (Fernkampf),Heiler,Resonatoren” /]

Am Anfang verfügen alle Klassen über wenige Fähigkeiten. Bis ihr die Maximalstufe 50 erklommen habt, erhöht sich die Zahl jedoch auf 30. Aber Vorsicht: Nur 8 davon könnt ihr jeweils mit in die Schlacht nehmen, diese könnt ihr aber frei bestimmen. Durch diese Auswahlmöglichkeiten spielt sich kein Esper wie der andere und stets ist man vor eine quälende Entscheidung gestellt: Nehme ich noch eine Schadensfähigkeit mehr mit, oder lieber einen Stun? Hebe ich mir eine Heilfähigkeit für den Notfall auf? Jeder Angriff hat seine Daseinsberechtigung und es gibt nur sehr wenige “Must Have”-Fähigkeiten.

WildStar Aktionsbaukasten

Die Fähigkeiten unterteilen sich in 4 Bereiche: Angriff, Unterstützung, Nützliches und Pfad.

Zusätzlich dazu könnt ihr jede Fähigkeit bis zu 8 Mal verbessern, um etwa den verursachten Schaden, die Heilung, die Reichweite oder die Effektdauer zu verbessern. Auf der 4. und 8. Verbesserungsstufe verändert sich eine Fähigkeit sogar grundlegend. Ein beschworenes Begleittier erhält dann etwa Lebensraub oder ein Fernkampfangriff schleudert Feinde noch einige Meter zurück.

Zu guter letzt erhaltet ihr noch VIP-Punkte (bzw. AMP im englischen). Das ähnelt schon eher einem klassischen Talentbaum, hier können Passivfähigkeiten gesteigert werden. Kritische Trefferwertung, Rüstungsdurchschlag oder verringerte Zauberkosten warten in den ersten Rängen – und dann ist erstmal Sense.

Wer nämlich tiefer in den VIP-Baum skillen will, muss die entsprechenden Talente erst einmal zum Kauf freischalten und in der Welt finden, was mitunter recht mühselig werden kann. Wer sich jedoch auf die Suche macht, wird mit stärkeren Talenten belohnt, die letztendlich sogar vollkommen neue Fähigkeiten freischalten können – eine der ersten Aufforderungen des Spiels, die Welt zu erkunden.

Aller Anfang ist schwer

Nachdem man sich durch den relativ umfangreichen Charaktereditor geklickt hat, braucht man eine Weile um sich zurecht zu finden, denn anders als etwa bei World of Warcraft nimmt der eigene Charakter nur einen sehr kleinen Teil des Bildschirms ein – das ist zwar unheimlich wichtig, um die Übersicht über alles in der Welt zu behalten, wirkt aber dennoch erstmal ungewohnt.

Das Interface ist zwar um ein vielfaches besser, als noch während der geschlossenen Beta, aber einige Entscheidungen lassen sich dennoch schwer nachvollziehen. Warum ist das Aufrufen des Charakterbildschirm standardmäßig auf “P” gebunden? Warum haben einige Funktionen, wie etwa der Kodex, in dem alle wichtigen Hintergrundinformationen über die Welt stehen, gar keine Tastenbelegung? Ich kann über diese Entscheidungen nur rätseln und jeder MMO-Veteran sollte eventuell darüber nachdenken, die Belegung der Tasten zu ändern, damit sie dem altbewährten Gaming-Standard entspricht.

Hintergrundgeschichte

Für eine völlig neue Welt haben die Entwickler von Carbine sich ausgesprochen viel Mühe gegeben, jede der Rassen mit Leben zu füllen und dabei ihrem Humor treu zu bleiben. Egal ob man die Lopp als Beispiel nimmt, eine Rasse aus Weltraumkaninchen die nicht in der Lage ist, sich eigenständig aus Löchern zu buddeln, die dauerhaft trinkenden Felsmenschen Granok, die jedem Satz irgendeine “steinige” Anspielung geben müssen, oder die Schwesternschaft der Torine, ein mysteriöser Clan von Amazonen, die eine alte Kraft vergöttern. Zu jeder Spezies lassen sich zahllose Hintergrundinfos finden – wer sich nicht dafür interessiert, der lässt diese links liegen. Zum Lesen wird hier keiner gezwungen.

WildStar Lore

Es gibt vieles zu entdecken auf dem Nexus, die Lore wird bei WildStar unterschätzt.

Jedes Gebiet erzählt eine kleine Geschichte und immer wieder findet man Datenwürfel, die von den mysteriösen Eldan zurückgelassen wurden und einen kleinen Einblick in ihr Handeln geben. Wer aufmerksam zuhört, der erkennt irgendwann, was sie auf dem Planeten Nexus versucht haben und wohin sie verschwunden sein könnten… aber das nehme ich nicht vorweg.

Ab Stufe 35 bauen die Gebiete deutlich stärker aufeinander auf und man schaltet Solo-Instanzen frei, welche eine etwas epischere Story erzählen. Obwohl es nur eine handvoll dieser Instanzen gibt, ist jede von ihnen relativ lang und einzigartig. Sie sind schlicht und ergreifend schön, spannend und verdammt interessant.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass man mit dem “Abschluss” der Hauptstory ein wenig in der Luft hängen gelassen wird. Man erwartet noch dringend diese eine, große Auflösung, die überall und immer wieder angedeutet wird, aber sie bleibt vorerst aus. Aber gut, zwei weitere Gebiete sind bereits auf der Karte verzeichnet, die erst in den nächsten Wochen zugänglich gemacht werden – und wehe die Hauptgeschichte geht dort nicht weiter!

Präsentation der Spielwelt: Spaß ist garantiert!

WIldStar 2014

Die World-Designer waren sehr kreativ bei der Welt-Gestaltung

Wenn den Entwicklern eines gelungen ist, dann eine stimmige Spielwelt aus dem Nichts zu stampfen, die vor Witz nur so überquillt, ohne jemals wirklich lächerlich zu wirken. Bei jedem Level-Up schreit einen der Erzähler an und erzählt mir im wahrsten Sinne des Wortes “wie geil ich doch bin”, weil ich gerade eine neue Stufe erreicht habe.

Sterbe ich jedoch und muss mich am nächsten Friedhof wieder beleben, ertönt die spöttische Stimme eines Eldan, der mich auch noch beleidigt, weil ich mal wieder versagt habe, aber das stets auf witzige Weise. Mein Lieblingsspruch ist bisher: “In dieser Welt bleibt niemand für immer tot, aber ich finde es schön, dass du es so hart versuchst.”

Das Ganze geht bei den verschiedenen Völkern von Nexus weiter, deren Kodexeinträge mich so manches Mal zum Lachen gebracht haben. Die Aurin sind beispielsweise ein Volk von “Baumkuschlern” und Naturliebhabern und findige Spieler können den folgenden Loreeintrag erhalten – einen Groschenroman der Aurin:

Hundert Jadefarbtöne
Vor Verlangen strotzend und fast berstend vor reifer Fruchtkörper schauderte der Alte, als er in das Antlitz der neuen Matria des Dorfes blickte. Unerprobt und unversucht studierte sie die Rinde des Baumweisen, während sie mit ihren Fingerspitzen entlang der Linien auf seiner gealterten Oberfläche strich.

„Aber diese Liebe darf nicht sein“, flüsterte Matria Wanderherzwald. „Ich bin eine Matria. Aber ich habe studiert. Du – du bist, wie ich glaube, eine hybride Art aus drei verschiedenen Baumweisen. Du bist der ultimative Baumweise.“ Sie lachte. „Jetzt“, sagt sie neckisch, „glaube ich, möchte ich einen Baum besteigen…“

Doch Humor ist nicht alles. Immer wieder gibt es sehr ernste Szenen, in denen NPCs sterben oder man gar eine Massenhinrichtung auslöst, nach der man sich wirklich fragt, ob man diese Quest hätte annehmen sollen. Obwohl die Auswahl an Soundtracks in WildStar kleiner als bei anderen MMOs wirkt, so passt jeder Titel perfekt zum Schauplatz. Die mysteriösen Eldan-Labore erzeugen teilweise eine wirklich gruselige Atmosphäre und die lebensfrohe Musik in den Wäldern der Welt lässt einen den Krieg um Nexus so manches Mal vergessen. Die Welt ist stimmig, und wer sich mit dem Comiclook anfreunden kann, der wird förmlich in ihr versinken und erst wieder ans Tageslicht kommt, wenn die Serverwartungen einsetzen.

Das Kampfsystem: Keine Ruhe – für niemanden!

Kommen wir zum absoluten Herzstück eines jeden MMOs, dem Kampfsystem. Ähnlich wie bei Guild Wars 2 oder TERA lassen sich viele Fähigkeiten während der Bewegung benutzen. Gleichzeitig ist jeder Angriff aber auch ein Bereichseffekt: Nahkampfangriffe haben zum Beispiel einen kleinen Kegel, in dem sie ihre Wirkung verursachen, Zauber und Fernkampfangriff eine gerade Linie von etwa 30 Meter Länge und 2 Meter Breite.

WildStar Kampfsystem

Das Kampfsystem in WildStar ist extrem gut!

Die unterschiedlichen Trefferbereiche werden in WildStar “Telegrafen” genannt und können sowohl von Freunden als auch von Feinden gesehen werden, sobald man zu einer Attacke ansetzt. In Kämpfen besteht die Schwierigkeit also darin die eigenen blauen Telegrafen stets auf eine möglichst große Anzahl von Gegnern zu richten und zugleich den bedrohlichen roten Telegrafen auszuweichen.

Gerade Bossgegner verfügen über sehr komplexe Telegrafen: Stellt euch einen großen Kreis vor, aus dem ihr gelassen raus springt, doch im letzten Moment fahren großen Haken aus der runden Fläche und das ganze fängt an wild zu rotieren. Eine Handvoll dieser Telegrafen wird nur sehr kurz eingeblendet und oft genügen ein oder zwei Treffern, um euren Charakter zum nächsten Friedhof zu befördern. Dennoch ist es nie frustrierend: Bei jedem Ableben weiß man ganz genau, was man falsch gemacht hat und wird diesen Fehler kein zweites Mal begehen.

Besser noch: Gelingt es euch, einen Gegner während einer besonders starken Attacke zu unterbrechen, ist dieser für 3 Sekunden verwundbar und nimmt 50% zusätzlichen Schaden – das taktische Einsetzen von Betäubungseffekten wird also gleich doppelt belohnt.

WildStar Kampfsystem

Wer auf aktive Kampfsysteme steht, wird hier seinen Spaß haben.

Man kann es drehen und wenden, wie man möchte: Das Kampfsystem macht unheimlich viel Spaß. Noch nie zuvor in einem MMO ist es mir passiert, dass ich vor lauter Spaß am reinen Jagen von Gegnern vergessen habe, dass ich die Quest schon vor 15 Minuten abgeschlossen hatte. Und das ist mir nicht nur ein oder zwei Mal passiert, sondern regelmäßig. Die Kämpfe sind dynamisch und man verfällt sehr leicht in einen “Flow”, oder um einen Mitspieler zu zitieren: “Ich fühle mich wie ein verdammter SpaceMarine der gegen endlose Horden ankämpft, ich will die Quest noch nicht abgeben!”.

Questen und Herausforderungen

Machen wir niemandem was vor: Die Quests in WildStar sind nicht die Neuerfindung des Rades. Fast alle Aufgaben fallen in die drei bekanntesten Kategorien “Töte!”, “Sammel!” und “Bring das von A nach B!”.

Wildstar

Sogar Kill-Quests können Spaß machen.

Dennoch kann ich mit gutem Gewissen sagen: Töten, sammeln und überliefern hat noch nie so viel Spaß gemacht. Es ist das erste Spiel, in dem die Quest gar kein anderes System brauchen, denn das Kampfsystem und die vielen erforschbaren Gegenden machen selbst die normalerweise langweiligste “Töte 30 davon, weil sie meinen Kuchen geklaut haben”-Aufgabe zum größten Vergnügen.

Beim Questen verlässt sich WildStar vollkommen auf die spannenden Kämpfe: Eine Wette, welche die Entwickler gewonnen haben. Und wirklich ausnahmslos jedes Mal, wenn sich gerade der Gedanke einschleicht “Schon wieder töten…”, schreit einen der Erzähler wieder mit “CHALLENGE BEGINS!” an und ein Timer beginnt herabzuticken. Diese Herausforderungen sind vollkommen optional und kann man am besten mit “Bonuszielen” aus anderen Spielen vergleichen. Erfüllt man sie knapp, erhält man einen zufälligen Gegenstand. Je besser man abschneidet, desto genauer kann man sich aber aussuchen, was man gerne haben möchte. Und dieses eine Housing-Item sieht einfach zu gut aus…

Nüchtern betrachtet sind die Quests in WildStar MMO-Standardkost, aber es gibt nur ein Problem: Bei dem dauerhaften Adrenalinschub ist man nicht nüchtern. Es macht Laune.

Darüber hinaus lässt sich noch sagen, dass das Leveln relativ lange dauert und vergleichsweise schwer ist. Anders als etwa bei WoW oder SW:TOR kann man sich nie sicher sein, dass man den Gegner auch bezwingt, den man gerade angreifen will. Bei meinem Sprint auf Level 50 bin ich viele, viele Male gestorben und was soll ich sagen? Es war eine erfrischende Erfahrung, endlich mal wieder für Fortschritt wirklich kämpfen zu müssen!

Die Pfade – Töten oder Erforschen?

Jeder Charakter hat mit seiner Erstellung einen Pfad gewählt, entweder Wissenschaftler, Soldat, Siedler oder Kundschafter. Für jeden Pfad gibt es zusätzliche Missionen, die normalerweise in den üblichen Questgebieten verteilt sind. Was genau macht Pfade also besonders?

Zu allererst: Sie sind vollkommen optional und man muss sich nicht um sie kümmern, wenn man das nicht will. Wenn man sich aber darauf einlässt, dann belohnen sie einen mit Titeln, Kostüm-Ausrüstung und nützlichen Fähigkeiten, wie einer Gruppenbeschwörung oder einem Fallschadendämpfer.

WildStar Pfade

Wissenschaftler studieren Welt, öffnen geheimnisvolle Wege und erfahren so mehr über die Welt.

Soldaten erleben vornehmlich weitere Kill-Missionen, entweder müssen sie Punkte gegen Gegner verteidigen oder besonders schwere Bosse bezwingen. Wissenschaftler studieren die Welt von Nexus und finden eine Menge über die Hintergrundgeschichte heraus oder können bestimmte Gegner analysieren, um jene zu schwächen oder nützliche Buffs zu erhalten. Siedler können an festen Positionen in der Spieltwelt mehrere Konstruktionen errichten, die allen Spielern zu gute kommen: Buffstationen für zusätzliche Erfahrungspunkte oder gar ganz neue Quest-Hubs. Zu guter Letzt erforschen die Kundschafter jeden Winkel des Planeten und müssen Sprungrätsel lösen, um auf die höchsten Bergspitzen oder in die tiefsten Höhlen zu kommen.

Am meisten Spaß macht das ganze, wenn man mit einer ganzen Truppe umherzieht und jeder Pfad einmal vertreten ist: Denn man kann seinen Kollegen bei den Pfadmissionen helfen und erhält dafür Fortschritt in seinem eigenen – praktisch und spaßig!

Dungeons und Abenteuer – 5 Leute sterben genau so schön wie einer alleine

Ab Stufe 15 gibt es regelmäßig Zugang zu den Abenteuern und Dungeons, den primären Gruppeninhalten von WildStar. Dungeons sind hierbei recht klassisch gehalten: Ein mehr oder minder schlauchartiger Bereich, in dem man die Bosse der Reihe nach über den Jordan schickt.

Der besondere Clou: Jede Instanz verfügt über eine Menge Herausforderungen, die man für zusätzliche Belohnungen absolvieren kann. Schließt man die Instanz innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe ab, besiegt man Minibosse in der korrekten Reihenfolge oder befreit man alle gefangenen NPCs, so steigert dies die Belohnung in Form von Beute und Erfahrungspunkten. Dies ermöglicht es auch Randomgruppen eine Instanz abzuschließen, aber wer wirklich alles erbeuten will, der wird mit seiner Gruppe genau planen müssen. Das gleiche System gilt übrigens für die deutlich härteren Veteranen-Dungeons, die aber erst mit Stufe 50 zugänglich sind. Betreten auf eigene Gefahr.

Dungeons in WIldStar

Die Dungeons sind herausforderung, aber schaffbar, mit einer guten Lernkurve.

Abenteuer ähneln eher kleinen Geschichten, in denen alle Beteiligten auswählen können, wie sie vorgehen wollen: Sollen die Bauern mit Waffen versorgt werden oder sabotiert man lieber die Feinde? Geben wir dem Händler sein Gold oder investieren wir es in die Bestechung eines Wachpostens?

Solche Entscheidungen werden demokratisch gefällt und das sorgt dafür, dass sich das selbe Abenteuer jedes Mal anders spielt und zu einem anderen Ende geführt werden kann. Natürlich gibt es schon jetzt Leute, die den “schnellsten und effektivsten” Weg bevorzugen, aber wo bliebe denn da der Spaß? Die Entwickler haben viele, kleine Details in den Abenteuern versteckt und zahllose Ideen untergebracht, die in der normalen Spielwelt nicht möglich wären: Erforscht sie und erfreut euch daran!

Housing und Individualisierung: Wenn du denkst, besser geht es nicht mehr…

… kommt irgendwo noch Carbine her. Ich habe bereits ausgiebig von den Spielerunterkünften geschwärmt, deswegen fasse ich mich hier ein wenig kürzer: Das Housing ist der absolute Wahnsinn.

Es gibt zahllose Gegenstände, die man in seinem Haus unterbringen kann, einige sind nur kosmetischer Natur, andere wiederum erfüllen einen Nutzen. Eine besonders schöne Pflanze steigert etwa den Erholungsbonus, den man erhält, wenn man sich auf seinem Grundstück ausloggt, ein dekorativer Postkasten erfüllt sogar wirklich seine Funktion.

Weit über 2000 verschiedene Housing-Objekte kann man bisher im Spiel ergattern und die Jagd nach den schönsten und seltensten motiviert für viele Wochen. Selbst mies gelaunte Mitbewohner, die das Housing als “unnötige Goldverschwendung” ansahen, haben inzwischen soviel Zeit in ihren Wohnsitz gesteckt, dass man ohne zu übertreiben sagen kann: Das Housing begeistert und ist in diesem Umfang wohl bis heute einmalig.

WildStar Housing Bar

Beim Housing bleiben kaum Wünsche offen, die Grenzen liegen nur bei der Kreativität

Wer will kann seine eigenen vier Wände zu einer voll funktionstüchtigen Basis ausbauen, an der man reparieren, einkaufen, Post verschicken, Ressourcen sammeln und sogar Portale aufstellen kann – wie man es auch dreht und wendet, das eigene Haus ist verdammt nützlich, ohne dass es aufgezwungen wird. Wer mit dem ganzen Schnickschnack nichts anfangen kann, lässt sein Grundstück einfach unbebaut – es entstehen keine nennenswerten Nachteile.

Aber das ist nur ein Teil der Individualisierungsmöglichkeiten: Das ganze Outfit kann eingefärbt werden und für jeden Gegenstand bis zu drei Farben gewählt werden. Wem die aktuelle Kleidung nicht gefällt, der kann sogar gänzlich andere Kleidung tragen (sogar Rüstungsstufen, die eigentlich nicht für die Klasse geeignet sind), als die eigentlich verwendete, das nennt sich dann “Kostüm”. Das ganze erinnert sehr stark an Guild Wars 2 und es ist wohl kein Geheimnis, dass man sich dort ein paar Anregungen geholt hat. Warum auch nicht? Sie funktionieren und erfüllen ihren Zweck. Dadurch kann selbst das langweiligste Level-1-Hemd richtig klasse aussehen! Logischerweise funktionieren diese Kostüme nicht im PvP – dort trägt man immer die eigentliche Kleidung.

Zu guter letzt kann man auch noch den eigenen Reittieren einen persönlichen Touch verleihen: Bis zu vier Erweiterungen können pro Mount angefügt werden, so dass selbst das langweiligste Granok-Motorrad aussieht, wie eine Disco-Maschine mit bunten Scheinwerfern – und Suppenschüssel oben drauf. Logisch und sinnvoll sind diese Aufsätze nicht, dafür aber ungeheuer witzig und stylisch.

PvP – Chaos. Reinstes Chaos. Und Spaß!

Momentan kann man sich für zwei unterschiedliche Schlachtfelder und eine Arena anmelden, hierbei kann man sich aussuchen, ob man nur mit den Leuten aus dem eigenen Realm spielen will, oder serverübergreifend. Das System wird einen dabei immer mit Spielern zusammen werfen, die ungefähr das gleiche spielerische Niveau haben, aber zurück zu den Karten: Im Tempel von Walatiki kämpfen Dominion und Verbannten um die Kontrolle von 5 Tiki-Masken, die erst im Laufe der Zeit auf dem Schlachtfeld erscheinen.

Das ganze ähnelt einem “Capture the Flag”, nur mit neutralen Flaggen und gleich mehreren davon. Hat man eine Maske sicher in die eigene Basis gebracht, so ist sie da aber nicht sicher: Die Gegenspieler können einfach hereinspazieren und sie zurückholen. So manch ein 4:0-Sieg wurde hier noch in eine 0:5-Niederlage verwandelt.

WildStar PvP

Die Kämpfe sind bisweilen chaotisch, aber nach und nach erlangt man mehr Überblick über das Chaos.

In den “Hallen der Blutgeschworenen” spielt man eine “King of the Hill”-Variante: Zuerst muss das Team A insgesamt drei Kontrollpunkte einnehmen und damit eine Zeit vorlegen, bevor Team B versucht diese Zeit zu schlagen. Jeder der drei “großen” Kontrollpunkte wird eingenommen, wenn sich mehr Spieler vom eigenen Team dort befinden, als vom gegnerischen. Da das nur endlose Massenschlachten provozieren würde, gibt es auch noch die kleineren, sekundären Kontrollpunkte. Diese kann ein einzelner Spieler einnehmen, dafür steigert sie den Übernahme-Fortschritt deutlich langsamer. Wenn ein Team jedoch beide sekundären Kontrollpunkte hat, dann geht das ganze recht fix.

Gerade im PvP lernt man das Chaos des Telegrafen-Systems zu lieben und zu hassen. Wenn zwanzig Spieler ihre roten, grünen und blauen Felder um sich schmeißen, dann kann man gar nicht so schnell ausweichen, wie man am liebsten möchte. Spaß macht das allemal und ein drittes Schlachtfeld ist schon für die baldige Veröffentlichung angekündigt.

Handwerksberufe – Von Eimern und Sofas

Das Crafting auf Nexus ist ebenfalls eine Idee abgedrehter als in anderen Spielen: Zwar müsst ihr auch hier durch die Kombination von Sammelberufen die notwendigen Materialien heranschaffen, um den Gegenstand eurer Wahl herzustellen, aber es wäre nicht WildStar, wenn dabei nicht die absurdesten Dinge passieren könnten.

Als Architekt etwa kann ich 3 Einheiten Eisen aufwenden um eine simple “Metallplatte” für das Housing herzustellen. Auf einem Koordinatensystem sehe ich nun kleine Bereiche, die ich durch das Hinzufügen von Hilfsstoffen, wie Schrauben und Kleber, erreichen kann, um etwas anderes herzustellen. Gelingt mir die richtige Kombination, dann stelle ich den selteneren “Metalleimer” her, ziele ich etwas daneben ist es leider ein Sofa geworden. Tja, wer hätte gedacht, was eine falsche Schraube aus einer Metallplatte machen kann.

Die Rüstungshersteller können sogar einen Großteil der Attribute bestimmen, den sie auf die Kleidung legen wollen und selbst die maximale Anzahl davon bestimmen. Aber Vorsicht: Wenn man es übertreibt, steigt die Chance, dass der Herstellungsversuch fehlschlägt und die Materialien einfach verloren gehen. Es ist schwierig, den passenden Wert zwischen “Das kommt in die Altkleidersammlung” und “Das superstarke Kleid der Unbesiegbarkeit” zu finden, wenn es jedoch gelingt ist man verdammt zufrieden!

Level 50 – Und was nun?

Mit Level 50 ist das Spiel natürlich nicht vorbei, denn dann warten die ganzen Endgame-Inhalte darauf, von den Gruppen und Raids unsicher gemacht zu werden. In den letzten Wochen hatten alle Spieler ausführlich Zeit die Maximalstufe zu erreichen und wir konnten die Veteranen-Abenteuer und -Dungeons bis zum Umfallen spielen.

WildStar Raid

Raids sind extrem herausfordernd und eher für die Hardcore-Spieler gedacht. Ob das eine gute Entscheidung ist?

Während die ersteren noch relativ einfach zu bewältigen sind und oft auch mit Randomgruppen erledigt werden können, braucht es für Dungeons hartgesottene Spieler, die bereit sind, bis an ihre Grenzen und darüber hinaus zu gehen, um die Goldbewertung einheimsen zu können. Warum das mitunter ungeheuer spaßig ist, aber auch einige Schwächen aufweist, lest ihr in diesem Beitrag, einem Test zum Endgame, ausführlicher. Festhalten lässt sich auf jeden Fall, dass es auch auf der Maximalstufe genug zu tun gibt und der neue Patch den Umfang der Aufgaben noch einmal erweitert hat.

Kinderkrankheiten? Check!

Es wäre vermessen zu behaupten, dass WildStar zum Launch einwandfrei funktioniert hätte, denn das tat es nicht und wird es wohl auch noch eine Weile nicht. Es gibt viele, kleine Bugs die mir so manches Mal ein entnervtes Aufseufzen entlockt haben. Mal sind es einzelne Gegnergruppen, die ohne jeglichen Grund zurückgesetzt werden, mal ist es eine der Story-Instanzen, die sich in einer Cutscene aufhängt und nicht weitergespielt werden kann.

WildStar

Die vielen Kinderkrankheiten könnten noch zum Problem werden.

Besonders störend sind aber die UI-Fehler, die mit steigender Spielzeit zunehmen. Hin und wieder kann man Objekte nicht anklicken, weil irgendein unsichtbares Interface-Element den Klick abfängt. Nach gut zwei Stunden Spielzeit verschwinden auch Anzeigeelemente der Umgebung: Normalerweise haben lesbare Loreobjekte nämlich ein kleines Symbol über sich schweben, welches die Entdeckung leichter macht – fehlt dieses Zeichen, merkt man es meist erst sehr viel später, wenn man sich wundert, warum man keines dieser Objekte gefunden hat und frustriert zurückläuft.

Gravierender sind vereinzelte Fehler in den VIPs und Fähigkeiten: Einige funktionieren schlicht und ergreifend nicht oder sind sogar ein Nachteil. Beispiel gefällig? Ein Meuchler kann ein Talent erhalten, das bei einem erfolgreichen Angriff den Cooldown einer bestimmten Fähigkeit um eine Sekunde reduziert: Ist der verbleibende Cooldown aber bereits kleiner als eine Sekunde, wird er auf die vollen 15 Sekunden zurückgesetzt. Das ist nicht nur nervig, sondern kostet so manches Mal das Leben.

Letztlich sind da noch die Performanceeinbrüche in einigen Gebieten, von denen eine ganze Menge Spieler berichten – ich selbst blieb davon glücklicherweise weitestgehend verschont.

Doch obwohl diese Bugs nervig sind, haben sie mich nie dazu bewogen das Spiel für eine Weile auszuschalten, denn nach einem “Relog” funktioniert alles wieder einwandfrei – zumindest für eine Weile. Und auch wenn die Liste der Fehler lang ist, so sind die meisten von ihnen unbedeutend und klein; sprich: Sie schaffen es nicht, den Spielspaß zu ruinieren, hinterlassen aber einen negativen Beigeschmack, denn viele dieser Fehler sind seit der geschlossenen Beta bekannt – vermutlich war Zeitdruck hier der ausschlaggebende Faktor dafür, dass sie immer noch im Spiel sind.

dominion verbannten

Fazit – Ein Riesenspaß für jeden, der sich darauf einlässt.

WildStar hat einen ausgesprochen guten Start hingelegt und verfügt, im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, auch wirklich schon zum Launch über alle versprochenen Features. Obwohl die Quests nicht die Neuerfindung des Rades sind, sorgt das spannende Kampfsystem für ununterbrochene Action und einen Adrenalinschub, der von der wunderbaren Musik der Welt noch verstärkt wird.

Jeder, der den ideenlosen Einheitsbrei der letzten MMO-Generation satt hat, sollte mehr als einen kurzen Blick riskieren oder zumindest mal den Gästepass eines Freundes erschnorren – es lohnt sich und sobald die Kinderkrankheiten behoben sind, wird WildStar wohl wirklich das Spiel sein, welches mir auch während der Arbeit nicht mehr aus dem Kopf gehen wird. Und jetzt, Chef, hör endlich auf mich zum schreiben zu zwingen, ich will wieder WildStar spielen!

Update: Carbines MMO ist mittlerweile übrigens Free-to-play. Wir haben es uns erneut angeschaut: Wildstar 2015: Das F2P-Review – besser oder schlechter als zuvor?

Pro

  • Dynamisches Kampfsystem überzeugt
  • Tolle, erfrischende Hintergrundgeschichte
  • Knackige Dungeons mit aufregenden Bossen
  • Chaotisches PvP, das aber Spaß macht
  • Extrem umfangreiches Housing-System
  • Pfade sorgen für Abwechslung im Quest-Alltag

Contra

  • Viele Kinderkrankheiten und Bugs
  • Quests sind Standardkost
  • Zweifel an Zugänglichkeit
  • Balacing-Probleme im PvP
9

Sehr gut

Cortyn
Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!