GameStar.de
› Warframe: Perfekte 17 Minuten Gameplay – TennoCon besser als die E3
Warframe: Perfekte 17 Minuten Gameplay – TennoCon besser als die E3

Warframe: Perfekte 17 Minuten Gameplay – TennoCon besser als die E3

Das relativ kleine Studio Digital Extremes macht bei Warframe vor, was großen Publishern oft schwer fällt: die perfekte Präsentation einer Neuigkeit. Die hauseigene Messe TennoCon macht das besser als die E3.

Präsentationen der großen Publisher: Trotz Millionen-Aufwand oft fade

Auf der E3 wurden eine Menge neue Titel vorgestellt. Es gab Bühnen, man hat „Influencer“ für viel Geld eingeladen, um die Spiele zu präsentieren. Es ging um Millionen. So richtig vom Hocker gehauen haben die Präsentationen auf den Pressekonferenzen aber nur selten.

Zu oft waren die Trailer klinisch am Reißbrett entstanden, sie zeigten zu wenig oder es fehlte das gewisse Etwas. Vieles war schon bekannt, Überraschungen gab es nur selten. Es waren wohl dosierte Info-Häppchen, die man oft schon vergessen hatte, nachdem der Trailer gelaufen war.

Auch wenn Electronic Arts, Ubisoft, Sony oder Microsoft die großen Spiele-Giganten sind, den Präsentationen auf der E3 fehlte es so manches Mal an „Impact“, an Wirkung auf die Fans im Publikum.

Digital Extremes kennt sein Publikum

Ganz anders wirkt nun ein 17 Minuten Gameplay-Video von Warframe, das auf der TennoCon vorgestellt wurde. Da hat man bis zur Präsentation alle Asse versteckt gehalten und spielt sie nun genüsslich eines nach dem anderen aus.

Der Unterschied zur E3: Die Warframe-Entwickler kennen ihr Publikum genau. Sie kennen deren Wünsche und Erwartungen und sie spielen darauf wie auf einem Klavier. In einem 17 Minuten Video stellen sie das neue Update „Planes of Eidolon“ vor und setzen auf die „Aha“-Effekte. Sie setzen darauf, dass die Begeisterung des Publikums auf den Zuschauer überschwappt.

Immer wenn ein neues Feature angekündigt wird, zeichnet sich dieses langsam ab, bis den Fans dann klar wird: „Ja, das ist wirklich in Warframe möglich!“ Dann brandet Applaus auf.

So sind diese Punkte beeindruckend:

  • Am Anfang landet ein Käfer und es erschließt sich ein weiter Himmel. „Irgendwas ist hier anders.“ Es gibt keinen Audio-Kommentar, das Bild wirkt wie ein Intro-Trailer für sich alleine.
  • Dann wird das beeindruckende neue Dorf Cetus vorgestellt: eine starke Kulisse. Tribal-Musik und Alien-Sprache. Kinder spielen und Fleisch wird zerteilt. Tolle Science-Fiction-Bilder.
  • Dann setzt der Kommentar ein. Die Spannung sinkt erstmal wieder. Nach einem Marktbummel die erste große Neuerung: Warframe bekommt ein freieres Crafting, bei dem Spieler aus Komponenten Waffen bauen können. Die Fans haben darauf gewartet und applaudieren. Man wird die Items sogar benennen können – Szenenapplaus.

  • Das nächste Highlight: Man kann Quests annehmen
  • Richtig los geht es dann, als die Präsentatoren die Stadt wirklich verlassen und nach draußen gehen. Schon beim ersten Tor ist die Spannung groß, aber nichts passiert, nur ein weiterer Gang kommt. Das Publikum feuert den Präsentator an: “Woooh!”, ruft einer. Mach doch mal hin. Nach dem zweiten Tor ist alles anders. Den Zusehern wird erstmals klar „Das ist eine Open World“
  • Kleinigkeit, aber bringt Applaus: Man kann einen Vogel abschießen und sogar Fischen ist möglich

  • Nächstes Highlight: Warframes können in dieser offenen Welt fliegen
  • Danach kommt eine längere Passage mit Action
  • Und ganz zum Schluss gibt es einen Blick auf die Eidolon, die riesigen Monster. Das wird aber nicht näher ausgeführt, sondern hier endet die Präsentation, auf einem Höhepunkt.

Eine klare Spannungskurve über 17 Minuten, viele kleine und große Highlights. Eine Menge neue Informationen alles geballt in 17 Minuten. Das war eine Präsentation, die Fans begeistert hat.

Wie viel schwächer wäre es dagegen gewesen, wenn die Entwickler das alles mit Folien und Bullet-Points gezeigt hätten oder in kleinen Szenen-Passagen oder mit zerstückelten Dev-Videos, wie es Bungie bei Destiny 2 gemacht hat?

So geschickt wie die Präsentation von Warframe gemacht ist, erinnern die 17 Minuten Gameplay an die legendären Auftritte von Steve Jobs, wenn der neue Apple-Produkte vorgestellt hat wie das legendäre erste iPhone. Jobs und Digital Extremes kennen die Erwartungshaltung ihres Publikums genau. Sie spielen mit deren Erwartungen. Sie erfüllen sie in einem, überfüllt sie im nächsten Moment.

Der Trailer gibt den Fans das, worauf sie hoffen, und dann noch gleich einen mehr und noch einen und wieder einen.

So gehen Präsentationen richtig, liebe AAA-Publisher. Bitte, mehr Präsentationen dieser Art in  Zukunft. Und weniger Ankündigungen von Ankündigungen und Mini-Häppchen.

So wie sich die Fans bei Warframe über die Präsentation am Samstag gefreut haben, das ist positiver, ehrlicher Hype. Das ist ein gutes Gefühl. Gebt uns das häufiger.


Was da im Detail bei Warframe vorgestellt wurde, lest Ihr hier:

Warframe kriegt eine Open World – wird „MMORPG“-ähnlicher

Schuhmann
Schuhmann, das L steht für Niveau.