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The Elder Scrolls Online: Der DLC “Die Diebesgilde” – Lohnt sich eine Rückkehr zu ESO?

Über modische Echsen, launische Elfen und blinde Wachen

Wie spielt sich “Diebesgilde”, der neuste DLC von The Elder Scrolls Online (PC, XBox One, PS4)? Lohnt sich dafür eine Rückkehr?

Sattelt euer Kamel, zieht euch leichte Kleidung an und nehmt genug Wasser mit. Denn die neue Erweiterung von The Elder Scrolls Online führt euch nach Hews Fluch, einem neuen Gebiet im Nordwesten Tamriels. Der Landstrich wurde von Prinz Hubalajad urbar gemacht. Die Stadt, die Statuen zu Ehren von Zeht (dem yokudanischen Gott des Ackerbaus) und die Grabmäler und Strukturen gehen auf ihn und sein Gefolge zurück.

Hews Fluch besticht durch die teils karge Ödnis, die blühende Natur und die schönen Felsen. Grundsätzlich muss gesagt werden, das die Texturen zwar beim genauen Hinsehen nicht immer hochaufgelöst sind, dafür möchte man manchmal von der Umgebung ein Bild machen und es sich an die Wand hängen: Ob draußen, vor den Toren der Stadt, vom Meer, der blühenden Pflanzenpracht oder vom Blick von den Dächern von Abahs Landung.

1. Hews Fluch

Und Abahs Landung mag vielleicht keine sehr große Stadt sein aber dadurch, dass ihr von Dach zu Dach springen könnt und alles verwinkelt ist, fühlt ihr euch wirklich als Dieb, der unzählige Schleichwege durch die Stadt kennt, um seinen Verfolgern zu entkommen. Auch die Diebesgilde und die zahlreichen Gebäude, die “besichtigt“ werden können, sehen lebendig aus. Gerade diese Stimmigkeit verleitet oft dazu, einfach mal innezuhalten und das Geschehende auf sich wirken zu lassen.

Die Musik der Diebesgilde

Es sind diese Momente der Ruhe, in der die Musik in den Vordergrund rückt. Ich lausche immer auf die Musik bei Videospielen und höre auch sehr viel davon in meiner Freizeit. Deshalb ein paar Worte zum Soundtrack. Die leicht orientalisch angehauchte Musik überzeugt sowohl als atmosphärische Unterstützung in offenen Gebieten, wie auch bei den zahlreichen Einbrüchen, die ihr als Mitglied der Gilde absolviert. Allerdings fühlt es sich für mich so an, als hätte der „Diebesgilde“ eine größere Variation gutgetan.elder scrolls online hews fluch

Denn bei sich wiederholenden Ereignissen wird eben auch immer wieder derselbe Musiktrack abgespielt. Ein eher bedrückendes Stück bei Infiltrationen und Einbrüchen, arabische Klänge in Stadt und Umgebung. Bei weniger genauem Hinhören mag das nicht weiter auffallen und bei der an sich guten Musikqualität ist das auch Meckern auf hohem Niveau.

So spielen sich die 14 Stunden der Hauptkampagne

Kommen wir zum wichtigsten Punkt, dem, was ihr in der „Diebesgilde“ erlebt. Zu Beginn trefft ihr Quen, eine junge Diebin, die euch darum bittet, ihr bei einem Einbruch zu helfen. Dabei werdet ihr von dem sogenannten Eisenrad ertappt, einer paramilitärischen Organisation, deren Wirken in Hews Fluch eng mit dem gescheiterten Einbruch der Diebesgilde aus Abahs Landung verflochten ist. Ein Mitglied der Gilde rettet euch vor dem Eisenrad und führt auch nach Hews Fluch.6. Landschaft

Dort angekommen erfahrt ihr mehr über den missglückten Diebeszug der Gilde. Nun ist es an euch die Gilde wieder auf den richtigen Weg zu führen. Dafür werbt ihr ehemalige Mitglieder an und klärt die Umstände rund um den gescheiterten Diebstahl der Gilde auf. Dabei begleiten euch einige Bewohner von Abahs Landung und Mitglieder der Diebesgilde bei eurem Unterfangen. Während der ungefähr 14 Stunden, die ihr benötigt, um die Hauptkampagne der „Diebesgilde“ zu beenden, erfahrt ihr mehr über eure Gildenmitglieder und ihre Vergangenheit.

Dabei wächst euch jede der Figuren mehr oder weniger ans Herz. Sei es Velsa, eine Dunkelelfin, mit ihrer garstigen Art, Quen, die sich noch nicht sicher ist, was sie mit sich und ihrem Leben anfangen soll oder Schleicht-leise, ein Argonier, der einen untrüglichen Geschmack für Mode und wundervolle Bemerkungen hat. Ihr dürft euch innerhalb der Hauptquest sogar für eine Hochzeit schick machen. Dabei trefft ihr nach Aussagen der Gäste mit eurem Outfit genau den Zahn der Zeit, selbst wenn ihr ein Kleid tragt. Soviel Toleranz erfährt man als Transvestit eben nur in Tamriel.

Hochzeitskleider ESO

Gameplay und Missionsdesign

Die Geschichte, die Atmosphäre und der Soundtrack sind gut, doch wie sieht es mit dem Gameplay und Missionsdesign aus?

Grundsätzlich habt ihr als Mitglied der Diebesgilde die Möglichkeit Spencer Rye zu helfen, einem Mann mit vielen Verbindungen, der Verschwundenes mit symbolischem Wert wiederbeschaffen kann. Dabei geht es bei den vier sich wiederholenden täglichen Quest weniger darum irgendwo einzubrechen, sondern eher alles niederzumetzeln und das Objekt zurückzubringen.

Weiterhin bittet euch die Diebesgilde bei sich täglich wiederholenden Aufträgen darum, Taschendiebstähle und ähnliches durchzuführen.

Zuletzt ermöglicht es euch Fa’ren-dar, ein skrupelloser Khajit, Raubüberfälle durchzuführen, was dem Grundgedanken hinter der „Diebesgilde“ etwas näherkommt. Hierbei schleicht ihr euch in schwer bewachte Gebiete, in denen ihr Wertgegenstände stehlen müsst. Wenn ihr das innerhalb der vorgegebene Zeit schafft, erhaltet ihr einen Bonus. Wachen, die euch entdecken, verringern die Zeit, die ihr übrighabt.

Und hierbei ergibt sich eines der Probleme der Erweiterung. Wenn ihr in der Hauptgeschichte voranschreiten möchtet, muss euer Rang einen gewissen Wert erreicht haben. Und wie verbessert ihr euren Rang? Richtig! Durch die drei täglichen Missionen. Somit wird vollkommen ausgeschlossen, die „Diebesgilde“ innerhalb von einem Durchlauf durchzuspielen. Das kann man jetzt gut finden, viele wird es wahrscheinlich nicht stören, aber es sorgt auch dafür, dass mehr als maximal zwei Stunden pro Tag nicht an interessantem Content drin sind. Wenn die Hauptmissionen kurz sind, ist es sogar noch weniger.

3. Brief Nutznie�ers

Ein wundervolles Beispiel für den Humor der „Diebesgilde“.

Zu Beginn sind Einbrüche in bewachten Gebieten noch ziemlich schwer. Ich verzweifelte zum Beispiel an den, meiner Meinung nach, unfairen Wachen. Diese griffen mich an, sobald ich in ihre Sichtweite geriet. Ausschalten konnte ich sie nicht. Ohne einen Seelenstein im Gepäck, der einen an Ort und Stelle wiederbelebt, musste ich sehr häufig vom letzten Weg Punkt aus erneut zur Mission laufen.

Löcher in der Stealth-Mechanik

Diese Probleme hatte ich, bis ich merkte, wie löchrig das Konzept hinter der Stealth-Mechanik eigentlich ist. Gehen wir genauer darauf ein.  Es wurde ein neuer Wachentyp eingeführt, welcher mit Lampenpatrouilliert. Wenn ihr euch duckt, habt ihr nun die Möglichkeit den Leuchtradius von patrouillierenden Wachen zu sehen. Sobald ihr den Wirkungsbereich betretet, erblickt euch die Wache und ihr könnt euch nicht mehr ducken.Diebesgilde-TESO

Das stellt aber selten ein Problem dar, da ihr bei Raubüberfällen oder Einbrüchen nur einige Meter weit rennen und euch so verstecken müsst, dass euch keiner mehr sieht. Alternativ könnt ihr auch einfach durch eine Tür den Bereich wechseln oder euch in sogenannten „Verstecken“ verkriechen. Das sind zumeist Kisten oder Tontöpfe, in die ihr euch schwingen könnt. Falls euch die Heuhaufen von Assasins Creed etwas sagen, dann wisst ihr ungefähr, wovon ich spreche.

Das Problem daran ist aber, dass es die Wachen nicht stört, wenn ihr 30 cm vor ihnen in ein sogenanntes Versteck hüpft. Dann drehen sie sich einfach um und gehen weiter ihres Weges. Es fehlen leider auch Möglichkeiten, Wachen mit Items irgendwo hin zu locken oder sie für eine gewisse Zeit zu betäuben. Es bleibt euch also nichts Anderes übrig, als in den Verstecken auszuharren, bis die Wachen an euch vorbei patrouilliert sind.

7. Versteckt!

„Ich könnte schwören, dass da gerade noch jemand war.“

Wie spielt sich die Diebesgilde mit niedrigem Level?

Doch die Stealth-Mechanik ist nicht die einzige Schwäche der „Diebesgilde“. Es ist leider auch so, das auf euch sehr schnell ein Kopfgeld ausgesetzt wird, sobald euch jemand in nicht öffentlichen Bereichen erblickt. Wenn ihr also nicht immer alles um euch herum mitgehen lasst und es anschließend verhehlt, kann es einem Charakter mit niedriger Stufe sehr schnell passieren, das auf ihn eine Summe ausgesetzt wird, die er nicht begleichen kann.

Für ihn ist es dann nahezu unmöglich in Abahs Landung den Quests für die Diebesgilde nachzugehen, da er öfter Wachen passieren muss. an denen er nicht ungesehen vorbeikommt. Diese nehmen den Spieler sofort fest und töten ihn, wenn er das Kopfgeld nicht begleichen kann.The Elder Scrolls Online Diebesgilde

Ich wollte unbedingt testen, inwieweit es möglich ist, die neue Erweiterung mit einem niedrigstufigen Charakter anzugehen, da ja alle Charaktere auf Veteranenrang 16 angehoben werden. Innerhalb der Erweiterung stieg mein Magier von Level acht auf Level 14 auf. Manche Gegner können ziemlich zäh sein aber es ist durchaus möglich die „Diebesgilde“ durchzuspielen. Zumal ihr ja vielen Kämpfen einfach aus dem Weg gehen könnt, indem ihr an den Gegnern vorbeischleicht.

Hatte ich Spaß mit der neusten Erweiterung von The Elder Scrolls Online?

Einerseits hat es mir wirklich gefallen meine Gildenkameraden besser kennenzulernen, der tollen Musik zu lauschen, die Natur und die großartige und vielschichtige Stadt zu erkunden und mich in streng bewachte Gebiete zu schleichen, um am Ende, ohne entdeckt zu werden, zu entkommen. Andererseits ist die Stealth-Mechanik alles andere als ausgereift. Verglichen mit Assasins Creed oder ähnlichen Spielen, wirkt alles einfach etwas unsauber. Dass außerdem der Fortschritt innerhalb der Gilde an tägliche Missionen gekoppelt ist, zieht die Geschichte doch etwas unnötig in die Länge.

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Zum Ende hin noch ein gut gemeinter Rat. Nehmt genügend Dietriche mit. Sonst steht ihr vor einer questrelevanten Tür und könnt sie nicht öffnen, während eure Begleitung euch freundlicherweise daran erinnert, beim nächsten Mal genügend Türöffner einzustecken.

Danke Velsa, du garstige Dunkelelfin.


Der Bericht aus Tamriel stammt von unserem Leser Lucas Kaczynski.

Dieser Beitrag stammt von einem Gastautor, der nicht zur Redaktion von Mein MMO gehört. Wenn du auch Interesse hast, einen Gastartikel zu verfassen, dann kontaktiere uns über das Kontaktformular.

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