GameStar.de
› Spieleentwickler haben keine Lust mehr – und wir sind schuld!
Overwatch Winston Rage

Spieleentwickler haben keine Lust mehr – und wir sind schuld!

Spieleentwickler verlieren die Lust an ihrem Beruf – und wir Spieler tragen die Schuld daran. Ein feindseliges Klima dominiert die Diskussion um das Gaming.

Wer heutzutage ein Spieleentwickler sein will und sich gerne noch mit der Community und den Spielern auseinandersetzt, der muss eine Menge Anforderungen erfüllen. Die wohl größte Anforderung gab es vor einigen Jahren noch nicht: Ein dickes Fell gegen Hass und Beleidigungen.

Egal wohin man schaut, ob auf Twitter oder YouTube, überall werden Entwickler aufs Härteste beleidigt und angegangen.destiny-2-hüter

Das Internet ist schuld

Dass viele Entwickler inzwischen so behandelt werden, liegt hauptsächlich am Internet und wie es sich entwickelt hat. War es in den ersten Jahren noch ein Ort des Meinungsaustausches und des respektvollen Umgangs miteinander, hat sich das in wenigen Jahren drastisch geändert.

Morgan Jaffit, der Gründer des Indie Studios Defiant Developement(Hand of Fate und Hand of Fate 2) schreibt in einem langen Blogpost, wo er die Probleme der heutigen Zeit sieht. Die hier eingebundenen Tweets stammen ebenfalls aus dem Blogpost (siehe Quellen).Game Dev Hate 4

Einen großen Teil der Schuld sieht er am Internet selbst. Denn dadurch, dass jede Person immer nur einen Klick weit entfernt ist, fällt es leicht, dem anderen böse Dinge an den Kopf zu werfen.

Häufig wünschen wütende Spielern den Entwicklern die schlimmsten Dinge an den Hals: Krankheiten, Unfälle, Vergewaltigungen, Attentate.

Wichtig ist aber, dass Jaffit nicht die gesamte Spielerschaft hier als Schuldige sieht, sondern, wie viele andere Entwickler auch, die 0,1% der Spieler, die ungefiltert und unmoderiert ihren Hass ins Internet posaunen können.WoW Sylvanas Azerit Stab 2

YouTuber wie AngryJoe oder Jim Sterling Teil des Problems

Jaffit sieht zwei große Probleme:

  • Zum einen haben YouTuber wie AngryJoe oder Jim Sterling es salonfähig gemacht, harte und laute Kritik an Game-Entwicklern zu äußern. Wer über die Ungerechtigkeiten der Industrie brüllt, erreiche ein Publikum, das man mit differenzierter Kritik nicht erreiche – Dieser harsche Ton ist nun zum Standard geworden
  • Außerdem sind fast alle Orte, auf denen über Video-Spiele gesprochen wird, unmoderiert – auf Twitter oder Steam kommt jeder auch mit den härtesten Angriffen und Beleidigungen durch, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen

wow angry artefaktwissen

Spieler empfinden Wutausbrüche als „okay“

Das größte Problem laut Jaffit ist jedoch, dass viele Spieler die Wutausbrüche inzwischen akzeptieren:

  • Obwohl viele von ihnen nicht selbst gegen Entwickler vorgehen, gebe es eine große Anzahl von Spielern, die der Ansicht seien, dass die Entwickler sich das selbst eingebrockt hätten. Ein „Shitstorm“ mit Beleidigungen und Drohungen wäre gelegentlich ganz in Ordnung.
  • Eine kleinere Gruppe an Leuten halte sogar die Aussage für vernünftig, dass es Situationen gebe, in denen es okay sei „das Leben der Entwicklern zu bedrohen.“
  • Ein noch kleinerer Teil sei der Ansicht, dass es in Ordnung wäre, die persönlichen Daten des jeweiligen Entwicklers herauszugeben und selbst die Familie anzugehen.Game Dev Hate 3

Dass immer mehr Leute der Meinung sind, dass so ein Verhalten „voll in Ordnung ist“, sollte uns allen zu Denken geben.

Indie-Entwickler haben es besonders schwer

Jaffit sagt: Besonders hart trifft es hier zumeist die Indie-Entwickler. Während es bei den Fans durchaus den Trend gibt, verstärkt auf Indie-Titel zu setzen, die noch nicht der „Geldgier des Marktes“ zum Opfer gefallen sind, sind es ausgerechnet Entwickler von Indie-Games, die am stärksten unter den Anfeindungen zu leiden haben.

Denn im Gegensatz zu großen Entwicklern wie Blizzard oder BioWare steht zwischen den Entwickler von Indie-Games und den Spielern kein Community-Manager, der das Feedback filtert. Beleidigungen, Anfeindungen oder gar Drohungen treffen ungefiltert auf die Entwickler.

Es muss ein Umdenken kommen

Mein-MMO meint: Sicher, nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Spieler benimmt sich wie die sprichwörtliche Axt im Walde, aber genau dieser Teil der Gamer sorgt dafür, dass Entwickler sich immer häufiger fragen: Ist die Arbeit, die ich mache, den Stress eigentlich noch wert? Sollte ich überhaupt noch mit den Spielern in Kontakt treten?

Wichtig ist, dass in diesen Bereichen ein Umdenken stattfindet. Auch wenn es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, müssen sich einige Teile der Spieler wieder in Erinnerung rufen, dass Entwickler auch nur Menschen sind, die versuchen, bei ihrer Arbeit das Beste zu geben.

Ein bisschen Respekt und ein höflicher Umgangston wird sicher mehr bringen als Beleidigungen und Anfeindungen. Denn das führt höchstens dazu, dass Spieleentwickler genau die Leidenschaft verlieren, die sie einst zu diesem Beruf geführt hat. Und am Ende hören die Entwickler gar nicht mehr zu.Game Dev Hate 1

Im Augenblick leben wir in einem Zeitalter mit der tollen Möglichkeit, mit den Entwicklern unserer Hobbies direkt in Kontakt treten zu können. Wir sollten diese Chance nicht verspielen, indem wir die Entwickler dazu treiben, lieber den Kontakt zu den Fans vollständig zu meiden. Aber genau auf diesen Punkt steuern wir gerade zu.

Wer der englischen Sprache mächtig ist, sollte sich den kompletten Beitrag von Jaffit durchlesen. Der ist in unseren Quellen verlinkt.

Wie verhaltet ihr euch Entwicklern oder generell anderen Menschen im Internet gegenüber? Verliert ihr auch manchmal die Beherrschung? Oder findet ihr so ein Verhalten gar gut und notwendig?

QUELLE polygon.com
Cortyn
Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!