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Hört auf, MMOs & Online-Games in einarmige Banditen zu verwandeln

Hört auf, MMOs & Online-Games in einarmige Banditen zu verwandeln

Online-Games wie FIFA 18 schrammen immer häufiger und härter an die Grenze zum Glücksspiel und überschreiten sie. Beim Oldie-MMORPG Runescape eskalierte jetzt eine Promo-Aktion und führte zu Protesten der Spieler.

Es ist eine Frage, die sich Online-Spiele immer häufiger stellen müssen: Was ist der Unterschied zwischen ihren Methoden und den Methoden von Glücksspielen?

Für Glücksspiel gibt es in den Ländern klare Regeln. Bei Online-Games wird aber genauso um Geld und Preise gezockt und keinen kümmert es groß. Das ist alles „Neuland“ und nicht reglementiert. Dabei betreffen Glücksspiel-Methoden in Online-Spielen vor allem Jugendliche und Kinder. Die müsste man ja gerade besonders schützen.

Immer häufiger ist Glücksspiel in Online-Spielen ein Streit-Thema

  • Zuletzt kam das Thema bei CS:GO groß zur Sprache. Dort zockten Spieler auf Webseiten um hohe Geldbeträge. Sie setzten Waffenskins ein, die sie dann in echtes Geld tauschen und wieder zurücktauschen konnten. Spieler wetteten dort auf alles Mögliche. Dem schob Valve einen Riegel vor.

Skins-CS-GO

  • In China gibt es nun Gesetze, dass Spieleentwickler die Wahrscheinlichkeiten für ihre Lootboxen offenlegen müssen. Das trifft auch Games wie Hearthstone oder Overwatch.
  • Bei Untersuchungen beobachtet man, dass sich Online-Spiele mehr und mehr an etablierte Tricks von Casinos orientieren, um Spieler zum Zocken zu bringen. Das sind psychologische Tricks, die schon lange bekannt und entschlüsselt, aber immer noch höchst-effektiv sind. Man gestaltet etwa die Gewinnausschüttung besonders spektakulär oder gibt dem Spieler das Gefühl, sein Schicksal selbst in der Hand zu haben.
  • Systeme wie “Packs bei FIFA” sind mittlerweile so erfolgreich, dass sie für immer mehr Spiele eingesetzt werden sollen. Kauf dir noch ein Pack, immerhin gibt’s eine winzige Chance, Cristiano Ronaldo zu ziehen.

Runescape setzt Glücksspiel-Mechanik „Alles oder nichts“ ein

Aktuell hat der MMORPG-Oldie Runescape wohl die Grenze zwischen Online-Spiel und Glücksspiel überschritten. Jedenfalls rief eine umstrittene Aktion heftige Proteste hervor. Es ging um eine Einlogg-Belohnung im „Treasure Hunter System“ – das ist eine Art Lockbox-Belohnung. Jeden Tag kann man einen oder zwei Schlüssel erhalten. Mit jedem Schlüssel, den man einsetzt, hat man die Chance auf einen Bonus-Gewinn aus einem Preispool.

Das Glücksspiel-Element dann: Entweder nimmt man einen Preis gleich mit oder man sammelt Schlüssel, um die Chance auf einen höheren, seltenen Preis zu erhalten. Allerdings besteht die Gefahr, wenn man auf einen höheren Preis zockt, dass man den kompletten Preis-Fortschritt verliert.

Hört auf, Runescape in einen einarmigen Banditen zu verwandeln

Diese Mechanik war einigen Runescape-Spielern deutlich zu sehr „Glücksspiel“ und sie protestierten auf reddit heftig dagegen. Gerade ein Spiel, das so viele Jugendliche spielen, sollte nicht derart auf Glücksspiel-Mechaniken geiern.

Ihre Forderung: Hört auf, Runescape in einen verdammten einarmigen Banditen zu verwandeln. Das ist schlecht für Runescape und ich mach mir Sorgen, dass Ihr aus Kindern kleine Zocker macht.

Entwickler Jagex hat auf die heftige Kritik reagiert und gesagt, man probiere verschiedene Mechaniken aus. Man hat registriert, dass die jetzt nicht gut ankommt und will das Feedback verarbeiten.

Gefährliches Spiel mit den Mikrotransaktionen

Mein MMO meint: Runescape ist hier nicht das Problem, sondern stellt nur eine weitere Eskalations-Stufe dar, weil hier eine typische Zocker-Mechanik “Alles oder nichts” verwendet wurde.

Im Kern geht es um Mikrotransaktionen, die an Zufalls-Ergebnisse gekoppelt sind.

Das sind im Kleinen oft nur Marginalien – da mal eine Lootbox, da mal 5€ für die Chance, das Item zu bekommen, das man haben will. Aber man muss sich bewusst machen, dass das alles Glücksspiel-Mechaniken sind und dass es Menschen gibt, die anfällig für solche Mechanismen sind. Und diese Mechanismen funktionieren im Gaming über Mikrotransaktionen und spielen wahnsinnig viel Geld ein.

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Immer, wenn man eine Mikrotransaktion tätigt und nicht weiß, was für ein Item wirklich dabei rauskommt, ist das im Prinzip Glücksspiel. Und die Publisher verleiten Spieler zu diesen Mikrotransaktionen mit denselben Mitteln, die Casinos einsetzen, damit Spieler länger am Tisch hocken bleiben.


Ein besonders krasses Beispiel:

FIFA 16: FUT – 17-Jähriger öffnet für knapp 5000 Euro Packs – mit der Kreditkarte seines Vaters

QUELLE MO
QUELLE reddit
Schuhmann
Schuhmann, das L steht für Niveau.