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The Elder Scrolls Online: Hier ist das Gameplay von gestern

Das Fantasy-MMORPG The Elder Scrolls Online hat einen durchwachsenen Start erlebt. Während es für die Vorbesteller relativ glatt durch die ersten Tage ging, tauchen seit dem offiziellen Start immer mehr Schwierigkeiten auf: Probleme mit den Abos, ein überforderter Support und Serverwartungen zur Hauptspielzeit.

Und das sind nur Schwierigkeiten außerhalb des Spiels. Mit denen wollen wir uns heute nicht rumschlagen. Wir schauen uns an, wo das Spiel-Design von TESO noch Verbesserungsmöglichkeiten bietet und werfen einen Blick auf die zwei Dinge in Tamriel, die uns am meisten nerven. Dabei lassen wir Bugs und Lags außen vor und kümmern uns nur um Sachen, die wohl wirklich so geplant waren.

Oder um es anders zu sagen: Willkommen zu unserer ersten Show bei mein-mmo.de.

Willkommen bei „WTF Zenimax? Wirklich?!“
TESO Loot

Über Endbosse in Höhlen, deren Spawntimer zu niedrig und deren Loot zu gut ist, haben wir schon berichtet.

Vielen Dank, ich würde das gerne alleine machen

Das Quest-System von TESO ist viel gerühmt, doch kollidiert es mit der Design-Entscheidung, auf instanzierte Gebiete möglichst zu verzichten und die Welt offen zu lassen. Das ist im freien Feld etwas ganz Normales und Bekanntes. Wenn man für eine Quest 10 Bären töten muss, dann wird das Spiel so designet, dass da 50 Bären auf einem Feld sind: Genug Bären für alle eben. Bei TESO hingegen laufen viele Quests schlauchförmig auf ein Verlies oder eine Höhle zu. Und da gibt es zwar auch 50 Bären, aber die warten alle schön in einer Reihe wie Dominosteine.

Das heißt ein Spieler läuft in eine Höhle, wundert sich, warum da nur Leichen liegen, dringt weiter zum Ende vor, trifft auf einen Pulk von Spielern, die gerade zu fünft einen armen Bären zermatschen, schließt sich an und – Schwupps – da haut man eben zu sechst auf den nächsten Pelzträger. Dabei ist auch der nur für einen Spieler ausgelegt.

So laufen leider zu viele Quests in The Elder Scrolls Online.

Unangenehm wird das vor allem am Ende einer Höhle, wenn sich 8, 10 oder 12 Leute um den armen Höhlenboss versammeln, nur um ihn postwendend ins Jenseits zu schicken. Der gute lebt im Schnitt vier Frames.

TESO Höhlenboss

Wenn man dieses Quest-Erlebnis mit den Solo-Quests vergleicht, die ein Spieler im Dienst der Kämpfer- oder Magiergilde erlebt, liegen hier Welten im Spielspaß.

Bei anderen Spielen verläuft sich der Run auf bestimmte Quests irgendwann, damit ist bei The Elder Scrolls Online durch den Mega-Server nicht unbedingt zu rechnen.

Warum ist das ein Fall für „WTF Zenimax? Wirklich?!“: Weil es einfach keinen Spaß macht mit 12 Leuten dem armen Boss sein Milchgeld abzuknüpfen. Wir sind doch keine Schulhofschläger … (mehr).

  • Was sollte sich ändern? Es ist löblich, dass Zenimax mit TESO von den Instanzen weg und zu einem offenen MMORPG geht, aber die Gegner müssen mit der Spielermenge skalieren.
TESO Anker

Auch der Spielspaß, den ein Anker bietet, nimmt exponentiell mit der Zahl der Spieler ab. Wenn sie einfach vom Spawn weg dahingezergt werden, ist das weder für Dämonen noch für Spieler sonderlich spaßig.

Wo hab ich denn das schon wieder hingelegt?

Das Inventar-System von Zenimax ist eine Rückkehr zu den Ursprüngen – so könnte man es höflich ausdrücken. Anders gesagt: Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Platz ist in vielen RPG’s rar, der Spieler muss sich überlegen, was er braucht und was er lieber liegen lässt. Doch die Frage sei erlaubt: Warum ist das so? Macht das irgendwem Spaß?

Guild Wars 2 oder das neue WildStar haben ein hervorragendes System gefunden, um Handwerksmaterialien (langweilige, langweilige Handwerksmaterialien) sofort aus dem Fokus des Spielers und auf eine spezielle Bank zu rücken. Nirgendswo wäre das System so angebracht wie in The Elder Scrolls Online, wo jeder Spieler jede Art von Rohstoff einsammeln kann. Und jedes einzelne verdammte Ding braucht einen der wenigen Inventarplätze.

Billiarden verschiedene Runen, Trillionen verschiedene Nahrungsmittelzusätze, dazu noch die Crafting-Steine, um die verschiedene Stile herzustellen, und Heiltränke! Oh Gott! Heiltränke! Jeder klitzekleine Unterschied im Level belegt sofort einen neuen Slot. Mana- und Ausdauertränke gibt es auch noch!

Könnt ihr euch an diese Grafik erinnern, wie viele Waffen im Spiel sind und wie viel Kaffee jeder bei Zenimax getrunken hat und wie viele die Beta gespielt haben und so? Warum fehlt da folgende Zahl: Wir geben euch 80 Inventarplätze und 300 verschiedene Lebensmittelzutaten! Yeah!

Inventar in The Elder Scrolls Online

Natürlich kann man jetzt sagen: Das ist aber realistisch, es kann ja keiner alles mit sich rumschleppen. Nee, ist es nicht. Warum brauchen 3 Heiltränke der Stufe 14 nur einen Platz im Inventar, 2 Heiltränke der Stufe 14 und einer der Stufe 13 aber zwei Plätze? Und warum nimmt ein vierzig Kilo schwerer Kettenpanzer eigentlich so viel Platz in meinem Rucksack ein wie eine einzelne Weintraube?

Dazu kommen ein wirklich seltsames Interface im Guild-Store und eine allgemeine Frustration mit dem Inventar. Wer kriegt einen Kick daraus, vom Abenteuer nach Hause zu kommen und sich zu überlegen, ob eine Zwiebel noch Platz in der Bank hat oder lieber direkt verkauft werden sollte? Und wer will sich im Jahr 2014 über so etwas noch Gedanken machen? Und ja: Man kann den Rucksack erweitern, dann hat man 10-40 zusätzliche Gegenstände, bei denen man entscheiden muss, ob man sie in die Bank packt oder gleich verscherbelt.

  • Warum ist das ein Fall für „WTF Zenimax? Wirklich?!“: Weil das Inventar-System vielleicht ein Zugeständnis an Hardcore-Roleplayer, Puristen und Nostalgiker ist, aber sowohl sinnlos als auch ziemlich frustrierend. Wenn man Spieler am Sammeldrang hindern will, sollte man ihnen entweder verbieten, jede Käsekiste zu looten. Oder man koppelt die Fähigkeiten, Handwerks-Ressourcen zu sammeln, gleich ans Skill-Level – wie in anderen Spielen auch.

Was sollte sich ändern: Ein tiefer, langer und ausführlicher Blick zum Inventar- und Banksystem von Guild Wars 2 oder WildStar sollte dieses Problem lösen.

In der nächsten Ausgabe von „WTF Zenimax? Wirklich?“: Der Salzreiskeks der Vollendung und die Schwierigkeiten einer gescheiten Lokalisierung.

Schuhmann
Schuhmann, das L steht für Niveau.
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