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SMITE im Test: Nur ein weiteres MOBA?

Cortyn
PC PS4 Xbox One
League of Legends, DOTA2, Heroes of Newerth und Heroes of the Storm sind nur einige Vertreter des Genres “MOBA” (Massive Online Battle Arena) und monatlich kommen weitere hinzu.

Um mich direkt unbeliebt zu machen: Ich konnte mit MOBAs bisher nichts anfangen, habe sowohl LoL als auch DOTA ausprobiert und es nach wenigen Matches wieder sein gelassen – der Funke ist einfach nicht übergesprungen. SMITE hingegen hat es geschafft mich zumindest einige Tage intensiv an das Spiel zu fesseln und, nachdem mein erster Hype nun abgeklungen ist, versuche ich ein wenig objektiver SMITE in Form eines Tests zu bewerten.

Kurzfassung: Was ist SMITE?

SMITE hat den Untertitel “Battleground of the Gods” und der Name ist auch Programm, denn die verschiedensten Götter haben sich versammelt, um ihre Streitigkeiten ein für alle Mal auf dem Schlachtfeld auszutragen. Kontrolliert wird der eigene Charakter aus der Third-Person-Perspektive, eine Besonderheit, die sich bezahlt macht. Darüber hinaus ist das Spiel ist Free-2-Play und kann folglich von jedem kostenlos ausprobiert werden.

Wie läuft eine Partie ab?

Smite Phoenix

Wer den Titanen als erstes bezwingt, hat die Partie gewonnen.

In jeder Runde treten 2-10 Spieler in zwei Teams gegeneinander an, in den meisten Fällen ist es das Ziel, den Titanen im feindlichen Lager zu vernichten, um den Sieg für sich zu beanspruchen. Anfänglich wird der Titan gut bewacht, je nach Spielmodus beschützen unterschiedlich viele Türme und Phönixe den Titanen, zusätzlich zu den alle 30 Sekunden erscheinenden Diener-Wellen und natürlich den Gegenspielern.

Die Aufgabe ist relativ simpel formuliert:

  • Die feindlichen Türme einreißen,
  • den dazugehörigen Phönix erlegen,
  • die eigenen Diener weiter vorrücken lassen
  • und die feindlichen Helden ausschalten,
  • um sie daran zu hindern, die Pläne zu durchkreuzen.

Das Besiegen von Feinden gewährt Gold und Erfahrung, mit denen die eigenen Götter immer stärker werden und sich bessere Ausrüstung leisten können, die in der Basis beim eigenen Titan erworben werden kann.

Wer das Zeitliche segnet, wird nach einer Weile in der Basis wiederbelebt – während man zu Beginn nur kurze Respawnzeiten von wenigen Sekunden hat, steigert sich das letztlich auf über eine Minute und jede Sekunde, in der man in der Überzahl ist, hilft, um weiter vorzurücken. Nicht selten besteht eine Runde aus nervenaufreibendem Vor und Zurück, bis eine Seite letztlich den Sieg für sich beanspruchen kann, länger als 40 Minuten dauern aber nur die wenigsten Spiele.

Götter, Halbgötter und ihre Fähigkeiten

Die verschiedenen Gottheiten lassen sich in mehrere Kategorien einordnen, genretypisch gibt es Tanks, Magier, Assassinen und Jäger. Obwohl die Klassen alle einem Grundkonzept folgen (etwa das Jäger hauptsächlich Schaden über ihren Autoangriff verursachen), spielt sich jeder Gott einzigartig, hat vollkommen eigenständige Mechanismen und Fähigkeiten.

Thanatos beispielsweise besitzt eine Fähigkeit, die feindliche Götter sofort tötet, wenn sie sich unter einer bestimmten HP-Grenze befinden. Ist ein Feind in diesem “Soforttötungsbereich” hört der Spieler ein leises, schlagendes Herz, welches immer lauter wird. Das ist ziemlich gruselig aber auch irgendwie verdammt cool.

Ein anderes Beispiel für diese Einzigartigkeit ist Aphrodite, die Göttin der Liebe. Sie kann erst einen befreundeten Gott küssen und diesen dadurch zu ihrem Seelengefährten machen, wodurch beide Spieler einen Geschwindigkeitsbuff erhalten. Im Gefecht kann sie dann einen gegnerischen Gott küssen, was diesen vor Verzückung kurz betäubt und den vorherigen Seelenpartner eifersüchtig macht – dieser verursacht dann erhöhten Schaden.

Jeder spielbare Gott verfügt über eine eigene, besondere Mechanik oder eine gesonderte Ressource, die man mit den jeweils 4 Fähigkeiten geschickt kombinieren muss, um siegreich aus der Schlacht hervor zu gehen. Und obwohl 4 Fähigkeiten auf den ersten Blick nach “wenig” aussehen, verleihen sie dem Spiel eine enorme taktische Tiefe.

Der Einstieg – Einfach durch praktische Hilfen

Der Spieleinstieg in SMITE fällt äußerst leicht, da das Spiel einem praktische Hilfen an die Hand gibt. Es gibt ein kurzes, aber vollkommen ausreichendes Tutorial, welches einem alle Grundlagen vermittelt und jeder Spielmodus verfügt über ein kurzes Video, das von vornherein die Besonderheiten der Karte erklärt.

Aber noch mehr Hilfen erwarten Anfänger: Wer etwa einen neuen Gott ausprobiert und nicht weiß, was für Gegenstände man mit diesem am besten kaufen soll, der kann einfach eine “Automatischer Einkauf”-Funktion aktivieren und das Spiel erledigt die Einkäufe für euch ganz von alleine, sobald ihr wieder in eurer Basis seid und das benötigte Gold bei euch habt. So kann man sich voll auf seinen Charakter und dessen Fähigkeiten konzentrieren und läuft nicht Gefahr, das ganze Spiel in der Basis zu verschlafen, weil man verzweifelt nach dem einen Gegenstand sucht, den man partout nicht finden kann.

Später sollte man diese Optionen jedoch abstellen und sich für seinen Lieblingshelden eine eigene Einkaufsliste und ein eigenes Kaufmenü erstellen – das kann man ganz bequem außerhalb einer Partie machen und sich alle relevanten Gegenstände so zurecht legen, dass man sie direkt findet.

Alles eine Frage der Perspektive?

Während man die meisten vergleichbaren Spiele aus der Vogelperspektive spielt, befindet sich bei SMITE die Kamera immer direkt hinter dem gespielten Gott, der direkt über WASD gesteuert wird und nicht durch panisch wildes Linksklicken. Allein dieser Perspektivwechsel genügt, um ein ganz anderes Spielgefühl hervorzurufen und eine vollkommen eigene Dynamik zu entwickeln.

Smite Gameplay

SMITE bietet durch seine Third-Person-Perspektive ein einzigartiges Spielgefühl im MOBA-Genre

Bei jedem Kampf ist man hautnah am Geschehen dabei und die Tatsache, dass auch jede Fähigkeit exakt gezielt werden muss und die Laufrichtung des Gegners dabei mit eingeplant werden muss, gab mir den Eindruck, dass es deutlich “skilllastiger” ist, als vergleichbare MOBAs, es erinnert bisweilen sogar stark an das Telegrafen-System von WildStar.

Und auch wenn mich Freunde von DOTA und LoL für meinen letzten Satz in den Kommentaren lynchen werden: Die Rückenansicht der Götter verleiht dem Spiel einen Charme, der seinesgleichen sucht. Hinzu kommt natürlich, dass eine größere Ansicht der Charaktere gleichzeitig auch eine bessere grafische Darstellung bedeutet. Alle spielbaren Götter sehen einzigartig und umwerfend gut aus, zumindest vom Charakterdesign her bietet SMITE auch etwas fürs Auge.

Nur mit Freunden so richtig spaßig

Neueinsteiger, vor allem wenn man vorher noch gar kein MOBA-ähnliches Spiel gespielt hat, sollten sich unbedingt zwei Freunde schnappen und mit diesen in den Trainingsmodus (Duell: 3vs3) ziehen, bis sie ein Gefühl für ihre gewählten Götter bekommen und die drei computergesteuerten Widersacher ohne Probleme zurück ins Nirvana befördert haben (oder über den Styx – wohin immer die Götter eben gehen).

Erst danach sollte man sich in Spiele gegen andere Menschen trauen, denn dort wird man vermutlich sein blaues Wunder erleben und erst einmal gehörig in den Staub gedrückt und auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Schon bald sollte es aber gelingen, die ersten ungeheuer befriedigenden Siege einzufahren und spätestens dann ist es offensichtlich, ob man von der Droge SMITE abhängig geworden ist, oder ob es einen gänzlich kalt lässt.

Smite 3vs3

Das Spiel mit Randoms kann auf Dauer recht nervig sein…

So viel Spaß das Spiel in der Gruppe macht, egal ob gegen oder mit Freunden, so schnell verliert es an Reiz, wenn man nur mit gänzlich unbekannten Spielern spielt. Bisher war ausnahmslos jede Runde, in der ich mich mit herumwütenden “Randoms” beschäftigen musste ziemlich spaßbefreit, vollkommen unabhängig davon, ob wir gewonnen oder verloren haben, warum das so ist, erfahrt ihr weiter unten.

Neue Götter freischalten und Level-Ups

Zu Beginn hat man nur auf 9 der insgesamt 57 Götter Zugriff; 5 bekommt man automatisch und 4 weitere sind Teil der Rotation, die alle paar Wochen wechselt. Für jede abgeschlossene Runde erhält man sowohl Gunst als auch Erfahrungspunkte. Mit Gunst lassen sich neue Götter oder alternative Skins erwerben, wohingegen Erfahrungspunkte euren Spielerlevel erhöhen – bei jedem Level-Up erhaltet ihr 500 zusätzliche Gunst.

Im Regelfall kostet ein neuer Gott 5500 Gunst, wobei es auch einige wenige günstigere Ausnahmen gibt. Da gerade die ersten Stufen sehr schnell erreicht sind, dauert es nicht lange, bis man seinen Lieblingsgott freischalten kann, je länger man aber bereits spielt, desto weniger Gunst erhält man (da die Level-Ups seltener werden und mehr Zeit benötigen). Neben dem Gunstbonus hat das Level aber noch eine zweite Funktion, denn erst wenn man Level 30 erreicht hat, kann man an den gewerteten Spielen teilnehmen und sich für die Ligen qualifizieren, vorher muss man sich mit den ungewerteten Matches begnügen – gerade für Veteranen aus anderen vergleichbaren Spielen könnte diese Grenze ein bisschen hoch angesetzt sein.

SMITE Shop

Über den Item-Shop kann man nicht meckern. Faire Preise, kein Pay-to-win!

Alternativ kann man sich auch für 24€ alle Götter kaufen und damit die Entwickler unterstützen – das Angebot beinhaltet alle bisher im Spiel befindlichen Charaktere, wie auch alle, die noch in Zukunft implementiert werden. Besonders nett: Wenn man zuvor einen Gott durch das Ausgeben von Gunst freigeschaltet hat, dann wird diese Gunst erstattet (und man kann sie etwa für zusätzliche Skins ausgeben).

Das Charakterdesign – Grausam, sexy, einfach gut!

Wie schon erwähnt greift man bei SMITE nicht auf rein fiktive (darüber kann man streiten, tun wir aber nicht!) Persönlichkeiten wie Elfen und Orks zurück, sondern man bedient sich an den mythologischen Gottheiten aus verschiedenen Kulturen. Bisher sind sieben Pantheons im Spiel vertreten: Hindu, Maya, Griechen, Ägypter, Chinesen, Römer und die Nordischen. Aktuell sind es 57 verschiedene Götter oder Sagengestalten, die zur Auswahl stehen.

SMITE Göttin Kali

Die Charaktere sehen klasse aus und alle Götter haben ihren eigenen Charme

Auf den ersten Blick mag man es vielleicht übersehen, aber die Entwickler haben sich große Mühe gegeben, alle spielbaren Götter so darzustellen, wie sie in den verschiedenen Überlieferungen präsentiert wurden und selbst die individuellen Fähigkeiten sind darauf zugeschnitten. Alle Götter unterscheiden sich klar voneinander und vor allem ihre Stimmen haben es mir wirklich angetan, selten fand ich die Zusammensetzung von Charakter und Stimme so passend, wie in diesem Spiel.

Ich habe Neith, Scylla, Hel, Thanatos und all die anderen auf jeden Fall sehr schnell in mein Herz geschlossen und kann nachvollziehen, warum es inzwischen so viele (nicht immer ganz jugendfreie…) Fanfictions zu diesem Spiel gibt – aber das ist ein Thema für ein anderes Mal…

Koordination ist alles

Für MOBA-Veteranen ist das vermutlich nichts Neues, aber Koordination und Absprache ist ein sehr wichtiger Aspekt in diesem Spiel, Einzelgänger werden nur in den seltensten Fällen die Spielbalance zugunsten des eigenen Teams verlagern können.

Da in den actionreichen Kämpfen nur sehr selten genug Zeit bleibt, um lange Befehle und Strategiebesprechungen in den Chat zu tippen, kann man über ein sehr umfangreiches Schnellwahlmenü akustische Anweisungen ausgeben. Die Tastenkombination “VA1” lässt etwa “Linken Weg angreifen!” im Chat erscheinen, “VRR” hingegen bedeutet “Sofortiger Rückzug!”.

Smite Gott Thanatos im Kampf

Gutes Teamplay wird am Ende oft belohnt

Es dauert einige Matches, bis man die gängigsten Tastenkombinationen verinnerlicht hat, wenn das jedoch erst mal in Fleisch und Blut übergegangen ist, dann funktionieren Absprachen schnell und präzise. Und für ein siegreiches “Wohooo!” (VEW) sollte immer Zeit sein, genau so, wie für ein lobendes “Du rockst!” (VER), wenn sich irgendwer besonders hilfreich angestellt hat.

“Mal eben afk”

Nichts ist frustrierender, als wenn ein Mitspieler mitten in einer Runde ausloggt, afk geht oder sich dazu entschließt, dem Team komplett das Spiel zu ruinieren. Dieses Verhalten gefällt natürlich auch den Entwicklern nicht, da es die Spielatmosphäre langfristig komplett ruiniert, also gibt es Möglichkeiten, gegen solche Störenfriede vorzugehen.

Jeder Account besitzt nämlich einen “Wohlwollen”-Wert, der anfangs 100% beträgt. Wenn man während einer Runde verschwindet, dann haben die Mit- und Gegenspieler anschließend die Gelegenheit den Verschwundenen zu melden und eine Begründung anzugeben, geschieht das oft genug sinkt der Wohlwollen-Wert weiter herab. Um an gewerteten Spielen teilnehmen zu können, muss dieser Wert übrigens über der 50%-Marke sein, sonst kann man nicht einmal daran teilnehmen.

Smite Gameplay Screenshot

Teleport und Afk sein? Lieber ncht…

Aber auch im “normalen” Spielmodus wird man bestraft, denn ein verringerter Prozentsatz des Wertes berdeutet auch, dass man spürbar weniger Gunst pro Match erhält. Wer sich davon noch nicht genug abschrecken lässt, der wird mit Accountstrafen wie temporären Bans bestraft, bei Wiederholungstätern ist aber ganz schnell der komplette Spielzugang gesperrt – und das permanent und vollkommen gleich, wie viel Realgeld man bereits in das Spiel gesteckt hat, eine sehr gute Maßnahme, die inzwischen zur gängigen Praxis in ähnlichen Spielen gehört.

Unabhängig davon wird man ganz automatisch als Deserteur gebrandmarkt, wenn man eine Partie vorzeitig verlässt, und kann im Anschluss für 30 Minuten an keinem Spiel mehr teilnehmen – also immer brav zu Ende spielen!

Details zum Verlieben

Besonders begeistert haben mich die unzähligen, kleinen Details, welche die Entwickler eingebaut haben. Das beginnt, wie bereits oben erwähnt, bei der sehr detaillierten Umsetzung der Überlieferungen in die Spielwelt, endet da aber noch lange nicht. Viele Götter lassen nämlich interessante Sprüche von sich, wenn sie einen ihrer mythologischen Gefährten verprügeln. Athena, eine Tochter des Zeus, sagt etwa “Do you still love me, daddy?” und das ist nur eine von vielen möglichen Kombinationen – ich habe bei Weitem noch nicht alle gefunden. Ein absoluter Pluspunkt sind die Witze (VEJ) und Verspottungen (VET) der Götter; wer wissen will, warum weibliche Videospielcharaktere immer in High Heels kämpfen, der sollte sich auf jeden Fall mal Athenas Sprüche anhören…

SMITE Gott Athena

Die Entwickler haben sich viel Mühe gemacht, Eigenschaften der Götter auf die Charaktere zu übertragen

Ein weiteres Highlight sind die Sieges/Niederlagen-Bildschirme nach jedem abgeschlossenen Match. Jede Gottheit hat nämlich eine eigene kleine Sequenz, je nachdem ob man gewonnen oder verloren hat. Neith etwa tanzt bei einem Sieg den “Caramel Dansen” und Scylla lässt ihre Tentakelhunde mit einem gefangenen Minion spielen – wenn sie jedoch verliert, hat sie ihre Hunde nicht ganz unter Kontrolle.

All das ist so witzig, so durchdacht und mit so viel Liebe zum Detail, dass ich nicht anders kann, als mich dafür zu bedanken. Selbst eine Niederlage ist nur halb so frustrierend, wenn man die genialen Animationen im Anschluss sieht.

Echtgeld-Shop ja, Pay2Win nein

Natürlich gibt es auch in SMITE eine Echtgeldwährung, diese wurde “Juwelen” getauft. Direkt sei gesagt: Kein Gegenstand aus dem Shop gewährt einen spielerischen Vorteil, der jemanden in einer Partie bevorzugt, alle angebotenen Dinge sind reine Kosmetik.

Es ist offensichtlich, dass die Entwickler von Hi-Rez hiermit ihre Rechnungen bezahlen, denn die möglichen Verschönerungen sind schier endlos und können schnell ins Geld gehen. Ein exklusiver Skin kostet umgerechnet zwischen 6 und 10€, Stimmenpakete kosten immerhin noch rund 3€. Ohne Frage sehen diese besonderen Skins imposant, witzig oder verdammt sexy aus und auch die Stimmpakete lassen einen so manches Mal lächeln, wenn man bei Koordinationsabsprachen im Chat die Stimme der gespielten Göttin hört, anstatt des generischen Sprechers, der ansonsten die Ansagen vertont.

Notwendig ist nichts davon, um in SMITE Spaß zu haben, das Spiel hält sich erfreulicherweise auch zurück und will einem diese Angebote nicht immer wieder aufs Auge drücken. Ich bin trotzdem schon schwach geworden und habe mir einen Skin für Neith, ein Stimmpaket für meine geliebte Scylla und zwei Schatztruhen (streicht das übrigens: einen Tag später sind es schon vier!) gegönnt – ich konnte einfach nicht widerstehen.

Das klingt gut – doch was ist schlecht?

Smite Gott Loki

Der nordgermanische Gott “Loki” ist über die deutsche “Lokilisierung” nicht erfreut…

Eine von SMITEs größten Schwächen ist die unzureichende Lokalisierung, die das Spiel bisher hat. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es ohnehin nicht, also beziehe ich mich hier nur auf die reinen Texte innerhalb des Spiels. Wer der englischen Sprache mächtig ist, wird absolut keine Probleme haben, aber die deutsche Übersetzung ist ein Graus und entspricht dem Niveau “Google-Translator”.

Besonders auffällig ist dies in den Fähigkeitsbeschreibungen, wo gelegentlich munter zwischen den Sprachen hin und her gewechselt wird. Richtig schlimm wird es aber, wenn ein und dieselbe Fähigkeit innerhalb von drei Texten drei unterschiedliche Namen hat, da wird aus einem “Broken Weave” dann erst ein “zerbrochenes Gewebe” und dann ein “zerstörtes Geflecht”.

Ich habe nach einigen Stunden deutlich frustriert auf die englische Version umgestellt, einige Texte sind im deutschen schlicht und ergreifend so schrecklich fehlerhaft, dass man nicht einmal ihren Inhalt versteht.

Fairerweise muss man dazu sagen, dass im Launcher bei der deutschen Version noch “Beta” dransteht. Eine Beta, die dringend von jemandem mit ausreichenden Deutsch- und Englischkenntnissen überarbeitet werden sollte (Hier, ich will, ich will! Klingt nach einem coolen Job!).

Matchmaking unter Level 30 – Quasi nicht vorhanden

Ein wirklich dicker Minuspunkt ist das Matchmaking im Spiel, denn das ist, zumindest nach meiner Erfahrung, nicht vorhanden. Wenn man als Level-2-Frischling im Ladebildschirm des Gegnerteams drei Spieler sieht, die ihren Helden bereits auf Stufe 10 gemeistert und das legendäre Porträt freigeschaltet haben, dann kann man sich schon mal auf eine gehörige Tracht Prügel einstellen.

Die Gegnerzuweisung im normalen Spielmodus scheint vollkommen willkürlich zu sein, und da dies die einzige Möglichkeit für neue Spieler ist, an Gunst und Level-Ups zu kommen wird man da im wahrsten Sinne weggefrühstückt als wäre man Marmeladentoastbrot – und ungefähr so machtlos kommt man sich dabei auch vor.

Smite Gott Scylla

Am Matchmaking muss noch gearbeitet werden…

Wirklich ausgeglichene Partien sind eine Rarität und nicht selten habe ich mich gefragt, warum sich denn drei Spieler aus einem Clan anmelden, um Frischlingen mal ordentlich die Leviten zu lesen – das frustriert und macht auf Dauer keinen Spaß.

Alle anderen sind Idioten

Ich weiß, ich weiß. Wenn alle anderen im Spiel unfreundlich sind und aus der eigenen Sicht “gehörig einen an der Klatsche” haben, dann ist man meistens selbst das störende Element und sieht es nur nicht ein. Ich komme aber nicht herum, noch einmal zu betonen, wie schrecklich es ist, mit Randoms zu spielen.

In allen 5er-Gruppen, die ich bisher hatte, gab es mindestens eine Person, die immer alles besser weiß, alle anderen beleidigt, Emotes ohne Ende spammt oder mitten im Spiel afk geht und nicht zurück kehrt. In keinem anderen Spiel habe ich so oft Gebrauch von der “Spieler melden”-Funktion gemacht wie in SMITE und ein (subjektiv gefühlter) Großteil der Community reagiert allergisch auf Neulinge oder Leute die nicht mindestens zwei Jahre DOTAlogie und eine Doktorarbeit in “League of Legends” verfasst haben.

Es gab einige Ausnahmen, die mir geholfen haben und mir wertvolle Tipps und konstruktive Kritik gegeben haben und diesen Spielern möchte ich danken. Leider verblasst deren guter Wille gegen die schier endlosen Trolle, Hater und Flamer, die sich in diesem Spiel bereits eingenistet haben. Alleine um dem entgegen zu wirken, solltet ihr immer nur zusammen mit mindestens zwei Freunden spielen – es erspart viele Kopfschmerzen.

Fazit

Es ist beim Lesen vermutlich schon mehr als deutlich geworden, aber SMITE hat es geschafft, mich so gut wie auf ganzer Linie zu überzeugen.

Das actionreiche Kampfsystem aus nächster Nähe gibt dem Spiel einen gehörigen Unterschied und verpasst ihm eine ganz eigene Dynamik, die ich bisher in solchen Spielen vermisst habe. Das Setting mit den Göttern ist wunderbar und hat mich sogar dazu animiert ein bisschen was über die verschiedenen Kulturen und Glaubensrichtungen zu lernen (Ehrlich, Zeus, mit welcher Frau hast du eigentlich nicht geschlafen?!).

Wer mit der englischen Sprache kein Problem hat und, wie ich, MOBAs bisher eher belächelt hat, der sollte sich zwei Freunde schnappen und SMITE auf jeden Fall eine Chance geben, es unterhält für viele Stunden und das komplett kostenlos, sofern man den Premiumskins widerstehen kann.

Egal ob MOBA-Veteran oder kompletter Genre-Neuling, mit einer Handvoll Freunde kann jeder kostenlos für eine lange Zeit Spaß in SMITE haben. Nur die schreckliche deutsche Übersetzung ist ein Dorn im Auge, wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, den erwartet eine erfrischend andere Variante eines Spiels, dessen Markt eigentlich übersättigt ist. Die Einzigartigkeiten und das gut umgesetzte Setting bilden stabile Säulen für die Langlebigkeit dieses Titels.

Wie spiele ich nun Smite? Über die offizielle Seite zu Smite meldet man sich an, lädt den 3,6GB großen Client herunter und dann kann es auch schon losgehen.

Pro

  • Third-Person-Perspektive überzeugt
  • Beeindruckendes Charakterdesign
  • Flottes Gameplay mit Zielen und Telegraphen
  • Götter detailfroh ins Spiel integriert
  • Sehr faires Free-to-play-Modell

Contra

  • Matchmaking teilweise unlogisch
  • Schwächen in der deutschen Lokalisierung
  • Einige schwarze Schafe in der Community
8

Gut

Cortyn
Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!