Rollenspiel trifft auf MMO

Shadowrun: Corporate Guide sourcebook. © 2010 Catalyst Game Labs - The Topps Company Inc.

Inzwischen gibt es eine schier endlose Auswahl an fantastischen Welten, in die wir Tag für Tag eintauchen. Dort bestreiten wir unsere Raids, farmen unser Buffood und craften uns die beste Ausrüstung. Da macht es auch kaum einen Unterschied, ob wir in WoW durch Azeroth streifen oder in der weiten der Galaxie von Star Wars umherfliegen, die Grundprinzipien unterscheiden sich nur geringfügig.

Aber wäre es nicht toll, eine wirkliche Rolle innerhalb dieser Spielwelt einzunehmen? Mehr zu sein, als nur ein kontrollierter Avatar, der seine “Skills spammt” und “Epix lootet”? Wie wäre es, wenn ich jetzt nicht nur den Magier spiele – sondern der Magier bin?

Was zuerst absurd klingt, ist für viele Menschen schon Alltag geworden, wenngleich ein wenig abgemilderter als anfangs beschrieben. Die Rede ist von sogenanntem Rollenspiel (RP). Im Grunde steckt dieses Wort auch bereits in “MMORPG”, doch nur die Wenigsten sehen dahinter mehr, als das Verteilen von Fertigkeitspunkten oder das Füllen eines Erfahrungsbalkens. Dabei bietet Rollenspiel die perfekte Möglichkeit, einfach mal die “schnuckelige Nachtelfe” von nebenan näher kennenzulernen, oder einer zünftigen Cantina-Schlägerei hautnah beizuwohnen.

Die Geschichte hinter einem Charakter

Hauptziel im Rollenspiel ist natürlich der Spaß, wie bei fast jeder Freizeitaktivität, aber dennoch gibt es einige Dinge, die man beachten muss, wenn man nicht überall anecken will. Es wird versucht einen Charakter in der Welt darzustellen, dies gelingt am besten, wenn man schon ein wenig mit der Hintergrundgeschichte vertraut ist und weiß, was in dieser Welt alles vorkommt: Einen Vampir wird in WoW niemand abnehmen und auch ein Arkanmagier würde in SW:TOR wohl eher belächelt als begrüßt.

Kennt man die Hintergrundgeschichte jedoch ausreichend, dann fällt es leicht einen stimmigen Charakter zu erschaffen – wobei man beachten solle: Weniger ist oft mehr. Ein armer Handwerker ist für andere Spieler viel interessanter als der überböse Lord der Sith mit unglaublichen Kräften. In manchen Spielen, wie zum Beispiel Neverwinter, ist es sogar möglich, eine passende Biographie zu verfassen – diese ist dann auch für andere Abenteurer im Charaktermenü einsehbar.

Fast jedes aktuelle MMO hat einen oder mehrere Rollenspielserver, manchmal sind sie von den Entwicklern extra so gekennzeichnet und es herrschen gesonderte Regeln dort, wie etwa erweiterte Namensrichtlinien. Wenn es keinen solchen Server gibt, dann erwählt die Community sich selber einen, der diesem Hobby fortan dient.

Drei Gründe für das Rollenspiel in einem MMORPG

Doch was genau sorgt in einem Onlinespiel überhaupt dafür, dass Rollenspieler angezogen werden und sich in der Spielwelt einnisten? Hier die wichtigsten Gründe, die RPler dazu bringen, einen Großteil ihrer Freizeit in einem MMORPG zu verbringen.

  • Die virtuelle Welt selbst

Das mag banal klingen, doch die Welt mit ihrer Hintergrundgeschichte ist der wichtigste Motivationsfaktor. Warum sieht der Kontinent so aus, wie er aussieht? Welche Rassen gibt es und warum? Wie lange ist der letzte große Krieg her und was hat ihn ausgelöst? Diese und viele weitere Fragen wollen beantwortet werden, denn genau wie bei einem guten Buch brauchen Rollenspieler Randinformationen, um einen Charakter entwickeln zu können, der in die Welt passt und auf die vielen kleinen Details abgestimmt ist.

  • Anpassungsmöglichkeiten

Jeder Rollenspieler liebt seinen Charakter und möchte, dass er etwas ganz besonderes ist – das heißt nicht zwangsläufig, dass er irgendwelche außergewöhnlichen Fähigkeiten hat, sondern nur, dass sein Aussehen einzigartig ist. Je mehr Knöpfe und Regler man bei der Charaktererstellung hat, desto besser. Aber damit endet es noch nicht: Einem Rollenspieler ist es egal, ob auf der Hose seines Charakters “+17 Beweglichkeit” verzaubert ist, solange die Hose blau ist und zu seinem Hemd passt. Eine Vielzahl von unterschiedlichen Kleidungsstücken genügen schon, um das Herz des RPlers höher schlagen zu lassen.

  • Die Community

Rollenspiel ist etwas unglaublich Soziales. Anders als bei “Looking for Raid”-Gruppen oder PvP-Schlachtfeldern, in denen jeder das tut, was er für richtig hält, ist der RPler auf andere angewiesen. Seine Darstellung ist nichts wert, wenn er kein Publikum hat und niemanden, mit dem er interagieren kann.

Erst die Erlebnisse mit Anderen machen diese Erfahrungen so wertvoll und spaßig. Immer wieder ist es reizvoll, neue Charaktere kennenzulernen und zu schauen, wie sie mit dem eigenen Avatar auskommen, doch dabei ist stets zu bedenken: Ein Charakter kann die Twi’lek-Tänzerin vor sich ruhig “Billiges Stück” schimpfen, solange man nicht vergisst: Hinter den anderen stecken auch Menschen und zu denen kann und sollte man freundlich sein – egal, wie sehr sich Charaktere auch hassen mögen.

Fazit

Natürlich gibt es noch viele weitere Faktoren, die ein MMORPG zu einem guten Sammelplatz für Rollenspieler machen, denn auch die farmen gerne mal ein bisschen oder schauen sich die neuste Raidinstanz an – nur eben nicht so intensiv. Wer Lust hat, sich selbst einmal am RP zu versuchen, der sollte auf den entsprechenden Servern einfach freundlich um Hilfe fragen, Neulinge werden gerne in die Materie eingeführt und angeleitet. Was gibt es also zu verlieren?


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