GameStar.de
› Neverwinter im Anspiel-Test: Lohnt sich das MMORPG 2017 noch?
Neverwinter-Pläne

Neverwinter im Anspiel-Test: Lohnt sich das MMORPG 2017 noch?

Das Free2Play-MMORPG Neverwinter ist bereits seit 2013 auf dem PC. Mittlerweile kann man es auch auf PS4 und Xbox One spielen. Wir haben uns Neverwinter Online mal angeschaut und fragen uns: Lohnt sich Neverwinter in 2017?

Rollenspiel-Fans wie ich, stecken irgendwie noch immer im Sommerloch. In den letzten Monaten kam einfach kein vernünftiges MMORPG raus. Und wenn doch eins rausgekommen sein sollte, entschuldige ich mich dafür: Das hab ich dann übersehen.

Weil ich gerade in einer Durststrecke bin, dachte ich mir, einfach ein älteres Schmuckstück aus der Kiste auszugraben und in Neverwinter vorbeizuschauen.

Was für ein Spiel ist Neverwinter überhaupt?

Bei Neverwinter handelt es sich um ein kostenloses MMORPG, dass das Dungeons-&-Dragons-Universum als Vorlage nutzt. Die Klassen und Völker sind an D&D angelehnt. Das MMO ging 2013 als FreeToPlay-Titel an den Start und hat bis heute eine Menge an Inhalten dazu bekommen. Neue Klassen, Völker oder auch Gebiete wurden in den vergangenen Jahren hinzugefügt.Das Kampfsystem spielt sich actionreich und benutzt eine aktive Kampfsteuerung. Hier muss man also gezielt Angriffe ausüben und im richtigen Moment ausweichen. Die Kämpfe gehen butterweich von der Hand und man will immer wieder die Konfrontation suchen.

Mit den Tasten “WASD” steuert ihr euren Helden und führt Standard-Angriffe mit den Maustasten aus. Statt den Feind anzuklicken, müsst ihr hier genau wie in einem Action-Spiel den Gegner anvisieren und mit dem Fadenkreuz draufhalten. Fertigkeiten übt ihr mit den Tasten “QER” aus.

Das Besondere an Neverwinter: Es gibt einen Dungeon-Editor namens “Foundry”. Man kann quasi seine eigene Mission bauen und die fertige Instanz für andere Spieler freigeben.

Meine ersten Minuten

Ich schmiss meinen Rechner an und hab mir schnell einen Schwertkämpfer zusammengeschustert. Dann ging es auf in die erste Mission. Ich erwachte am Strand, sammelte mein Schwert auf und zog los, um Neverwinter gegen die bösen Zauberin namens „Valindra“ zu verteidigen. Nachdem ich ein paar Untoten aufs verrottete Auge gegeben habe, stand ich schließlich Valindra gegenüber.

Allerdings schleuderte diese Unsympathin meinen Kumpanen durch die Luft und hetzte einen riesigen Fleischklops auf mich. Nachdem ich mit dem fertig war, starb mein Begleiter leider doch noch. So spielten sich die ersten Minuten in dem kleinen Tutorial. Stimmung macht es auf jeden Fall und ich war angefixt, weiter zu spielen.

Die Klassenwahl

8 Klassen mit unterschiedlichen Spielstilen stehen euch zur Verfügung. Einige, wie der taktische Magier, waren bereits zum Release dabei, der wachsame Waldläufer oder der Hexenmeister kamen erst später hinzu. Ich habe mir die Klassen und deren Fertigkeiten etwas genauer angeschaut. Hier gibt es alles, was ein Rollenspieler so braucht.

Wer heilen will, sollte sich den Glaubenskleriker anschauen. Neben dem Heilen kann dieser ebenso ordentlich an Schaden austeilen.

Wer mehr auf Nahkampf aus ist und dabei einiges an Schaden schlucken möchte, kann beherzt zum beschützenden Kämpfer greifen. Dieser ist der klassische Tank und zieht die Aufmerksamkeit der Bosse auf sich.

Dann wären da noch die speziellen Klassen wie zum Beispiel der vernichtende Hexenmeister. Mit diesem könnt ihr Schaden austeilen und euren Gegnern das Leben aus dem Körper saugen. Ein Pluspunkt für die gute Auswahl an verschiedenen Spielstilen.

Ich habe mich für den Zweihandwaffenkämpfer entschieden. Man ist mit dieser Klasse agil unterwegs. Besonders gefällt mir seine Spezial-Fertigkeit, die man ab Level 10 freischaltet. Aktiviere ich diese, kämpfe ich ein klein wenig schneller und halte etwas mehr aus. Quasi ein Turbo für Ritter.

Die Völker

In der Charaktererstellung habt ihr noch die Möglichkeit, sich für ein Volk zu entscheiden. Diese bringen verschiedene Boni. Um das Maximum aus euren Held heraus zu holen, solltet ihr euch wohl überlegen, welche Rasse ihr auswählt.

Der Mensch hat mehr Verteidigung und eignet sich daher gut als Tank. Außerdem kann er zwei Attribut-Punkte beliebig verteilen.Wer mehr Schaden austeilen möchte, für den ist der Tiefling die richtige Wahl. Sobald der Feind unter 50% seines Lebens ist, richtet der Tiefling 5% mehr Schaden an. Das dämonen-artige Volk ist besonders für die DDs gedacht. Wenn ihr nicht wisst, welche Klasse ihr mit dem Tiefling spielen wollt, solltet ihr den vernichtenden Hexenmeister ausprobieren. Mit den Volks-Boni macht dieser kurzen Prozess mit feindlichen Schergen.

Passend zum Zweihandwaffenkämpfer habe ich den Halb-Ork genommen. Dieser macht bei kritischen Treffern 5% mehr Schaden. Zusätzlich habe ich eine höhere Renngeschwindigkeit für ein paar Sekunden, sobald ich mich im Kampf befinde.

Altbackene Quests

Neverwinter bietet ein eher altbackenes Questdesign. So gibt es viele „Töte dies“ oder „Sammle das“ Aufgaben. Für den Anfang sind diese Missionen noch akzeptabel, wenn man aber immer denselben Mist machen muss und das in den höheren Stufen, wird es langsam langweilig.Nervig wird es, wenn mehrere Spieler im selben Gebiet die Aufgaben abarbeiten. So verkommt das Questen zu einen Wettlauf, denn hier gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich für eine Quest etwas sammeln musste und mir die benötigten Items vor der Nase weg geschnappt wurden. Solch ein Gameplay ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß und nervt!

Die Welt von Faerûn

Nachdem ihr das kleine Tutorial abgeschlossen habt, öffnen sich die Tore zu der „Protector´s Enclave”. Dieser Ort ist die Hauptstadt des Spiels und hier sammeln sich die verschiedensten Spieler um zu handeln, zu quatschen oder einfach die Atmosphäre zu genießen.Neverwinter ist nämlich in kleineren Zonen aufgeteilt, also keine richtige Open-World. An den Toren der Stadt wählt man seinen nächsten Punkt aus, wohin man reisen will. Aufgeteilt ist das ganze in Abenteuerzonen und Dungeons.

In den Abenteuerzonen kann man sich relativ frei bewegen und Quests annehmen, Feinde verdreschen oder auch Händler besuchen. In diesen Zonen befinden sich auch die Eingänge zu den Solo-Dungeons. Für die großen Instanzen kann man sich allerdings per Menü anmelden.

Das Besondere an Neverwinter: Erstellt eure eigenen Dungeons

Mit der Foundry hat man die Möglichkeit, eigene Quests und Instanzen zu kreieren. Und dieser Editor hat es in sich.

Es wirkt schon fast wie ein Spiel in einem Spiel, denn mit ein bisschen Erfahrung kann man hier seine eigenen Geschichten schreiben. Ich habe zum Beispiel angefangen, eine Karte zu basteln und konnte verschiedene Häuser, NPC´s und Feinde aufstellen. Danach verfasste ich kleine Quest-Texte, um das Ganze stimmungsvoller zu gestalten. Nach einer gewissen Zeit merkte ich, wie komplex dieser Editor eigentlich ist.Neverwinter_PS4Das Coole: Sobald man seine Erfindung vollendet hat, kann diese für andere Spieler zugänglich gemacht werden. Die Spieler bewerten dann diese und somit macht man sich mit guter Arbeit immer bekannter.

Sogar verschiedene Archievements schaltet man durch Erstellen sowie Spielen verschiedener Foundry-Abenteuer. Außerdem gibt es natürlich Erfahrung. Einige Spieler sagen sogar, man könnte das Endlevel durch die Foundry erreichen, ohne jemals eine offizielle Quest gespielt zu haben.

Ich habe mir mal ein Dungeon aus der Foundry rausgesucht und kurz angespielt. Ich landete in einem verlassen Dorf und musste feststellen, dass dieses von Untoten überrannt wurde. In jeder Ecke waren verletzte Bewohner zu finden und ich sammelte mich mit den letzten Streitkräften, um einem Heer aus Zombies entgegen zu treten.

Nach dem wilden Kampf rückte ich direkt zum Herz des Feindes vor. Ein Portal hatte sich geöffnet und dieses musste ich mit allen Mitteln vernichten. Nach ein paar Minuten und weiteren Schlachten zerstörte ich schließlich das Portal und konnte die Quest bewerten.Hier merkt man, dass sich mit ein bisschen Übung wunderbare Geschichten schreiben lassen. Ich habe dem Dungeon volle Punktzahl gegeben und wundere mich nicht, warum es so beliebt ist.

Der derzeitige Stand

Die Entwickler hinter Neverwinter brachten in den letzten Jahren und Monaten insgesamt 12 neue Module heraus, die mit Spielinhalten vollgepumpt sind. So gibt es immer mehr Klassen, Völker, neue Gebiete, weitere Instanzen und Fortsetzungen der Story.Neverwinter-StammesloeweDas zuletzt erschienene Modul trägt den Namen „Tomb of Annihilation“. In diesem gibt es den Dschungel von Chult, ein weiteres Gebiet, in dem Dinosaurier euch als Abendmahl verspeisen möchten.

Hier eine kleine Auflistung der bisherigen veröffentlichten Module:

  • Fury of the Feywild: Eine neue Zone namens “Sharandar” samt Kampagne. Außerdem wurden die Sonnen- und Mond-Elfen als Völker integriert.
  • Shadowmantle: Neben der neuen “Ring des Grauens”-Kampagne ist der wachsame Waldläufer als neue Klasse das Highlight dieses Moduls. Dieser kommt mit Bogen und Dolchen und kann somit als Nah- oder Fernkämpfer fungieren.
  • Curse of Icewind Dale: Ein weiteres Gebiet “Icewind Dale” plus Kampagne steckt in diesem Modul.
  • Tyranny of Dragons: Dieses Modul bringt die Tyranny of Dragons-Kampagne und die “Drachengeborenen” als neues Volk. Daneben erscheint der vernichtende Hexenmeister als neue spielbare Klasse. Dieser nutzt dunkle Magie: Also ein Magier der Feinden das Leben aussaugt.
  • Rise of Tiamat: Hier gibt’s ein neues Gebiet namens  “Drachenbrunnen” samt einer Erweiterung der Tyranny-of-Dragons-Kampagne. Es gibt einen weiteren Vorbildpfad für den vernichtenden Hexenmeister.
  • Elemental Evil: Eine große Erweiterung, welche die Höchststufe auf Level 70 anhebt. Der eidgebundene Paladin kommt als weitere Klasse.
  • Strongholds: Dieses Modul dreht sich rund um Gilden. So gibt es nun eigene Gildenfestungen sowie Schlachten zwischen den Gilden.
  • Underdark: Dieses Modul bringt eine neue Abenteuerzone namens “Mantol Derith”. Diese führt euch ins Unterreich, wo ihr fiese Dämonen vernichtet.
  • The Maze Engine: Die Geschichte aus dem vorherigen Modul Underdark wird fortgesetzt.
  • Storm King´s Thunder: Mit diesem Modul gibt es neue Aufgaben in Icewind Dale zu erledigen.
  • The Cloaked Ascendary: Eine Magierverschwörung sowie das “Flussviertel” als neues Gebiet sind Teil dieses Moduls.
  • Tomb of Annihilation: Hier gibt’s die neue Zone “Chult”, in der ihr im dicht bewachsenen Dschungel gegen Dinosaurier kämpft.

Die Community zeigt sich zu den bisherigen erschienen Modulen zufrieden. Das Einzige was bemängelt wird: Die Quests sind meist zu eintönig.

Free2Play mit Einschränkungen

Zuerst muss man einmal sagen, dass man mit Neverwinter stundenlang Spaß haben kann, ohne einen einzigen Cent auszugeben. Da hat man aber, wie in fast allen Free2Play-Titel, mit einigen Einschränkungen zu knabbern.

Auch hier gibt es limitierte Charakter-Slots, den Rest müssen wir dazu kaufen. Was mich nervt: Selbst einige Völker wie zum Beispiel die Drachengeborenen muss man freikaufen. Dazu kommt, dass sich immer öfter Werbefenster öffnen, die euch zum Einsatz von Echtgeld anregen wollen.

Dafür bringen die Entwickler ständig weiteren Content in Form von neuen Erweiterungen. Und diese sind kostenlos. So gibt es neue Gebiete oder auch neue Klassen wie zum Beispiel den wachsamen Waldläufer. Und das, ohne in die Brieftasche greifen zu müssen.

Der Shop nervt auch ein bisschen. Hier gibt es Reittiere und Begleiter für happige Preise, ich komme mir manchmal vor wie beim Shoppen in einem Online-Markt. Im Verlaufe des Leveln findet man diverse Schatztruhen, die verschlossen bleiben, bis wir einen Schlüssel im Markt gekauft haben.

Es gibt noch die Möglichkeit, erfarmte Astraldiamanten in die Echtgeld-Währung “Zen” umzutauschen. Bis man so aber ein Reittier kaufen kann, grindet man aber schon eine ganze Weile.

Fazit: Lohnt sich Neverwinter?

Neverwinter ist jetzt seit 4 Jahren auf dem FreeToPlay-Markt und hat seitdem immer neue Erweiterungen dazu bekommen. Diese haben neben neue Klassen, ganze Gebiete mit neuen Aufgaben und Feinden.

Ein großer Pluspunkt ist der komplexe Dungeon-Editor. Mann kann hier echt viel Zeit reinstecken und quasi sein eigenen kleine Geschichte basteln. Ich könnte fast schon sagen, dass ich mehr Zeit im Editor verbracht habe, als im Hauptspiel.Daneben gefällt mir die große Auswahl an Klassen sowie Völker, auch wenn man sich später Charakter-Slots dazu kaufen muss.

Wie bereits gesagt, kann man mit Neverwinter, ohne in die Brieftasche greifen zu müssen, sehr viel Spaß haben. Wenn man allerdings das Maximale aus dem Spiel herausholen will, sollte sich den Einsatz von Echtgeld noch einmal genauer überlegen.

Das Gameplay ist solide und die Kampfsteuerung spielt sich recht actionlastig. Es macht immer wieder Spaß, neue Feinde zu attackieren und diese den Garaus zu machen. Da kann man schon einmal dem Entwickler die altbackenen Quests verzeihen.

Ich werde jedenfalls weiter Gegner mit meinem Schwert in zwei Teile schneiden und zum Endlevel spielen.

Neverwinter kostenlos auf PC, PS4, Xbox One spielen

Neverwinter-Pläne

Neverwinter

PC PS4 Xbox One