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Mecker Mittwoch: Wenn ein kleiner Traum stirbt

Es vergeht keine Woche, ohne dass ich etwas finde, was mir den Tag ein wenig ruiniert. Bis gestern Mittag dachte ich mir eigentlich “Hey, es wird der erste Mittwoch, bei dem du absolut kein Thema hast!”. Dank der schnellen Verbreitung von Nachrichten durch Facebook bleibt mir dieses Schicksal aber erspart. Das kleine Entwicklerstudio Dischan hat ein Ende gefunden. Der Name sagt Euch nichts? Dachte ich mir.

Wer war das und warum kenne ich die nicht?

Ausgebrannt. Wieder finden gute Ideen und neue Denkweisen ein viel zu frühes Ende.

Ausgebrannt. Wieder finden gute Ideen und neue Denkweisen ein viel zu frühes Ende.

Böse Zungen könnten nun behaupten, dass Dischan ein vollkommen unbekanntes Studio ist, welches ich nur aufgreife, um irgendwie den Mittwoch zu füllen. Doch das wäre nicht gerecht. Global betrachtet mag die Aussage zutreffen, aber nicht für mich persönlich. Obwohl der größte Erfolg von Dischan die Visual Novel Juniper’s Knot von nur 2 Stunden Länge ist, hatte die Geschichte dahinter für mich eine große Bedeutung. Sie ist einer der Hauptgründe, warum ich dämonische Charaktere so gerne mag und erzählt mit einer emotionalen Tiefe, die kaum eine andere Geschichte erreicht hat. Beim Nether, die Geschichte hatte einen so starken Einfluss auf mich, dass ich ohne sie vermutlich überhaupt nicht hier arbeiten würde.

Aber ich habe bereits genug von diesem Spiel geschwärmt. Ich rate nur allen, die noch nie einen Blick auf das kostenlose Spiel geworfen haben, es sich sicherheitshalber herunterzuladen, denn die Seite und auch die Downloads werden in den nächsten Tagen verschwinden.

Wenn ein Traum stirbt

Junipers KnotWarum nimmt mich das Schließen eines so kleinen Studios also mit? Weil es für mich das Ende eines Traumes von Menschen bedeutet und das macht mich traurig. Die Leute hinter Dischan waren gut. Sie feierten Erfolge, bekamen gute Kritiken für ihre kostenlosen Werke. Selbst als es schlecht lief mit dem Crowd-Funding des neuen Projektes kämpften sie für über 2 Jahre, um dann zu scheitern.

In die Reaktionen des Betreibers und Gründers, Jeremy Miller, kann man vieles hineininterpretieren und das meiste davon ist bedrückend. Alle Blogeinträge der letzten Jahre sind gesperrt/verschwunden. Die einzige Nachricht auf der Seite spricht davon, dass er nicht mehr auf Mails reagieren wird. Wenn jemand nach 6 Jahren gar nicht mehr über seine Projekte reden möchte, dann beerdigt er sie vollkommen. Zumindest ist das meine Deutung der Situation. Man begräbt einen Traum, eine kreative Vision, die man nicht verwirklichen konnte und die nun keine Zukunft mehr hat. Ja, in meiner Kuschel-Wuschel-Blümchen-Welt finde ich das schlimm.

Ach Cortyn, halt doch die Klappe.

Manchmal schreibe ich Texte, bei denen ich genau weiß, dass am Ende jemand sagen wird: “Alter, Cortyn labert nichts außer melodramatischem Mist”. Das war diesmal so ein Artikel. Und trotzdem wollte ich es schreiben, denn es war mir wichtig.

Heute wird ein wenig geweint. Ihr werdet es aushalten müssen.

Heute wird ein wenig geweint. Ihr habt es mutig ausgehalten.

Mir ganz allein. Dischan steht exemplarisch für die vielen kleinen, guten Ideen, die alle niemals eine Umsetzung finden, weil sie gegen den Einheitsbrei der Masse nicht ankommen. “Qualität setzt sich durch” ist in meinen Augen nur ein Märchen. Anders kann ich mir zum Beispiel den Erfolg des 2345. Early-Access-Survival-Titels nicht erklären.

Entschuldigt bitte für den “Mimosen-Mittwoch”, der diesmal deutlich emotionaler und privater wurde als geplant. Nächste Woche mecker ich wieder wütend. Irgendwer wird es schon schaffen, wieder groben Unfug zu erschaffen.

QUELLE dischan.co
Cortyn
Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!