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Lineage 2 Revolution im Anspiel-Test zum EU-Release – Hilfe, mein Held gehorcht mir nicht!

Lineage 2 Revolution im Anspiel-Test zum EU-Release – Hilfe, mein Held gehorcht mir nicht!

Lineage 2 Revolution erscheint am 15. November 2017 in Europa und Nord-Amerika. Wir haben bereits im Vorfeld das komplexe Mobile-MMORPG testen können. Lest hier, ob Lineage 2 Revolution wirklich als MMORPG auf iOS und Android taugt, oder ob es nur ein seelenloser Grinder mit Auto-Play-Funktion ist.

Was ist eigentlich so toll an Lineage 2 Revolution (L2R)? Netmarbles komplexes Free2Play-Mobile-MMORPG im Lineage-Universum ist in Südkorea, Japan und weiteren asiatischen Ländern enorm erfolgreich. Am 15. November ist endlich der EU-Release geplant.

Wir von Mein MMO hatten als einziges Magazin in Deutschland die Gelegenheit, Lineage 2 Revolution vorm Start der EU-Server zu testen. Dazu wurden wir auf die Server in Singapur eingeladen.

Ich, der Jürgen, konnte Lineage 2 Revolution also bereits vorher spielen und hatte erst meine Probleme mit dem Auto-Play. Kann man Lineage 2 Revolution noch „Spiel“ nennen, wenn es eigentlich von alleine abläuft?

Automatisches Gameplay – Segen oder Fluch?

Kaum ist mein frisch erstellter Menschenkrieger auf den „Sprechenden Inseln“, der Start-Region von L2R, gelandet, geht es schon los! Ich werde mit Quests und Infos regelrecht zugeballert. Erst soll ich zu einem NSC gehen, als Nächstes bin ich schon im Gefecht mit Wölfen und Bären verstrickt.

Dabei fällt mir auf, dass ich eigentlich gar nichts tun muss, außer die Quests anzunehmen und mich durch die Dialoge zu klicken. Denn das Spiel macht alles andere von alleine! Mein Krieger rennt ohne mein Zutun einfach ungefragt los und metzelt die questrelevanten Viecher aus eigenem Antrieb.

Fast scheint es, als wenn er es kaum abwarten kann, bis ich mich durch alle Quests und Infos gelesen habe. Er will nur grinden!

Mein Held macht, was er will!

Das macht er übrigens ausgezeichnet! Denn selbst, wenn ich wollte, ich kann meinen Krieger nicht stoppen! Selbst wenn ich manuell die Kontrolle übernehme und das Touch-Screen-Steuerkreuz oder die Skill-Buttons drücke, reißt sich der Krieger bald wieder los und grindet weiter. Und zwar so lange, bis er alle erforderlichen Gegner weggeklatscht hat.

Dann rennt er dienstbeflissen zurück zum Questgeber und ich darf wieder brav die Texte weiter durchklicken. Mein Krieger bettelt mich dabei schon sehnsüchtig nach einem neuen Grind an. Ich sitze derweil tatenlos vor dem Display und komme mir ein bisschen wie der arme Zauberlehrling aus dem Goethe-Gedicht vor.

Der hatte die „Geister, die er rief“ am Ende auch nicht mehr unter Kontrolle. Trotzdem tu ich „meinem“ Helden den Gefallen und aktiviere die nächste Quest und schon flitzt der Charakter los und metzelt weiter.

Wie ich lernte, das Autoplay zu lieben

Nach einigen weiteren Quests habe ich endlich herausgefunden, wie man den Auto-Grinder abstellt. Man muss lediglich kurz auf die aktive Quest klicken und schon hört die Metzel-Maschine auf. Cool, endlich mal selbst spielen!

Doch nach einigen Quests merke ich, dass die Standard-Viecher echt keine Herausforderung sind. Trotz der gelungenen Touchscreen-Steuerung nervt es irgendwann sie manuell zu verdreschen. Daher schalte ich den Auto-Grind schließlich wieder ein und sehe zufrieden dabei zu, wie mein Kriegerlein beherzt weitermetzelt.

Derweil mache ich mir einen Kaffee und als ich wieder zurück ans Smartphone komme, hat das eifrige Kriegerchen schon stolz die Quest fertig! Brav gemacht! Zum Dank spendiere ich ihm einen Satz neue Ausrüstung.

Die perfekte Mischung aus Komfort und Herausforderung

„Ey Jürgen, wie kannst du dich einen Gamer schimpfen, wenn du gar nicht selbst spielen willst?“, höre ich schon einige von euch sagen. Und ja, es ist wirklich etwas befremdlich, dass man in Lineage 2 Revolution gerade zu Spielbeginn quasi alle Kämpfe auf Autopilot stellt.

Aber andererseits: „Wem macht es wirklich Spaß, stundenlang anspruchslose Gegner zu klatschen?“ Nicht umsonst erfreuen sich Farm-Bots bei vielen grindigen MMOs großer Beliebtheit.

Lineage 2 Revolution ist da nur konsequent und erleichtert euch das Spiel, indem es notwendige, aber nicht gerade spannende Gameplay-Passagen automatisiert und vereinfacht. Und keine Sorge, spätestens ab Level 20 werden die Kämpfe dann doch anspruchsvoller und es schadet nicht, mal selbst Hand anzulegen.

Der beste Loot für den besten Skill!

Das normale Kroppzeug könnt ihr immer noch getrost im Autofarm-Modus umhauen, aber wenn es um besondere Bosse, Elite-Dungeons oder Speedruns für Extra-Loot geht, ist ein aktiver und guter Spieler stets im Vorteil, wenn er selbst das Steuer übernimmt.

Gerade bei Bossen müsst ihr aktiv den Spezialangriffen ausweichen. Sonst kassiert ihr zu viel Schaden, werdet womöglich umgeworfen oder verbraucht mehr Heiltränke. Die Spezialangriffe der Feinde werden zum Glück mit einem Telegrafen angezeigt, so könnt ihr rechtzeitig ausweichen.

Und dann gilt es, eure 5 aktiven Skills sinnvoll zu timen. Gerade die beiden besten Spezialfähigkeiten mit ihren hohen Abklingzeiten sollten nicht sinnlos an kleinen Adds oder gerade geschützten Feinden verschwendet werden.

Wer aber stur im Auto-Grind auf die Endgegner eindrischt, verschenkt Potential, und da viele Kämpfe zeitkritisch sind, verbummeln faule Spieler so wertvollen Loot.

Massenweise Content und Gameplay-Features

Überhaupt bietet Lineage 2 Revolution ständig etwas zu tun. Langeweile kommt praktisch nie auf.

Gerade das Startgebiet, in dem ihr als Neulinge locker mehrere Stunden verbringt, bietet euch alle Nase lang etwas Neues. Fast mit jedem Level-Up und jeder erledigten Story-Quest bekommt ihr neue Gameplay-Features offenbart.

So bleibt die Flut an neuen Inhalten einigermaßen überschaubar und man wird nach und nach in alle Funktionen des Spiels eingeführt. Und davon gibt es enorm viele! Wer von Mobile-MMOs nur stumpfen Grind ohne Tiefgang erwartet, wird eines Besseren belehrt. Lineage 2 Revolution bietet unter anderem:

  • ein enorm komplexes Item-System, in dem ihr eure Ausrüstung aufwerten, zu neuen Qualitätsstufen fusionieren, mit Buff-Edelsteinen ausstatten und mit speziellen Eigenschaften versehen könnt.
  • täglich wiederholbare Dungeons für Solo-Spieler, Gruppen und Gilden
  • massenweise Quests und Story
  • tägliche und wöchentliche Quests für Extra-Loot und Erfahrung
  • ein komplexes Skillsystem mit aktiven und passiven Fähigkeiten, die ihr aufwerten und weiterentwickeln könnt.
  • Weltbosse auf jeder Map für Gruppen
  • eine Turm-Instanz, in der ihr gegen immer stärkere Wellen aus Monstern antretet
  • PvP in der Arena und Massen-PvP mit der Gilde um die Kontrolle von Burgen

Grind lässt sich abkürzen – Investiert eure Zeit in spannendere Sachen

Ihr bekommt also jeden Tag extrem viel Content, den ihr grinden könnt. Wem der Grind aber zu blöd ist, der kann bereits geschaffte Inhalte automatisch erledigen lassen. Ein Knopfdruck genügt und ihr bekommt sofort die Belohnung, die eurem bisher besten Durchgang entspricht.

Das lohnt sich gerade beim Turm und den täglichen Dungeons, denn wer will schon gern das immer gleiche Dungeon durchackern, wenn er seine persönliche Bestzeit bereits erreicht hat? So könnt ihr euch besser um die gerade spannenden Aspekte von L2R kümmern und müsst nicht jeden Tag nervige Fleißaufgaben abgrasen.

Belohnungs-Overkill!

Durch die vielen Aktivitäten im Spiel bekommt ihr alle Nase lang Belohnungen. Ihr loggt euch ins Spiel ein? Belohnung! Ihr seid eine Stunde lang online! Noch mehr Belohnung! Ihr grüßt eure Gilden-Kameraden! Extra-Belohnung! Ihr nutzt die tägliche „Auto-Clear“-Funktion im Turm und kassiert sämtlichen Loot der bisher geschafften Ebenen? Massig Belohnung!Lineage 2 Revolution Turm der Anmaßung

Dazu kommen noch Belohnungen für Achievements, Titel, erforschte Monster und abgeschlossene Quests! Sogar der Echtgeld-Shop schenkt euch jeden Tag ein paar Pakete mit Kram! Jedes dieser Goodies löst ein Glücksgefühl beim Spieler aus und man jagt irgendwann wie im Rausch von Belohnung zu Belohnung.

Das motiviert ungemein und man verbringt immer mehr Zeit damit, seinen Charakter mit besserem Gear und Upgrades zu optimieren, um noch mehr Loot und Belohnungen zu bekommen.

Pay-to-Win-Bedenken?

Das Einzige, was mir ein wenig Sorge bereitet, ist der Cash-Shop. Man kann mit der Premium-Währung (Diamanten) coole Ausrüstungspakete kaufen oder sich weitere Durchgänge und „Auto-Clears“ bei den Dungeons holen. Wer zahlt, bekommt also mehr. Es gibt die Diamanten zwar auch ab und zu im Spiel, aber wer zahlt, hat definitiv einen Vorteil.Lineage 2 Revolution Charakterauswahl

Die ganze Sache schmeckt also etwas nach Pay2Win und in Korea ist es laut einigen Reddit-Usern durchaus üblich, dass man regelmäßig zahlen muss, um ganz oben im PvP mitzumischen zu können.

Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Sache hierzulande entwickelt oder ob man auch ohne Echtgeld langfristig Spaß im Spiel hat.

Jetzt weiß ich, warum Lineage 2 Revolution so beliebt ist!

Ich muss zugeben, dass ich alles andre als begeistert war, als mir der Test von Lineage 2 Revolution aufgetragen wurde. Ich habe nie etwas mit Lineage am Hut gehabt und bis auf Hearthstone habe ich nie groß am Handy gezockt. Daher habe ich nur widerwillig L2R installiert.

Nach dem ersten Schock über den Auto-Grind und nachdem ich einigermaßen kapiert hatte, wie das Gameplay funktioniert, war ich irgendwann nicht mehr zu bremsen. Wie im Rausch klickte ich mich von Feature zu Feature. Ständig gab es etwas Neues zu tun. Mal war es ein neues Dungeon, dann wieder eine neue Funktion für mein Gear, das ich noch weiter aufmotzen konnte.

Jede Verbesserung meines Helden machte ihn stärker und ich konnte wieder andere Herausforderungen angehen. Irgendwann waren dann mal 3 Power-Banks verbraucht (L2R saugt hart Strom!) und ich hatte immer noch nicht alles gespielt, was es zu tun gab.

Wenn ihr also ein motivierendes und erstaunlich tiefgründiges MMO auf dem Handy sucht, dann könnt ihr euch guten Gewissens Lineage 2 Revolution ab dem 15. November herunterladen und ausprobieren.

Jürgen Stöffel

Jürgen Stöffel begann seine Karriere als Spiele-Redakteur 2013 bei buffed und war danach Freelancer bei Gamestar, Online-Redakteur bei GIGA und dann für einige Zeit freiberuflicher MMORPG-Redakteur bei Gamestar. Als Mein-MMO dann zu Webedia kam, wurde Jürgen von Dawid mit ins Team geholt. Seit April 2017 ist Jürgen bei Mein-MMO fest dabei. Neben Online-Rollenspielen mag er vor allem taktische MMOs wie World of Tanks und MOBAs. Und zu einer Runde Borderlands oder Fortnite im Coop sagt er auch selten nein. Hauptsache, man spielt nicht alleine.

Lineage 2 Revolution im Anspiel-Test zum EU-Release – Hilfe, mein Held gehorcht mir nicht!

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