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Horizon Zero Dawn angespielt – Was können MMORPGs davon lernen?

Horizon Zero Dawn angespielt – Was können MMORPGs davon lernen?

Wir haben Horizon Zero Dawn auf dem PC gespielt und sagen euch, ob MMORPGs etwas davon lernen können.

„Wie, was? Horizon Zero Dawn auf dem PC? Wollt ihr uns veräppeln? Das ist doch ein PS4-exklusives Spiel!“ Stimmt schon, aber es gibt eine Möglichkeit, es auf dem PC zu spielen.

Nachdem das Action-Rollenspiel schon eine Weile verfügbar ist, wollten wir euch keinen regulären Test bieten. Den haben sich die interessierten Spieler vermutlich schon längst wo anders durchgelesen. Daher stellen wir euch zwar das Spiel vor und teilen euch auch unseren Eindruck davon mit – allerdings mit einem kleinen Kniff. Zudem schauen wir, was MMORPGs von dem Action-RPG lernen können.

Horizon: Zero Dawn am PC – es funktioniert!

Ich habe Horizon: Zero Dawn am PC gespielt – ja tatsächlich. Und zwar mit dem Streaming-Feature der PlayStation 4. Schnell die App „PS4 Remote Play“ auf dem PC installiert, den Dual-Shock-4-Controller per USB angeschlossen, den PC mit dem PSN-Account und der Playstation 4 verknüpft und schon konnten die Abenteuer von Heldin Aloy am Computer beginnen. Eines vorweg: Nur mit einer PlayStation 4 Pro ist es möglich, das Spiel in einer Auflösung von 1080p zu streamen. Mit meiner regulären PS4 spielte ich also in 720p. Das Streaming von der Konsole im Erdgeschoss über WLAN in den ersten Stock zum PC klappte überraschend gut.

Während der nicht ganz 40 Stunden kam es nur zu wenigen Verbindungsabbrüchen, bei denen sich das Spiel aber schnell wieder fing. Lags waren überhaupt keine zu spüren, dafür trübten ab und zu kleinere Bildfehler den Spaß.

Im Großen und Ganzen ließ sich Horizon: Zero Dawn über das PS4-Remote-Play-Feature am PC gut und flüssig spielen. Die geringe Auflösung fiel mit der Zeit kaum noch auf. Allerdings legte ich zwischendrin auch einige Spielsessions an der PS4 und am Fernseher ein, um einen direkten Vergleich zu haben. Und ich muss sagen, in 1080p sieht der Titel doch eine Spur besser und klarer aus.

Was ist Horizon: Zero Dawn überhaupt?

Doch worum geht es in Horizon: Zero Dawn eigentlich? Tausend Jahre in der Zukunft eroberte die Natur die Erde zurück. Die Menschheit fiel in ein barbarisches Stadium zurück und lebt nun in geschützten Dörfern. Maschinen, die an mechanische Dinosaurier erinnern, herrschen über die Welt.

Man selbst schlüpft in die Rolle von Aloy, die als Kind einem Ausgestoßenen übergeben wurde, der sie großzog und ihr alles beibrachte, um in der Wildnis zu überleben. Dies spielt ihr im Tutorial selbst, in dem ihr als Kind die Grundlagen erlernt und in einer der verbotenen Ruinen der vergessenen Zivilisation euren Fokus findet.

Dabei handelt es sich um ein technisches Gerät, welches die Umgebung und Objekte scannen kann und die Informationen Augmented-Reality-mäßig in das Sichtfeld einblendet. Dieser Fokus wird später im Spiel wichtig, beispielsweise, um Hinweise zu finden oder um Spuren zu folgen und Schwachstellen von Gegnern entdecken zu können.

Das eigentliche Spiel beginnt dann mit der sogenannten Erprobung, durch welche Aloy in den Stamm aufgenommen werden möchte. Doch während dieser Erprobung überschlagen sich die Ereignisse und ein hinterhältiger Überfall führt dazu, dass die Heldin als Sucherin ausgeschickt wird, um herauszufinden, was hinter dem Angriff steckt.

Horizon: Zero Dawn ist ein Action-Rollenspiel, in dem ihr eine riesige, offene Spielwelt erkundet. Der Titel weist viele Ähnlichkeiten zu The Witcher 3: Wild Hunt auf. Ihr steuert Aloy aus der Verfolgerperspektive und sprecht mit NPCs, welche oft interessante Quests für euch haben.

Beispielsweise sucht eine Frau ihren Bruder, dem Stimmen befohlen haben, jemanden zu töten. Oder eine Heilerin braucht Beruhigungsmittel, um einem Verletzten das Sterben zu erleichtern. In den Dialogen wählt ihr aus verschiedenen Optionen aus, wonach ihr fragen möchtet und könnt ab und zu sogar Entscheidungen treffen, wie ihr mit einer Person umgehen wollt.

Dennoch ist die Story linear

Seid ihr eher freundlich, neutral oder unhöflich? Dies wirkt sich darauf aus, wie dieser NPC in Zukunft auf euch reagiert. Großartige Entscheidungen, welche den Verlauf der Story maßgeblich beeinflussen, gibt es aber nicht. Die Geschichte läuft recht linear ab. Allerdings erledigt ihr neben der Hauptmission noch zahlreiche Nebenquests, die zum Teil interessante und spannende Geschichten erzählen.

Durch Quests und Kämpfe kommt ihr an Erfahrungspunkte, mit denen ihr euch neue Skills kaufen könnt. Diese erlauben es euch beispielsweise, mehr Schaden zu verursachen, mehr Items zu finden oder einen Zeitlupe-Modus zu aktivieren, mit dem ihr besser zielt. Die Kämpfe laufen actionorientiert ab.

In den Nahkämpfen wählt ihr zwischen schnellen und leichten oder langsamen und harten Attacken. Mit dem Bogen solltet ihr gut zielen, denn Pfeile sind rar und müssen erst aus gesammelten Rohstoffen gebaut oder bei einem Händler gekauft werden. Generell spielt das Sammeln von Ressourcen – beispielsweise von Heilkräutern – eine wichtige Rolle. Aloy kann außerdem mit einer besonderen Armbrust Fallen aufstellen und so ihre Feinde in einen Hinterhalt locken. Dies macht die Kämpfe taktisch. Neue Rüstungen und Waffen helfen euch dabei, es selbst mit mehreren Feinden oder großen Gegnern aufzunehmen.

Und wie ist es nun?

Horizon: Zero Dawn macht großen Spaß. In der riesigen, wunderschönen Welt gibt es immer wieder Geheimnisse zu ergründen und versteckte Items zu finden. Die Quests sind abwechslungsreich und größtenteils spannend gestaltet. Die Kämpfe machen Laune und bieten durch Versteckmöglichkeiten und Fallen viele taktische Optionen.

Ganz an The Witcher 3 reicht Horizon: Zero Dawn für mich aber nicht heran. Dazu fehlen Entscheidungen, welche den Spielverlauf verändern – und viele Quests laufen einfach zu geradlinig ab. Ich vermisste etwa die Gratwanderungen zwischen Gut und Böse, sowie schwierige moralische Entscheidungen.

Auch manche Gespräche mit den NPCs sind ein wenig oberflächlich und lassen den Tiefgang vermissen, der nötig wäre, um mit den Spielfiguren wirklich mitfiebern zu können. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau.

Denn Horizon: Zero Dawn ist eines der absoluten Highlights dieses noch recht jungen Jahres. Es lohnt sich auf alle Fälle für jeden, der nach The Witcher 3 ein neues Open-World-Rollenspiel mit einem interessanten Szenario sucht, das grafisch umwerfend aussieht, viele Quests sowie spannende Kämpfe bietet und mit einer Story punkten kann, die ein paar Überraschungen bereit hält.

Was können MMORPGs jetzt von Horizon: Zero Dawn lernen?

Guerilla Games RPG ist ein Single-Player-Spiel und das merkt man an vielen Ecken. Die Art, wie die Geschichte erzählt und wie man als Spieler langsam durch die Welt geführt wird, würde so vermutlich nicht in einem MMO funktionieren. Zwar besitzt man viele Freiheiten, doch diese eröffnen sich erst nach und nach.

Allerdings könnten sich MMORPGs etwas vom abwechslungsreichen und immer spannenden Aufbau der Welt abschauen. Die vielen versteckten Geheimnisse, die man überall entdecken kann, die Jagdgebiete, in denen sich die Maschinen tummeln und die Vorgehensweise, wie man gegen sie kämpft, würden einem MMO gut stehen. Es gibt so gut wie keinen Leerlauf bei der Erkundung der Gebiete.

Beispielsweise ist es möglich, sich auf vielfältige Weise an die Gegner heranzuschleichen, sich in hohem Gras zu verstecken und dann aus dem Hinterhalt zu attackieren, wenn der Feind gerade in eine andere Richtung schaut. Auch die Möglichkeit, Schwachstellen an Gegnern zu finden und diese mit gezielten Bogenschüssen auszunutzen, könnte in einem MMO gut funktionieren und würde Kämpfe taktischer machen.

Die Bewegungsfreiheit von Aloy, die beispielsweise auf einen Hochstand klettern kann, um von dort aus wie ein Scharfschütze zu agieren, bringt jede Menge Taktik ins Spiel und würde selbst in Gruppenkämpfen eines MMOs für Spannung sorgen.

Spannung kommt überdies dadurch auf, da sich die Lebenspunkte nicht automatisch regenerieren und man daher immer auf der Suche nach Heilpflanzen und Tränken ist, wodurch man es sich zweimal überlegt, ob man einen Kampf gegen mehrere Gegner direkt angeht oder sich doch lieber eine besondere Taktik überlegt oder um die Feinde herum schleicht. Und mal ehrlich, die Möglichkeit, Fallen aufzustellen, elektrisch geladene Drähte zu spannen und Fässer zu sprengen ist doch bestimmt etwas, das sich MMO-Fans sehr gut für einen PvP-Modus vorstellen können.

Wäre die Welt in Horizon: Zero Dawn eine Sandbox, dann hätten Gruppen von Spielern jede Menge Spaß, darin die Maschinenwesen zu jagen oder sich auch mal selbst untereinander zu bekämpfen. Das Endzeit-Szenario mit den über die Welt herrschenden Maschinen und den Menschen am unteren Ende der Nahrungskette würde sich ebenfalls für ein MMORPG eignen, da es sich wohltuend vom Fantasy-Einheitsbrei abhebt, ohne sich zu sehr davon zu trennen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass Horizon: Zero Dawn für Single-Player-Fans derzeit eine fantastische Wahl ist. Die Spielwelt und besonders das Fallen-Feature würden gut in einem MMORPG funktionieren. Und wer zwar eine PlayStation 4 besitzt, aber doch lieber am PC spielt, der bekommt mit dem PS4-Remote-Play-Feature eine Möglichkeit hierzu, die sogar richtig gut funktioniert.

Wie findet Ihr Horizon: Zero Dawn?

Andreas Bertits blickt auf über 10 Jahre Berufserfahrung im Gaming-Journalismus zurück. Er war 6 Jahre Redakteur des Spielemagazins PC Games, bevor er sich selbstständig machte und ist nach wie vor leidenschaftlicher Gamer.