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HearthStone: Goblins gegen Gnome im Test

Cortyn
PC

Es sind nun ein paar Wochen vergangen, seitdem die erste große Erweiterung für Hearthstone „Goblins vs. Gnomes“ erschienen ist. Ich hatte ausführlich Zeit, mein hart erarbeitetes Gold in der Arena zu verprassen und im gewerteten Modus viele neue Decks mit den neuen Karten auszuprobieren.

Natürlich hat sich HearthStone nicht magischerweise in ein vollkommen neues Spiel verwandelt, die Änderungen und Möglichkeiten sollten auf jeden Fall aber erwähnt werden.

Die neuen Karten: Ersatzteile, Mechs und Oger

Ersatzteile – Die kleine Extraportion Irgendwas

Hearthstone Ersatzteile

Knapp 120 neue Karten wurden dem Spiel hinzugefügt und wie zu erwarten war, ist jede davon auf ihre Weise einzigartig. Zwar gibt es eine ganze Menge Wertekombinationen, die auch vorher schon im Spiel gewesen sind, aber dann immer in Verbindung mit neuen Schlüsselworten oder eben alten Schlüsselworten mit neuen Wertekombinationen.

Besonders erwähnenswert ist die neue Mechanik der „Ersatzteile“, diese erhält man hauptsächlich durch Mech-Karten und zählen ausnahmslos als 1-Mana-Zauber. Sie haben nur einen einzelnen, relativ schwachen Effekt wie „Friert einen Diener ein“ oder „Verleiht einem Diener +1 Lebenspunkt“, doch diese kleinen Unterschiede können oft das Zünglein an der Waage des Sieges sein, vor allem, da sie als Zauber gelten und dadurch wunderbar mit altbekannten Karten wie „Erzmagier Antonidas“, „Wilder Pyromant“ oder „Goblinauktionator“ kombinierbar sind.

Mechs – Synergieeffekte bis zum Abwinken

Hearthstone Mechs

Die zweite große Neuerung ist die Einführung des Kartentyps „Mech“. Logischerweise sind das ausnahmslos Diener und zumeist irgendwelche abgedrehten Erfindungen der Goblins/Gnome. Eine Vielzahl dieser kleinen Kampfroboter verstärkt sich aber gegenseitig und je mehr Zeit verstreicht, desto bedrohlicher kann die Blecharmee werden. Gesondert genannt werden sollten hier die drei „Schredder“, die es ins Spiel geschafft haben. Diese gibt es in drei Manaklassen, entweder für 4, 6 oder 8 Mana, wobei ihre Werte ein wenig hinter den Erwartungen zurückliegen.

Was sie aber so besonders macht, ist ihr Todesröcheln-Effekt, bei dem ein zufälliger Diener beschworen wird, sobald man sie verschrottet hat. Die amüsantesten Runden sind auf jeden Fall solche, in denen aus einem Mech der „Untergangsverkünder“ aufploppt, der im nächsten Augenblick das ganze Feld vernichtet. Das ist zwar recht unwahrscheinlich, aber wenn es passiert, dann ist es denkwürdig.

Oger – Von Ninjas und Doppelköpfen

Hearthstone Oger

Die letzte „größere Gruppe“ sind wohl die Oger, auch wenn es von diesen nur eine Handvoll Karten gibt. Sie haben fast immer recht hohe Werte für ihre Manakosten (etwa 4/4 für 3 Mana) und dazu den Kartentext „50% Chance, einen anderen Feind anzugreifen“.

Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil aussieht, kann sich letztlich als Vorteil herausstellen! Denn diese Chance bedeutet auch, dass feindliche Diener mit „Spott“ in der Hälfte aller Fälle ignoriert werden und man stattdessen ein deutlich wichtigeres Ziel trifft. Aber auch abseits davon stellt es den Spieler vor die knifflige Frage: „Greife ich den Feind direkt an? Oder greife ich einen Diener an und hoffe, dass der Oger sein Ziel wechselt?“ Natürlich ist das ein schwer zu berechnender Zufallsfaktor – aber dazu später mehr.

Eine Anpassung der Philosophie

Die Erweiterung brachte auch einige Änderungen am Spielgeschehen mit sich. Während man vor knapp einem Jahr noch sagte, dass man auf gewisse Dinge bei Hearthstone sehr genau achten wolle, um Spieler nicht zu frustrieren, hat man sich davon nun ein bisschen verabschiedet. Ein Kernpunkt davon war, dass beide Spieler immer die volle Übersicht über das Spielgeschehen haben sollten und niemals Dinge passierten, die man nicht sofort nachvollziehen könne. Ein paar Karten brechen nun mit dieser Regel, so etwa der „Flammenleviathan“ des Magiers. Wird er gezogen, dann kassieren alle Charaktere auf dem Spielfeld 2 Schadenspunkte – und der Gegner des Magiers hat keine Ahnung, warum das so geschehen ist, wenn er diese Karte noch nicht kennt.

Hearthstone Goblins vs Gnome Gameboard

Ein anderer Punkt war früher, dass man niemals anderen Spielern „in die Hand greifen“ sollte – man konnte zwar Karten hinzufügen oder aus der Hand kopieren, aber niemals zwingen, etwas Bestimmtes auszuspielen. Die Karte „Ruf der Urahnen“ lässt beide Spieler nun einen Diener ablegen – das kann natürlich auch gehörig nach hinten losgehen, aber trotzdem ist es eine neue Mechanik, vor der man sich am Anfang scheute.

Obwohl man sich von alten Versprechen löst und diese (bisher nur in Einzelfällen) ein wenig auflockert, finde ich diese Schritte interessant und ungeheuer spaßig. Ein Kartenspiel wie Hearthstone kann nur über viele Jahre hinweg spannend bleiben, wenn man neue Mechaniken einführt und das ist den Entwicklern auf behutsame Weise gelungen. Selbst, wenn diese Effekte zum vollkommenen Nachteil für mich ausfielen, so waren die Ergebnisse doch stets witzig und ungeheuer spaßig. Spaß steht in Hearthstone nach wie vor über dem Sieg – und selten kann ich über Niederlagen noch so gut lachen, wie in diesem Spiel.

Zufall gegen Können – Ein Widerspruch?

Hearthstone Starthand

Einer der größten Kritikpunkte im Vorfeld war das oft auftretende Schlüsselwort „zufällig“ auf einer Vielzahl der neuen Karten.

– „Fügt einem zufälligen Diener 1-4 Schaden zu.“
– „Ruft einen zufälligen Diener für 2 Mana herbei.“
– „Verleiht einem zufälligen befreundeten Diener Spott und Gottesschild.“

Hearthstone - Sausendes Sägeblatt

Viele Zufallskomponenten = kein Skill? Weit gefehlt!

Ein Großteil der Karten verfügt in der Tat über irgendeine Komponente, die sich in vielen Situationen nicht zu 100% vorherbestimmen lässt und das ist vielen Spielern ein Dorn im Auge. Hier kann ich nur auf eine Aussage der diesjährigen BlizzCon verweisen: Wenn alles so stark vom Glück und Zufall abhängt, warum gewinnen dann stets die gleichen Spieler? Warum sind es Trump und andere bekannte Streamer, die jedes Turnier abräumen und trotz dieser „schrecklichen“ Zufallskomponenten wieder und wieder gewinnen?

Die Antwort darauf ist eigentlich erschreckend einfach: Zum „Skill“ in Hearthstone gehört es einfach dazu, den Zufallsfaktor mitzuberechnen und alle möglichen Verläufe einzuplanen – dazu gehört oft ein wenig Mathematik, aber gerade diese „Kontrolle des Zufalls“ unterscheidet oft einen durchschnittlichen Spieler von einem sehr guten.

Zufall und Können stehen sich in HearthStone nicht als Widersprüche gegenüber – zumindest nicht stärker, als in den meisten anderen Sammelkartenspielen. Wer es schafft den Zufall zu meistern, der wird in HearthStone weiterhin Erfolg haben – das war auch vorher nicht anders.

Augenblicke, die man nicht vergisst

Ein kurzes Beispiel soll verdeutlichen, wie toll die Momente sind, die einem bei Hearthstone noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

hearthstone Mistress of Pain

Herrin der Schmerzen – Eine sehr unterschätzte Karte.

Ich habe es euch ja schon in meiner Vorschau der Lieblingskarten gesagt, aber die „Herrin der Schmerzen“ gehört definitiv zu den unterschätzten Karten im Spiel! Sie ist sogar besonders gerissen, denn in einer ganz bestimmten Spielsituation gehorcht sie auch dann noch dem Hexenmeister, wenn ein gegnerischer Priester sie per Gedankenkontrolle übernommen hat.

Aber lasst mich zuerst die Karte erklären: Die „Herrin der Schmerzen“ fügt zwar nur einen Schadenspunkt zu, besitzt aber den Kartentext „Stellt jedes Mal, wenn dieser Diener Schaden verursacht, ebenso viel Leben bei Eurem Helden wieder her“. Hat der feindliche Priester nun eine solche Sukkubus übernommen und zugleich eine „Auchenaiseelenpriesterin“ mit dem Text „Eure Karten und Fähigkeiten, die Leben wiederherstellen, verursachen stattdessen nun Schaden“ auf dem Feld, dann muss man nur noch etwas in die Sukkubus reinlaufen lassen – und das irre Ergebnis betrachten.

Die Sukkubus verursacht Schaden am Diener, also heilt sie den feindlichen Priester um 1. Da die Auchenaiseelenpriesterin auf dem Feld ist, wird diese Heilung in Schaden umgewandelt. Da dank der Auchenaiseelenpriesterin die Sukkubus erneut Schaden zugefügt hat, heilt sie den Priester erneut um 1, auch das wird wieder in Schaden umgewandelt… und so weiter, und so weiter. Diese Kette wiederholt sich nun endlos, bis der Priester stirbt.

Dies ist nur ein Beispiel von vielen, die „Goblins gegen Gnome“ so denkwürdig machen.

Neue Decks sind stark, alte Decks noch stärker

Obwohl in den letzten Wochen eine ganze Menge neuer Decks aufgetaucht sind, die sich auch äußerst effektiv spielen lassen, wie etwa der Tempo-Magier von Reynad, so kristallisiert sich doch langsam heraus, dass vor allem die altbewährten Decks von den neuen Karten profitieren. Gerade der Kontroll-Krieger, der Handlock-Hexenmeister und der Face-Hunter erfreuen sich höchster Beliebtheit. Zumindest in den mittleren Rängen gibt es kaum ein Spiel, in denen man wirklich eigene Kreationen der Spieler sieht und das finde ich ein wenig schade.

Obwohl sich mit den neuen Karten zahllose neue Optionen bieten, vertrauen die meisten Spieler immer noch nur auf das, was sie in einem Stream gesehen haben – das ist schade und mitunter recht langweilig. Es bleibt zu hoffen, dass sich in den nächsten Wochen ein bisschen mehr Experimentierfreudigkeit in der Community breitmacht – das Handwerkszeug hat man von Blizzard an die Hand gegeben bekommen, jetzt muss man es nur noch benutzen.

Hearthstone Arena Deck

Ein kleines Extra: Der Zuschauermodus

Besonders Veranstalter von Turnieren freuen sich natürlich über das neue Feature, denn HearthStone hat endlich den lange erwarteten Zuschauermodus bekommen. Mit nur einem Klick ist es möglich, die Spiele von Freunden in Echtzeit zu betrachten und ihnen dann über Skype oder Chat wertvolle Tricks oder hämische Kommentare an den Kopf zu werfen – in jedem Fall ist es ungeheuer amüsant und verleiht dem Spiel eine ganz neue, soziale Komponente.

Erfahrene Spieler können Neulinge so leichter unterstützen und ihnen bei ihren ersten Spielen helfen, damit sie nicht permanent von einem Zoolock-Hexenmeister überrollt werden. Besonders gut gefällt mir die Tatsache, dass man die Karten beider Spieler sehen kann, solange man beide Spieler in der eigenen Freundesliste hat – nerviges Zusammenschneiden von Bildern für Turniere gehört damit der Vergangenheit an.

Auf Wunsch kann man natürlich alle Zuschauer aus dem eigenen Spiel hinauswerfen, falls man gerade keine Lust auf neugierige Augen hat.

Fazit – Mehr vom Guten

Hearthstone Karten Goblins gegen Gnome

Goblins gegen Gnome: Faires Preismodell und eine gute Ergänzung zu den vorhandenen Karten.

Kurz zusammengefasst sollte die Erweiterung alle Fans des Kartenspiels vollkommen zufriedenstellen. Die neuen Karten ergänzen die bereits vorhandenen optimal und das Potenzial für viele, viele Eigenkreationen unter den Decks ist auf jeden Fall vorhanden.

Die „GvG“-Kartenpakete kosten darüber hinaus genau so viel wie die alten und können auch über den Arenamodus erspielt werden – fairer geht eine Preisgestaltung kaum. HearthStone zählt nach wie vor zu einem der ganz wenigen Spiele, bei denen das „Free2Play“ kein Negativaspekt ist und wer bisher noch nicht in Blizzards Kartenspiel hineingeschaut hat, der sollte das möglichst bald tun – denn es locken drei kostenlose Kartenpakete und natürlich ein ungemein motivierendes, amüsantes und kurzweiliges Spiel.