GameStar.de
› Final Fantasy XIV Test: Nach 300 Stunden bin ich immer noch der Noob
Final Fantasy XIV Heavensward - Dark Fantasy

Final Fantasy XIV Test: Nach 300 Stunden bin ich immer noch der Noob

Warum gibt’s eigentlich so wenige Tests zu Final Fantasy XIV Heavensward? Lohnt sich das Spiel denn? Wir haben uns das mal angeschaut.

Zwei Jahre nach Release noch kein Test auf Mein-MMO zu Final Fantasy Heavensward? Wie kommt das?

Nun, Gaming-Journalisten und Final Fantasy XIV: Das ist eine Sache für sich. Das MMORPG ist fast nicht zu testen.

Final Fantasy XIV: Story-locked – Ein Albtraum für Journalisten

Als „Heavensward“, die letzte Erweiterung für das MMORPG Final Fantasy XIV (PC, PS3, PS4) im Juni 2015 herauskam, wollte der MMORPG-Autor von Kotaku, Mike Fahey, ein Review über Heavensward schreiben. Er bereitete ein Test-Tagebuch vor, an dem er scheitern sollte.

FFXIV - Final Fantasy XIV Artwork HeavenswardDas Problem: Um allein die neue Erweiterung in FF14 zu spielen, muss man durch die Story des Original-Spiels durchquesten. Und das ist keine Sache, die mal so eben geht, denn die Hauptquest wächst mit Patches immer weiter an. Man muss nicht nur „normal questen“ wie in anderen Spielen, sondern auch in Instanzen rein, Endgame-Content erledigen.

Denn Final Fantasy XIV ist tatsächlich „Story-locked.“

Fahey startete auf Kotaku ein „Log-Buch“ für seinen Final-Fantasy-Heavensward-Test:

  • Heavensward erschien am 23. Juni 2015. Mit Early Access konnte man aber schon am Freitag, dem 19. Juni, rein.
  • In der ersten Ausgabe am 20. Juni schrieb der Tester: „Oh je, ich kann’s gar nicht testen, ich muss ja erst alles nachholen.“ Aber macht Euch keine Sorgen, ich hol das jetzt auf!
  • In der zweiten Ausgabe, am 13. Juli, – also knapp 3 Wochen später – hieß es dann: „Na ja, ich hab einen neuen Charakter angefangen, um eine neue Klasse in Heavensward zu sein. Der Maschinist hat bei Level 30 angefangen und ist nun Level 46.“ – Da war also noch nichts von Heavensward gespielt.
  • In der dritten Ausgabe, die zwei Wochen später, am 26. Juli erschien, meldete sich Fahey dann erneut: Ja, ich hab jetzt Level 54 und es ist bisher ganz cool. Ich mach jetzt eine Pause und dann melde ich mich wieder.
    Final Fantasy XIV Maschinist

    Final Fantasy XIV: Maschinist

Und damit endete der Test der US-Seite Kotaku zu Final Fantasy XIV Heavensward. Mehr als 1 Monat Final Fantasy XIV Heavensward – und bis Level 54 hat er’s gebracht, bevor er aufgeben musste.

Ich kann Fahey verstehen, denn mir ging es genauso.

Final Fantasy XIV Heavensward – Das sagt Metacritic

Gut, zugegeben, auf anderen Seiten erschienen dann Tests zu Heavensward. Metacritic kennt 14 Tests für die PC-Version mit einem Schnitt von 84%, die PS4-Version bekam in 20 Tests 86%.

Die Test stellten das Spiel vor, sagten auch, wie die allgemeine Qualität einzuschätzen ist – fassten das Wichtigste zusammen und die Sache war gegessen.

Das Urteil war: “Überdurchschnittlich gut, starke Story, gute Quests – vielleicht ein bisschen monoton.”

Wie viele Stunden da nun jeder Tester genau an Heavensward saß, wie weit er es gebracht hat, ob er wirklich auf Stufe 60 war und das MMORPG voll testen konnte, das wissen wir nicht.

Final Fantasy XIV Heavensward – Ein Test – 2 Jahre nach Release der Erweiterung

Ich will gestehen: Mir ging’s genauso wie dem Autor von Kotaku. Ich hab Heavensward beim ersten Versuch auch mit Level 54 abgebrochen. Die erste Zone durchgequestet – die zweite so halb angebissen, in einer dritten mal vorbeigeschaut. So weit habe ich es im Sommer 2015 gebracht.

Ich hatte in der Vorbereitung zu Heavensward noch brav die „alten“ Hauptquests erledigt, alle Primae gekillt und mich im Schnelldurchlauf durch die Quests gemogelt, um in die neuen Gebiete zu kommen, aber mit Level 54 war dann der Drive verschwunden. Ich hing irgendwo in Heavensward fest.

Von Fliegen am Anfang nichts zu sehen, Quests endlos

Von dem tollen Fliegen, von dem im Vorfeld die Rede war, hatte ich noch nichts gesehen.

Final-Fantasy-Pegasus

Fliegen wird in Heavensward für jede Zone seperat freigeschaltet, wenn man sie erkundet und durchgequestet hat.

Heavensward war für mich eine endlose Reihe von Quests, die … ja, einfach nicht zu enden schien. Final Fantasy XIV ist ein MMORPG der alten Schule. Die Quests bestehen oft aus Schritten wie „Lauf dahin und red mit dem, komm dann zu mir zurück und ich sag dir, wie’s weitergeht“ oder „Gehe dort hin und töte 5 von denen und dann komm zurück und ich schick dich wieder dahin, aber 10 Meter weiter nach links und dann tötest du 3 von den anderen.“

2017 habe ich es durchgezogen

Erst Anfang 2017 hab ich mich wieder dran gesetzt und es durchgezogen. Ich hab mich einen Monat vorm Questen auf der Höchststufe gedrückt, hab ewig die verschiedenen Jobs ausprobiert, mit jeder Klasse zwei, drei mittelstufige Instanzen gemacht, alle Jobs und Klassen erstmal auf Stufe 30 gebracht, um in den Final-Fantasy-XIV-Groove zu kommen.

Dann hab ich die Zähne zusammengebissen, bin nach Heavensward als Barde und hab in einer Art Trance-Zustand meditativ 400 oder 600 Quests erledigt, bin in ein Dutzend Instanzen gelaufen, hab das Fliegen freigeschaltet und bin fast im Endgame von Heavensward angekommen.

Und ja: Ich bin ziemlich stolz auf mich.

Dabei war es eigentlich ganz nett, wenn ich mich auch die ganze Zeit wie ein Noob gefühlt habe.

Das Leben als Noob mit Stufe 60

Es ist ein erstaunliches Gefühl, so stark in einem MMORPG hinterherzuhinken, wie ich das in Final Fantasy XIV tue. Denn das Spiel zwingt mich in Gruppen mit Spielern, die all das zum achthundertsten Mal machen, was für mich „Neuland“ ist.

Durch das Instanzen-System von Final Fantasy XIV sind die normalen „Level-“ und „Quest-Instanzen“, die man als Neuling besucht, auch die Grind-Instanzen für Spieler, die längst im Endgame sind und routinemäßig jeden Tag eine Handvoll von denen erledigen, um an Marken heranzukommen.

Final-Fantasy-14-Update-3.4-01Das heißt für mich:

  • In jeder Instanz bin ich der „kleinste“ – andere DDs haben fast das Doppelte meiner Lebenspunkte
  • Die teilweise komplexen Instanzen werden mir als Neuling kaum erklärt, weil jeder davon ausgeht, dass ich die auch kenne und vielleicht mit einem Zweit-Account dabei bin. Manchmal murmelt nur einer „Mach das, was alle anderen machen“ oder man rezzt mich halt im Kampf, wenn ich irgendeine Boss-Mechanik verpeilt und den Schurken angesehen habe, wenn ich lieber wegsehen hätte sollen. Mittlerweile hab ich aber gelernt, mich vorher per Guide über die wichtigsten Herausforderungen zu informieren.
  • Zumindest bin ich als Neuling in diesen Gruppen willkommen, denn meine Anwesenheit sichert den Veteranen Bonus-Marken – ich wurde also nie angeschnauzt oder unfreundlich behandelt, wenn ich aber auch das Gefühl hatte, der Typ zu sein, der in den eigentlich verbotenen DPS-Metern noch unterm Heiler steht.
  • Meinen Status als Noob merke ich nicht nur in Instanzen, sondern auch im Geldbeutel meiner Heldin, einer adretten Katzenfrau. Im Auktionshaus gibt es zwar Items, die ich mir kaufen könnte und die mir weiterhelfen würden, die sind aber zu teuer und für mich außer Reichweite. In der Welt von Eorzea bin ich ein armer Schlucker.

Aktuell hab ich die Solo-Spielinhalte und die Gruppen-Instanzen fast komplett durch, nur die letzten Quests, die mit den neuesten Patches kamen, fehlen mir noch. Denn: Auch nach dem Release von Heavensward wurde die Story stetig weiterentwickelt. Und: “Final Fantasy XIV Heavensward ist Story-locked.”

Um die „letzten Story-Instanzen“ zu betreten, braucht man ilvl 230 – das „Standardmarken-Gear“ einmal komplett auf allen Slots. Dafür fehlen mir aktuell noch 2 Teile – und das obwohl ich schon wieder 3 Monate regelmäßig im Spiel unterwegs bin. Zugegeben, nicht mehr jeden Tag so lange wie beim Hoch-Leveln, aber einige tägliche Aufgaben erledige ich nach wie vor.

Man merkt, dass Final Fantasy XIV darauf ausgelegt ist, den Spielern über die komplette Dauer der Erweiterung, über 2 Jahre hinweg, etwas zu tun zu geben. Wer erst am Ende reinschaut, hat einen ziemlichen Berg Content vor sich.

Final Fantasy XIV ist Hardcore

Ich habe also nicht alles in Heavensward gesehen, aber damit bin ich nicht der einzige. Denn Final Fantasy XIV ist Hardcore. Um die neuen Haupt-Quests zu erleben, muss man die vorherigen erledigt haben. Und um die zu erledigen, muss man tatsächlich „Gear farmen“, ein entsprechend hohes Itemlevel haben, um die Quests zu erledigen. Denn die Quest sind an Instanzen gekoppelt.

Um das entsprechende Gear-Level zu erreichen, heißt es: Marken farmen und die für Gear einlösen.

Auch nach intensivem Spielen und täglicher Routine in Prüfungen und Quests fehlen mir noch 2-3 Tage für die letzten Schritte.

Final Fantasy XIV: Man muss da wohnen – Nichts für Touristen

Das Gear-Farmen hab ich in früheren MMORPG, die ich leidenschaftlich gespielt habe, natürlich auch gemacht. Aber nur, um später zu raiden. Ich habe Gear nur bei MMORPGs gefarmt, die ich „wirklich ernsthaft jeden Tag spielen wollte“ – Games, mit denen ich sozusagen verheiratet war, in denen ich gewohnt habe.

Bei Spielen, in denen ich nur zu Besuch war, kam ich nie auf die Idee, mich mit diesen Spiel-Mechaniken zu beschäftigen und zu farmen.

Bei Final Fantasy XIV hab ich diese Option nicht, „nur zu Besuch zu sein“ – wenn ich die Story erleben will, dann muss ich mich zusammenreißen und Marken farmen. Final Fantasy XIV nur so als „Casual“ zu spielen, ein bisschen zu twinken und sich umzusehen, ist praktisch nicht möglich. Man muss sich mit dem Endgame von Heavensward beschäftigen.

Okay … dann spiele ich es halt richtig

Also habe ich irgendwann beschlossen: Okay, dann spiel ich es halt „richtig.“

Nur bei einem zieh ich die Grenze: Ich hab mir in einem Anfall von Übermut mal angeschaut, was ich tun müsste, um die Quest für die Reliktwaffen, die Anima-Waffen, zu beginnen. Da hat mich aber die Fratze des Grinds so herzlich hässlich angelächelt, dass ich noch während der Questannahme zitternd zusammengebrochen bin und die Quest aus dem Log gelöscht haben.

final-fantasy-14-stormblood

Und Stormblood kommt auch bald …

Ich gestehe: Auch wenn die Geschichte und Welt von Final Fantasy überall hochgelobt werden – Ich will die Story eigentlich gar nicht erleben. Um mir nach jeder Quest minutenlang Cutscenes anzuhören, bin ich dann doch zu sehr MMORPG-Tourist, ganz egal, wie gut die gemacht sind.

Aber: Ich bin auf die nächste Erweiterung von Final Fantasy XIV und auf das Asia-Setting scharf!

Um die nächste Erweiterung „Stormblood“ zu spielen, muss ich die Story durchspielen! Denn um nach Stormblood zu kommen, muss man die Haupt-Story in Heavensward abgeschlossen haben. Denn: “Auch Final Fantasy XIV Stormblood wird Story-locked sein.”

Ich bin wirklich gespannt, wie die Kollegen Tester das diesmal hinkriegen.

Bei Square Enix überlegt man gerade, den Leuten anzubieten: Hey, wir ersparen Euch das Questen und lassen Euch gleich mit Stormblood anfangen, wenn Ihr dafür zahlt. Ein “Story-Boost” sozuagen. Für Außenstehende mag das sehr seltsam klingen, für Spieler von FF14 ist es nur logisch.

Fazit: Wie war’s denn nun?

Nach geschätzten 300 Stunden Spielzeit kann ich Final Fantasy XIV Heavensward empfehlen – vor allem für MMORPG-Veteranen, die sich tief und eingängig mit einem Spiel beschäftigen möchten.

Es ist für mich ideal, um abzuschalten. Zwei oder drei Stunden am Abend mit dem MMORPG zu verbringen, um in einer Gruppe eine Instanz zu bewältigen oder alleine zu farmen. Das Kampfsystem wirkt nur am Anfang ein bisschen zäh und lahm – das macht mit der Zeit schon richtig Laune. Zumal die Bosskämpfe und Instanzen deutlich abwechslungsreicher sind als das, was ich im Grundspiel als Solo-Spieler mitbekommen habe.

Final Fantasy XIV HeavenswardAlles, was ein MMORPG neben dem Kämpfen sonst noch bietet, das macht Heavensward wirklich toll. Das Craften und Sammeln habe ich noch in keinem MMORPG so gerne gemacht wie in Final Fantasy XIV. Sogar das Angeln ist cool. Das Kartenspiel “Triple Triad” macht Laune und weckt den Sammeltrieb. Andere Aktivitäten wie die “Pet-Battles” habe ich in meiner Spielzeit noch nicht getestet – ein Zeichen dafür, wie viel es in Final Fantasy XIV zu entdecken gibt.

So viele Features und Aktivitäten

Es gibt wahnsinnig viele Features: Wie in WoW kann man “Begleiter” sammeln und dann auf Missionen schicken. Allzu komplex ist dieser Teil des Spiels im Moment aber noch nicht.

Beim Leveln gibt es Kopfgelder, nach denen man jagen kann. Dynamische Fates funktionieren wie Events über alle Zonen des Spiels verteilt. Oder man geht ins Endlos-Dungeon und knallt da 10 Stufen am Stück wie in einem Dungeon Crawler runter.

Für Final Fantasy XIV muss man aber auch eine gewisse Grind-Resistenz mitbringen. Wer sich auf diesen “Animawaffen-Grind” einlässt, der muss schon hardcore sein. Mein Ding wäre das nicht.

Wer auf Action und “was schnelles Neues” steht, der ist aber bei anderen MMORPGs vielleicht besser aufgehoben.

Auf Final Fantasy XIV muss man sich einlassen. Nur eine Stippvisite – das wird sich hier kaum lohnen. Wer sich auf Final Fantasy XIV einlässt, den erwartet ein Abenteuer.


Das Handwerk in Final Fantasy XIV hat einen eigenen Artikel verdient:

Final Fantasy XIV: Crafting ist fantastisch in FF14! – Aus diesen 5 Gründen

Schuhmann
Schuhmann, das L steht für Niveau.
Final Fantasy XIV Heavensward - Dark Fantasy

Final Fantasy XIV

PC PS3 PS4