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Interview zur Story: Final Fantasy XIV gibt keine Garantie auf Happy End

Interview zur Story: Final Fantasy XIV gibt keine Garantie auf Happy End

Keine Garantie auf Happy End bei Final Fantasy XIV

Auf der Gamescom trafen wir den Producer und die Haupt-Schreiberin von Final Fantasy XIV. Sie verrieten im Interview, wie der Prozess hinter dem Schreiben der Geschichte des MMORPGs aussieht. Das Gameplay und die Spiel-Erfahrung stehen an erster Stelle. Die Geschichte soll das Spiel ummanteln und den Content unterstützen. Eine Garantie auf ein Happy-End gibt es bei Final Fantasy XIV nicht.

Naoki Yoshida ist der Producer und Director von FFXIV und Natsuko Ishakawa ist die Haupt-Schreiberin des MMORPGs. Die beiden standen auf der Gamescom 2017 zu einem Interview bereit und erklärten, welche Rolle die Geschichte von Final Fantasy XIV für sie spielt und welche Prozesse damit verbunden sind, Geschichten in einem MMORPG zu erzählen.

Sie gaben außerdem einen Einblick, was für sie eine gute Geschichte ausmacht. 

Die Story ist wichtig für die gesamte Spielerfahrung – Sie unterstützt den Content

Bei Final Fantasy XIV schwärmen die Fans immer wieder von der genialen und rührenden Story. Sie ist liebevoll, bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und die Verknüpfungen einzelner Handlungsstränge sind stimmig. So tauchten einige Charaktere, die man Jahre in FF XIV vermisst hatte, in Erweiterung Stormblood wieder auf, ohne fehl am Platz zu sein.

Man könnte meinen, dass ein MMORPG, das so bekannt für seine atemberaubende Story ist, auch seinen Fokus darauflegt. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus.

Yoshida betonte, dass Gameplay und Spiel-Erfahrung bei FFXIV immer an erste Stelle stehen und die Geschichte danach kommt. Die Story ist hier Mittel zum Zweck, um den Content hervorzuheben und einzigartig zu gestalten. Yoshida erklärte diesen Prozess anhand des neuen Features Schwimmen.

Mit der Erweiterung Stormblood konnten Spieler zum ersten Mal in FFXIV Schwimmen und Tauchen. Dieses Feature wollte Yoshida schon im Game haben, als er die Produktion von Final Fantasy XIV 2010 übernahm.

Es war den Game-Designern klar, dass Schwimmen ab Level 63 freigeschaltet werden und irgendwie an einen Boss-Kampf gebunden sein sollte. Als diese Details ausgearbeitet waren, kamen Ishikawa und ihr Team ins Spiel.

Die Designer fragten die Autoren, wie man das Schwimmen als neues Feature interessanter gestalten könnte.

Das Szenario-Team dachte sich darauf einen Teil der Haupt-Quest aus, der das Schwimmen für die Spieler freischaltet. Um eine uralte Fehde zwischen zwei Unterwasser-Völkern schlichten zu können, wird dem Spieler die Fähigkeit geschenkt, unter Wasser atmen zu können. Schwimmen wird also nicht einfach durch das Erreichen von Level 63 freigeschaltet, sondern die Spieler müssen es durch eine Unterwasser-Quest erarbeiten.

Das Szenario wurde um das Schwimmen herumgeschrieben.

stormbloodtauchen

Ishikawa verknüpft die Szenarien der Schreiber-Gruppen und sorgt für einen Fluss

Die Schreiber sind in mehrere Gruppen unterteilt, die sich auf unterschiedliche Gebiete der Geschichte konzentrieren. Als Haupt-Schreiberin hat Ishikawa den Job, einen nahtlosen Übergang zwischen den Szenarien zu kreieren.

Es gibt ein Quest-Team, das in zwei Gruppen aufgeteilt ist. Die eine Gruppe ist hautptsächlich mit dem Schreiben beschäftigt und die andere überlegt, wie man diese am besten im Spiel umsetzt. Ishikawa kontrolliert beide Gruppen auf Qualität und bestimmt das Tempo. Sie erstellt die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Szenarien und muss vor allem aufpassen, dass keine Überschneidungen oder unlogische Verknüpfungen passieren.

Bei den Szenarien gibt es verschiedene Bereiche, die unter den Schreibern aufgeteilt werden. Da gibt es Job-Quests, Raid-Quests oder Sammel-Quests. Das Schreiber-Team wird immer gefragt, wer an welcher Kategorie arbeiten möchte. Hebt jemand seine Hand für ein bestimmtes Story-Projekt, übernimmt er oder sie die Verantwortung dafür und setzt es in die Tat um.

Deswegen, so Ishikawa, brauche ein Schreiber für so ein komplexes MMORPG mehr als Skill und Schreib-Erfahrung. Die Fähigkeit zum Teamwork steht ganz oben an, da jedes Zahnrad ineinander greifen muss.

Eine gute Geschichte muss die Realität zeigen – Auch in einer Fantasy-Welt

Das gesamte Team von FFXIV hat mit seinen Methoden eine der besten Geschichten im MMORPG geschaffen. Darüber sind sich viele Experten und die Fans einig.

Was aber macht für die beiden führenden Köpfe Yoshida und Ishikawa eine gute Story aus? 

Producer Yoshida: “Ich denke viel darüber nach, was Gerechtigkeit ist. Was ist gut? Was ist böse? Schaut man sich die Realität an, ist Ungerechtigkeit immer noch stark vertreten. Menschen wachsen mit unterschiedlichen Hintergründen auf. Bildung, Religion, Werte und Erfahrungen haben einen Einfluss auf das Handeln der einzelnen Menschen. Jeder vertritt einen anderen Standpunkt. Man muss das Gute und das Böse einer Person zeigen und diese Elemente zusammenführen. Wenn ich jemanden bitte, für mich eine Story zu schreiben oder selber eine schreibe, möchte ich immer alle Aspekte eines Menschen beleuchtet haben.

In Games ist es oft so, dass man den letzten Boss erschlägt und alles ist dann Friede-Freude-Eierkuchen. Aber das ist nicht die Wahrheit. Wenn die Welt so einfach wäre, gäbe es keine Kriege und Ungerechtigkeiten. Aber das ist noch immer die Realität für uns. Wir möchten vor diesem Fakt nicht davonlaufen, sondern entscheiden uns, die Realität darzustellen.”

Haupt-Schreiberin Ishikawa: “Wir möchten den Konflikten der Menschen im Angesicht gegenüberstehen. Jeder denkt unterschiedlich und es gibt mehr als schwarz und weiß. Es muss nicht sein, dass es ein “Happy End” gibt. Manchmal gibt es Konflikte, bei denen wir kein gegenseitiges Verständnis erreichen und das ist die Realität. Wir möchten in der Welt von Final Fantasy zeigen, dass Licht und Schatten zusammengehören.”

Naoki Yoshida (l.) und Natsuko Ishakawa (r.)


Unser FFXIV-Experte und Chefredakteur Schuhmann hat sich durch die Erweiterung Stormblood gespielt. Auch wenn die Story der Erweiterung ihn ein wenig an Star Wars erinnert hat, findet er sie herausragend.

QUELLE Gruppen-Interview mit yoshida und ishikawa
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