Final Fantasy XIV: A Realm Reborn im Test: Gereift und gewachsen

Final Fantasy XIV: A Realm Reborn im Test: Gereift und gewachsen

Ein Test der PS4-Version von Final Fantasy XIV: A Realm Reborn ist nicht nur ein Check, wie sich das Spiel auf der neuen Plattform macht, sondern zeigt auch, wie wichtig ein Reifeprozess für jedes MMO ist.

Als Tester bekommt man meistens die erste Fassung eines Spiels unter die Griffel und ist dazu gezwungen, über so manche Kinderkrankheit hinwegzusehen. Bei Final Fantasy XIV: ARR sind diese Kinderkrankheiten verschwunden und man hat es mit einem ausgereiften und über die Jahre polierten Spiel zu tun.

Das war nicht immer so. 2010, als das Pay-to-play Game zuerst erschien, hagelte es desaströse Kritiken. Das Spiel zog den Unmut der Fans auf sich. Square Enix, wie eine Fußballmannschaft in Abstiegsnot, zog die Notbremse und heuerte mit Naoki Yoshida einen Feuerwehrmann an. Der machte Tabula Rasa, wischte den Tisch leer, zog das Spiel aus dem Verkehr und brachte es später als A Realm Reborn neu heraus. Nun ist nochmal etwas Zeit vergangen und das wiedergeborene Final Fantasy hat einen vielbeachteten Port auf die Playstation 4 hinter sich. Das erlaubt uns einen erneuten Blick auf ein Game, das mittlerweile poliert und technisch auf der Höhe ist.

Die Playstation 4 befreit FF 14 aus zu engem Rahmen

Dem Gestaltungsdrang von Yoshida konnte die Playstation 3, das war ein Wermutstropfen, nicht genug Platz bieten. Wo man auf der PS3 noch mit FPS-Einbrüchen und flimmrigen Kanten zu kämpfen hatte, sieht es auf der Next-Gen besser aus. In 1080p kommt die PS4-Version an das heran, was Besitzer eines High-End-PCs schon länger genießen können: Eine ungewöhnlich gestaltete Welt mit flashigem Asien-Touch und schönen Ideen. Gerade bei FATES, dynamischen Ingame-Events, stieß die PS3-Version wegen des Wimmel-Faktors an ihre Grenzen. Auf der PS4 läuft FF XIV flüssig, auch wenn über 200 Spieler gleichzeitig an den Events teilnehmen.

Final Fantasy XIV: PS4

Für ein MMO auf der Konsole, das auch Cross-Plattforming unterstützt, immer ein heikles Thema: Der Controller. Zwar ist FF XIV mit allen möglichen Controller der PS4 spielbar, ein bisschen besser geht es freilich immer noch, wenn man sich mit Tastatur und Maus bewaffnet. Besonders mit der Zielauswahl hatte ich so meine Probleme, die auf dem PS4 Controller nicht ganz so präzise vonstatten geht.

Aber das mögen eingefleischte Konsoleros anders sehen. Mancher hält ja auch Maus und Tastatur ausschließlich für die Arbeitsgeräte von Bürohengsten und desinfiziert die eigene Konsole, wenn sie mit diesen Bedienwerkzeugen der Bourgeoise nur flüchtig in Berührung kommt. Zugegeben: Spielt man FF 14 mit dem Controller, erweist sich der 2,5-Sekunden-Global-Cooldown als nicht so langwierig wie bei der Maus/Tastatur-Steuerung. Darüber hinaus ist die Steuerung intuitiv und durch die Schnellzugriffe über die hinteren Tasten lassen sich die Fähigkeiten gut auslösen, wenn man sich daran gewöhnt hat. Das Touchpad, sogesehen die “falsche Maus”, hilft dabei, um sich besser durch die Menüs zu wühlen.

Ein unterschätzter Vorteil der PS4-Version: Die Benutzeroberfläche wirkt, dank der höheren Auflösung, weniger störend und lässt genug Platz für die Action. Dadurch ist der Bildschirm nicht so zugemüllt und das Spiel hat mehr Platz, um zu wirken. Vielleicht eine Änderung, die vielen nur unterbewusst auffällt, aber einige werden sie spüren. Deutlicher auf das Spielgefühl schlägt sich die erhöhte Sichtweite nieder. Dadurch kommt es einem nie so vor, als würden Mobs so plötzlich auftauchen wie Papp-Ungeheuer in einer Geisterbahn. Nie wieder können sich die Viecher an einen heranschleichen und den Kampf mit einem Vorteil starten, der nur an der schwachbrüstigen PS3 liegt.

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In diesem Video könnt ihr zusammengefasst die Besonderheiten der PS4 Version anschauen. Besitzer der PS3 Version können übrigens noch bis zum Ende diesen Jahres kostenlos auf die nächste Generation wechseln.

FF XIV ist spielerisch enorm gereift

Der Vorteil bei einem MMO, das auf einer Konsole neubeginnt, aber schon Jahre auf dem Buckel hat: Es startet mit viel mehr Content als ein Frischling – und der Content ist poliert und erprobt.

Final Fantasy XIV unter der künstlerischen Leitung von Naoki Yoshida ist zu einem wunderschönen Spiel mit viel Seele gereift, man kann es nicht anders sagen. Die Patchnotes waren in der Vergangenheit seitenlang und würde man sie zusammennehmen und zu einem Buch binden, könnte man damit sicher wen erschlagen: All die Arbeit hat sich bezahlt gemacht.

Mit neuen Bosskämpfen, einem klassisch-orientierten, ausgereiftem Gameplay und Features wie dem Housing präsentiert sich Final Fantasy XIV in dieser Inkarnation als Alternative zu eher westlichen MMOs. Dabei ist FF XIV trotz des Asien-Einschlags mit dem westlichen Geschmack im Hinterkopf designet und erinnert in vielen Gameplay-Situationen am ehesten an eine Mischung aus Guild Wars 2 und Star Wars: The Old Republic (okay, mit einem kräftigen Schuss Tera im Mix).

Final Fantasy XIV

Die Präsentation der Story erfolgt in Cut-Scenes, wodurch einem auch dann klar ist, wer wer ist, wenn einen das normalerweise nicht interessiert. Die epischen Höhen, zu denen sich die Story auch zu Beginn schon aufschwingt, erinnern jeden Spieler ständig daran, dass er hier ein Final-Fantasy-Game zockt.

Auch im Konzept des Spiels, dem Design-Zeug, das man schon auf der Papierform für gut oder schlecht halten kann, bringt das Game mit einem besonderen Klassen- und Job-System neue Impulse in das Genre. 8 Klassen gibt es zum Start, mit Level 10 kann man in eine andere wechseln, dort neu leveln und so Fähigkeiten freischalten. Ab 30 öffnen sich neue Karrieremöglichkeiten: die Jobs. Durch die Kombination von zwei Basisklassen wird man im neuen Job zu einem Spezialisten. In Gruppen mit anderen Fachleuten der Zerstörung läuft man nun zu Hochform auf. Durch das komplexe System kann man sich das Twinken sparen.

Die Stärken und Schwächen von Final Fantasy XIV auf einem Blick (PC/PS4)

Hier geht es zwar primär um den Test der PS4 Version, vor allem hinsichtlich des Spielgefühls und der Features. Auf die Spiel-Inhalte möchte ich an dieser Stelle dennoch – zumindest kurz – eingehen. Diese Wertungen gelten gleichermaßen für die PC-Version, die ich eigentlich auch primär spiele.

Wunderschön gestaltete Welt. Wenn sie nur offener wäre…(9/10)

Sowohl die idyllischen Landschaften als auch die prachtvollen Städte sind ein Augenschmaus und fördern das Eintauchen, die Immersion, in die virtuelle Welt von Eorzea. Ein Bonus-Sternchen hat sich Final Fantasy für den eigenwilligen Art-Style und den symphonischen Soundtrack verdient.

Umgebung bei Final Fantasy XIV

Es gibt an der fotorealistischen Grafik eigentlich kaum was auszusetzen. Es existieren vielleicht nur ein oder zwei MMOs auf dem Markt, die hier mithalten können. Technisch wird die PS4-Version den Anforderungen gerecht, die das Spiel stellt. Es sieht nach Next-Gen aus, wenn Ihr wisst, was ich meine. Einziger Kritikpunkt ist, dass die Spielwelt nicht immer so offen ist, wie einem auf dem ersten Blick suggeriert wird. Die häufige Instanzierung ist wahrscheinlich noch der PS3 geschuldet.

Der Einstieg wirkt etwas zäh und ist solo-lastig (6/10).

Die vielen Tutorials zu Anfang haben auf MMO-Veteranen eine ermüdende Wirkung. Außerdem ist das Navigieren auf der Karte zu umständlich und erfordert Eingewöhnungszeit.

Erst ab Stufe 15 ziehen das Gruppenspiel und damit auch das MMO an. Für mich wird FF XIV auch erst ab dann wirklich interessant, da sich ab Stufe 15 das vielseitige Gameplay nach und nach öffnet.

Das Quest-System ist leider eintönig. Doch die Hauptgeschichte glänzt (7/10).

Kreative Aufgaben sind Mangelware. Kill- und Sammelquests gehören natürlich zu einem MMO, wie Chocobos zu Final Fantasy. Hier wurden sie aber dann doch ein wenig überstrapaziert. Ich hätte mir hin und wieder vom Schema F abweichende Quest-Mechaniken gewünscht. Ein paar willkommene Ausnahmen gibt es: Auf Level 50 taucht zum Beispiel die Hildibrand-Questreihe auf, die einem spannenden Krimi ähnelt. Sie weckt den Detektiv, der in jeden von uns schlummert, und gibt ihm Futter. Sherlock Holmes lässt grüßen.

Hildibrand Final Fantasy XIV

Die dynamischen Events bzw. Fates hören sich auf dem Papier gut an, sind aber eher trocken gestaltet und reichen nicht ganz an das Niveau des Vorreiters in diesem Gebiet heran: Guild Wars 2. Manchmal vergisst man über das Schnetzeln, warum man jetzt gerade Mobspezies X vernichtet. Abwechslung bieten die Full Action Time Events dennoch.

Die epische Story-Line, die in großen Dimensionen daherkommt, kann darüber hinweg trösten. Wer mit Final Fantasy positive Erinnerungen verbindet, wird sofort bekannte Wesen und Völker wiedererkennen und kann sich an der nostalgisch geprägten Quest-Präsentation laben. Mich hat die durchgedrehte Geschichte in Eorzea gut unterhalten. Ein Mogry-Haar gibt es dennoch in der Suppe: Es wirkt merkwürdig, dass die Cut-Scenes nicht konsequent vertont worden sind.

Abwechslungsreiches und innovatives Klassen-System (10/10)

Statt zu twinken wird der Main-Char immer vielfältiger und interessanter. Es ist im Prinzip möglich alle Klassen und Job-Spezialisierungen auf einem Charakter zu spielen, vorausgesetzt man schaltet sie bei der jeweiligen Gilde frei. Praktisch: Mit nur einem Klick wechselt man komfortabel die Waffe und somit auch die Klasse.

Die zahlreichen Klassen-Kombinationen sorgen für Abwechslung und eine große Auswahl an unterschiedlichen Spielstilen. Das Klassen-System gilt zurecht als das Herzstück von Final Fantasy XIV: A Realm Reborn. Als problematisch erweist sich höchstens, dass die Levelmethoden einander irgendwann gleichen, weil mit zunehmender Anzahl der freigeschalteten Klassen auch der letzte alternative Questweg bereits abgegrast wurde. Dann bleiben nur noch FATEs, Gruppeninhalte und die Freibriefe, die wiederholbaren Quests, wenn keine Langeweile aufkommen soll.

FF XIV ARR Crafting

Ein weiteres Highlight ist das Handwerkssystem. Der Clou: Die Berufe sind quasi auch Klassen, mit eigenen Skills, die mit fortschreitendem Berufslevel zunehmen und über die Hotbar aktiviert werden. Die Parallelen gehen sogar noch weiter: Auch hier ist es notwendig, seine Werkzeuge, das Äquivalent zu den Waffen, stetig aufzuwerten. Genauso verhält es sich mit einer zum Beruf passenden Ausrüstung.

Das angestaubte Kampfsystem  (6,5/10).

Die lange globale Abklingzeit von 2,5 Sekunden, die für fast alle Skills gilt, ist gewöhnungsbedürftig. Zwar bessert sich das Spielgefühl im späteren Verlauf und mit meinem Level 50 Monk konnte ich den Cooldown sogar drücken. Es bleibt aber dabei, dass das halbrundenbasierte Tab-Kampfsystem nichts Neues bietet und in dieser Form auch schon vor 10 Jahren existieren hätte können, trotz der Synergieeffekte im Gruppenspiel. Spieler, die in letzter Zeit vermehrt mit einem aktiven Kampfsystem unterwegs waren und dieses schätzen gelernt haben, könnten unglücklich werden.

Solides Endgame mit imposanten Bossen, aber ohne Überraschungen – wenig PvP (8/10)

Das Endgame besteht hauptsächlich aus Dungeons und Raids in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Man arbeitet sich genreüblich über mehrere Instanzen in einer bestimmten Reihenfolge hoch und verbessert dabei seine Ausrüstung.

FFXIV: Verschlungenen Schatten von Bahamut

Die Bossmonster sehen spektakulär aus, überzeugen mit interessanten Mechaniken und bieten darüber hinaus eine packende Hintergrundgeschichte. Am Gipfel der Herausforderungen angelangt, wird dem Spieler dabei Movement und Taktikverständnis abverlangt. Der 8-Mann-Raid die “Verschlungenen Schatten von Bahamut ” ist aktuell das Höchste der Gefühle und ein Brocken, an dem sich selbst Hardcore-Spieler die Zähne ausbeißen. Lobenswert ist, dass es Square Enix beim Raid-Design gelingt, die Bedürfnisse verschiedener Spielergruppen zu erfüllen. Der Kristallturm bietet Platz für 24 Spieler und ist auch für Gelegenheitsspieler gut zugänglich, ohne dabei zu anspruchslos zu wirken. Final Fantasy setzt übrigens passend zum klassisch orientierten Gameplay auf die Holy-Trinity, bestehend aus Tank, Schadensausteiler und Heiler.

Außerhalb der Instanzen vertreibt man sich die Zeit mit dem Hochleveln der anderen Berufe und Klassen, geht mit Schatzkarten auf Schnitzeljagd und eifert täglichen Aufträgen nach, um seinen Ruf zu steigern. Positiv fällt auf, dass man mittlerweile auch in einem umfassenden Unterkunftssystem für Gilden Abwechslung findet. Ein weiteres Zeichen dafür, dass es sich bei Final Fantasy XIV: A Realm Reborn um ein komplettes MMORPG handelt.

Lediglich das PvP ist mit nur einer Arena, der Wolfshöhle, schmerzlich unterpräsentiert. Hier soll ein Update im Juli aber Abhilfe schaffen und eine neue PvP-Zone für bis zu 72 Spieler einführen.

Stetige Weiterentwicklung (10/10)

Es gibt ständig neuen Content, der eine klare künstlerisch Handschrift erkennen lässt und in die richtige Richtung zeigt. Als Spieler fühlt man sich in guten Händen.

Fazit

Auf der PS4 kann Final Fantasy XIV endlich so glänzen, wie es dem Spiel gebührt. Die Stärke des Games, neben den technischen Aspekten, ist die einzigartige Seele. Das Team unter Yoshida verfolgt ein künstlerisches Konzept, durch das sich FF XIV von vielen „Industrie“-MMOs klar unterscheidet.

Auch FF XIV ist nun kein MMO-Messias und besticht nicht gerade durch Innovationen. Dennoch ist es viel besser als nur solider Durchschnitt. Ja, es kratzt schon am Olymp. Vor allem für diejenigen, die eine PS4 besitzen und MMORPGs mögen, ist diese Version von FF XIV einen tiefen und sehnsüchtigen Blick, am besten sogar eine Testfahrt, wert.

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Oldschoola

Ich spiel(t)e FFXIV auf dem PC mit PS3-Controller und ich muss sagen, das es wunderbar funktioniert! Ich war mehr als überrascht, da ich es niemals für möglich gehalten hatte, ein so umfangreiches Online-RPG mit Gamepad so flüssig und ohne Frust spielen zu können. Meiner Ansicht nach auch einer der größten Pluspunkte des Games, denn wann hat man schonmal die Möglichkeit entspannt und halb liegend ein MMORPG am PC zu spielen. 🙂
Großes Lob das ist wirklich eine Seltenheit.

Wenn dann wirklich mal ein PVP-Update kommt, werde ich meinen lvl49 Tank sicher mal wieder zum Leben erwecken.

Dawid

Ja, die Steuerung ist echt gelungen. Bisher habe ich 2 MMORPGs mit dem Controller gespielt: Tera und FF XIV. Tera war schon relativ gut, aber Final Fantasy macht es noch besser. Zum einen gibt es mehr unterstützende Features und zum anderen ist das Kampfsystem besser darauf abgestimmt.

Nächsten Monat kommt übrigens ein großes PvP Update, ein Schlachtfeld für bis zu 72 Spieler. Bin schon gespannt!

Oldschoola

Klingt auf jeden Fall vielversprechend. Lassen wir uns mal überraschen.

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