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Devilian Devilian im Test – Ein Diablo als MMORPG

PC

Ein Mix aus MMORPG und Hack ‘n Slay? Könnte Devilian das Spiel werden, das die nächste Evolutionsstufe von Diablo einläutet? Auf diese Frage und inwieweit sich das innovative Konzept im Spielspaß niederschlägt, soll euch unser Test zum Online-Spiel verraten. 

Mit der Diablo-Serie habe ich gefühlt Jahre verbracht, mich durch die zufallsgenerierten Landschaften und Dungeons gekämpft – alleine oder Seite an der Seite mit guten Freunden. Wir haben Horden an Monstern bekämpft, Tonnen an Items gesammelt und dabei jede Menge Spaß gehabt. Und doch blieb immer noch ein kleiner Wunsch offen. Wäre es nicht cool, wenn man das Konzept von Diablo in ein MMORPG übertragen könnte? Genau das versprach Devilian von Trion Worlds, weswegen ich mich voller Vorfreude in die Kämpfe gestürzt habe.

Devilian Hack and Slay MMMORPG

Ob die Mischung zwischen Hack and Slay und MMORPG funktioniert?

Diablo als MMORPG?

Devilian spielt in einer düsteren Fantasywelt, welche vom Chaos bedroht wird. Finstere Kreaturen verbreiten Angst und Schrecken. Man selbst spielt einen sogenannten Devilian, Halb-Mensch und Halb-Teufel, der zwischen diesen beiden Formen wechseln kann und es so mit der sich ausbreitenden Finsternis aufnimmt.

Wie sich das für ein MMORPG gehört, erstellt man zunächst einen Helden. Dazu stehen die Klassen Berserker, Kanonierin, Beschwörerin und Schattenjäger zur Verfügung. Wie man sieht, sind die Klassen an Geschlechter gebunden. Jede Klasse verfügt über andere Fähigkeiten. Während der Berserker mehr der Tank ist, stellt die Beschwörerin einen Damage Dealer dar. Dies ist für eine effektive Gruppenzusammenstellung nützlich.

Devilian Gruppenspiel Dungeon

Im Gruppenspiel können mehrere Rollen eingenommen werden

Gespielt wird aus einer Diablo-ähnlichen, isometrischen Perspektive, in welcher ihr euren Helden über die großen Landschaften führt. Hier offenbart sich schon der erste Unterschied zu anderen Hack ‘n Slays. Der Held wird standardmäßig wie in einem MMORPG per WASD-Tasten gelenkt. Die Maus nutzt man zum Zielen. Wer Diablo gewöhnt ist, muss sich etwas umstellen, was aber recht schnell geht. Alternativ kann man auch eine Klicken-um-zu-Laufen-Steuerung aktivieren, wodurch sich jedoch das Zielen etwas schwerer gestaltet.

Devilian Dualist

Metzeln in Devilian ganz wie bei Diablo – wahlweise mit RPG-Steuerung!

Schon in den ersten Minuten offenbart sich die Ähnlichkeit zu Diablo. Auf dem Weg durch die wundersamen Orte kämpft man sich durch Horden, geradezu Legionen an Monstern, sammelt Beute ein und steigt auf, wodurch man den Helden in drei verschiedenen Skilltrees verbessern darf.

Der Held als Teufel

Die einzelnen Skills beschreiben, in welche Richtung sich der Recke entwickeln soll. Ein Berserker kann beispielsweise auf schnelle Angriffe, Feuerschaden oder Sprungattacken setzen. Es ist möglich, sich in eine Richtung zu spezialisieren oder die Skillpunkte zu verteilen, um einen Allrounder zu erschaffen. Ein Respec, also die Neuverteilung von Punkten, ist ebenfalls möglich, sodass man an sicheren Orten auch andere Build ausprobieren kann. Neue Skills führen zu immer neuen Angriffsarten, die einem in den vielen Kämpfen zugute kommen. Jeder Held verfügt zudem über eine Teufelsform, in der man für einen kurzen Zeitraum besonders mächtig ist. Um diese Form freizuschalten, sammelt ihr im Spiel Teufelsseelen ein. Wer genug gesammelt hat, darf sich verwandeln und für noch mehr Zerstörung sorgen.

Devilian Shadowhunter Devilforn

Mit der Teufelsform kommen zusätzliche Superkräfte zum Vorschein

In der Spielwelt verteilt existieren Dörfer und andere sichere Orte, an denen man sich mit anderen Spielern treffen und zusammenschließen kann oder wo ihr Ausrüstung kaufen und verkaufen dürft. Ausrüstung ist dabei ebenso wichtig, wie Skills zu verbessern – ganz so, wie man dies auch aus Diablo kennt.

An den sicheren Orten erhält man zudem jede Menge Quests, welche einen quer durch die Spielwelt zu finsteren Wäldern, uralten Ruinen und anderen mysteriösen Orten führen, an denen jede Menge Herausforderungen auf euch warten. Unter anderem in der Form von gewaltigen Bossgegnern, die man am besten in der Gruppe besiegen kann.

Devilian Dungeon

Die Dungeons nutzen relativ schnell ab

Allerdings zeigt sich schnell ein entscheidender Nachteil gegenüber Diablo. Die Welt ist nicht zufallsgeneriert. Alle Dungeons und Orte sind zwar liebevoll von Hand gestaltet und machen einen hervorragenden Eindruck, allerdings gehört es mit zum Reiz eines Diablo, bei jedem Spiel neue Orte erkunden zu können. Dies sorgt für Abwechslung, Überraschung und einen erhöhten Wiederspielwert. Dies fehlt bei Devilian. Auch die Unmengen an Loot eines Diablo sucht man vergeblich. Zwar gibt es auch in Devilian jede Menge Beute, doch hier hat Diablo einfach mehr zu bieten.

PvP und Karten

PvP findet in Devilian an vordefinierten Orten statt. Beispielsweise müssen in einem Gebiet Kontrollpunkte eingenommen und gehalten werden, was zu großen Gefechten mit anderen Spielern führt. Auf manchen Maps kämpfen 20 Spieler gegen 20 Mitspieler, auf anderen sind es nur drei gegen drei. Offenes PvP in der Spielwelt gibt es nicht. Hier ist kooperatives PvE angesagt, um es mit den Horden an Monstern und den gefährlichen Bossgegnern aufnehmen zu können. Natürlich ist es auch möglich, Gilden zu gründen und an Gildenkriegen teilzunehmen. Tägliche, wiederholbare Quests bringen zudem das Gefühl mit sich, ein MMORPG zu spielen.

devilian talisman

Mit Talismanen lässt sich der Charakter weiter individualisieren

Eine kleine Besonderheit bringen die Karten beziehungsweise Talismane ins Spiel. Diese Karten bringen einen Boost für bestimmte Fähigkeiten mit sich und können auch kombiniert werden. Talismane existieren in verschiedenen Qualitäten und können zudem verbessert werden. Die Karten dürft ihr entweder selbst craften oder in speziellen Kisten finden. Durch das Talisman-System kommt ein wenig das Gefühl eines Sammelkartenspiels auf, da man immer auf der Jagd nach noch besseren Karten ist, um seinen Helden noch weiter zu verbessern.

Optisch kann Devilian durchaus überzeugen – sofern einen der Anime-Stil nicht stört. Man merkt dem Spiel an, dass es aus asiatischen Gefilden stammt. Zoomt man beispielsweise näher an seinen Helden heran, so sieht man – zumindest die weiblichen Vertreter – doch sehr freizügig dargestellt.

Die Landschaften wirken düster, die Monster bedrohlich und die Effekte wie Feuerzauber durchaus überzeugend. Hier stimmt die Atmosphäre. Wer eine Ähnlichkeit zum MMORPG TERA feststellt, der liegt sogar richtig. Denn Devilian stammt ebenfalls von Blue Hole und die Entwickler verwendeten sogar einige Assets aus dem bekannten Online-RPG – beispielsweise vom Volk der Elin.

Devilian Grafik Klassen

Ein bisschen TERA findet sich auch immer wieder in Devilian wieder

Andreas meint:

Devilian ist nicht ganz das geworden, was ich mir erhofft hatte. Und das liegt vor allem daran, dass sich das Spielprinzip schnell abnutzt. Das mag man vielleicht auch über ein Diablo sagen, allerdings hat Blizzards Hack ‘n Slay einen entscheidenden Vorteil, der im direkten Vergleich mit Devilian stark zum Vorschein tritt: Das Zufallsprinzip. In Devilian stapfe ich durch die immer gleichen Gebiete und Dungeons, während in Diablo jede Spielsession anders verläuft.

Auch in Sachen Loot hätte ich mir irgendwie etwas mehr gewünscht. Dafür überzeugen die Kämpfe, die vielen Aufgaben und die Möglichkeiten, seinen Helden zu verbessern. Auch, dass ich mich in eine Art Dämon verwandeln kann, ist cool. Und doch: Irgendwie ist nach einer Weile einfach die Luft raus. Es fehlt die Abwechslung, das Unerwartete, das, was mich einfach dazu motiviert, länger spielen zu wollen und vor den Monitor fesselt. Das macht Devilian aber nicht zu einem schlechten Spiel, denn zwischendurch vermöble ich noch immer gern Horden an Monstern.

Pro

  • Gelungene Atmosphäre
  • Viele Quests und Aufgaben
  • Gelungener Mix aus Hack 'n Slay und MMORPG
  • Teufelsform ist eine interessante Idee
  • Kartenspiel ist eine nette Abwechslung

Contra

  • Landschaften nicht zufallsgeneriert
  • Mehr Loot hätte gut getan
  • Asia-Stil ist nicht jedermanns Sache
  • Auf Dauer fehlt die Abwechslung
7

Gut

Andreas Bertits blickt auf über 10 Jahre Berufserfahrung im Gaming-Journalismus zurück. Er war 6 Jahre Redakteur des Spielemagazins PC Games, bevor er sich selbstständig machte und ist nach wie vor leidenschaftlicher Gamer.