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Destiny - Chillen auf dem Mond

Destiny: Aus dem Leben eines Feierabend-Hüters

Bis dass die Zwangstrennung uns scheidet

Destiny ist ein Erfolg, Millionen spielen es, quer durch Generationen hindurch. Aber es gilt auch als Zeitfresser. Wie kann man Destiny und Familie unter einen Hut bringen und auch noch damit klar kommen, dass man nicht mehr der allerjüngste ist? Einer unserer Leser hat eine köstliche Kolumne zu genau diesen Themen geschrieben.

Ich mag Destiny. Und ich spiele es fast seit dem Release (kann man das genaue Startdatum eigentlich irgendwo nachschauen?) irgendwann im September oder Oktober. Zuerst auf der PS3, dann auf der PS4. In dieser Zeit habe ich es auf die wahnwitzige Spielzeit (von Hand nachgerechnet) von zehn Tagen, zwölf Stunden und 15 Minuten (10T12S15M) gebracht, also rund 250 Stunden. Mit drei Hütern.

Diese – im Destiny-Durchschnitt – recht mickrige Spielzeit hat einen ganz einfachen Grund: Ich bin ein Feierabend-Hüter mit Familie. Jede einzelne Stunde auf dem Turm, im Raumschiff und natürlich auf meinen Lieblingsspielplätzen Erde, Mond, Venus, Mars und Riff ist hart erkämpft und irgendwie dazwischen geschoben.

Wenn’s Eheweib zu Omnigul wird … ist Destiny-Zeit

Nun ist ja unser allseits geliebtes Spiel nicht gerade kinderfreundlich. Klar, Aliens abknallen ist wichtig und das muss ja auch jemand machen. Aber erklärt mal einem Vierjährigen, warum der Papa wie ein wildgewordener mit Raketenwerfer (nein, das Teil, dessen Namen man nicht aussprechen soll, habe ich natürlich nicht!) auf gar fürchterliche Gestalten ballert. Was also bleibt? Man spielt am Abend, wenn die Kids im Bett sind und das geliebte Eheweib mit rollenden Augen die Flucht ergriffen hat. Der Blick ist fast der gleiche wie der von Omnigul. Zum Glück schreit sie nicht so…

Destiny-Omnigul

Na ja, in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann wieder beruhigt, drücke ich also erwartungsfroh meine PS-Taste und erfreue mich am bläulichen Schimmer der zum Leben erwachenden PS4. Nach dem obligatorischen Abstecher in den Turm oder ins Riff geht es (mal wieder) ans Beutezüge machen. Irgendwann müsste ich mal meine ganzen Exo-Waffen und Rüstungen leveln. Roter Tod kann noch nicht heilen, beim Nachtfalkenhelm ist „Großwild“ noch nicht gelevelt und so geht es grad weiter.

War das Sprung-Ding an dieser Stelle schon immer so, oder …?

Nach und nach füllt sich die Freundesliste und wir schaffen es tatsächlich, sechs Mann für Atheon zusammen zu kratzen. Bis zur Exo-Kiste läuft alles glatt. Dann geht’s mal wieder ans Wände hoch hüpfen. Und ich versemmel es wie immer. Hü-hüpf – hü-hüpf! Ich komme mir vor wie Flip. Für die Junghüter unter uns: Das ist der Grashüpfer aus Biene Maja – so ‘ne Kindersendung im Fernsehen von annodunnemal. Noch richtig gezeichnet, nicht so computeranimiertes Zeug wie heute.

Destiny-Arkan

Aber ich schweife ab. Fünf Mann warten an der Exo-Kiste und was macht der Rentner-Warlock? Genau. Hü-hüpf! Aber meine Clangefährten haben Mitleid. Zumindest die, die sich nicht totgelacht haben und mit Schnappatmung in ihrem Wohnzimmer liegen. Einer hat meine „Bemühungen“ sogar mit seinem Handy gefilmt und in die Clan-WhatsApp-Gruppe gestellt …

Aber: Zu zweit kommen sie zurück und erklären mir den Weg (den ich eigentlich schon kenne, aber nur mal wieder zu blöd bin, richtig zu hüpfen). „Guck mal, Opa, jetzt springst du hier hin (schießt mit der Schicksalsbringer – nein, ich habe sie nicht!). Sehr gut. Und jetzt da hin! (Schuss!).“ Puh geschafft. Endlich an der Exo-Kiste. Und während der Kollege das Knallerhörnchen raus zieht, gibt’s für Papa – Bruchstücke. Na, die halbe Stunde hüpfen hat sich ja gelohnt.

Beim Templer gibt‘s auch nur Müll und bei Atheon sind wir zu viele N00bs und die, die den Raid schon geschafft haben, können uns da dann nicht mehr aus der Bredouille helfen. Also, lassen wir’s gut sein. War trotzdem ein schöner Abend. Vor allem für die anderen. Hü-hüpf. Was haben wir gelacht…

Atheon-Glas.-Destiny

Wenn der Kleine während Atheon aufs Klo muss, wird Papa auf einmal nützlich

Anderes Beispiel eines gelungenen Destiny-Abends: Naja, eigentlich ist es ja schon Nacht. So kurz nach halb zwei oder so. Mit zwei Jungs aus dem Clan (so jungforschen Dingern) wage ich mich zum ersten Mal ins 34er-Gefängnis. „Das ist doch kein Problem. Da ziehen wir dich geschwind durch.“ Ich gebe mein Bestes. Und ich mache das, was ich am besten kann: sterben! Und langsam merken die zwei, dass es doch ein Problem ist, wenn man mehr mit Wiederbeleben beschäftigt ist als mit Gegner killen.

Aber die Rettung naht. Und zwar in Form meines Vierjährigen. „Papa, ich muss auf’s Klo!“ Während ich noch, „na, dann geh halt!“, denke, verabschiede ich mich kurz und verarzte den Lütten. Bis der wieder im Bett liegt und ich auf dem Sofa sitze, reicht es mir gerade noch, zur Schatztruhe zu hüpfen, bevor die Zeit rum ist.

In der Party höre ich nur komische, röchelnde Geräusche. Und Schnappatmung. „So leicht war der Endgegner noch nie“, kann ich mühsam zwischen vielen, vielen Lachanfällen heraus hören. Des Rätsels Lösung? „Wir haben dich einfach in die Mitte geschoben und die ganzen Ads haben nur auf dich geballert. Dann haben wir dich ab und zu wiederbelebt und das war’s auch schon!“ Da sieht man mal, wie nützlich ich doch sein kann, wenn ich einfach das mache, was ich kann. In Schönheit sterben…

Destiny Artwork Niederlage

Ein goldener Abend in Destiny

Aber es gibt sie doch auch, die schönen Moment. Wie der, wenn man dann wirklich zum ersten Mal dabei ist, wenn Atheon gelegt wird (gut, Monate später als der Rest, aber was soll’s?) und dabei nicht mal allzu negativ auffällt. Und wenn man dann dafür sogar belohnt wird: Die Schicksalsbringer beim Templer, Vision of Confluence und Vex Mythoclast bei Atheon und das alles in einem Durchgang. Jetzt brauche ich nur noch Ätherisches Licht ohne Ende, um die ganzen Waffen auf 365 zu bringen. Aber da habe ich ja jetzt Übung drin. Im 34er stirbt keiner schöner und nützlicher als ich.

Und dann kommen wieder die Hassmomente, wenn unser geliebtes Game mal wieder laggt oder man sich in irgendwelchen Strikes, Nightfalls und ähnlichem durchkämpft und dann pünktlich um kurz nach halb drei nachts von der Zwangstrennung aus dem Spiel gekickt zu werden. Also gut, dann halt doch ins Bett.

Destiny-Blend

Drei Stunden Schlaf reichen völlig. Ich weiß nur noch nicht, wofür. Ich bin müde – und ich fühle mich so alt, wie ich mittlerweile wohl auch bin. Zeit, der Realität ins Auge zu sehen? Ach was, vergiss es! Morgen geht es weiter. Schließlich bin sogar ich lernfähig. Und seit dem neuen Fernseher mit vernünftig eingestellter Helligkeit klappt es sogar, das Loch bei der Exo-Kiste zu treffen.


Dieser amüsante Gastbeitrag stammt von unserem Leser Bernd Mutschler. Und Nein, es sieht nicht so aus, als hätte er inzwischen die Ihr-wisst-schon-was bekommen.

Dieser Beitrag stammt von einem Gastautor, der nicht zur Redaktion von Mein MMO gehört. Wenn du auch Interesse hast, einen Gastartikel zu verfassen, dann kontaktiere uns über das Kontaktformular.